Autor Thema: Prostatakrebs - die letzten 10Jahre - eine Zusammenfassung  (Gelesen 4831 mal)

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Dietmar E.

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Was wir in den letzten zehn Jahren über den Prostatakrebs (PK)
gelernt haben sollten

von Stephen B. Strum, MD, FACP
aus den PCRI Insights, Ausgaben Februar und Mai 2008
übersetzt von Hans-Jürgen Weth und Ralf-Rainer Damm
korrekturgelesen von Jürg van Wijnkoop
mit freundlicher Genehmigung des Prostate Cancer Research Institute, Los Angeles

T E I L : 1

http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/strumzehnjahre.pdf


Überblick
Das Ziel dieses Artikels besteht darin, meine Ansichten
zum gegenwärtigen Status der tagtäglichen Versorgung
von PK-Patienten darzulegen. Diese Mitteilung
dient deshalb als Bericht zur Lage der Nation und ist
durch die praktische Patientenbetreuung eines Onkologen
entstanden, der seit 25 Jahren auf PK spezialisiert
ist. Diese Erfahrung basiert auf (1) der Betreuung mehrerer
tausend PK-Patienten zwischen 1983 und 2000, (2)
dazu seit 1995 Kommunikation mit 600 bis 800 PKPatienten
aus der ganzen Welt in detaillierten Wechselbeziehungen,
wobei wir Internetdienste wie Compu-
Serve, Prodigy, und Prostate Pointers nutzten; und (3)
außerdem tiefgehende Erfahrung mit über 400 Patienten,
die Teil meiner praktischen Beratungstätigkeit waren
oder noch sind, seit ich im Jahre 2003 von Kalifornien
nach Oregon übergesiedelt bin.
Dieser Rückblick wird sich auf die Fülle von
Informationen konzentrieren, die in den letzten zehn
Jahren in den Insights enthalten waren, aber er wird sich
weder strikt auf die Insights noch auf die Zeitspanne von
zehn Jahren beschränken. Ich werde mich bemühen, diese
Diskussion so geradlinig wie möglich zu halten. Es
liegt in meiner Natur, aus der Hüfte zu schießen und
mich fernzuhalten von den Plattitüden, die PK-Patienten
und ihren Familien so oft vorgesetzt werden. Ich möchte,
dass jeder Leser wirklich versteht, wo wir in der Welt
des PK heute stehen – und wo wir nach meinem Dafürhalten
sein sollten, gesehen mit den Augen eine Arztes,
der an vorderster Front steht und in die Versorgung seiner
Geschlechtsgenossen eingebunden ist, die sich mit
der Herausforderung PK konfrontiert sehen. Für den einzelnen
PK-Patienten muss eine akkurate Statusbestimmung
(was tut sich auf allen Ebenen der Gesundheit des
Patienten) vor jeglicher Strategiediskussion stehen (welche
sonstigen Untersuchungen und/oder Therapien
könnte man in Betracht ziehen). Beim individuellen
Patienten zeugt also der Status die Strategie. Das gilt
ganz klar ebenso für die Gemeinde der PK-Patienten
insgesamt. Für das Weiterkommen (hoffentlich Vorwärtskommen)
der Gruppe ist es ein Muss zu verstehen,
wo wir heute sind, und das auf die sinnvollste Weise.

Einführung
Diese Ausgabe der PCRI1 Insights feiert deren zehnten
Geburtstag. Die Insights wurden als ernstzunehmendes
Mitteilungsblatt geschaffen – eines, das die entscheidenden
Entwicklungen in den Mittelpunkt stellt – medizinische
Botschaften/Mitteilungen, die den Lebensverlauf
von Männern mit PK und ihrer erweiterten
Familien und Partnerinnen ändern würde. Als Chefredakteur
der Insights während dieser Aufbaujahre war
es mein Ziel, die Aufmerksamkeit auch auf philosophische
Themen zu lenken, die den Betrachtungsweisen
innewohnen, mit denen man Leben verändern kann, und
die die mentalen Spuren hinterlassen, die auf fast alle
Herausforderungen des Lebens angewendet werden können.
Der Name „Insights“ wurde demgemäß aus einer
Anzahl von Gründen gewählt und wurde sehr der Philosophie
des Plato angeglichen, als er die „Gymnastik für
den Körper und die Musik für die Seele“ definierte. Die
harten wissenschaftlichen Fragen, die ich als die Didaktik
bezeichne, sind für den Körper, und die philosophischen
Einsichten (engl. „Insights“), die normalerweise
lebensverändernde Ereignisse begleiten, dienen dem
geistigen Wachstum. Beide sind für das Wohlergehen
der Menschheit grundlegend, und beide sind aufs Engste
miteinander verwoben – oder sollten es sein. Denen, die
diese frühen Ausgaben (1997- 2003) noch nicht gelesen
haben, empfehle ich, auf die Website des PCRI
(www.pcri.org) zu gehen und diese philosophisch orientierten
Artikel nachlesen, da sie Menschlichkeit mit der
grundlegenden Wissenschaft zum PK vereinen.
Von der Notwendigkeit, den Umbruch
in der Medizin zu beschleunigen
Zehn Jahre Fortschritt beim PK stellen für den medizinischen
Fortschritt keine lange Zeitspanne dar. Nach
meiner 45-jährigen Erfahrung auf der Bühne der Krebsmedizin
schätze ich in der Tat, dass es im Durchschnitt
etwa 20 Jahre dauert, bis eine in einer Fachzeitschrift
veröffentlichte sehr wichtige Entdeckung die klinische
Anwendung erreicht. Angesichts der tödlichen Natur
vieler Krebsarten ist diese "Latenzzeit" inakzeptabel.
Die Gründe für derartig lange Verzögerungen bei der
Umsetzung signifikanter Fortschritte (vom Labortisch
zum Krankenbett) hin zum Patienten sind vielfältig.
Folgende lassen sich aufzählen:
(1) Ein Beratungskomitee der FDA2, das ultra-konservativ
ist und dazu noch Angst hat, ein Medikament
oder eine Gerätschaft zuzulassen, das oder die bei
späterer Betrachtung mit einer oder mehreren ernsthaften
negativen Folgen in Verbindung zu bringen
ist,
(2) Eine prozessversessene amerikanische Gesellschaft,
die alles verklagt, was sich bewegt, in Verbindung
mit einem Rechtssystem, das es jedem Tom, Dick
oder Harry erlaubt, leichtfertige Prozesse anzuzetteln,
und zwar ohne jede Verpflichtung zum Eintreten
für die Kosten, wenn ein solcher Prozess abgewiesen
wird. Und dann das Wichtigste:
(3) Das mangelnde Empowerment3 der PK-Gemeinde,
ihre Mitglieder in dem Ziel zu bündeln (oder diese
auch nur zu identifizieren), die Punkte 1 und 2 zu
lösen und so diesem Personenkreis die gemachten
Fortschritte nutzbar zu machen.
Dies ist eine Anklage sowohl gegenüber der Gemeinschaft
der Mediziner als auch die der der Laien. Wenn
wir unsere Haltung nicht von AIL (Apathie, Indifferenz
und Lack of Unity = mangelnder Einigkeit) hin zu ACT
(Aktion, Commitment = Engagement, Togetherness =
Zusammengehörigkeit) verändern, dann werden wir
weiter Familien und Freunde an den PK und andere
lebensbedrohende Krankheiten verlieren, die durch dieselben
Probleme blockiert sind. Wie Martin Luther King
einst sagte: „Unser Leben beginnt an dem Tag zu enden,
an dem wir nicht mehr über die Dinge sprechen, auf die
es ankommt.“

Über die Bedeutung der Einigkeit, um
Änderungen zu bewirken
Summa summarum haben wir uns zu wenig, oder
überhaupt nicht, um die Philosophie gekümmert, dass
„drastische Krankheiten drastische Maßnahmen erfordern“.
Wir – das heißt die Menschheit insgesamt –
haben umgehend die Geschichte vergessen. Churchill
sagte, „was der Mensch aus der Geschichte lernt ist, dass
der Mensch nichts aus der Geschichte lernt“. Ein besonderes
Beispiel sind beeindruckenden Leistungen der
AIDS-Gemeinschaft, die die FDA-Zulassungspraxis
neuer Anti-HIV-Wirkstoffe änderte. Dieser Ausdruck
menschlicher Einigkeit, der durch echtes Empowerment
von Patienten zustande kam, bewirkte die dramatischste
Veränderung, die ich meiner ganzen medizinischen
Laufbahn erlebt habe. Ganze Krankenhausabteilungen
mit furchtbar kranken AIDS-Patienten leerten sich und
konnten schließlich geschlossen werden, und die Überlebensstatistik
und die Lebensqualität von HIV-Patienten
in den USA und anderswo schossen nach oben. Die
AIDS-Gemeinschaft und ihre Unterstützer hätten sich
für diese großartige Leistung den Nobelpreis für
Medizin teilen müssen.

Soweitdie gute Nachricht. Die PK-Gemeinde und
ihre Selbsthilfegruppen (Us Too, Man-to-Man, PAACT,
PCRI) allerdings, so wohlmeinend sie auch sind, und
trotz einiger wichtiger Beiträge, haben nichts aus der
historischen Lektion gelernt, die uns die AIDS-Saga
lehrt. Das Versagen, lieber Brutus, liegt bei denen, die
das meiste zu gewinnen und das meiste zu verlieren
haben – die PK-Gemeinschaft, die die Macht einer vereinten
Front innerhalb einzelner Organisationen und im
Verhältnis dieser Organisationen untereinander erst noch
begreifen muss. Sofern und sobald man sich dieser
Macht klar würde, werden sich die Prognosen der Männer
mit PK exponentiell verbessern, andere Organisationen
werden folgen, und das Ganze wird das Gesundheitswesen
weiterentwickeln. Bis dahin werden wir weiterhin
bergan die Status-quo-Schlacht schlagen, um Veränderungen
zu bewirken, die Zeiträume von zehn bis 20
Jahre benötigen. Pioniere begrüßen neue Ideen; die
Anderen, die sich vor dem Wissen fürchten, bemühen
sich, den Status quo zu halten.

Meine frühe Berührung mit PK
Was kann nun über die tatsächlichen Veränderungen
beim PK-Management in den letzten zehn Jahren gesagt
werden? Waren sie wesentlich? Haben sie an der Genealogie
des PK etwas verändert: Vorbeugung – Diagnose –
Stadienbestimmung – Behandlung – Pflege –
Sterbebegleitung? Ich glaube, ich bin in der einzigartigen
Lage, solche Fragen in diesem Rückblick ehrlich
und kritisch zu beantworten.
Meine Arbeit auf dem Gebiet des PK begann .............

http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/strumzehnjahre.pdf
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2008, 17:34 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

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Prostatakrebs: 1. Zur Erinnerung .............
« Antwort #1 am: 13. Dezember 2008, 18:12 »

dieser Beiträge

und zweitens - ebenfalls zur Erinnerung, denn ........


Prostatakrebs:

Weniger Vorsorgemuffel unter Ehemännern Alleinstehende

Männer gehen seltener zur Früherkennungsuntersuchung für Prostatakrebs als verheiratete oder solche,
die in anderen festen Beziehungen leben. Das fand eine Forscherin der Universität von Michigan bei der Befragung
von annähernd 2500 amerikanischen Männern im Alter zwischen 40 und 79 Jahren heraus.
Die Wahrscheinlichkeit, eine Vorsorge-Untersuchung in Anspruch zu nehmen, ist bei den Singles um 40 Prozent geringer
als bei den Männern in festen Partnerschaften.

Quelle: American Association for Cancer Research
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke