Autor Thema: Wichtige Website-Adressen für onkologische Informationen  (Gelesen 5396 mal)

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Edi

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Prognosemodelle für individualisierte Tumortherapie

Die Nutzung des Internet als Informationsquelle ist für Mediziner aller Fächer heutzutage eine Selbstverständlichkeit, die aus dem klinischen Alltag und insbesondere aus wissenschaftlicher Tätigkeit kaum noch wegzudenken ist. Speziell in der Onkologie ist der Wissenszuwachs enorm. Medizinische Websites helfen dem Arzt essenziell, auf dem aktuellen Stand zu bleiben und seine Patienten individuell und nach State of the Art zu betreuen.

Für wissenschaftlich tätige Ärzte bietet in erster Linie die Medline der National Library of Medicine eine umfassende Sammlung medizinisch-wissenschaftlicher Publikationen. „In Medline finden sich mittlerweile über 12 Millionen Zitate aus über 4.800 biomedizinischen Journalen“, betont Dr. Kathrin Strasser-Weipel, 1. Medizinische Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie, Wilhelminenspital.

Prinzipiell ist die Eingabe eines Suchbegriffs in der Maske der Pubmed Homepage möglich. Um die Treffsicherheit einer Suche zu erhöhen, empfiehlt sich allerdings die Verwendung von MeSH Terms. Daneben ist auch die Suche nach speziellen Kategorien von klinischen Studien möglich.

Individueller Benefit berechenbar

Für den klinisch-onkologischen Alltag sehr hilfreich können die Prognosemodelle zur adjuvanten Therapie sein, mit deren Hilfe man online bei verschiedenen Tumorentitäten den Benefit einer Chemotherapie je nach Tumorstadium, Histologie und Alter des Patienten individuell berechnen kann. Für Kolonkarzinom und Melanom sind diese Tools über die Mayo Clinic direkt zugänglich. Sehr hilfreiche und detaillierte Berechnungsmodelle für Mamma- und Kolonkarzinom lassen sich nach Registrierung auf der Seite „adjuvant! Online“ abrufen.
Aktuelle Informationen zur Therapie der häufigsten Karzinome sind in den Guidelines der verschiedenen onkologischen Gesellschaften zu finden.

In Europa empfiehlt sich insbesondere der Download der „Minimum clinical recommendations“ der ESMO. In relativ kurzer Zeit ist hier eine Vielzahl von aktuellen Guidelines zu zahlreichen Tumorentitäten entstanden. Auch die Website des National Cancer Institute bietet umfangreiche Informationen zu den meisten onkologischen und hämatologischen Entitäten. Die Clinical Practice Guidelines der ASCO sind sehr ausführlich und genau, dafür aber nur für ausgewählte Themen vorhanden. In den USA erfahren dafür die Guidelines des National Comprehensive Cancer Network zunehmend an Bedeutung. Diese Guidelines sind sehr prägnant, meist in Tabellenform gehalten und für die meisten onkologischen Fragestellungen inklusive supportive Therapie vorhanden.

Kostenloser Volltext-Zugang

Die Cancer Library innerhalb der Cochrane Library bietet kostenlosen Volltext-Zugang zu zirka 200 systemischen Cochrane Reviews im Bereich der Onkologie. Außerdem bietet diese Seite auch die Möglichkeit, nach Non-Cochrane Reviews und kontrollierten klinischen Studien zu suchen. Letztere liegen allerdings nur als Abstracts vor.

Zahlreiche medizinische Kongresse bieten die Möglichkeit für Nicht-Teilnehmer, die Abstracts, Educational Boogs und sogar Vorträge im Sinne eines „virtual meeting“ herunterzuladen. Vorreiter ist hier ASCO, das ein Best-of der Vorträge aller Meetings bis zurück ins Jahr 1999 zum Download bietet. Auch auf der Website von ESMO www.esmo.org finden sich ausgesuchte Präsentationen des letzten Kongresses inklusive Slides und Audiotracks als Download. ESMO bietet zusätzlich alle Beiträge der Educational Books ab 2002 zum Download. Diesen Service bietet ASCO nur Mitgliedern.

Quelle: Fortbildungskurs „Onkologie in Klinik und Praxis“, 5.-7. November 2008, Wilhelminenspital.

Interview

Onkologische Fortbildung im Wilhelminenspital
Aktueller Überblick innerhalb von drei Tagen
Der Fortbildungskurs „Onkologie in Klinik und Praxis“ fand Anfang November zum 14. Mal im Wilhelminenspital statt. „Das Intensivseminar vermittelt in komprimierter Form umfassende Information über die für die klinische Betreuung von Krebspatienten wichtigsten Themen“, betont Seminarleiter Prim. Prof. Dr. Heinz Ludwig, 1. Medizinische Abteilung – Zentrum für Onkologie und Hämatologie.

Welche Themen werden traditionell bei Ihrer Fortbildungsveranstaltung behandelt?

Ludwig: Der Vortragsbogen spannt sich von Fragen der molekularen Pathogenese maligner Erkrankungen über moderne diagnostische Methoden bis zu den aktuellen Therapieformen, wobei neben Aspekten der Chirurgie und Strahlentherapie besonderes Augenmerk auf die Methoden der medizinischen Onkologie gelegt wird. Als Referenten stellen sich besonders erfahrene Experten aus Österreich zur Verfügung. Teilnehmer waren heuer v.a. Kliniker, aber auch Vertreter der Industrie sowie niedergelassene Kollegen.

Welche Aspekte waren heuer aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

Ludwig: Besonders interessant war beispielsweise der Aspekt: „how to train yourself?“ Sprich: Wie bekomme ich selbst die maximale Kompetenz bei der Hinterfragung von Daten und beim Zugang zu Daten. Deshalb hatten wir ein Referat zum Thema: Wie können medizinische Onkologen das Internet als Datenquelle am besten nutzen, welche Möglichkeiten stehen hier zur Verfügung? Ein interessantes Beispiel ist die Website www.adjuvantonline.com. Sie bietet unter anderem Modelle, um für einzelne Patienten – etwa mit Dickdarm- oder Brustkrebs – die Prognose unter verschiedenen Therapien simulieren zu können. Vielen Kollegen ist leider gar nicht bewusst, wie leicht man hier auf Informationen zugreifen kann.
Insgesamt ist das Internet ein Schatz, der die Kollegen unabhängiger macht von Bibliotheken und großen Zentren. Interessant ist auch, dass es bereits einige Zeitschriften gibt, die free public access zur Verfügung stellen.

Welche praktisch relevanten Themen wurden angeboten?

Ludwig: Besonders wichtig war der Bereich Komplikationen in der Tumortherapie, weil derartige Situationen einen wesentlichen Einfluss auf die Mortalität haben. Einerseits, weil das Auftreten von Komplikationen die Therapie limitiert, andererseits auch, weil beispielsweise Chemotherapien ja keine ungefährliche Behandlung sind. Wichtig ist auch der richtige Umgang mit bakteriellen, viralen sowie Pilz-Infektionen sowie das richtige Vorgehen bei onkologischen Notfällen.

Diese Informationen wären grundsätzlich auch für niedergelassene Ärzte interessant, oder?

Ludwig: Ja, natürlich, aber der niedergelassene Arzt ist ein armer Mensch. Was soll der praktische Arzt noch alles wissen, was soll der Internist noch alles lernen? Am ehesten relevant und umsetzbar wäre dieses Wissen beim niedergelassenen Hämatoonkologen. Aber aufgrund dieser Wissensflut und der lawinenartigen Expansion des medizinischen Wissens ist das kaum mehr möglich. So geht es uns ja auch selbst als Spezialisten tagtäglich. Man sollte ja gar nicht mehr auf Urlaub fahren, weil, wenn man länger weg ist, kann man kaum mehr aufholen, was in der Zwischenzeit publiziert wurde – das ist die Realität.

Hinweis: Die Ärzte Woche wird in den nächsten Ausgaben über praxisrelevante Vorträge des
Intensivseminars „Onkologie in Klinik und Praxis“ berichten.

  Dr. Monika Steinmaßl-Wirrer