Autor Thema: Uro-Kongresse, Kongressberichte  (Gelesen 13616 mal)

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Josef

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Uro-Kongresse, Kongressberichte
« am: 06. November 2008, 15:51 »
Prostatakarzinom: Neue Therapien, neuer Konsens

Viel Neues gab es beim ASCO 2008 zur Therapie des Prostatakarzinoms: Der Androgenrezeptor bleibt Target, Taxan-Kombinationen zielen auf das Mikromilieu des Tumors ab, und die Kriterien zum Therapieabbruch wurden neu überdacht.

Die diesjährige ASCO-Tagung in Chicago stand ganz im Zeichen einer neuen Ära in der Behandlung des Prostatakarzinoms: Die Unterbrechung des Androgenrezeptor-Signalweges durch neue hormonmanipulierende Präprate trug der in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnis Rechnung, dass das unter Androgendeprivation mit einem LHRH-Agonisten progrediente Prostatakarzinom nicht hormonrefraktär, sondern weiterhin androgensensitiv ist.

Der Begriff hormonrefraktär sollte daher durch kastrationsresistent ersetzt werden. Durch einen durch die Androgendeprivation ausgelösten Selektions- und Adaptationsprozess bleibt das PC in der Lage, in der Tumorzelle selbst weiterhin ausreichend hohe intrazelluäre Androgenkonzentrationen aufrechtzuerhalten, um eine von der systemischen Androgenzufuhr unabhängige Stimulation des Tumorwachstums zu gewährleisten (Abbildung 1).
Tumorzellen können in dieser Situation .... http://www.uro.at/dynasite.cfm?dssid=4896&dsmid=77679&dspaid=730886
« Letzte Änderung: 06. November 2008, 16:00 von Josef »
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
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Carola-Elke

Josef

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Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die jährliche Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und  Andrologie wird heuer, am 7. - 8. November 2008 in Linz, wieder in den Redoutensälen stattfinden.

Die Themenbereiche, die von der Fortbildungskommission auf der Basis der von den Mitgliedern der ÖGU und dem Berufsverband Österreichischer Urologen (BVU) geäußerten Wünsche ausgewählt wurden, umfassen: Highlights 2008 mit aktuellen Informationen aus der Industrie, eine Sitzung zu Spezifischen Infektionen in der Urologie (Tuberkulose, Fournie'sches Gangrän, HPV - Vakzinierung, rez. Harnwegsinfekt des Kindes), ein Update zum Hodentumor (der sonographische Zufallsbefund, Rolle der Chirurgie, Rolle der Chemotherapie, Rolle der Strahlentherapie, Nachsorge), Botox in der Urologie (Blase, Sphinkter, Prostata), eine Sitzung, in der Urologen ihre chirurgischen Tricks bei Eingriffen am äußeren Genitale mitteilen („kleiner Schnitt für große Urologen"). Um die Praxisrelevanz der Vorträge und die Diskussionsbereitschaft zu steigern wurde (i) die Vortragsdauer (außer der drei gesponserten Vorträge) auf 15 Minuten beschränkt um nur die wichtigsten Informationen/Studien zu präsentieren, (ii) alle Vortragende gebeten, zum Schluss 1 - 2 Folien mit „Take Home Messages" vorzubereiten.
Wie schon in den vergangenen Jahren werden wir auch heuer wieder eine Stunde des urologischen Nachwuchses abhalten und einen mit 1.000.- € dotierten Preis für die interessanteste Arbeit vergeben.

Als besonderes Highlight freut es uns, den bekannten Kriminalpsychologen und Buchautor („Bestie Mensch") Dr. Thomas Müller anzukündigen, der einen Vortrag zum Thema „Stress am Arbeitsplatz - Verlust des Selbstwertgefühles: Reaktionen und Gefahren" halten wird.

Es ist geplant am Freitag Vormittag einen ESU-Kurs zum Thema Nephrolithiasis abzuhalten.

Wir hoffen, Sie auch heuer wieder so zahlreich wie zuletzt in Linz begrüßen zu dürfen.

Univ. Doz. Dr. Stephan Madersbacher

für die Mitglieder der Fortbildungskommission der

Österreichischen Gesellschaft für Urologie

Programm:
http://www.uro.at/mm/mm010/Urologie_HP_08.pdf
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
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Carola-Elke

Dietmar E.

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Kongress in Salzburg könnte explosiv werden!
« Antwort #2 am: 16. Juni 2009, 23:42 »
Die heutige Pressekonferenz war rechtzeitig bei den Veranstaltungen in unserem Forum verlautbart.
Welcher „mündige Patient“ war dort?
Welcher „mündige Patient“ liest morgen in den Medien darüber nach,
geht dann zur Prostatakrebsvorsorge?
Bei der PK. wurde angekündigt, dass in Salzburg beim Uro-Kongress einiges sehr heiß diskutiert werden wird!

Super dass ich heute erfuhr: bereits Reporter bedienen sich unserer Hinweise im 1. Krebsforum Österreich!


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Di. 16.6.09,10h, Wien, Pressekonferenz: Prostatakrebs, Prävention/Früherkennung
   
Einladung zur Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie:
Utl.: Online Umfrage: Wie zufrieden sind die Österreicher mit ihrem Sexualleben?

Wien (OTS) - Wie zufrieden sind die Österreicher mit ihrem
Sexualleben? - Diesem Thema geht eine Online-Befragung (n=3500) auf
den Grund. Die Erkenntnisse daraus und neue Studien der
Österreichischen Gesellschaft für Urologie zu diesen Fragen stehen im
Mittelpunkt einer

Pressekonferenz am
Dienstag, 16. Juni 2009, 10.00 Uhr
im Cafe Griensteidl - Karl Kraus-Saal, Michaelerplatz 2, 1010 Wien

Weitere Themen:

 - Prävention und Früherkennung beim Prostatakarzinom.

 - Kritische Auseinandersetzung mit neuen Operationsmethoden in der
   Urologie

Vortragende:

 - Prof. Dr. Nikolaus Schmeller, Österreichische Gesellschaft für
Urologie und Andrologie, Leiter der Abteilung für Urologie am
Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg, Facharzt für
Urologie

 - Prof. Dr. Walter Stackl, Primarius Urologie Krankenanstalt
Rudolfstiftung, Facharzt für Urologie in Wien.

 - Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Abteilung für Urologie &
Andrologie, Donauspital Wien

 - Dr. Karl Dorfinger, Berufsverband der Österreichischen Urologen,
Facharzt für Urologie in Wien

Wir freuen uns, Sie zu diesem Termin begrüßen zu können.

Rückfragehinweis:
   Dr. Christoph Bruckner
   Milestones in Communication
   Tel.: 01 890 04 29, 0664 381 9 501
   Mail: christoph.bruckner@minc.at

Anm.: ANGEMELDETE: Siehe aktualisierte Anlagen zum PSA, imPSA etc.: http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,3375.0.html

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So, was gab es nun bei der PK., wo anerkannte Urologen Neuigkeiten ankündigten?

Meine Fragen und Antworten bei der PK. b bringe ich gleich ein.



1) Es wurde der Uro-Kongress in Salzburg angekündigt, Ende dieser Woche: http://www.uro2009.at/

2) Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Abteilung für Urologie & Andrologie, Donauspital Wien:
Er berichtete von neueren Statistiken zum Prostatakrebs, so auch jeder 6.-8. Mann erkrankt, jeder 30. stirbt.
Studie Dominik. Rep., Männer mit Gendeffekt, kein BPH und kein P.Ca.!
Neue Studie Dutasterid, nach 4 J.: 23 % weniger P.Ca. Patienten als bei Placebo.

PCA3: Hilfe zur Entscheidung einer Rebiopsie.
DNA-Zytometrie: interessant, wird aber selten durchgeführt, eher (noch/wieder) in der Forschung
imPSA: nicht bekannt (bei allen am Podium)
Dutasterid wird gegenüber Dutasterid bevorzugt, es wirkt nämlich 2-fach, trotz ggf. Nebenwirkungen (u. a. verstärkter Haarwuchs, „wo die meisten Männer nichts dagegen haben werden“)

3) Prof. Dr. Walter Stackl, Primarius Urologie Krankenanstalt Rudolfstiftung, Facharzt für Urologie in Wien.
Berichtete über PSA-Screening, Österreich rückständig (Anm.: außer Tirol), zwei neue Studien:
a)   20 % weniger Todesfälle
b)   USA-Studie, nicht so deutlich
Männer sollten PSA-Test machen, dass sie wissen, dass sie KEINEN Prostatakrebs haben.
Frankreich: 50 % der Franzosen kennen ihren PSA-Wert!
Aber: PSA zu 50 % „unrichtig“, Biopsie: nur zu 25 % wird dabei ein P.Ca. entdeckt.

Prof. Dr. Nikolaus Schmeller, Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie, Leiter der Abteilung für Urologie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg, Facharzt für Urologie
da Vinci – Prostatektomie
Siehe auch: http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,1396.0.html
Er berichtete über den „Prostata Roboter Da Vinci“, vor allem über „unrichtige“ Studien, die ggf. nur „Werbestudien“ seien.
Im AKH Wien (angeblich außer Betrieb), Linz und Innsbruck steht ein Roboter.
Nachteil: viele Einzelschnitte, durch das Bauchfell, statt kleinen Bauchschnitts.
Roboter Operationen sind nicht schmerzfreier.
Roboter Op. wesentlich öfter mit Inkontinenz als bei offenem Eingriff, z. B. Laparoskopie.
Lernphase:
normal: 250 Op.
Laparoskopie: 750 Pat. (lt. Janitschek, früher Linz, jetzt ganz neu Salzburg! Siehe 5. Link; gut auch Klagenfurt; detto Barmh. Brüder Wien: 6. Link)
Roboter: weitaus mehr notwendig

Kosten für Prostataentfernung:
3.200.-- bei 2 Tage KH. Aufenthalt
4.225.- bei längerem Aufenthalt
5.100.- mit da Vinci, ohne Aufenthaltskosten

Welches Rehabilitationszentrum hat eine Abteilung für Urologie?
In Bayern, ja, in Österreich kein einziges!

Laparoskopie:
http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2003/2003-01/2003-01-416.PDF
http://www.klinikum.uni-erlangen.de/e467/e668/e7028/e9114/index_ger.html
http://www.kup.at/kup/pdf/4602.pdf
http://www.uro.at/dynasite.cfm?dsmid=82951&dspaid=654796
http://www.salk.at/80_5075.html
http://www.barmherzige-brueder.at/content/site/wien/abteilungen/urologie_und_andrologie/ueber_uns/unser_aerzteteam/index.html




Dr. Karl Dorfinger, Berufsverband der Österreichischen Urologen,
Facharzt für Urologie in Wien
Vorzeitiger Samenerguss: „Reden ist Gold“.
Bericht der „eigenen“ Internetbefragung:
3600 User auf www.youmed.at
Nur 40 % mit Sex zufrieden!
Neues Medikament kann helfen:
PRILIGY® (Dapoxetin) erhält die Zulassung für die Behandlung der Ejaculatio praecox in Deutschland
Erstes und einziges zugelassenes und rezeptpflichtiges orales Medikament gegen vorzeitige Ejakulation
http://de.wikipedia.org/wiki/Dapoxetin
http://www.presseportal.de/pm/16998/1393429/janssen_cilag_gmbh


Das war`s.
Und als ich diese Zeilen schrieb kam ein Anruf: Schau ins ARD-TV. Im Internet habe ich dann den Beitrag gefunden. Da wird PSA-Screening „verteufelt“, „nichts wert“, Patient: „Ich wurde zum Krebspatienten gemacht!“, etc. ……

Diesen Beitrag habe ich bereits auf einem anderen Sender vor ein paar Tagen gesehen – vielleicht wird er wo wiederholt. Falls du es erfährst, bitte mitteilen:
prostatakrebs@krebsforum.at


Die aktuelle "PSA-Geschichte" habe ich hier weiter geführt: http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,3390.msg8864.html#msg8864
Wie ist deine Meinung, deine Erfahrung, dein ........?


Nachdem du die anderen Beiträge gelesen hast, schreibe deinen Beitrag zu für oder gegen PSA-Screening, oder zu .............!





« Letzte Änderung: 17. Juni 2009, 00:15 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

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Uro-Kongresse, Salzburg
« Antwort #3 am: 17. Juni 2009, 00:36 »
http://www.uro2009.at/

35. Gemeinsame Tagung der Österr. Ges. für Urologie und Andrologie

und der Bayrischen Ges. für Urologie

18.-20.6.2009, Salzburg



Als Themenschwerpunkt des Kongresses wurde gewählt:

    *
      "Prostatakarzinom - Diagnostik" (Voraussichtlich werden Prof. Fritz Schröder aus Rotterdam und Prof. Peter Albertsen aus Connecticut, U.S.A. kommen und die neuesten Daten über die Früherkennung präsentieren)

   

Prim. Univ. Prof. Dr. Nikolaus Schmeller

Prof. Christian Stie

    *
      Prostatakarzinom - Therapie" (Es wird interessant sein zu sehen, ob wir am Anfang oder am Ende des "Roboterzeitalters" in der radikalen Prostatektomie stehen.)
       
    *
      "BPH - innovative Ablationsverfahren" (Durch Fortschritte in der Technik werden immer neue Ablationsverfahren zur Verfügung gestellt, die Ergebnisse der TURP teilweise sogar übertreffen, wie es z. B. für die Holmium-Laser-Enukleation inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen ist. Halten die neuen Verfahren das, was die Industrie verspricht?)
       
    *
      "Beckenbodenrekonstruktion bei der Frau" (Die neuen Rekonstruktionsverfahren unter Verwendung gewebeverträglicher Netzimplantate sind auch für Urologen interessant. Die Pioniere auf diesem Gebiet werden berichten.)

http://www.uro2009.at/

"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Werner

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Re: Uro-Kongresse, Kongressberichte
« Antwort #4 am: 17. Juni 2009, 10:15 »

In der heutigen Krone ist auch ein Bericht - Seite 31.

Edi

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Josef

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Prostatakrebs: Diagnostik und Therapien in Diskussion
« Antwort #6 am: 30. Juni 2009, 17:59 »
Onkologie: Focus auf die Prostata

Neueste Entwicklungen zur Frühdiagnose und Therapie des Prostatakarzinoms wurden auf der interdisziplinären Veranstaltung „Updates und Trends in Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms“ in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften präsentiert. 28.1.09

In den vergangenen Jahren ist ein deutlicher Anstieg von Prostatakrebsdiagnosen auch bei jüngeren Männern zu beobachten. Sowohl bei Diagnose als auch Therapie kommt neben der urologischen Abklärung modernen radiologischen Verfahren und neuen Therapieformen eine immer größere Bedeutung zu. Die enge Kooperation der Radioonkologie des SMZ Ost Donauspital Wien und der Radiologie im Ambulatorium Döbling waren Anlass, Ende Jänner im Rahmen der Veranstaltung „Focus Prostata“ über die neuesten Entwicklungen und Verbesserungen auf diesen Gebieten zu berichten.

Magnetresonanztomographie

Entscheidende Fortschritte gab es in den vergangenen Jahren bei der Magnetresonanzdiagnostik der Prostata durch den Einsatz einer speziellen endorektalen Spule und einer komplexen, dynamischen Computeranalyse der Kontrastmittelanfärbung im Prostatagewebe. „Bei vielen Patienten kann so vor einer geplanten Biopsie, der Entnahme von Prostatagewebe bei Verdacht auf einen Tumor, das Prostatakarzinom eingegrenzt beziehungsweise das Tumorstadium schon sehr exakt bestimmt werden“, berichtete Dr. Thomas Hambrock, Radiologe an der Radboud Universität Nijmegen, im Rahmen des Symposiums. Vor allem Hochrisikopatienten und solche mit erhöhtem oder steigendem PSA bei gleichzeitig mehrfach negativen TRUS-Biopsien stellen die behandelnden Urologen vor schwierige Herausforderungen. „Die multimodale MR ist eine State-of-the- Art-Technik mit hervorragender Tumorlokalisationsfähigkeit. Wenn man Biopsien von Arealen, die im MR verdächtig aussehen, entweder unter TRUS-Führung oder MR-Führung durchführt, kann man dadurch die Tumorentdeckungsrate signifikant erhöhen, ohne indolente Tumore zu überdiagnostizieren“, schloss Hambrock.
Diese diagnostische Methode wird nun auch an der Abteilung für Radiologie im Ambulatorium Döbling, Wien, von Prim. Dr. Wolfgang Kopsa erfolgreich durchgeführt. „Das Ambulatorium Döbling ist das erste Zentrum in Österreich, das diese Software vor Ort einsetzen kann“, so Kopsa. „Für die Zukunft werden neue eisenhältige MR-Kontrastmittel helfen, auch einen minimalen Lymphknotenbefall zu entdecken, was entscheidende Bedeutung für die Therapie hat“, ergänzte der Radiologe Univ.-Prof. Dr. Jelle Barentsz von der Radboud Universität Nijmegen. Ferumoxtran- 10 besteht aus eisenoxidhältigen Nanopartikeln.
Wird dieses Kontrastmittel intravenös verabreicht, nehmen die Makrophagen es auf und transportieren es in das gesunde Lymphgewebe. Das Eisen verursacht Veränderungen in den magnetischen Charakteristika des Gewebes, woraus eine niedrige Signalintensität auf dem MR-Bild resultiert. Also zeigen sich gesunde Lymphknoten 24 bis 36 Stunden nach der Injektion mit Ferumoxtran- 10 auf den MR-Bildern schwarz, was auf das Eisen in den Makrophagen zurückzuführen ist. In metastasierten Lymphknoten gibt es keine Makrophagen, deshalb ist die Signalintensität dort nicht verringert; das Gewebe ist weiß.

Bestrahlung von innen

Auch im Rahmen der Therapie gibt es neue Ansätze. Neben dem Goldstandard der operativen Entfernung der gesamten Prostata entwickeln sich attraktive Alternativen. „Mittlerweile wurde die Brachytherapie, also eine Strahlenbehandlung von „innen“, als neue Therapieform so weit optimiert, dass heute nicht mehr unbedingt ein operativer Eingriff erforderlich ist“, erklärte der Urologe Dr. Stefan Machtens, Marienkrankenhaus in Bergisch- Gladbach. „Die Brachytherapie liefert nach nunmehr langjährigem Beobachtungszeitraum bereits sehr gute und mindestens vergleichbare Ergebnisse.“ Gerade beim Niedrigrisikotumor sei die „Low dose rate“-Brachytherapie (LDR-Brachytherapie) als alternatives therapeutisches Verfahren sowohl zur radikalen Prostatektomie als auch zur perkutanen Strahlentherapie anzusehen.
Als ideal geeignet für die LDR-Monotherapie werden Patienten mit einem PSA <10ng/ml, einem Gleason-Score <7 sowie einem T1c- bis T2-Tumor angesehen. „Die Datenlage zum Einsatz der LDR-Monotherapie und der Kombination LDR-Brachytherapie und perkutane Bestrahlung bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom im intermediären Risikobereich ist inzwischen so umfangreich, dass bis zum Vorliegen prospektiver Studien, die als Äquivalenzstudien konzipiert sein müssen, diese beiden Therapiealternativen in diesem Risikobereich nicht ausgeschlossen werden dürfen“, so Machtens.
So zeigten kürzlich publizierte Kohortenstudien an zirka 3.000 Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom unter dem Einsatz der LDR-Brachytherapie als Monotherapie bei medianen Follow-ups zwischen 44 und 82 Monaten ein biochemisch rezidivfreies Überleben im Niedrigrisikobereich zwischen 91 und 97 Prozent und im intermediären Risikobereich zwischen 80 und 96 Prozent. Auch an der Radioonkologie des SMZ Ost des Wiener Donauspitals wurde diese Methode schon vor zehn Jahren von Univ.-Doz. Dr. Robert Hawliczek erfolgreich etabliert. Dabei werden unter Narkose radioaktive Metallstäbchen (Seeds) direkt in die Prostata implantiert und geben ihre Strahlung in kleinen Dosen in das Tumorgewebe ab. „Die Implantation erfolgt sehr präzise computergesteuert unter Ultraschallkontrolle, wodurch kaum noch relevante Nebenwirkungen beobachtet werden“, erläuterte Hawliczek. Dr. Renee Oismüller, Radioonkologin im SMZ Ost, ergänzte: „Ein neuerlicher großer Fortschritt gelang hier mit einem vollständig neuen Implantationssystem und einer speziellen Planungssoftware, durch die das Tumorgewebe gezielt bestrahlt wird und die umgebenden Organstrukturen nahezu vollständig ausgespart werden können.“
Damit sei die Indikation zur kurativen Radiotherapie des frühen Prostatakarzinoms durch einen weiteren, sehr schonenden Ansatz wesentlich erweitert worden. Die moderne Brachytherapie stellt im Frühstadium eine Behandlungsalternative dar, die den Patienten neben dem Risiko einer großen Operation vor allem auch die sehr belastenden Nebenwirkungen wie zum Beispiel Inkontinenz und Impotenz ersparen kann.

Teletherapie: Bestrahlung von außen

Die klassische Strahlentherapie mittels Linearbeschleuniger, die als Teletherapie bezeichnete Strahlenbehandlung, bei der die Bestrahlung des Tumors hochdosiert und zielgenau von außen erfolgt, unterliegt einer rasanten Entwicklung. Auch hier helfen neue Computertechnologien, den Tumor exakt und selektiv zu treffen. „Diese Methode eignet sich besonders für Patienten, die für eine Brachytherapie nicht in Frage kommen“, so Univ.-Prof. Dr. Richard Pötter, Universitätsklinik für Strahlentherapie, Wien. „Dies ist etwa der Fall, wenn ein Patient die Narkose nicht verträgt oder der Tumor die Prostatakapsel bereits überschritten hat.“ Bei der Teletherapie gilt: Je höher die Dosis, desto besser die Wirkung. „Bei Verabreichung einer entsprechend hohen Gesamtdosis von mehr als 72Gy ist der Therapieerfolg vergleichbar gut wie zum Beispiel der der radikalen Prostatektomie“, erklärte Pötter.
An der Wiener Universitätsklinik für Strahlentherapie wurden zwischen 1994 und 2007 202 Patienten mit einer Gesamtdosis von 66Gy und 356 Patienten mit einer Gesamtdosis von 74Gy bestrahlt. Bei der Gruppe mit der höheren Gesamtdosis konnte die biochemisch rezidivfreie Fünf-Jahres-Überlebensrate von 44 auf 78 Prozent signifikant gesteigert werden. Pötter: „Diese Dosiserhöhung und die damit verbundene signifikante Steigerung der Tumorkontrollrate bei gleichzeitig kaum veränderter Rate an maximalen Nebenwirkungen war nur durch den Einsatz der bildgestützten dreidimensionalen Bestrahlungsplanung unter zusätzlicher Verwendung des MRT in der Plaungsphase möglich.“

Verbesserte Operationstechniken

Allerdings können bei der Strahlentherapie auch Komplikationen auftreten, weshalb speziell beim kapselüberschreitenden Tumor sehr wohl die Indikation zur radikalen Prostatektomie gegeben ist. „Die radikale Prostatektomie selbst wurde technisch verbessert, die Eingriffsmodalitäten diversifiziert“, sagte Univ.-Prof. Dr. Heinz Pflüger, Leiter der Abteilung für Urologie des Krankenhauses Hietzing. „So wird heute die offene, transabdominelle bzw. perineale radikale Prostatektomie, die laparoskopische und die roboterunterstützte laparoskopische Prostatektomie angeboten.“ Alle diese Operationstechniken sind im Vergleich untereinander äquieffektiv und äquivalent, es konnte bisher noch kein eindeutiger Vorteil bei einer der Techniken gefunden werden. Eine Ausnahme stellt möglicherweise die radikale Prostatektomie bei stark übergewichtigen Patienten dar; ihnen könnte die roboterassistierte laparoskopische Operation Vorteile bringen.

Hormontherapie bei fortgeschrittenem Karzinom

Die Frage nach dem optimalen Beginn einer Hormontherapie bei Prostatakrebs diskutierte Univ.- Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Leiter der Abteilung für Urologie des SMZ Ost Wien, wobei er den frühen und verzögerten Einsatz des Therapiebeginns sorgfältig gegeneinander abwog: „In klinischen Studien wurden vor allem die Vorteile einer frühen Hormontherapie für Patienten mit Lymphknotenmetastasen nach Entfernung der Prostata sowie für jene mit einem lokal fortgeschrittenen, nicht metastasierten Prostatakarzinom nachwiesen.“ In diesen Serien, präzisierte Madersbacher, fände sich ein signifikanter Überlebensvorteil für die sofortige Hormontherapie.
In einer Subgruppenanalyse einer dieser Untersuchungen zeigte sich, dass Männer, die älter als 70 Jahre waren, mit einem PSA-Wert <50ng/ml und einer PSA-Verdoppelungszeit von mehr als zwölf Monaten von einer frühen Hormontherapie nicht profitieren. Ein Vorteil der verzögerten Hormontherapie in dieser Studie war, dass 50 Prozent der Patienten im verzögerten Therapiearm nie eine Behandlung benötigten, da sie entweder nie in den Tumorprogress kamen oder an einer anderen Ursache als dem Prostatakarzinom verstarben. Kontrovers diskutiert wird nach wie vor die Wertigkeit der maximalen Androgenblockade. „Es bleibt umstritten, ob der in Metaanalysen nachgewiesene fünfprozentige Überlebensvorteil Rechtfertigung genug ist, diesen teuren und nebenwirkungsreichen Ansatz generell zu empfehlen“, so Madersbacher.

Wirksame Chemotherapie

Einen erfolgreichen Therapieansatz stellt auch die Chemotherapie dar, wie Univ.-Prof. Dr. Michael Krainer von der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien, beleuchtete. „Früher hielt man die Chemotherapie für Patienten mit Prostatakarzinom nur im späten Krankheitsstadium für sinnvoll. Neue Studien belegen allerdings die Wirksamkeit der Behandlung des hormonunabhängigen Prostatakrebs mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel.“ Von großer Bedeutung sei auch hier die Kombination mit Strahlentherapie, dem Einsatz von anderen Medikamenten wie Bisphosphonaten und ein adäquates Management von Schmerz und Nebenwirkungen.

Symposium „Prostata im Focus – Updates und Trends in Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms“, 28. Jänner 2009, Akademie der Wissenschaften, Wien
© MMA, CliniCum urologie 1/2009
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
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doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke