Autor Thema: Antibiotika  (Gelesen 27423 mal)

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Sissi

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MRSA Keime in Krankenhäuser: Lebensgefahr!
« Antwort #25 am: 19. Mai 2010, 16:48 »

http://www.3sat.de/page/?source=/nano/medizin/143165/index.html

MRSA
  MRSA-Patienten werden in einigen Krankenhäusern gezielt isoliert
Kampf den Keimen
MRSA-Keime sind resistent gegen Antibiotika
Im Amphia-Hospital im holländischen Breda werden alle Patienten, die unter Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) leiden, isoliert. Sie gehen in einen Raum mit Unterdruckschleuse und strenger Zutrittskontrolle. "Wir isolieren alle Patienten, die MRSA haben, auch jene, bei denen wir ein erhöhtes Risiko vermuten, etwa wenn sie im Ausland im Krankenhaus waren", erklärt der Mikrobiologe Jan Kluytmans vom Amphia-Hospital. "Wenn jemand etwa nach einem Skiunfall in einer französischen Klinik war und danach zu uns kommt, wird zunächst getestet, ob er MRSA hat. Ist der Test negativ wird er aus der Quarantäne befreit, ist er positiv, muss er drin bleiben."

Die Ärzte machen bei den Patienten einen Nasenabstrich, der mit einem schnellen Gentest kontrolliert wird. Nach anderthalb Stunden bekommen die Ärzte das Ergebnis und die Patienten dürfen den Isolationsraum verlassen.

"MRSA wird nicht nur von den Kranken übertragen, sondern auch von vielen anderen, die den Keim nur in sich tragen", sagt Kluytmans. "Die meisten Länder machen den Fehler, dass sie sich nur auf die Kranken konzentrieren. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wenn man die MRSA-Träger nicht aktiv sucht und ebenso kontrolliert behandelt, kann man das Problem nicht beherrschen."

Uniklinik Münster hat resistente Keime halbiert   Mit einem Nasenabstrich lassen sich die multiresistenten Keime feststellen Von 2005 auf 2007 hat das Uniklinikum Münster nach dem Vorbild der Niederlande die Rate der MRSA-Erreger halbiert: Die Ärzte gaben keine Antibiotika bei harmlosen Erkrankungen, sondern setzten auf umfangreiche Hygiene-Maßnahmen. Außerdem untersuchten sie ihre 40.000 Patienten im Jahr per Nasenabstrich auf MRSA - positiv Getestete werden strikt isoliert. "Die Kosten für ein Screening liegen bis zu 1000-fach niedriger als Folgekosten, die durch Infektionen entstehen", sagt Dr. Alexander Friedrich.

Dennoch investieren viele Krankenhauschefs nicht in Hygiene, weiß Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V.: "Nach einem Vortrag in einer Klinik kamen fünf Mitarbeiter zu mir und teilten mir mit, sie würden meinen Standpunkt teilen, aber wenn sie etwas gesagt hätten, liefen sie Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren."

"In Deutschland kriegt fast jeder, der zum Beispiel einen Schnupfen hat, von seinem Hausarzt ein Antibiotikum mit nach Hause", sagt Dr. Ron Hendrix vom niederländischen Laboratorium für Mikrobiologie Twente Achterhoek. "Wir haben kein Problem mit MRSA und auch nicht mit anderen multiresistenten Keimen, die es ja auch in Deutschland gibt, weil wir fast keine Antibiotika an Patienten verschreiben." In Großbritannien sind MRSA meldepflichtig, so dass jeder im Internet nachsehen kann, wie stark ein Krankenhaus betroffen ist
Multiresistente Keime in Krankenhäusern Kupfer tötet Krankheitserreger, die gegen Antibiotika resistent sind, nach kurzer Zeit ab. Das haben Wissenschaftler in einem Feldversuch an der Asklepios-Klinik Wandsbek in Hamburg herausgefunden. Die Ergebnisse haben nach Angaben der Klinik und der begleitenden Forscher der Uni Halle-Wittenberg "signifikant geringere Überlebenschancen" von Mikroben auf Kupfer-Oberflächen gezeigt. Türgriffe, Lichtschalter und Türöffner der Klinik waren vier Monate mit dem Metall ausgestattet.

"Der Kampf gegen hochresistente Erreger ist mit den bisherigen Mitteln wie dem Einsatz immer neuer Antibiotika und intensiver Desinfektionsmaßnahmen nicht zu gewinnen", erläutert Prof. Jörg Braun von der Asklepios-Klinik Wandsbek in Hamburg. "Wir müssen neue Wege gehen, um das Gefahrenpotential für unsere Patienten zu reduzieren." "Wissenschaftliche Untersuchungen von mehreren unabhängigen Arbeitsgruppen zeigen zweifelsfrei, dass Kupfer-Oberflächen effizient Bakterien und andere Keime abtöten können", bestätigt auch Prof. Dietrich Nies, Direktor des Instituts für Biologie an der Universität Halle-Wittenberg. Kupfer galt schon in der griechischen Antike als stark antimikrobiell.

Um die Verbreitung der Keime des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) zu unterbinden, herrscht in Krankenhäusern absolute Hände- und Kleider-Hygiene. Trotzdem verbreitet er sich schnell und ist resisitent gegen Antibiotika. Nicht nur von Hand zu Hand sondern auch durch das Berühren von Klinken und Schaltern werden die Keime übertragen.

Viele Infektionen im Krankenhaus erworben In deutschen Krankenhäusern treten nach Schätzungen jedes Jahr mehr als 500.000 Infektionen auf, die in den Kliniken erworben wurden. Europaweit sind es nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) drei Millionen Fälle im Jahr. 50.000 dieser Erkrankungen verlaufen den Informationen zufolge tödlich. Eine besonders große Gefahr geht dabei von MRSA aus. Neben der zum Teil lebensbedrohlichen Gefahr für die Patienten komme noch ein enormer wirtschaftlicher Schaden hinzu, der allein in Deutschland in die Milliarden gehen dürfte, erklärten die Asklepios-Kliniken.

In den USA rufen Krankenhausinfektionen laut Angaben der "Centers for Disease Control" (CDC) Kosten von mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar hervor. In Großbritannien schätzt der National Health Service (NHS) die zusätzlichen Kosten auf eine Milliarde Pfund jährlich. Patienten, die sich in der Klinik mit MRSA infizieren, liegen nach Schätzungen im Durchschnitt bis zu vier Tage länger im Krankenbett und verursachen Mehrkosten von 4000 Euro, in Einzelfällen sogar bis zu 20.000 Euro, wie das Asklepios-Krankenhaus mitteilte. Zu den häufigsten Komplikationen geschwächter Patienten nach einer MRSA-Infektion zählen Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Harnwegsinfektionen

Sissi

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Fr. in 3 SAT: Das Imperium der Viren (2/2)
« Antwort #26 am: 19. Mai 2010, 16:57 »

Seitenanfang20:15
Stille Killer
Das Imperium der Viren (2/2)
Film von Petra Höfer, Freddie Röckenhaus
und Francesca D'Amicis

Biowaffen-Experten wie der Amerikaner C. J. Peters und der Exil-Russe Serguei Popov halten es für denkbar, dass Viren in nächster Zukunft für Terroranschläge benutzt werden. Die Wissenschaftler des Berliner Robert-Koch-Instituts haben ein solches Szenario bis zur Pandemie ...
(ARD/RB/WDR)
Biowaffen-Experten wie der Amerikaner C. J. Peters und der Exil-Russe Serguei Popov halten es für denkbar, dass Viren in nächster Zukunft für Terroranschläge benutzt werden. Die Wissenschaftler des Berliner Robert-Koch-Instituts haben ein solches Szenario bis zur Pandemie durchgespielt: Bei einem internationalen Kongress in Berlin gelingt es Terroristen, die Servietten am Büfett des Abschlussempfangs mit Pockenviren zu kontaminieren. Pocken gelten, als einzige Virenart, offiziell als ausgerottet. Deshalb sind nur noch die älteren Jahrgänge gegen Pocken durch Impfung geschützt. Bei dem Berliner Anschlag werden unter anderem der New Yorker Virologe James Baldrin und die Dortmunder Medizin-Studentin Sammie Mahale angesteckt. Wenige Tage nach dem Anschlag ist die Welt in Panik. In 37 Ländern brechen Pocken-Epidemien aus. Fakt ist, dass in Zeiten des Kalten Kriegs die Sowjetunion und die USA auch im Bereich der biologischen Kriegsführung mit Viren aufrüsteten. Offiziell wurden die riesigen Bestände aus den Laboren der Supermächte großteils vernichtet. Virologen wie Serguei Popov aber, der selbst an der Produktion von Biowaffen beteiligt war, glauben, dass in der Zeit des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes alles zu Geld gemacht wurde. Auch Bestände von Pockenviren. In wessen Händen sie heute sind, kann niemand sagen. Bei jedem Ausbruch von neuen Virenerkrankungen, wie etwa Ebola oder Marburg, befürchten Experten, dass Terrorgruppen sich von erkrankten Patienten in Afrika die Keime besorgen und sie anschließend synthetisch vermehren könnten - wie es die russischen Labors bereits vor 20 Jahren taten. Wissenschaftler wie der Brasilianer Luiz Pereira, der Amerikaner Nathan Wolfe und der Franzose Xavier Pourrut forschen in den Regenwäldern von Südamerika, Asien und Afrika nach den möglichen nächsten Killer-Viren - unbekannten Viren, die bald von Tieren auf Menschen überspringen könnten.
Die zweite Folge der zweiteiligen Dokumentation "Das Imperium der Viren" begleitet die Forscher auf ihrer Reise.

"Das Imperium der Viren" ist der letzte Beitrag aus der 3sat-Themenwoche "Stille Killer", die 3sat von Mittwoch, 17. bis zum Freitag, 21. Mai zeigt.

hilde

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Re: Antibiotika
« Antwort #27 am: 31. Juli 2010, 01:32 »
Sommererkältung Nicht gleich zu Antibiotikum greifen
23. Juli 2010, 09:44

Einsatz von Antibiotika genauer überprüfen

http://derstandard.at/1277338759427/Sommererkaeltung-Nicht-gleich-zu-Antibiotikum-greifen

Frankfurt/Main - Auch in der warmen Jahreszeit kommt es nicht selten zu Erkältungen, zum Beispiel durch den Wechsel von heißen Außentemperaturen in Räume mit zu kalt eingestellter Klimaanlage. "Wenn man an einem grippalen Infekt erkrankt, sollte man genau prüfen, ob der Einsatz von Antibiotika sinnvoll ist", empfiehlt Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). "Antibiotika helfen nur bei Entzündungen, die durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen wurden. Gegen Virusinfektionen sind sie machtlos."

Viral oder bakteriell?

Entzündungen der Bronchien (Bronchitis) werden meist durch Viren verursacht. Auch bei grippalen Infekten oder gar einer Infektion mit Grippeviren bleiben Antibiotika wirkungslos. Gegen eine virale Infektion der Atemwege helfen nur spezielle Medikamente - sogenannte Virustatika - oder eine vorbeugende Impfung. "Werden in solchen Fällen trotzdem Antibiotika eingesetzt, kann dies mehr schaden als nutzen", erklärt Wesiack.

Typisch für eine virale Infektion der Atemwege ist, wenn

Geri

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Antibiotika: NDM-1-Resistenzen
« Antwort #28 am: 16. August 2010, 22:06 »
Montag, 16. August 2010

NDM-1-Resistenzen: Vier Fälle in Deutschland

dpa

Berlin/Atlanta – Die von britischen Mikrobiologen in der letzten Woche gemeldeten NDM-1-Resistenzen sind offenbar keine Einzelfälle. Erkrankungen hat es auch in den USA, in Australien und in Deutschland gegeben. Belgische Medien melden einen Todesfall. Eine außergewöhnliche Bedrohung sehen die Gesundheitsbehörden jedoch nicht.

Carbapeneme (Imipenem, Meropenem, Doripenem und Ertapenem) sind potente Beta-Laktam-Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum und bisher geringen Resistenzraten. Sie blieben auch häufig wirksam gegen Erreger mit einer Beta-Laktam-Resistenz. Diese Bakterien spalten mit einem Enzym, der Beta-Laktamase, den beta-Laktam-Ring, der ein gemeinsamer Bestandteil einer Reihe von Antibiotika ist.

Zu diesen Beta-Laktam-Antibiotika gehören Penicilline, Cephalosporine und Carbepeneme. Zunächst vermochten die Beta-Laktamasen der Bakterien nur Penicilline auszuschalten. Seit einiger Zeit werden auch Resistenzen gegen Cephalosporine häufiger. Betroffen war vor allem der indische Subkontinent.

Dort stieg deshalb der Einsatz von Carbapenemen, heißt es in einer Publikation der britischen Health Protection Agency (HPA). Carbapenemen waren auch gegen Bakterien mit einer “extended-spectrum” Beta-Laktamase wirksam.

Der dadurch aufgebaute Selektionsdruck dürfte das Auftreten der NDM-1-Resistenz (New-Delhi Metallo-Beta-Laktamase) erklären. Sie wurde zuerst bei einem schwedischen Patienten entdeckt, der nach einer Behandlung in einer Klinik in Neu Delhi repatriiert wurde.

In Großbritannien, wo infolge der Kolonialgeschichte enge Beziehungen nach Indien und Pakistan bestehen, wurden vier Isolate aus dem Jahr 2008 entdeckt. Im Folgejahre stieg die Zahl auf 37 Isolate. Inzwischen sollen es Pressemeldungen zufolge etwa 50 Isolate sein.

zum Thema

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/42366/NDM-1-Resistenzen_Vier_Faelle_in_Deutschland.htm

    * Pressemitteilung des RKI
    * Fragen und Antworten zu NDM-1
    * Übersicht zu Beta-Laktamasen
    * PDF des MMWR
    * HPA-Warnung aus 2009
    * Antibiotikaresistenz Surveillance Deutschland
    * Nationales Referenzzentrum für Gram-negative Krankenhauserreger
    * Bericht in Le Soir

Die US-Centers for Disease Control and Prevention in den USA berichteten im Juni in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2010; 59: 750) über drei positive Isolate aus drei unterschiedlichen US-Staaten. Ende der Woche berichtete die belgische Zeitung Le Soir von einem ersten Todesfall.

Auch in Deutschland sind vier Fälle aufgetreten. Sie gingen der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) ins Netz, die das Robert Koch Institut (RKI) in den letzten drei Jahren aufgebaut hat. Das ARS ist nicht umfassend. Das RKI schätzt aber, dass NDM-1 in Deutschland insgesamt noch sehr selten auftreten.

Dies dürfte mit dem Übertragungsmodus zusammenhängen. Viele Patienten haben sich in Indien oder Pakistan angesteckt, wo NDM-1-Keime nach einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2010; doi: 10.1016/S1473- 3099(10)70143-2) inzwischen endemisch sind. Die Befragung der Patienten ergab, dass viele sich chirurgischen Eingriffen unterzogen hatten, die auf dem indischen Subkontinent zu sehr günstigen Preisen angeboten werden. Dieser Medizintourismus hat sich offenbar in den letzten Jahren stark ausgeweitet.

Angeboten werden neben kosmetischen und zahnmedizinischen Eingriffen auch größere elektive Operationen bis hin zur Versorgung mit einer Hüft-Endoprothese. Attraktiv sind die Operationen für Menschen ohne ausreichenden Versicherungsschutz, was in Deutschland eher selten vorkommt.

Resistenzen sind in den Industrieländern an sich keine neue Bedrohung. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind seit langem verbreitet und Ursache für eine schwere zu beziffernde, aber sicherlich erhebliche Zahl von Todesfällen. Die Ausbreitung von Resistenzen vollzieht sich in der Regel nicht explosiv, sondern allmählich.

Es wird deshalb keine NMD-1-Epidemie vergleichbar SARS oder auch der jährlichen Grippe erwartet. Es ist allerdings möglich, dass sich die Resistenz auf weitere Keime ausdehnt, da ihre Erbinformation auf Plasmiden außerhalb der Chromosomen abgelegt ist. Es ist deshalb nicht ausschließen, dass die NDM-1-Resistenz, die bisher nur bei E. coli und Klebsiella pneumoniae nachgewiesen wurde, auf andere Spezies überspringt. © rme/aerzteblatt.de
« Letzte Änderung: 16. August 2010, 22:07 von Geri »

Josef

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NDM-1 Bakterium
« Antwort #29 am: 17. August 2010, 17:19 »
Super-Bakterien sorgen für Beunruhigung

    * Hauptartikel
    * Hintergrund

Ihre Bekämpfung ist nicht unmöglich, aber auch nicht einfach. Wichtig ist ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika.

Für große Verunsicherung sorgen derzeit sogenannte "Super-Bakterien", die gegen die meisten Antibiotika resistent sind. Ausgehend von Indien und Pakistan tauchen weltweit immer mehr Fälle auf. In Belgien starb zuletzt ein Mann, der sich in Pakistan infiziert hat. Er hatte sich nach einem Autounfall im Spital behandeln lassen. Der KURIER ging den wichtigsten Fragen nach:

Sind diese angeblichen "Super-Bakterien" tatsächlich neue "Killer-Organismen"?

"Es handelt sich um ganz normale Darmbakterien", sagt Univ.-Prof. Franz Allerberger, Leiter der Abteilung Humanmedizin der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit). Durch eine spezielle Mutation enthält ihr Erbmaterial aber jetzt ein Gen, das ein Enzym namens NDM-1 (steht für Neu-Delhi-Metallo-Beta-Laktamase) produziert. Dieses Enzym macht nicht nur herkömmliche Antibiotika wirkungslos, sondern auch die sogenannten Carbapeneme. Das sind Reserveantibiotika, die nur dann eingesetzt werden, wenn herkömmliche Präparate nicht mehr wirken.

Werden diese Bakterien auch in Österreich auftreten?
"In Österreich gibt es derzeit keine Gefahr, außer ein Patient importiert die Bakterien aus dem Ausland", sagt sagt Univ.-Prof. Wolfgang Graninger von der MedUni Wien. "Bis jetzt sind genau diese Bakterien noch nicht nachgewiesen worden, aber das kann sich jeden Tag ändern", sagt Allerberger. "Das ist nur eine Frage von Wochen, eventuell Monaten. Es gab aber auch schon bei uns vereinzelt Infektionen mit Bakterien mit ähnlichen Enzymen, die ebenfalls die Carbapeneme wirkungslos machen - es sind geschätzt fünf bis sechs derartige Infektionen jährlich. Das einzig Neue ist jetzt nur der Mechanismus, wie die Resistenz entsteht. Für den Patienten und den Arzt macht das aber keinen Unterschied. Grundsätzlich werden wir mit diesen Bakterien leben müssen."

    * » Hintergrund: "Super-Bakterium": Erster Toter in Europa

Kann sich jeder Mensch mit diesen Erregern infizieren?
Die Hauptinfektionsquelle derzeit sind offenbar Spitäler in Bangladesch, Indien und Pakistan. "Man muss nicht die Patienten warnen, sondern die Spitäler. Sie müssen vorsichtig sein, wenn sie Patienten aus dem Ausland aufnehmen", sagt Graninger. "Das Wesentliche ist die Hygiene im Spital und ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika. "

Ist jeder Mensch gleich anfällig?
"Resistente Bakterien machen gesunde Menschen nicht häufiger krank als andere Erreger: Viele Menschen tragen antibiotika-resistente Bakterien im Darm, ohne je zu erkranken", betont Allerberger. "Einem Menschen mit einem guten Immunsystem macht eine solche Infektion nichts aus", sagt Graninger.

Gibt es bei diesen Bakterien tatsächlich keine Behandlungsmöglichkeiten mehr?
"Es gibt zwei alte Substanzen aus den 50er-Jahren, die auch gegen diese Bakterien wirken. Sie können aber schwere Nebenwirkungen - etwa Nierenschäden - auslösen", sagt Allerberger. "Deshalb werden diese Präparate nur im äußersten Notfall eingesetzt."

Was kann jeder Einzelne gegen die Entstehung von Resistenzen tun?
"Die meisten Patienten wollen vom Arzt immer ein potentes Medikament. Oft ist aber Zurückhaltung besser, Antibiotika sollten nur gezielt eingesetzt werden", sagt Graninger: "Man darf nicht bei jeder kleinen Infektion gleich Antibiotika-Bomben einsetzen: Weil die bringen die normalen Bakterien um und die resistenten Erreger bleiben über."

Wie häufig sind generell Bakterieninfektionen in Spitälern?
Das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle in Stockholm geht davon aus, dass sich jeder zehnte Patient im Spital mit einem Bakterium infiziert - ein Teil davon ist antibiotikaresistent. Nur ein Drittel dieser Infektionen ist verhinderbar.

Resistenzen: "Österreich im guten Mittelfeld"
Europaweit wird untersucht, wie häufig bestimmte, bei Spitalspatienten nachgewiesene Bakterien antibiotikaresistent sind. "Österreich liegt im guten Mittelfeld", sagt Univ.-Prof. Franz Allerberger. Je nach Bakterium sind zwischen acht und 20 Prozent der Isolate aus Blutkulturen multiresistent. In Schweden und den Niederlanden sind es unter zehn, in Südeuropa bis zu 90 Prozent. Ähnlich sind die Größenordnungen auch bei anderen Keimen. "In 42 Spitälern gibt es bereits Antibiotika-Beauftragte. Generell wird seit Jahren mit vielen Maßnahmen versucht, die Übertragung von Spitalskeimen zu reduzieren und die Antibiotika-Verschreibung auf die notwendigen Fälle zu begrenzen."

Artikel vom 16.08.2010 19:28 | KURIER | Laila Daneshmandi, Ernst Mauritz
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
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NDM-1 Bakterium
« Antwort #30 am: 17. August 2010, 17:20 »

Super-Bakterien sorgen für Beunruhigung

    * Hauptartikel
    * Hintergrund

"Super-Bakterium": Erster Toter in Europa Zum Hauptartikel
Der Erreger ist gegen praktisch alle Antibiotika resistent. Ein in Brüssel lebender Pakistani starb nach einem Urlaub in der Heimat.

Bakterienproben Nur noch wenige Antibiotika können das Bakterium bekämpfen. DruckenSendenLeserbrief
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Das nur sehr schwer zu bekämpfende neue "Super- Bakterium" mit dem Gen NDM-1 hat in Belgien bereits ein Todesopfer gefordert. Dies sagte der Mikrobiologe Denis Pierard vom Brüsseler Universitätsklinikum der belgischen Tageszeitung "Le Soir". Das Bakterium ist bisher vor allem in Indien und Pakistan aufgetreten, aber auch bei mindestens 37 Patienten in Großbritannien. Es ist auch gegen die Carbapeneme resistent, das sind Reserveantibiotika, die nur bei schweren Infektionen zum Einsatz kommen.

Nach Auskunft Pierards war ein in Brüssel wohnhafter Mann aus Pakistan nach einem Besuch in seiner Heimat im Juni schwer erkrankt und dann an der Infektion mit NDM-1-Bakterium gestorben. Es handle sich um den vermutlich ersten NDM-1-Toten auf dem europäischen Festland. Der Mann sei in Pakistan am Bein verletzt und dort auch behandelt worden.
"Schrecklich resistent"

In Brüssel habe sich das Bakterium als "schrecklich resistent" gegen praktisch alle Antibiotika erwiesen. Auch eine Behandlung mit dem Antibiotikum Colistin, das sich in einigen anderen NDM-1 Fällen als wirksam erwiesen habe, sei gescheitert.

Pierard sagte dem "Le Soir" (Freitagausgabe), die Gefahr einer Infektion in Belgien sei sehr gering. Praktisch alle bekannten Patienten hätten sich bei Behandlungen in pakistanischen oder indischen Krankenhäusern infiziert.

NDM-1 steht für Neu Delhi Metallo-Beta-Lactamase. Nach Auskunft des Robert Koch-Instituts gibt es auch in Deutschland "erste, bisher einzelne Nachweise für NDM-1 bildende Bakterien". Es verweist jedoch darauf, dass in der Regel noch einige Arzneien helfen wie die Antibiotika Tigezyklin und Colistin.
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DER Krankenhauskeim: Clostridium-difficile
« Antwort #31 am: 07. September 2010, 22:54 »
 07.09.2010
   
   Umfrage: Ärzten ist bei einer Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhöe-Therapie höchste Effektivität sowie schnelle Symptomfreiheit wichtig

Eine aktuelle Onlinebefragung, an der sich 804 Ärzte aus Klinik und Ambulanz beteiligten, bestätigt die zunehmende Relevanz von Clostridium-difficile-assoziierter Diarrhöe (CDAD). Knapp drei Viertel der Befragten geben an, dass die Zahl der CDAD-Fälle in den letzten Jahren zugenommen hat. Jedoch überweist nur noch jeder zweite Arzt einen CDAD-Patienten an eine Klinik. Gründe hierfür sind nicht nur die damit verbundenen erheblicheren Kosten, sondern auch ein höheres Infektionsrisiko – ein großes Problem der modernen Medizin, das zeigt auch die aktuelle Diskussion über die Hygiene in deutschen Krankenhäusern, die durch den Tod dreier Säuglinge am Universitätsklinikum Mainz ausgelöst wurde. Bei der ambulant durchgeführten CDAD-Therapie sind vor allem höchste Effektivität und eine schnelle Symptomfreiheit gefragt. Eine schnell wirksame, besonders effektive – und vor allem patientenfreundliche – ambulante Therapie ist beispielsweise mit VANCOMYCIN ENTEROCAPS® 250 mg möglich.

An der vom 9. Juni bis zum 25. Juli 2010 durchgeführten Onlinebefragung zum Thema Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhöe (CDAD) beteiligten sich insgesamt 804 Ärzte aus Klinik (46 Prozent) und Ambulanz (54 Prozent). Die zunehmende Relevanz des Themas bestätigt folgendes Umfrageergebnis: So geben knapp drei Viertel (69 Prozent) der Befragten an, dass die Zahl der CDAD-Fälle in den letzten Jahren zugenommen hat. Ursächlich dafür ist – neben dem Aufkommen neuer, hochvirulenter Clostridium-difficile-Stämme – eine Verstärkung der Rezidiv- und Resistenz-problematiken. Trotz der gestiegenen Inzidenz und auch der Zunahme schwerer Clostridium-difficile-Infektionen überweist nur jeder zweite Arzt (45 Prozent) einen Patienten an die Klinik. Die Mehrheit entscheidet sich für eine ambulante Therapie. Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Knapp die Hälfte (40 Prozent) der Befragten gibt den im Vergleich zur stationären Therapie geringeren Kostenaufwand an. Für 25 Prozent spricht das höhere Infektions- und Rezidivrisiko einer stationären Behandlung gegen eine Überweisung. Ungefähr jeder sechste Arzt (14 Prozent) gibt an, sich aufgrund der Resistenzproblematik im Klinikbereich für eine Durchführung in der Ambulanz zu entscheiden. Als generelle Ursache für eine verstärkte Resistenzentwicklung sehen zwei Drittel der befragten Ärzte (62 Prozent) die falsche Einnahme von Antibiotika. Eng damit verbunden ist sicherlich auch eine Non-Compliance seitens der Patienten. Mehr als jeder zweite Arzt (55 Prozent) sieht die erhöhte Resistenzgefahr als Folge des Auftretens neuer, hochvirulenter Stämme und für 45 Prozent erhöht ein stationärer Aufenthalt das Risiko. Eine Verletzung der Hygienevorschriften geben 41 Prozent als Ursache an.

Nachholbedarf besteht laut Umfrage noch bei der Diagnose der Erkrankung: Lediglich sieben Prozent der Befragten lassen einen CDAD-Verdachtsfall immer durch einen Labortest bestätigen, obwohl ein Nachweis der krankheitsauslösenden Toxine im Stuhl empfohlen ist. Nur richtig diagnostiziert lässt sich CDAD jedoch optimal behandeln.


Die Frage nach der richtigen CDAD-Therapie

Befragt nach den wichtigsten Entscheidungskriterien, nach denen sie eine CDAD-Therapie auswählen, geben knapp drei Viertel (69 Prozent) der Ärzte sowohl die höchste Effektivität als auch eine schnelle Symptomfreiheit an. Ungefähr der Hälfte (45 Prozent) ist bei der Therapiewahl eine einfache Handhabung wichtig. Bereits ein Drittel (31 Prozent) berücksichtigt die ambulante Durchführbarkeit, jeder Fünfte (21 Prozent) achtet auf eine zielgenaue Wirkung ohne Dosisverlust. Einem Viertel (24 Prozent) ist es wichtig, dass die Therapie nicht oder nur gering systemisch belastet. Generell steht bei fast allen Befragten vor allem das Patientenwohl im Zentrum der Überlegung – so geben 90 Prozent der Befragten an, dass die Anwenderfreundlichkeit eines Präparats und die damit verbundene Patientenzufriedenheit sehr wichtige Kriterien sind.

Die Empfehlungen der Leitlinien berücksichtigt bei der Wahl der geeigneten CDAD-Therapie allerdings nur jeder dritte Befragte (31 Prozent). Sicherlich ein Grund dafür, weshalb immer noch knapp zehn Prozent bei einer schweren CDAD Metronidazol anwenden. 44 Prozent der Befragten setzen auf eine – nicht leitlinienkonforme – Doppelstrategie und therapieren kombiniert mit Metronidazol und Vancomycin. Jedoch schon jeder dritte Befragte (33 Prozent) verlässt sich bei einem schweren Infektionsverlauf auf Vancomycin. Für elf Prozent der befragten Ärzte ist Vancomycin in Kapselform bereits die Therapie der Wahl – zum Beispiel VANCOMYCIN ENTEROCAPS® 250 mg.

Das einzige Vancomycin-Präparat in fester, einzeldosierter Kapselform, VANCOMYCIN ENTEROCAPS® 250 mg, stellt eine effektive und gleichzeitig anwenderfreundliche Behandlungsoption dar. Die zielgenaue Wirkung im Darm ermöglicht eine schnelle Symptomfreiheit bei gleichzeitig geringem Risiko für systemische Nebenwirkungen, da der Wirkstoff in der Regel kaum resorbiert wird. Die orale, geschmacksneutrale – und somit patientenfreundliche – Darreichungsform erleichtert die Einnahme über den gesamten Behandlungszeitraum. Insgesamt stellen VANCOMYCIN ENTEROCAPS® 250 mg eine wirksame Therapieoption bei CDAD dar, gerade im ambulanten Bereich.

Quelle: RIEMSER