Autor Thema: Forschung Nahrungsmittelallergien  (Gelesen 2869 mal)

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Sissi

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Forschung Nahrungsmittelallergien
« am: 19. August 2008, 21:55 »

Prävalenz von Nahrungsmittelallergien von der Allgemeinheit möglicherweise überschätzt

Jonathan M. Spergel

SAN DIEGO (EGMN) – Auch wenn die Zahl von Patienten mit der Diagnose einer atopischen Erkrankung ansteigt, überschätzt die allgemeine Öffentlichkeit doch möglicherweise die Prävalenz von Nahrungsmittelallergien, so die Ansicht eines Leiters der Allergie-Abteilung eines großen amerikanischen Krankenhauses.

Auf einer vom Rady Children‘s Hospital ausgerichteten Tagung zu Hauterkrankungen sagte Dr. Jonathan M. Spergel, Amerikaner siedelten die Häufigkeit von Nahrungsmittelallergien im Bereich von 20 bis 25 Prozent an, wohingegen die tatsächliche Prävalenz bei Babys und Kleinkindern bei sechs bis acht Prozent und bei Erwachsenen bei zwei bis 3,5 Prozent liege.

Die Prävalenz sei bei Personen mit atopischer Dermatitis, Allergien auf bestimmte Pollenallergene sowie Latex höher. „Und [wie bei] allen atopischen Erkrankungen, ist die Prävalenz gestiegen“, erklärte Dr. Spergel, Leiter der Allergie-Sektion in der Abteilung für Allergie und Immunologie am Children‘s Hospital of Philadelphia. „Sie hat sich in den vergangenen 20 Jahren wahrscheinlich vervierfacht.“

Die Erhebung einer gründlichen Anamnese sei essenziell und sollte Fragen nach Symptomen, Reproduzierbarkeit, Ernährung, gleichzeitiger körperlicher Anstrengung, Einnahme antiinflammatorischer Medikamente und dem zeitlichen Ablauf der Reaktion beinhalten. „Das Timing ist eine wichtige Sache“, sagte er. „Wenn Sie das Nahrungsmittel essen und dann zwölf Stunden später reagieren, ist dies keine IgE-vermittelte Reaktion. Es könnte eine nicht-IgE-vermittelte Reaktion sein.“

Bei Verdacht auf eine IgE-vermittelte Allergie sollte ein breit angelegtes Screening aufgrund der hohen Rate falsch-positiver Befunde nicht ohne eine begleitende Anamnese durchgeführt werden. Haut-Pricktests zeigen das Vorliegen von IgE-Antikörpern, aber keine klinische Reaktivität an. Sie haben eine Sensitivitätsrate von 90 Prozent, eine Spezifitätsrate von 90 Prozent und abhängig vom individuellen Nahrungsmittel eine Rate falsch-positiver Befunde von 20-60 Prozent.

„Halten Sie bei der Durchführung eines Haut-Pricktests nach etwa 15 Minuten nach einer Quaddel oder einer Hautreaktion Ausschau“, sagte Dr. Spergel. „Sie funktionieren sehr gut. Sie sind relativ schmerzlos...und sie sind sicher. Das jüngste Kind, das ich so untersucht habe, war eine Woche alt. Es war ein Neugeborenes auf der Säuglingsstation. Sie gaben ihm die Flasche und er bekam Ausschlag.“

Milch, Ei und Erdnüsse machen etwa 85 Prozent der Nahrungsmittelallergien aus. Eine Vorhersage darüber, ob ein Kind reagieren wird, basiert auf der Größe der Quaddel im Hauttest. Auch das Alter des Kindes beeinflusst die Größe. So werden zum Beispiel 95 Prozent aller Kinder von 0 bis zwei Jahren mit einer Quaddel von 5 mm oder größer auf Ei reagieren, wohingegen eine Quaddelgröße von 7 mm oder mehr der Schwellenwert für 95 Prozent der älteren Kinder ist.

Zu den unbewiesenen oder experimentellen Tests auf Nahrungsmittelallergien gehören intradermale Hauttests, „die niemals durchgeführt werden sollten“, warnte Dr. Spergel. „Sie sind mit einem Risiko für systemische Reaktionen oder Tod verbunden. Und bei Personen ohne IgE-Reaktionen gibt es eine ziemlich hohe Rate falsch-positiver Ergebnisse.“

Andere unbewiesene Tests sind der Provokations-/Neutralisationstest, zytotoxische Tests, die angewandte Kinesiologie, Haaranalyse, elektrodermale Testung und Tests auf Nahrungsmittel-spezifisches IgG oder IgG4. „Einige dieser Tests kosten ein Vermögen“, sagte er. „Sie machen einige Labore sehr reich, aber sie funktionieren nicht. Empfehlen Sie sie nicht.“

Bei Patienten mit atopischer Dermatitis, gastrointestinalen Syndromen oder anderen chronischen Erkrankungen könnten Eliminationsdiäten über eine bis sechs Wochen am hilfreichsten sein.

„Bei der Nahrungsmittelallergie ist der 100-prozentige Test die orale Provokation, bei der man das Nahrungsmittel verabreicht und schaut, was passiert“, sagte Dr. Spergel. „Die muss möglicherweise ärztlich überwacht werden und man muss Notfallmedikationen zur Hand haben.“

Fällt der Test auf spezifische IgE-Antikörper negativ aus, kann das Nahrungsmittel wieder eingeführt werden, falls nicht eine überzeugende Anamnese für einen überwachten Provokationsversuch spricht. Wenn der IgE-Test positiv ausfalle, solle man bei dem Patienten mit einer Eliminationsdiät beginnen, sagte er.

Führt diese Eliminationsdiät nicht zu einer Ausheilung, kann das Nahrungsmittel wieder eingeführt werden, falls nicht eine überzeugende Anamnese für einen überwachten Provokationsversuch spricht.. Ist die Eliminationsdiät mit einer Ausheilung verbunden, führen Sie einen offenen oder einfach verblindeten Provokationstest oder bei fragwürdigen Ergebnissen eine doppelblinde placebokontrollierte Testung durch.

http://www.univadis.de/medical_and_more/de_DE_News_Article_Medical?profileAOI=3&profileAOIName=Dermatologie&articleItemId=2d844cb585f3a0eb157218966ed4ff81#