Autor Thema: Darmkrebs: Virtuelle CT - Koloskopie  (Gelesen 5472 mal)

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Geri

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Darmkrebs: Virtuelle CT - Koloskopie
« am: 13. November 2008, 13:35 »
Münchner Darmkrebsstudie

Virtuelle Koloskopie könnte Darmspiegelung ersetzen

11.11.08 - Koloskopie-Screening könnte 90 Prozent aller Darmkarzinome verhindern. Allerdings hat sich die Untersuchung nach wie vor zu wenig durchgesetzt. Die weniger belastende CT-Kolonographie ist genauso treffsicher, wie die Münchner Darmkrebsstudie gezeigt hat.

Ob die CT-Kolonographie die Koloskopie (Bild) verdrängen kann, bleibt angesichts der ungefähr dreimal so hohen Kosten abzuwarten.

Die Münchner Darmkrebs-Vorsorgestudie konnte erstmals im europäischen Raum zeigen, dass die CT-gestützte "virtuelle Koloskopie" eine Genauigkeit erreicht, die derjenigen der echten Darmspiegelung gleicht. Die Ergebnisse der Studie (Gut; online first; doi:10.1136/gut.2008.156448) könnten nach Einschätzung der Autoren um Dr. Anno Graser von der Universität München dem Einsatz innovativer Screeningmethoden den Weg bereiten.

Die Untersuchung verglich CT-Kolonographie, klassische Koloskopie, Sigmoidoskopie, Haemoccult-Test und immunologischer Stuhl-Bluttest bei asymptomatisch Gesunden mit einem Lebensalter von 50 Jahren und mehr. Familiäre Belastung für Darmkrebs oder erblichen Darmkrebs galt aus Ausschlusskriterium.

Insgesamt nahmen 139 Frauen und 168 Männer mit einem mittleren Alter von 60,5 ± 7 Jahren teil. Als Endpunkte der Studie wurden sowohl eine patientenbezogene wie auch eine polypenbezogene Sensitivität für Adenome > 5,9 mm und > 9,9 mm festgelegt. Zudem wurde die Sensitivität für fortgeschrittene Kolonneoplasien gewertet.

Sigmoidoskopie nur eingeschränkt geeignet

Koloskopie und virtuelle CT-Kolonographie zeigten eine vergleichbare Sensitivität in der Erkennung von fortgeschrittenen Kolonneoplasien und Adenomen. Die Sigmoidoskopie bietet sich nur eingeschränkt als Alternative an, wenn eine Koloskopie abgelehnt wird. Die Stuhltests zeigten sich allgemein weniger empfindlich für Adenome.

Generell, so die Autoren, wäre aufgrund der Ergebnisse eine Modifikation der Screening-Richtlinien denkbar.

Quelle: LMU München

admin

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Darmkrebs-Früherkennung: Virtuelle CT - Koloskopie
« Antwort #1 am: 02. März 2011, 22:19 »

Dass bei unklaren Befunden oder auch eindeutigen erst wieder "manuell" vorgegangen werden muss,

um Gewebe heraus zu holen, muss jedem klar sein!




Brennpunkt Bildgebung: Virtuelle Koloskopie als optimale Ergänzung zur Früherkennung
Utl.: Österreichische Spezialisten im Fokus anlässlich des kommenden Europäischen Radiologenkongresses. =

   Wien (OTS) - Die optische Darmspiegelung - medizinisch Koloskopie
- ist derzeit die Standarduntersuchung, wenn es um die Diagnostik von
Dickdarmerkrankungen geht. Vor allem bei der Früherkennung von
Tumoren und bei der Behandlung bzw. Kontrolle von
Dickdarmerkrankungen ist sie unumgänglich.

   Optische Darmspiegelung auch unter Narkose möglich
Um den Darm auf Veränderungen untersuchen zu können, verwendet der
behandelnde Arzt ein Koloskop, ein flexibles, schlauchartiges
Instrument mit circa 1,2 Metern Länge, an dessen Spitze ein
Kamerachip angebracht ist.
Zur Vorbereitung auf eine Koloskopie ist außerdem eine vollständige
Reinigung des Darms mittels Abführmitteln nötig. Die eigentliche
Untersuchung dauert circa 25 Minuten und kann sowohl unter Sedierung
als auch unter Kurznarkose durchgeführt werden.

   Darmpolypen als häufigste Erkrankung
Eine sehr häufige Erkrankung des Dickdarms sind Dickdarmpolypen,
gutartige Geschwülste, die aber zu bösartigen Tumoren entarten
können. Eine rechtzeitige Diagnose im gutartigen Stadium mittels
Koloskopie ist der beste Weg, bösartigen Darmtumoren vorzubeugen.
Auch Verengungen des Darms, die durch Entzündungen oder Tumore
entstehen, sind häufige Erkrankungen und wären durch eine regelmäßige
Vorsorge gut zu verhindern.

OA Dr. Thomas Mang, Leitender Facharzt für gastrointestinale
Radiologie an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik der
Medizinischen Universität Wien, weiß, dass die Darmspiegelung nicht
gerade zu den beliebtesten Vorsorgeuntersuchungen zählt: "Generell
erreicht man mit der optischen Koloskopie nur einen Teil der
Patienten, die von einer Dickdarmvorsorge profitieren würden. Durch
das Angebot einer weniger belastenden Alternativuntersuchung könnte
die generelle Akzeptanz der Vorsorge in der Bevölkerung gesteigert
werden".

   Virtuelle Koloskopie als Alternative
Eine Alternative zur optischen Darmspiegelung ist die virtuelle
Koloskopie, welche per Computertomographie oder
Magnetresonanz-Tomographie durchgeführt wird und zur Gänze auf ein
optisches Koloskop verzichtet.
Die virtuelle Koloskopie kommt vor allem bei einer inkompletten, d.h.
nicht vollständig durchführbaren, optischen Darmspiegelung oder einer
klaren Kontraindikation zur optischen Koloskopie, wie z.B.
Blutungsneigung, oder Herzkreislauferkrankungen, zum Einsatz. Die
Untersuchungsdauer liegt mit 5-10 Minuten deutlich unter jener der
konventionellen Methode, eine Narkose oder Sedierung ist nicht
notwendig.

Die virtuelle Koloskopie hat aber nicht nur auf Grund ihrer kürzeren
Dauer und der weniger belastenden Untersuchung Vorteile für die
Patienten, sondern ist laut Mang wegen ihrer unterschiedlichen
Methodik als effektive Ergänzung zur optischen Variante zu sehen:
"Methodische Vorteile der Untersuchung ergeben sich aus der
Möglichkeit, Darmabschnitte zu untersuchen, die mittels Koloskopie
nicht erreichbar sind. Das können beispielsweise Verengungen des
Darmes sein, die mittels des Koloskops nicht überwunden werden können
oder besonders lange oder verwundene Dickdärme, die nicht gänzlich
untersucht werden können.
Weiters wird bei der virtuellen Koloskopie nicht nur der Dickdarm,
sondern auch das gesamte Abdomen untersucht. Dadurch werden auch die
übrigen Organe des Bauches mit untersucht und beurteilt".

   Geringe Strahlenbelastung durch ALARA-Prinzip
Um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten, wird nach dem
sogenannten ALARA Prinzip (as low as reasonably achievable)
vorgegangen, welches besagt, dass die einzusetzende Strahlenmenge so
niedrig wie möglich sein soll, um das gewünschte Ergebnis zu
erreichen.
Auch Mang sieht die Strahlenmenge bei der virtuellen Koloskopie in
einem mehr als akzeptablen Bereich angesiedelt: "Generell werden für
die virtuelle Koloskopie Niedrigdosis-Protokolle empfohlen, weshalb
das untersuchungsbedingte Risiko einer strahlenassoziierten
Folgerkrankung bei einmaliger Untersuchung vernachlässigbar klein
ist. Beispielsweise ist das fiktive Risiko an einer Krebserkrankung,
die rückführend mit einer virtuellen Koloskopie assoziiert werden
kann, zu erkranken um ein Vielfaches geringer als das
Lebenszeitrisiko eines bösartigen Dickdarmtumors."

   Keine Kostenübernahme bei virtueller Koloskopie
Es ist aber nicht die anfallende Strahlenmenge der Grund für die
niedrige Verbreitungsrate der virtuellen Koloskopie, sondern die
Tatsache, dass es derzeit keine allgemeine Kostenübernahme durch die
Krankenversicherungen gibt und die Untersuchung zwar in manchen
Krankenhäusern und Spitälern angeboten wird, allerdings nicht im
niedergelassenen Bereich.
Die virtuelle Koloskopie darf trotz ihres Potentials nicht als
Konkurrenz zur optischen Variante gesehen werden und wird diese als
Standarddiagnose-Verfahren auch nicht ersetzen können. Vielmehr ist
sie eine leistungsfähige Ergänzung und Alternative, die vor allem
dann zum Einsatz kommt, wenn die optische Darmspiegelung
kontraindiziert oder unvollständig ist.

   Virtuelle Koloskopie als ergänzende Methode in der Vorsorge
Mit der virtuellen Koloskopie steht in Österreich eine ausgezeichnete
Methode zur Verfügung, mit Hilfe derer das Aufspüren von Krebs im
Frühstadium bzw. deren Vorstadien noch effizienter vollzogen werden
kann. Um die Etablierung der virtuellen Koloskopie weiter
vorantreiben zu können, sind laut Mang aber noch einige Schritte
nötig: "Es muss nachgewiesen werden, dass durch den Einsatz dieser
Methode in der Krebsvorsorge die Erkrankungsrate an bösartigen
Dickdarmtumoren abnimmt. Ein wichtiger weiterführender Schritt in
Österreich ist die Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen,
um die Untersuchung mehr Menschen zugänglich zu machen".

   Ab 3. März tagen in Wien 19.000 Radiologen
Beim 23. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 3. bis 7. März 2011 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.

Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
50.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 19.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen
die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

Detaillierter Bericht und Bildmaterial unter www.myESR.org/press

Rückfragehinweis:
   European Society of Radiology - ESR
   Stefanie Muzik, David Zizka
   Tel.: +43 1 533 4064-523
   press@myESR.org / www.myESR.org