Autor Thema: Krebs Selbsthilfegruppen unverzichtbar  (Gelesen 2321 mal)

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Dietmar E.

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Krebs Selbsthilfegruppen unverzichtbar
« am: 08. November 2008, 16:06 »

Selbsthilfe: unverzichtbar in der Therapie

Donnerstag 6 November 2008

4. Tag der Krebs-Selbsthilfe in Bonn mit konkreten Forderungen

Bonn – Um die Versorgung krebskranker Menschen in der Akuttherapie zu verbessern und eine ganzheitliche Betreuung der Betroffenen zu gewährleisten, ist die Einbindung der Selbsthilfe in die onkologischen Versorgungsprozesse und -strukturen eine zwingende Voraussetzung. Denn: Die „Betroffenenkompetenz“ ergänzt die Leistungen des professionellen Versorgungssystems und ist dadurch unverzichtbar für die Patienten. Das ist das Fazit des diesjährigen Tages der Krebs-Selbsthilfe.

Die Deutsche Krebshilfe hat den Tag gemeinsam mit allen von ihr geförderten Krebs-Selbsthilfeorganisationen zum nunmehr vierten Mal ausgerichtet. Ziel der Veranstaltung war es, der Selbsthilfe in der medizinischen Akut-Versorgung von Krebs-Patienten noch mehr Akzeptanz zu verschaffen. Rund 200 Vertreter der Selbsthilfe, Ärzte, Experten aus der Pflege, der Psychoonkologie, der Gesundheitspolitik und von den Krankenkassen diskutierten am 5. November 2008 in Bonn-Bad Godesberg über Erfolge und Chancen der Zusammenarbeit.

Selbsthilfegruppen stärken die Patientenkompetenz, unterstützen Krebs-Patienten bei der Krankheitsbewältigung und tragen somit zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung bei. Diese Unterstützung kann zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung wertvoll sein: Direkt nach der Diagnose, während der oft langwierigen und nebenwirkungsreichen Therapie und in der Nachsorge, wenn die Angst besteht, wieder zu erkranken. Die Teilnehmer des Tages der Krebs-Selbsthilfe waren sich einig, dass insbesondere Patienten in der Akutphase psychosoziale Unterstützung durch Gleichbetroffene benötigen: „Während der Behandlung hat der Patient viele Fragen. Er ist verunsichert, braucht Informationen und Rat - besonders zu Fragen des Lebens mit der Krankheit und einer möglichen Behinderung. Der Hinweis auf eine Selbsthilfegruppe, die ihm den Austausch mit Betroffenen ermöglicht, ihm Mut macht und zusätzlich Orientierungshilfe bietet, kann zu diesem Zeitpunkt für ihn sehr hilfreich sein und Ängste reduzieren“, sagte Frau Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, beim ’Tag der Krebs-Selbsthilfe’ in Bonn.

Sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Akut-Versorgung leistet die Selbsthilfe psychosoziale Unterstützung. So reden die Mitarbeiter des Besucherdienstes der Deutschen ILCO, einer Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Darmkrebs-Patienten, mit Betroffenen bereits im Krankenhaus. „Durch das eigene Beispiel wollen wir vermitteln, dass auch ein Leben mit Darmkrebs oder einem künstlichen Darmausgang lebenswert ist. Wir geben Tipps für das Alltagsleben und vermitteln Zuversicht“, sagte Professor Dr. Gerhard Englert, Vorsitzender der Deutschen  ILCO und selbst Träger eines Stomas.

Auch die anderen Krebs-Selbsthilfeorganisationen arbeiten vielerorts eng mit Kliniken und niedergelassenen Onkologen zusammen. Trotzdem wird die Selbsthilfe in der Routineversorgung oft noch nicht genügend mit einbezogen. „Gründe dafür sind Unkenntnis oder Vorurteile seitens der Ärzte und anderer Fachleute im Versorgungsprozess, aber auch unerfahrene oder ungeschulte Selbsthilfevertreter“, so Englert. Hier herrsche auf vielen Ebenen noch großer Handlungsbedarf.

Neben der unmittelbaren psychosozialen Unterstützung von Patienten bringen Vertreter der Selbsthilfe die Patienteninteressen auch in medizinischen und politischen Gremien ein und wirken bei der Neugestaltung von Strukturen mit. „Bereits bei der Entwicklung von Versorgungsstrukturen und -abläufen muss Selbsthilfe ihren Platz haben und die Bedürfnisse und Belange von Patienten geltend machen - nicht erst, wenn alle Weichen gestellt sind“, sagte Hilde Schulte, Bundesversitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs.

Die Selbsthilfevertreter fordern daher ihre konsequente Verankerung in den neu entstehenden onkologischen Zentren. „Unsere Einbindung darf dabei nicht Mittel zum Zweck sein, etwa, um eine Zertifizierung zu erhalten“, so Schulte. Die Selbsthilfe müsse zu einer akzeptierten, festen Größe in der Versorgung werden, da Betroffene bestimmte Bereiche hilfreich und sinnvoll mit abdecken können.

Die Einbindung der Selbsthilfe ist ein Kriterium für die Förderung eines Onkologischen Spitzenzentrums durch die Deutsche Krebshilfe. „Wir sehen uns maßgeblich in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Zusammenarbeit mit Vertretern der Krebs-Selbsthilfe kein Lippenbekenntnis bleibt“, sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, in Bonn.

Die ersten vier von der Deutschen Krebshilfe geförderten Spitzenzentren würden in Kürze evaluiert und insbesondere auf die Umsetzung der Kriterien hin überprüft. „In der nun anstehenden Begutachtungsphase für die Förderung und Etablierung weiterer sechs Zentren gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir haben unser internationales Gutachterteam auch mit einem Selbsthilfevertreter besetzt“, berichtete Nettekoven. Damit will die Deutsche Krebshilfe einmal mehr der unverzichtbaren Rolle der Selbsthilfe in der Versorgung von Krebs-Patienten Rechnung tragen.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)