Autor Thema: Harninkontinenz  (Gelesen 7200 mal)

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Richi

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Harninkontinenz
« am: 07. August 2008, 14:07 »

Harninkontinenz

Der unfreiwillige Urinverlust wird in verschiedene Formen eingeteilt und kann zahlreiche Ursachen haben, auch die Behandlung von Prostatakrebs. Entsprechend vielfältig sind Untersuchung und Behandlung.

Die Harninkontinenz gehört zu den Miktionsstörungen und bedeutet einen unwillkürlichen Harnabgang. Sie kann ein Zeichen einer anderen Erkrankung sein, weshalb sie hier im Abschnitt Krankheitszeichen beschrieben wird. Oft tritt sie aber auch als eigenständige Krankheit auf.

Harninkontinenz ist weit verbreitet, nicht nur unter alten Menschen, bei denen sie oft den Ausschlag für einen Umzug ins Alten- oder Pflegeheim gibt. Vielen Betroffenen ist das Problem peinlich, und sie sprechen erst bei erheblicher Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität darüber. Doch neben diesen und anderen sozialen und psychischen Auswirkungen kann die Harninkontinenz auch körperliche Folgen haben (z.B. Harnweginfektionen, Nierenschäden).
Einteilung

Nach dem zugrunde liegenden Mechanismus unterscheidet man verschiedene Formen der Harninkontinenz. Die wichtigsten sind:
   
Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz): Urinverlust ohne Harndrang bei Druckerhöhung im Bauchraum. Ursache ist eine Schließmuskelschwäche (z.B. bei erweitertem Blasenhals nach Prostata-Operation oder Beckenbodenschwäche). Grad I z.B. beim Husten, Niesen oder schwerem Heben, Grad II z.B. beim Aufstehen oder im Gehen, Grad III bereits im Liegen.
   
Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz von engl. urge = Drang): Urinverlust bei imperativem (unwiderstehlichem) Harndrang infolge einer Überaktivität der Blasenmuskulatur (z.B. bei Zystitis = Blasenentzündung). Geht oft mit Pollakisurie und Nykturie einher (häufiges bzw. nächtliches Wasserlassen, s. Miktionsstörungen). Zur Dranginkontinenz gehört auch das Syndrom der überaktiven Blase (engl. overactive bladder, OAB).
   
Misch-Harninkontinenz (häufig) aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
   
Überlaufinkontinenz (Ischuria paradoxa): Urinverlust bei übervoller, überdehnter Blase infolge einer Obstruktion (Verengung von Blasenhals oder Harnröhre, z.B. durch die Prostata, s. auch Miktionsstörungen). Auch als falsche Harninkontinenz bezeichnet, weil der Überdruck die Schließmuskeln aufdrückt; weder sind sie zu schwach, noch sind die Kontraktionen der Blase für sie zu stark.
   
Neurogene Harninkontinenz: Urinverlust infolge einer Störung des zentralen oder peripheren Nervensystems (Gehirn, Rückenmark, Nerven zur Harnblase).

Ursachen

Die Ursachen der verschiedenen Formen der Harninkontinenz sind sehr zahlreich. Oft liegen sie im Bereich von Harnblase und Prostata oder gehen auf die Einnahme von Medikamenten zurück. Bei Belastungsinkontinenz findet sich häufig nur eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur.

Entzündungen der Prostata können das Wasserlassen stören, wobei obstruktive Zeichen (s. Miktionsstörungen) infolge der entzündungsbedingten Schwellung der Prostata überwiegen. Bei Mitbeteiligung der Harnblase ist auch eine Dranginkontinenz möglich (s. hierzu auch akute Prostatitis, chronische Prostatitis und Prostatopathie.

Beim benignen Prostatasyndrom wird die Harnröhre im Verlauf immer weiter eingeengt. Deshalb kommt es zunächst ebenfalls zu obstruktiven Miktionsstörungen. Später können eine Drang- und Überlaufinkontinenz auftreten. Näheres siehe Zeichen und Komplikationen des BPS.

Gleiches gilt für das Prostatakarzinom (Prostatakrebs), das bei Ausbreitung auf die Beckeneingeweide und die Wirbelsäule zudem zu einer neurogenen Harninkontinenz führen kann. Eine Harninkontinenz ist jedoch nur selten ein frühes Zeichen des wachsenden Tumors (s. Krankheitszeichen bei Prostatakarzinom). Häufiger tritt sie als Folge der Behandlung auf. So schwächt eine radikale Prostatektomie den Harnblasenverschluss, so dass durch Überlastung der Beckenbodenmuskulatur eine Belastungsinkontinenz entstehen kann. Mögliche (aber seltene) Folgen einer Bestrahlung sind hingegen eine Dranginkontinenz durch Reizung der Harnblase und eine neurogene Inkontinenz durch Schädigung der Nerven in der Umgebung.
Untersuchung

Wegen der unterschiedlichen Behandlung zielt der Untersuchungsgang bei Harninkontinenz darauf ab, zunächst deren Form zu bestimmen und dann eine Ursache zu finden. Der erste Schritt ist das ausführliche Erheben der Anamnese (Vorgeschichte, z.B. Anzahl der pro Tag benötigten Vorlagen). Standardisierte Fragebogen (z.B. der ICIQ-SF) und das Führen eines Miktionstagebuchs sind hilfreich.

Es folgen die körperliche Untersuchung, einschließlich einer DRU (s. digitale rektale Untersuchung), sowie eventuell ein Pad-Test (engl. pad = Vorlage, Pad-Gewichtszunahme nach Übungsprogramm) zur Bestimmung des Urinverlusts (Grad 1 bis 2ml, Grad 2 2-10ml, Grad 3 10-50ml, Grad 4 mehr als 50ml). Urinuntersuchungen dienen vor allem dem Ausschluss einer Infektion und einer Hämaturie (Blutbeimengung zum Urin), und mittels Sonographie (Ultraschalluntersuchung) wird insbesondere die Restharnmenge bestimmt (in der Harnblase nach dem Wasserlassen).

Weitergehende Untersuchungen sind nur in speziellen Fällen erforderlich, zum Beispiel eine Urethrozystoskopie (Spiegelung von Harnröhre und Harnblase), eine Miktionszystourethrographie (Röntgendarstellung von Harnblase und Harnröhre beim Wasserlassen) und urodynamische Methoden wie Uroflowmetrie (Harnflussmessung, s. Urinuntersuchungen), Zystometrie ("Blasenmessung"), Urethra-Druckprofil (im Verlauf der Harnröhre) und Druck-Fluss-Messung.
Behandlung

Die Therapie der Harninkontinenz richtet sich zunächst gegen deren Ursache, also gegen eine zugrunde liegende Erkrankung oder den Auslöser (z.B. Beckenbodenschwäche, Überaktivität der Blasenmuskulatur). Falls eine solche kausale (ursächliche) Therapie nicht möglich ist, stehen verschiedene symptomatische (gegen die Krankheitszeichen gerichtete) Maßnahmen zur Verfügung.

Eine genauere Beschreibung aller Möglichkeiten in Abhängigkeit von der Form der Harninkontinenz wäre an dieser Stelle zu ausführlich. Sie reichen von Veränderungen der Lebensgewohnheiten (z.B. Trinken, Wasserlassen, Gewichtsabnahme) und Muskeltraining (Blase, Beckenboden) über aufsaugende Hilfsmittel (z.B. Vorlagen) und ableitende Hilfsmittel (z.B. Kondomurinale, Katheter) bis hin zur medikamentösen Beeinflussung der beteiligten Muskelabschnitte und zu operativen Eingriffen.

Beispielsweise stehen bei Belastungsinkontinenz nach radikaler Prostatektomie das Beckenbodentraining (s. nächste Seite) und Medikamente im Vordergrund. Falls dies keinen Erfolg hat oder der äußere Schließmuskel geschädigt ist, kann eine Operation an der Harnröhre erforderlich werden wie die Unterspritzung der Schleimhaut (verschiedene Materialien verfügbar), die Unterstützung mit einem Band oder die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels.

http://www.prostata.de/harninkontinenz.html

Weitere Informationen

Bücher zum Thema finden Sie zum Beispiel über die Suche im Buchkatalog oder auf der Buchliste der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Ein Buchbeispiel:

Michaelis, Ute: Beckenbodentraining für Männer. Harninkontinenz und Erektionsstörungen mindern und überwinden. 2. Aufl., 162 S., Urban & Fischer, München 2006, ISBN 3-437-45187-1, 19,95 EUR Buch bei amazon.de bestellen

Weiterhin gibt es zahlreiche Vereine und Selbsthilfegruppen sowie eine Fülle von Informationen über die verschiedenen Formen der Harninkontinenz und ihre Behandlung, auch im Internet. Als erste Anlaufstellen könnten zum Beispiel dienen die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V., die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. und die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ).

Autor: Dr. med. Hubert E. Weiß, 17.12.2007

Richi

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Inkontinenz: Eine Million betroffen
« Antwort #1 am: 15. Oktober 2008, 13:06 »




Informationen auch hier:


http://www.krebsforum.at/forum/index.php/board,446.0.html


Die Kontinenzgesellschaft will mit der Zertifizierung von Behandlungszentren und Gütesiegeln für Produkte die Qualität der Behandlung sichern.

Etwa fünf Prozent der Beufstätigen leiden unter Inkontinenz.

Rund eine Million Österreicher leidet unter Blasen-und Darmschwäche. "Global gesehen" seien eine von fünf Frauen und einer von zehn Männern von Inkontinenz betroffen. Dies sagte Helmut Madersbacher von der Neuro-Urologie der Uni-Kliniken Innsbruck und Vorsitzender der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Um die Qualität in dem Bereich sicherzustellen, will die MKÖ nun entsprechende Behandlungszentren zertifizieren und hat für medizinische Produkte ein Gütesiegel erstellt.

In Österreich gebe es nach wie vor einen Mangel an fächerübergreifender Versorgung des komplexen Krankheitsbildes, bei dem oft mehrere Ursachen zusammenspielen würden, so Madersbacher. Diese Problematik würde durch die demographische Entwicklung, die immer älter werdende Bevölkerung, verschärft.

Spezielle Zentren

Vor allem komplexe Fälle würden am besten von interdisziplinären Experten-Teams betreut: "In Österreich entstehen da und dort Kontinenz- und Beckenbodenzentren", so Madersbacher. "Inkontinenz braucht Versorgungsqualität. Wir müssen schauen, ob hier die Qualität sichergestellt ist, denn derzeit ist es kein geschützter Begriff. Deshalb bieten wir an, solche Zentren zu zertifizieren." Die drei Kerndisziplinen Urologie, Gynäkologie und Chirurgie müssten dabei kooperieren, insgesamt sollten mindestens fünf Fachdisziplinen zusammenarbeiten. Geschätzte acht bis zehn solcher Einrichtungen gebe es derzeit in Österreich, allerdings unter verschiedenen Bezeichnungen.

Auch bei medizinischen Produkten gäbe es große und von Patienten immer wieder beklagte Qualitätsunterschiede. Ein Gütesiegel der MKÖ soll nun Orientierung im Angebotsdschungel bieten: Die am häufigsten eingesetzten Hilfsmittel würden überprüft und im Rahmen der heurigen Jahrestagung präsentiert, berichtete Engelbert Hanzal, Leiter der Urogynäkologischen Ambulanz an der Uni-Klinik für Frauenheilkunde des AKH Wien. Man würde sich wünschen, dass das Gütesiegel auch Krankenkassen eine Leitlinie zur Finanzierung gibt.

Seit rund zwei bzw. zwölf Jahren gibt es in Wien bzw. in Innsbruck für diplomierte Krankenschwestern die Sonderausbildung zur Kontinenz-und Stomaberatung. Rund 120 ausgebildete Berater für Österreich und das benachbarte Ausland gebe es mittlerweile. Der Bedarf sei jedoch noch nicht gedeckt, so die Kontinenz- und Stomaberaterin Dora Mair von der Innsbrucker Neuro-Urologischen Ambulanz. Ein Positionspapier soll nun einen bundesweit einheitlichen hohen Qualitätsstandard für diese Berufsgruppe festlegen.

Spreche man von Inkontinenz, dürfe nicht auf die Darmschwäche vergessen werden: Unter den Berufstätigen sind laut Friedrich Herbst, Leiter der Chirurgischen Abteilung am Wiener Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, etwa fünf Prozent betroffen. Ab 65 Jahren steige die Zahl der Patienten an. Die Dunkelziffer sei hoch, vermutlich leide durchschnittlich jeder zehnte ältere Mensch daran.
Link

    * www.inkontinenz.at

Kurier Artikel vom 13.10.2008 10:13 | apa | cs



Informationen auch hier:


http://www.krebsforum.at/forum/index.php/board,446.0.html

« Letzte Änderung: 15. Oktober 2008, 13:07 von Richi »

Dietmar E.

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Re: Harninkontinenz
« Antwort #2 am: 25. November 2008, 17:15 »
20.11.2008 – LEIPZIG (MedCon/mf) – "Die Qualität der Behandlung hängt klar von der Erfahrung des Operateurs ab", betonte Prof. Karl-Peter Jünemann, 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft und Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein anlässlich der 20. Jahrestagung der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in Leipzig. "Die operativen Möglichkeiten haben sich erweitert. Das ist wunderbar. Die Realität ist aber, dass auch bei verbesserter Technik die Qualität des Operateurs ausschlaggebend ist", so Jünemann.

Die Lebensqualität korreliere direkt mit dem Operationserfolg. "Die Inkontinezraten nach einer Operation schwanken zwischen null und 50 Prozent. Die Hauptursache einer Inkontinenz sind das Vermächtnis alter Operationen", betonte Jünemann. Diese Fakten seien ganz entscheidend - vor allem für den Patienten.

"Ich kann mich als Patient entscheiden, wo ich hingehe - zu Hans oder zu Hänschen", so Jünemann. Die Patienten informieren sich via Internet genau über die Operationsmethoden und versuchen vor dem entscheidenden Eingriff herauszufinden, wer sie am besten operiert. So werde Qualität zu einem bedeutenden Faktor, den man als Arzt nicht unterschätzen dürfe. "Wir als Ärzte können momentan viel für den Patienten tun. Es gibt alleine über 50 Schlingensysteme, die momentan Anwendung finden. Es hat sich viel in Sachen Inkontinenz getan", so Jünemann.

Das stellte auch Prof. Heinz Kölbl heraus. "Doch man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass von den meisten neuen Bändern noch keine Langzeitdaten vorliegen. Deshalb können wir für diese Schlingen auch noch keine Empfehlungen aussprechen. Die einzige Empfehlung, die wir abgeben können, ist für das TVT-Band", erklärte Kölbl. Hier liegen 12-Jahresergebnisse vor, die dem TVT-Band eine Erfolgsrate von 95 Prozent bescheinigen.

"Alle anderen Konkurrenzprodukte brauchen noch Zeit. Aber der Markt boomt und das ist auch gut so, denn wir brauchen diesen Markt und die innovativen Unternehmen, um mit den Herausforderungen der Demographie fertig zu werden", erklärte Kölbl und spielte damit auf die zunehmend älter werdende Bevölkerung an. "Wir müssen uns dem Thema Inkontinenz stellen, weil diese Erkrankung eine zentrale Rolle in der Medizin er Zukunft einnehmen wird. Ohne eine interdisziplinäre Diskussion der Beckenbodenfunktion kommen wir nicht weiter", betonte Kölbl und nimmt vor allem die Frauenärzte in die Pflicht. "Vor allem die Frauen sind betroffen, weil sie durch die massive Belastung während der Schwangerschaft ein höheres Risiko tragen, inkontinet zu werden. Da sind alle Organe des unteren Harntraktes betroffen", kommentierte Kölbl. Die Konsequenz sehe man an den harten Zahlen.
Jede fünfte Frau ist harninkontinent.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Richi

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Re: Harninkontinenz
« Antwort #3 am: 03. Januar 2009, 19:44 »


Viele Infos dazu: http://www.inkontinenz-selbsthilfe.com/


Weiters auch:

http://www.prostatakrebse.de/informationen/lbs-index.html
dann zu Nebenwirkungen und dort zu Inkontinenz
« Letzte Änderung: 03. Januar 2009, 19:57 von Richi »

admin

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Harninkontinenz bessert sich, verschwindet vielleicht, aber Geduld
« Antwort #4 am: 07. Januar 2009, 19:49 »
"Candid" aus der Schweiz berichtet:

Bei mir war der Verlauf so, dass ich 6 Monate lang nach der Op. fast völlig inkontinent war, worauf in den nächsten 2 Monaten sukzessive eine komplette Normalisierung eintrat. Während dieser ganzen Zeit habe ich laufend trainiert, indem ich x-mal pro Tag die Muskeln zusammengezogen habe.

Da die Op. Deines Schwiegervaters im vergangenen November stattfand, besteht also terminlich durchaus die Möglichkeit, dass sich die Inkontinenz noch abbaut. Ein guter Ausgang ist somit nicht ausgeschlossen.

Candid


Anmerkung Admin:
Wichtig wäre nach dem Krankenhausaufenthalt eine sofortige Anschlussheilbehandlung (AHB).
Leider gibt es in ganz Österreich keine Rehab, wo eine Urologie dabei ist!
Eine Schande!

« Letzte Änderung: 07. Januar 2009, 19:52 von admin »

admin

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Harninkontinenz: Neuer Wirkstoff Mirabegron-Astellas
« Antwort #5 am: 09. Januar 2015, 01:39 »



Neuer Wirkstoff gegen Inkontinenz erhält die Auszeichnung „Goldene Tablette“


http://www.blasengesundheit.at/neuer-wirkstoff-gegen-inkontinenz-erhaelt-die-auszeichnung-goldene-tablette/

Geri

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Inkontinenztagung: „Der große Schmerz im kleinen Becken“
« Antwort #6 am: 19. Juli 2015, 18:25 »





Inkontinenztagung: „Der große Schmerz im kleinen Becken“
AutorIn: Max Wunderlich    • Medizin • AEK 23|2014 • 28.11.2014   

Vor kurzem fand die Jahrestagung der Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich statt. Die Ärzte Krone bringt einen Überblick über die wichtigsten Themen mit Tipps für die tägliche Praxis.

Die Jahrestagung der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) fand auch heuer wieder im LFI auf der Gugl in Linz statt. Der Besucherrekord von 2013 wurde mit mehr als 300 Teilnehmern eingestellt – nicht zuletzt aufgrund des breiten Spektrums der Präsentationen, die von einer entsprechend vielseitigen Industrieausstellung begleitet wurden. Neben den traditionellen Themen der Inkontinenz für Harn und Stuhl stand „Der große Schmerz im kleinen Becken“ als Motto für diesen Kongress im Vordergrund. Damit wurde berücksichtigt, dass Menschen mit chronischen Beckenschmerzen sich häufig um Rat an die Fachleute für funktionelle Probleme des Beckenbodens und der Beckenorgane wenden. Die hohe Expertise war bei allen Vortragenden gegeben, die sich während zwei Tagen an das Publikum aus ihren Berufsgruppen (Ärzteschaft, Pflegedienst, Physiotherapie, Hebammen) gewendet haben.
Das Chronic Pelvic Pain Syndrome

Am Freitag wurde das vielschichtige Problem chronischer Schmerzen, jener im Becken insbesondere (CPPS = Chronic Pelvic Pain Syndrome), mit dem Einführungsvortrag (H.G. Kress, Universitätsklinik für Anästhesie, Wien) anschaulich dargelegt. Neben den Schmerzen mit morphologisch fassbarem Substrat (z.B. Endometriose, Entzündungen, muskuloskelettale Störungen, Tumoren) wird das Syndrom von unerklärlichen chronischen Schmerzen auch als biopsychosoziales Phänomen geschildert. Die damit assoziierten Beschwerden in den Bereichen von Urogenitaltrakt, Enddarm und Sexualität sind nach einer Dauer von drei bis sechs Monaten als chronisch zu bezeichnen. Leider dauert es oft Jahre, bis Patienten mit einem CPPS die richtige multimodale interdisziplinäre Therapie erhalten, welche auch die seelische und gesellschaftliche Komponente des Leides einbezieht – ein prinzipiell vermeidbarer Zeitverlust.
Auch in der Geriatrie kommt dem biopsychosozialen Schmerzmodell große Bedeutung zu (H. Talasz, LKH Hochzirl), gehören doch Schmerzen (vor allem von Wirbelsäule und Hüften) zu den häufigsten Beschwerden alter Menschen, die dann auch vermehrt von Störungen der Blasenfunktion betroffen sind.
Der Prävalenz der Frauen, die von einem CPPS betroffen sind, wurde durch die gynäkologische Perspektive Rechnung getragen (L.C. Fuith, Gynäkologie, BH Brüder Eisenstadt): 40% der diagnostischen Laparoskopien werden aufgrund chronischer Unterbauchschmerzen durchgeführt. Neben den hier immer wieder genannten Differenzialdiagnosen sind als Ursachen auch psychische Faktoren, z.B. bedingt durch Missbrauch, eventuell in der Kindheit, nicht zu vernachlässigen.
Von den zahlreichen pelvinen Schmerzmanifestationen (z.B. Reizdarmsyndrom, Vaginalsyndrom) ist die interstitielle Zystitis (IC; auch Blasenschmerz-Syndrom = BPS) eine der schlimmsten, welche, beginnend mit der Einschätzung als simpler Harnwegsinfekt, letztlich in einer Zystektomie enden kann. Die IC kann beispielhaft zu den sozialen Problemen von Invalidität und Arbeitsverlust führen, wie in einem Referat aus der Selbsthilfegruppe (C. Rammerstorfer, ICA Austria) ebenso bedrückend wie berührend dargestellt wurde.
Konsequenz: Patientinnen und Patienten mit chronischen Beckenschmerzen sollten so bald wie möglich Fachärzten mit großer Erfahrung und interdisziplinärer Vernetzung zugewiesen werden. Zur Abrundung des Themas wurde die Schwierigkeit einer wissenschaftlich gesicherten Therapie bei CPPS am Beispiel der Physiotherapie in einem Gastvortrag (S. Loving, Schmerzzentrum der Universität Kopenhagen) illustriert: Eine Literaturrecherche konnte aus 3469 einschlägigen Artikeln nur zehn Studien isolieren, die überhaupt Rückschlüsse auf den Stellenwert der Physiotherapie erlaubten, welche als alleinige Behandlungsmodalität noch keineswegs gesichert ist.
Schwangere: Rechtzeitig mit dem Beckenbodentraining beginnen!

Naturgemäß stand die Geburt im Zentrum von Vorträgen über Schmerzen und funktionelle Beschwerden. Von Seiten der Hebammen (B. Theierling, Österr. Hebammengremium) wurde auf den hohen Wert einer professionellen Vorbereitung auf die zu erwartenden Schmerzphänomene schon während der Schwangerschaft hingewiesen. Diese wird kostenlos im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zwischen der 18. und 22. SSW angeboten. Dammrisse und Inkontinenz als Folge von Geburtsverletzungen können durch die Tätigkeit der Hebammen deutlich reduziert werden – besonders durch Anwendung der antenatalen digitalen Dammmassage und durch warme Kompressen während der Geburt.
Liegen postoperative Schäden der Beckenbodenmuskulatur vor, wie die lange Zeit wenig bekannte Levatoravulsion, Sphinkterdefekte, Inkontinenz für Harn und/oder Stuhl, so erweist sich ein, im besten Fall schon vor der Geburt begonnenes, Beckenbodentraining (BBT) als sinnvoll. Mit dessen Hilfe wird die Harninkontinenz während der Gravidität und postpartal reduziert, Senkungszuständen wird vorgebeugt.
Konsequenz: Schwangere sollten ermutigt werden, eine Hebamme zur Geburtsvorbereitung aufzusuchen, sowie zeitgerecht mit einem BBT unter physiotherapeutischer Anleitung zu beginnen.
Dammrisse III. und IV. Grades werden unmittelbar versorgt. Viel häufiger aber kommt es bei Geburten zu unbemerkten subkutanen perinealen Rissen der analen Sphinktermuskulatur. Diese manifestieren sich oft erst nach Jahrzehnten in Form einer allmählich entwickelten Stuhlinkontinenz. Auch dann sind Heilung oder substantielle Besserung durchaus möglich (I. Haunold, Chirurgie, BH Schwestern Wien), sei es durch überlappende Rekonstruktion (Sphincter repair), sei es durch sakrale Neuromodulation (SNM), zwei Verfahren, die sich häufig ergänzen.
Hilfsmittel-Update

Der Vortragsblock „Hilfsmittel-Update“ gehörte zu jener Art konzentrierter Wissensvermittlung, welche für Pflegedienst und Ärzteschaft von besonderer Relevanz ist. Unter den Hilfsmitteln ist es der Dauerkatheter, der nach wie vor Anlass zu Problemen geben kann, deren „Tragik“ schon mit dem notorisch hohen Infektionsrisiko beginnt (I. Leiner, Fonds Soziales Wien). Nichtmedizinische Indikationen wie z.B. eingeschränkte Mobilität oder Inkontinenz sind immer zu hinterfragen, und eine ehebaldigste Entfernung des Katheters anzustreben. Ist er unumgänglich, so gibt es genügend Leitlinien, um Komplikationen zu minimieren. Für längere Liegedauer sind Silikonkatheter besser geeignet und müssen alle sechs Wochen gewechselt werden. Die Spülung sollte nicht von außen erfolgen, sondern „von innen“ durch Diurese aufgrund ausreichender Flüssigkeitszufuhr.
„Salons“ sehr beliebt

Großer Beliebtheit bei den Jahrestagungen der MKÖ erfreuen sich die „Salons“, in welchen ein Thema von Referenten und Publikum so aufgearbeitet wird, dass am nächsten Tag dem Auditorium die gemeinsame Lösung als aktuell gültige Meinung präsentiert werden kann. Dies sei am Beispiel der oft gehörten Frage illustriert, „ob Urodynamik und anale Manometrie obsolet“ sind. Die klare Antwort des Salons war „Nein“ (M. Wunderlich, MKÖ). Denn nicht nur haben diese Untersuchungen ihre Berechtigung in komplexen Situationen, vor Operationen, bei neurogener Blase, bei Kindern und aus forensischen Gründen, sondern nicht zu unterschätzen sind auch die didaktische und die magnetische Wirkung. Mit letzterer gemeint ist die Erkenntnis, dass Abteilungen, welche diese Untersuchungen anbieten, naturgemäß eine große Zahl von Patienten zugewiesen bekommen, und auf diese Weise noch mehr Erfahrung sammeln können.
Update zur Stammzelltherapie bei Inkontinenz

Nicht minder reichhaltig war das Programm am Samstag. Die auch in der Laienpresse oft zitierte Stammzelltherapie bei Inkontinenz, wurde mit einem Update verständlich gemacht (E. Hanzal, Universitätsklinik für Gynäkologie, Wien): Aus Biopsien der Skeletmuskulatur (Pectoralis, Biceps) werden adulte Stammzellen, die der Regeneration ihres Gewebes dienen, in einem aufwendigen Laborverfahren gezüchtet und dann in die Sphinkteren um Urethra oder Analkanal injiziert. Die derzeit laufenden Studien werden zeigen, ob dies einst eine akzeptable Alternative zu den etablierten konservativen und operativen Verfahren sein wird.
Neben den landläufigen Ursachen des Schmerzes in der Proktologie (Abszess, Fissur, Hämorrhoidalthrombose) wird immer häufiger ein zunächst unerklärlicher Schmerz durch klinische Untersuchung und radiologische Darstellung einer Nervenläsion als Pudendusneuropathie entlarvt. Deren Behandlung ist oft frustrierend und sollte interdisziplinär erfolgen. (M. Lechner, Chirurgie, KH Göttl. Heiland, Wien).
Qualität in der Medizin

Das Thema „Qualität in der Medizin“ gehört zu den wesentlichen Anliegen unserer Gesellschaft. Eingeleitet wurde es mit dem Vortrag zu neuen Herausforderungen, deren Ziel eine optimale, effektive und effiziente Patientenversorgung ist (G. Schreiber, Quality Austria). Diesen stellt sich die MKÖ mit peinlichst genauen Zertifizierungsprozessen, deren Früchte bei dieser Tagung geerntet wurden: Neu zertifiziert wurden die Kontinenz- und Beckenbodenzentren des Allgemeinen Krankenhauses in Wien und des KH der Barmherzigen Schwestern in Linz. Nach Überreichung der Dekrete wurde Herr Prof. Paul Riss in Anerkennung seiner Verdienste um die MKÖ zum Ehrenmitglied ernannt. In seinem Festvortrag charakterisierte er, was die MKÖ auszeichnet: Interdisziplinarität, Kommunikation, Organisation, Innovation, Kooperation. Dies sind die Voraussetzungen für die Entwicklung unserer Gesellschaft von der reinen Inkontinenzhilfe zu einer breitgefächerten Zukunft der „Beckengesundheit“. Mit dem Thema „Schmerz“ bei der heurigen Jahrestagung hat diese Zukunft begonnen.
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AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Max Wunderlich

1. Vorsitzender der MKÖ; Ordinationszentrum Confraternität

AEK 23|2014
Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2014-11-28