Autor Thema: Krebstherapie - Österreich führend !?!?  (Gelesen 6150 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
Krebstherapie - Österreich führend !?!?
« am: 19. September 2008, 20:29 »

"Kurier" vom 16.09.2008

Platz zwei im EU-Vergleich

Krebstherapie: Österreich führt

Viele Krebspatienten setzen ihre Hoffnung auf sie: Neue Medikamente, die gezielt die Vermehrung der Krebszellen blockieren - der KURIER berichtete. Das renommierte schwedische Karolinska-Institut hat in 13 europäischen Ländern untersucht, ob die Patienten diese teuren Präparate in ausreichendem Maße erhalten. Fazit: Österreich liegt bei ihrem Einsatz an der Spitze.

"Zwischen 1995 und 2005 sind in Europa zirka 25 neue Krebsmedikamente auf den Markt gekommen, bis 2012 werden es weitere 50 sein", sagt Studienautor Nils Wilking. Österreich liegt bei den Ausgaben für diese Medikamente mit 3,5 Mio. Euro pro 100.000 Einwohner unter 13 europäischen Staaten an zweiter Stelle, über dem EU-Schnitt (2,6 Mio. Euro) und auch vor Deutschland sowie der Schweiz. Frankreich (4,4 Mio. Euro) befindet sich auf Platz eins. Allerdings: "Möglicherweise gibt es in Frankreich einen Übergebrauch", sagt Wilking: "Unsere Daten zeigen jedenfalls eine angemessene und hohe Verwendung der Präparate in Österreich." Hingegen gebe es in Großbritannien (1, 56 Mio. Euro) eindeutig eine zu niedrige Verschreibung.

Dass die Krebsbehandlung in Österreich auf hohem Niveau stattfindet, zeigt auch eine weitere Studie des Karolinska-Instituts am Beispiel von Lungenkrebs: Ein Vergleich von 25 Staaten weltweit ergab, dass Lungenkrebspatienten nach der Diagnose nur in Frankreich und Japan länger leben als in Österreich: "Das gute Abschneiden von Japan hängt möglicherweise aber auch damit zusammen, dass es dort genetische Krebs-Variationen gibt, die auf die Medikamente besonders gut ansprechen", so Wilking.
Im Spitzenfeld liegt Österreich auch bei der Diagnose: 28 Prozent der Lungenkrebs-Erkrankungen werden in einem frühen Stadium erkannt - mit Ausnahme der Schweiz (ebenfalls 28 Prozent) mehr als in den anderen untersuchten Ländern.

Kritikpunkt
Trotz der guten Resultate gibt es aber auch in Österreich Verbesserungsbedarf: "Patienten klagen immer wieder, dass sie die im Spital begonnenen Therapien im niedergelassenen Bereich nicht in derselben Form nahtlos fortsetzen können", sagt der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer. Denn beim Fach- oder Hausarzt sei es oft schwierig, die Kosten von den Kassen erstattet zu bekommen. Brustbauer: "Es gibt aber bereits intensive Bemühungen, diese Situation zu verbessern."



"Kurier" vom 15.09.2008

"Der Fortschritt in der Therapie ist dramatisch"

Univ.-Prof. Richard Greil ist Vorstand der Uni-Klinik für Innere Medizin III am St.-Johanns-Spital in Salzburg.

KURIER:Viele Experten sprechen von einem Aufbruch in der Krebs-Therapie. Wie groß sind die Erfolge?
Richard Greil: Der Fortschritt ist dramatisch. Als ich vor 15 Jahren begonnen habe, hatten Patienten mit metastasiertem Dickdarmkrebs eine durchschnittliche Überlebenszeit von fünf bis sechs Monaten. Heute sind es über 30 Monate. Gleichzeitig hat die Zahl der Krankheitsformen, gegen die man erfolgreich etwas tun kann, deutlich zugenommen.

Welche zum Beispiel?
Etwa Tumoren im Hals-Nasen-Ohrenbereich: Hier hatten wir über Jahrzehnte keine lebensverlängernde Therapie. Heute bringt uns die Kombination des Antikörpers Cetuximab (Erbitux) mit der Strahlen- oder Chemotherapie eine signifikante Lebensverlängerung.Oder Nierenzellkrebs: Bis vor Kurzem konnten wir nur bei fünf Prozent der Patienten das Leben verlängern, jetzt haben wir innerhalb von zwei Jahren drei neue lebensverlängernde Substanzen bekommen.
Wird manchmal nicht zu viel Hoffnung geweckt? Viele Studien mit neuen Substanzen zeigen zwar eine lebensverlängernde Wirkung, meist aber nur um wenige Monate.
So denken nur die Gesunden, für die Patienten sind das große Fortschritte. Außerdem zeigen die Studienergebnisse nur die Mittelwerte. Ich sehe an der Klinik bei vielen Tumor-Erkrankungen immer mehr Langzeitüberlebende. Ich habe heute Patientinnen, die bereits fünf, sechs Jahre mit metastasiertem Mammakarzinom leben. Bei einigen aggressiven Brustkrebsformen im Spätstadium hat sich die durchschnittliche Überlebenszeit verdoppelt. Angesichts solcher Effekte durch neue Medikamente ist es eine Schande, dass es in Österreich praktische keine öffentliche Förderung für klinische Studien mit Patienten gibt. Es fehlt uns an Geld für eine unabhängige Forschung.
 


"Kurier" vom 15.09.2008

Info: Wie die neuen Substanzen wirken

Zielgerichtete Therapie Neue Medikamente wie "monoklonale Antikörper" oder "kleine Moleküle" wirken jeweils an einer ganz bestimmten Stelle der Krebszellen: Zum Beispiel lassen sie bestehende Blutgefäße in den Tumoren schrumpfen. Oder sie blockieren Wachstumsfaktoren, die für die Entstehung neuer Blutgefäße, die den Tumor versorgen, verantwortlich sind.
Häufigkeit Knapp 40.000 Menschen erkranken jährlich in Österreich an Krebs - ein (durch die steigende Lebenserwartung bedingter) Zuwachs um ca. 25 Prozent seit 1986. Jeder Dritte ist im Laufe seines Lebens von Krebs betroffen. 50 Prozent der Patienten leben heute nach der Diagnose länger als fünf Jahre.
 


"Kurier" vom 15.09.2008

Behandlung von Krebserkrankungen

"Es gibt eine Aufbruchsstimmung"

Müdigkeit und Husten machten Louise Melinder, 32, einer Lehrerin aus Schweden, im Frühjahr 2007 zu schaffen. "Bronchitis" war die erste Diagnose, "Lungenentzündung" die zweite. Im Juli 2007 entdeckten die Ärzte einen aggressiven Lungentumor, der sich bereits ausgebreitet hatte: "Ich war immer Nichtraucherin."
Eine Operation war nicht möglich. Chemotherapie war zunächst erfolgreich - doch sechs Wochen danach begann der Tumor wieder zu wachsen. Seit März erhält Melinder eine "zielgerichtete Therapie": Ein kleines Molekül, das ein Enzym der Krebszellen - und damit ihr Wachstum - hemmt. Der Tumor schrumpfte, bis heute wirken die Tabletten.

Ein Drittel des Rückgangs der Krebs-Sterblichkeit zwischen 1995 und 2003 ist auf den Einsatz solcher innovativer Medikamente zurückzuführen, erklärten Mediziner am Wochenende auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie in Stockholm. Bis 2012 werden 50 neue Präparate zugelassen. "Die neuen Therapien können derzeit die Heilungschance um fünf bis zehn Prozent erhöhen und bei den anderen Patienten die Lebenszeit manchmal um Monate, manchmal um Jahre verlängern", so Onkologe Univ.-Prof. Heinz Ludwig, Wilhelminenspital Wien.

Ein bekanntes Beispiel ist der Antikörper Trastuzumab (Herceptin) für Frauen mit einer besonders aggressiven Brustkrebsform: "Wir können damit heute das Risiko des Wiederauftretens des Tumors um 40 Prozent reduzieren", sagt Mondher Mahjoubi, medizinischer Direktor für Onkologie bei Roche: "Vielleicht benötigen wir in einigen Jahren keine Chemotherapie mehr, sondern setzen nur mehr verschiedene zielgerichtete Medikamente hintereinander ein. Es ist noch zu früh zu sagen, dass Krebs zu einer chronischen Erkrankung wird - aber es geht in diese Richtung."

"Es gibt eine Aufbruchsstimmung", betont auch Onkologe Ludwig: "Trotzdem können wir viele Patienten noch nicht so behandeln, wie wir uns das wünschen würden. Von einer langen Treppe haben wir erst die ersten Stufen erklommen."

Heimischer Erfolg
Einen internationalen "Schrittmachereffekt" hat eine spektakuläre Studie aus Österreich ausgelöst: Das Osteoporosemedikament Zoledronat kann bei Frauen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs die Rückfallhäufigkeit um 36 Prozent senken. Diese Daten hat die Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG) erstmals Anfang Juni in den USA präsentiert. "Es gibt jetzt weltweit etliche Studiengruppen die klären wollen, woran das liegt und diese Frage zum vorrangigen Ziel ihrer Studie gemacht haben", sagte ABCSG-Präsident Univ.-Prof. Michael Gnant von der Uni-Klinik für Chirurgie der MedUni Wien in Stockholm: "Vielleicht wird man in fünf Jahren solche Osteoporose-Medikamente auch bei anderen Tumoren einsetzen."

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
Krebstherapien - keine extremen Kosten!
« Antwort #1 am: 20. September 2008, 09:43 »
"Kurier" vom 13.09.2008


Kostentreiber Krebsmittel?


Studie - In der Gesundheitspolitik werden die modernen Krebstherapeutika immer wieder als bedeutender Kostenfaktor genannt. Doch eine Berechnung des Instituts für Pharmaökonomische Forschung in Wien spricht von einem relativ kleinen Anteil an den Arzneimittelkosten: "Nur 12,21 Prozent der onkologischen Behandlungskosten werden für onkologische Medikamente aufgewendet."

Der Anteil der Krebsmedikamente in Relation zu den gesamten Spitalsausgaben liege bei 1,04 Prozent. "Die onkologischen Medikamentenkosten im Spitalsbereich haben einen Anteil von 0,46 Prozent der Gesundheitsausgaben und 3,66 Prozent an den österreichischen Arzneimittelausgaben." Dies zeige, dass auch die modernen Krebsmedikamente keine "Kostentreiber" seien, heißt es in der Studie.

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
Vorsorge Gebärmutterhalskrebs
« Antwort #2 am: 20. September 2008, 11:33 »
"Kurier" vom 05.09.2008

Gebärmutter

Krebsvorsorge nach neuen Leitlinien


Mit neuen, EU-konformen Richtlinien sollen ab Mitte 2009 flächendeckende Screenings (Reihenuntersuchungen) den Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs verbessern. Obwohl mit dem PAP-Abstrich nicht nur die Krebserkrankung sondern auch Vorstufen erkannt werden können, wird diese kostenlose Vorsorge nur von etwa 50 Prozent der Österreicherinnen in Anspruch genommen. Voraussetzung für einen PAP-Abstrich ist ein Besuch beim Gynäkologen.

Die neue Leitlinie setzt besonders darauf, die Frauen mittels Info-Kampagne und Einladungssystem zum Arztbesuch zu bewegen. Etwa aus Großbritannien wisse man, dass damit die Teilnahmerate auf bis zu 85 Prozent gesteigert werden kann, so Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky und Georg Braune (Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie). Ebenso sollen einheitliche Qualitätskriterien die korrekte Abstrichabnahme sowie die Auswertung gewährleisten, betont Prim. Otto Braun, Obmann der Bundesfachgruppe für Pathologie.

Viele Verdachts- und Krankheitsfälle könnten mit der noch relativ jungen HPV-Impfung verhindert werden. Sie schütze aber nicht vor allen Viren, die diese Krebsart auslösen können, so Braune. Sie mache vor allem bei jungen Mädchen Sinn, die noch keinen Sex hatten. Kdolsky: "Ich stelle die Impfung nicht in Frage, aber manche Begleitfaktoren sind noch zu klären."

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
K+K? Krebs und Kommunikation - leider oft ohne Gefühle!
« Antwort #3 am: 20. September 2008, 11:38 »

"Kurier" vom 05.09.2008
   

Kongress - Worte sind Medizin für Krebskranke

Wer einmal selbst oder bei nahestehenden Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert war, weiß, wie wichtig das gesprochene Wort ist. Bei der Diagnose und auch während der Krebstherapie mit ihren notwendigen, aber belastenden Therapien. Doch wie im hektischen medizinischen Alltag die richtigen Worte oder überhaupt die Zeit finden? Noch dazu, wenn dem Patienten durch seine momentane Ausnahmesituation quasi der Mund verschlossen ist?

"In der Onkologie (Krebsmedizin, Anm.) müssen wir oft katastrophale Botschaften überbringen", sagt Univ.-Prof. Alexander Gaiger vom Wiener AKH. "Als Ärzte müssen wir uns gerade in so einer Situation mehr auf die Patienten einlassen." Das wird im noch jungen Wissenschaftszweig Psychoonkologie versucht. "Ihr Wesen ist im Grunde die Begegnung und Beziehung zwischen Patient und Arzt. Eine gute Beziehung ist auch bei Krebs die Basis für mehr Verständnis."

Diesem gewachsenen Stellenwert trägt auch der diesjährige Kongress Rechnung, den die Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie organisiert hat und der derzeit in Baden bei Wien stattfindet. Dort beleuchten Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger und Therapeuten fachübergreifend alle Facetten der Arbeit mit Krebskranken. "Das Ziel sind gemeinsame Konzepte, mit denen wir die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen können. Je weniger die Krankheit begreifbar ist, desto schwerer ist es, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen", betont Gaiger.

Mit Gefühl

Informationen müssten so vermittelt werden, dass sie eine wirkliche Hilfe für das Leben mit Krebs sind. "Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen." Im Moment der Diagnose komplizierte Therapien anzusprechen, sei bei den meisten kontraproduktiv: "Der Patient hört in diesem Moment nicht mehr zu. In einigen Tagen will er aber vielleicht schon mehr wissen. Das muss man respektieren." Stundenlange Gespräche sind für einen mitfühlenden, aber produktiven Dialog übrigens gar nicht notwendig. "Oft reicht es, zehn Minuten das Handy auszuschalten und sich für den Patienten Zeit zu nehmen", sagt Gaiger.

Wichtig sei auch, die Betroffenen von Schuldgefühlen zu entlasten. "Wer krank wird, hat nichts falsch gemacht. Die Ursachen von Krankheit und Gesundheit sind überaus vielfältig. Die meisten Krankheiten sind einfach eine Verkettung von Zufällen."

http://www.oegpo.at

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
Krebs und Psyche
« Antwort #4 am: 20. September 2008, 11:41 »

"Kurier" vom 05.09.2008
   

Junge Disziplin: Hilfe und Forschung

Entwicklung Die Verbindung zwischen körperlichen Leiden und Psyche ist seit Hippokrates bekannt. Die Psychoonkologie
etablierte sich seit den 1980er-Jahren. Heute ist sie ein interdisziplinärer Fixpunkt in der Krebstherapie.

Im AKH Wien etwa gibt es eine Abteilung, die sich neben der Patientenbetreuung auch der Aus- und Weiterbildung sowie der Forschung widmet.

Buchtipp C. Simonton, J. Creighton, Wieder gesund werden, rororo-Verlag, 9,20 Euro.