Autor Thema: Weisheitszähne  (Gelesen 7489 mal)

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Werner

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Weisheitszähne
« am: 08. Oktober 2008, 23:14 »

Entfernung von Weisheitszähnen

Manche Menschen glauben, es sei Zeitverschwendung, sich die Weisheitszähne entfernen zu lassen, wenn sie gesund sind. Andere behaupten, Weisheitszähne würden nur Probleme verursachen und würden ohnehin nicht benötigt. Einer der Gründe, warum es so viele widersprüchliche Meinungen über Weisheitszähne gibt ist, dass zu diesem Thema so viele Fragen offen sind.

Es ist noch nicht einmal bekannt, warum Weisheitszähne so genannt werden. Möglicherweise liegt es daran, dass die Zähne in der Regel erst zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr durchbrechen und man annimmt, dass die Jugendlichen dann "weiser" geworden sind. Weisheitszähne sind die letzten (im Kiefer am weitesten hinten gelegenen) Zähne auf jeder Seite des Gebisses. Diese Zähne brechen als letzte der drei Mahlzähne (Molaren) durch.

Was passiert, wenn ein Weisheitszahn nicht durchbricht?

Häufig brechen Weisheitszähne jedoch gar nicht oder nur unvollständig durch. Dies passiert im unteren Kiefer häufiger als im oberen Kiefer. Die Ursache kann zum Beispiel sein, dass im Kiefer nicht genügend Platz ist, andere Zähne den Weg versperren oder der Zahn schief im Kiefer sitzt. Dies wird "Retention" genannt (von dem lateinischen Begriff "retenere" = zurückhalten). So haben zum Beispiel bis zu 80 % der jungen Menschen in Europa mindestens einen Weisheitszahn, der nicht durchgebrochen ist.

Bei den meisten Menschen verursachen nicht durchgebrochene (retinierte) Weisheitszähne keine Symptome. Mitunter führen diese Zähne jedoch zu Schmerzen, Schwellungen oder Geschwüren am Zahnfleisch. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von "symptomatischen retinierten Weisheitszähnen". Retinierte Weisheitszähne können manchmal benachbarte Zähne verschieben oder Schäden am Kieferknochen verursachen.

Menschen mit verschobenen Schneidezähnen oder kleinen Kieferknochen befürchten manchmal, dass sich ihre Zähne noch stärker verschieben, wenn ihre Weisheitszähne durchbrechen. Dafür gibt es jedoch keinen Beleg. Zu dieser Frage können Sie hier mehr lesen.

Was sind die Vor- und Nachteile, wenn man symptomlose, nicht durchgebrochene Weisheitszähne entfernt?

Die Entfernung nicht durchgebrochener Weisheitszähne ist einer der häufigsten Eingriffe in der Kieferchirurgie. Er wird durchgeführt, um mögliche zukünftige Probleme wie Schäden an anderen Zähnen oder am Kieferknochen zu vermeiden. Die Operation ist jedoch nicht völlig harmlos: Während des Eingriffs können Nerven oder Blutgefäße verletzt werden. Dies kann zu Blutungen und vorübergehenden oder bleibenden Nervenausfällen mit Gefühlsstörungen oder sogar Lähmungen an der Zunge oder im Gesicht führen.

Die Operation wird unter lokaler Betäubung, in manchen Fällen aber auch unter Vollnarkose durchgeführt. Eine Vollnarkose kann ebenfalls zu Komplikationen führen. Insgesamt steigt das Risiko des Eingriffs mit dem Lebensalter vermutlich an, was häufig als Argument für die Entfernung im jugendlichen Alter herangezogen wird.

Bei den meisten Patientinnen und Patienten ist der Mundbereich nach der Operation geschwollen und die Mundöffnung eingeschränkt. Viele Menschen haben unmittelbar nach dem Eingriff Schmerzen, die aber bald abklingen. Bei manchen Personen kehren sie jedoch nach vier bis fünf Tagen zurück; sie sind dann stärker und mit Schwellungen oder Mundgeruch verbunden. Diese Beschwerden sind Anzeichen für eine sogenannte "trockene Alveole". Dieses Problem kann auftreten, wenn der Blutpfropfen, der die Wunde verschließt, sich vorzeitig löst und das Zahnloch ungeschützt bleibt.

Was kann man gegen die Schmerzen nach dem Eingriff tun?

Viele Menschen greifen nach der Operation zu Schmerzmitteln; manchmal werden auch vor dem Eingriff schmerzlindernde Mittel gegeben. Welche der verfügbaren Schmerzmittel am besten wirken, ist unklar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration, einem internationalen Forschungsnetzwerk, haben den Wirkstoff Paracetamol geprüft. Sie fanden 22 Studien mit insgesamt mehr als 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ihre Analyse ergab, dass Paracetamol dann am wirksamsten war, wenn es alle vier oder sechs Stunden in einer Dosis von 1000 mg eingenommen wurde.

Häufig werden auch verschiedene Ratschläge gegeben, um die Heilung auf der betroffenen Kieferseite zu fördern. Dazu gehört die Kühlung mit einem Eisbeutel, die Spülung mit Chlorhexidin (einem antibakteriellen Wirkstoff) oder salzhaltigem Mundwasser. Manchmal werden auch Kortikosteroide gegeben, um Schwellungen nach einem Eingriff zu vermeiden. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Nachweise über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen.

Verursachen Weisheitszähne Symptome wie Entzündungen, Zahnfäule oder Erkrankungen des umliegenden Gewebes, oder stören die Zähne eine kieferorthopädische oder zahnärztliche Behandlung, wird in der Regel ihre Entfernung empfohlen.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)