Autor Thema: Sterbehilfe?  (Gelesen 15211 mal)

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admin

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Sterbehilfe?
« am: 29. März 2008, 11:08 »

Krebspatien bzw. Angehörige werden sehr oft im Unterbewußtsein,

oder auch tatsächlich mit der Situation Sterbehilfe konfrontiert.


Als Unterforum bei der Palliativ Versorgung wäre hier die Möglichkeit,

deine Meinung kund zu tun, aber auch deine Fragen

dazu zu stellen.

admin

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Assistenz bei einem humanen Sterben?
« Antwort #1 am: 29. März 2008, 11:10 »

 „Unser ärztlicher Auftrag ist: Leben erhalten, Gesundheit schützen und wieder herstellen,
Leiden lindern und Sterbenden bis zum Tod beistehen.
Deshalb lehnen wir aktive Sterbehilfe ab, wozu ich ausdrücklich auch den ärztlich assistierten Suizid zähle."

Es gibt also Situationen, in denen Ärzte den in einer Patientenverfügung erklärten Willen eines Menschen
nicht akzeptieren können, weil er ihrem ärztlichen Gewissen widerspricht.

In unseren Empfehlungen zum Umgang mit Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung heißt es dazu unmissverständlich:
„Ein Arzt kann nicht zu einer seinem Gewissen widersprechenden Behandlung
oder zu bestimmten Maßnahmen gezwungen werden.“
(Quelle: Aus dem >>> Statement des Präsidenten der BÄK zur
Pressekonferenz "Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung" am 27. März 2007 in Berlin

IQB - Lutz Barth
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Josef

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Sterbehilfe in Deutschland bzw. „Dignitas“, Schweiz
« Antwort #2 am: 31. März 2008, 22:33 »
Sterbehilfe-Organisation kritisiert Bundesregierung

Montag, 31. März 2008

Berlin – Der Gründer der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation „Dignitas“, Ludwig Minelli, hat die Bundesregierung für ihren Umgang mit Sterbewilligen kritisiert. In einem Interview des Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ warf Minelli Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) vor, „keine Ahnung“ vom „Suizidgeschehen“ in Deutschland zu haben. In Deutschland sei eine Freitodbegleitung „nicht unter menschenwürdigen Bedingungen möglich“. Auch Kanzlerin Angela Merkel ignoriere „den Unterschied zwischen aktiver Sterbehilfe und begleitetem Freitod“, kritisierte Minelli.

Minelli bestätigte indirekt, dass seine Organisation derzeit versucht, in Deutschland einen Präzedenzfall zu schaffen. Eine Rechtsänderung in Deutschland sei in drei bis fünf Jahren denkbar. Falls deutsche Gerichte nicht „vernünftig“ urteilten, müsse der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entscheiden. Der Dignitas-Gründer hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren mit seiner Organisation bei 840 Menschen Sterbehilfe geleistet. 60 Prozent davon seien Deutsche gewesen.

Experten werfen der Organisation vor, extreme Belastungssituationen für ihre Zwecke auszunutzen und damit Geld zu verdienen. Die Organisation versuche gesellschaftlichen Druck aufzubauen, um ihre Ziele zu erreichen. © kna/aerzteblatt.de
Links zum Thema

» aerzteblatt.de (19.03.2008) Deutsche Hospiz Stiftung: Sterbehilfe durch Helium „monströs“

» aerzteblatt.de (18.03.2008) Dignitas leistet Sterbehilfe durch Heliumgas

» aerzteblatt.de (15.02.2008) Zeitung: Union scheitert mit Vorstoß gegen Dignitas

» aerzteblatt.de (19.11.2007) Dignitate will Sterbehelfer gefunden haben
« Letzte Änderung: 31. März 2008, 22:36 von Josef »
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Josef

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Sterbehilfe in Belgien?
« Antwort #3 am: 31. März 2008, 22:35 »
Belgische Politiker fordern Sterbehilfe für Kinder und Demenzkranke
Donnerstag, 27. März 2008

Brüssel – In Belgien ist die Debatte über eine Ausweitung der aktiven Sterbehilfe neu entbrannt. Zwar dürfen belgische Ärzte bereits seit Ende 2002 straffrei Sterbehilfe leisten. Erlaubt ist ihnen dies bislang nur bei volljährigen Patienten, die unter dauerhaften „unerträglichen“ physischen und psychischen Qualen leiden.

Anders als in den Niederlanden, wo die aktive Sterbehilfe ebenfalls erlaubt ist, müssen sich Sterbewillige in Belgien nicht in der Endphase ihres Lebens befinden. Die Betroffenen müssen ihren Willen, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, bei Bewusstsein wiederholt schriftlich oder vor Zeugen geäußert haben.

Die Partei der flämischen Liberalen der zu Ostern neu gebildeten Regierungskoalition fordert nun, das Gesetz auch auf unheilbar kranke Minderjährige und Demenzkranke auszuweiten. Flämische Sozialisten und Grüne unterstützen den Vorstoß. Christdemokraten und französischsprachige Politiker wehren sich gegen die Pläne. Dies berichten belgische Tageszeitungen.

Die Forderung ist jedoch nicht neu. Seit dem Erlass des Gesetzes vor sechs Jahren hat es wiederholt Diskussionen über eine weitere Liberalisierung gegeben. Zusätzlich angeheizt hat die aktuelle Diskussion um die moralische Rechtmäßigkeit der Sterbehilfe der Tod des belgischen Schriftstellers Hugo Claus. Der 78 Jahre alte Alzheimer-Kranke war am Mittwoch vergangener Woche nach Angaben seiner Witwe durch aktive Sterbehilfe aus dem Leben geschieden.

Knapp 500 Menschen jährlich machen dem Verein „Recht auf würdiges Sterben“ zufolge in Belgien von der Möglichkeit auf aktive Sterbehilfe Gebrauch. Die staatliche Sterbehilfe-Kommission schätzt, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Überwiegend seien es über 60 Jahre alte Krebspatienten, die aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Rund drei Viertel aller Fälle sind zudem im nördlich gelegenen Flandern registriert.  © ps/aerzteblatt.de
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Jutta

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Sterbehilfe?
« Antwort #4 am: 02. April 2008, 23:10 »
Wieder verlangt eine schwer kranke Französin Referendum zur Sterbehilfe

Mittwoch, 2. April 2008

Paris - In Frankreich hat eine weitere unheilbar kranke Patientin eine Aufhebung des Verbots der aktiven Sterbehilfe verlangt. Die an einer seltenen Erbkrankheit leidende Frau rief Staatspräsident Nicolas Sarkozy auf, ein Referendum über Sterbehilfe zu organisieren, wie französische Fernsehsender am Dienstagabend berichteten.

Die 31 Jahre alte Frau leidet an einer fortschreitenden Lähmung. Sie stehe in Verbindung mit der Schweizer Sterbehilfe-Organisation „Dignitas“, wurde sie in den Medien zitiert. Allerdings verfüge sie nicht über die Mittel, die Dienste der Organisation in Anspruch zu nehmen.

Vor knapp zwei Wochen hatte der Fall einer 52-jährigen Lehrerin mit einer schweren Krebserkrankung eine neue Debatte über Sterbehilfe ausgelöst. Die Frau hatte vergeblich bei einem Gericht um die Verabreichung lebensbeendender Mittel nachgesucht. Zwei Tage später wurde sie tot in ihrer Wohnung gefunden, offenbar nach der Einnahme starker Schlafmittel. Die Frau litt an einer unheilbaren Tumor-Erkrankung mit erheblichen Entstellungen im Gesicht.

Nach einem 2005 beschlossenen Gesetz ist aktive Sterbehilfe in Frankreich eine Straftat. Ärzte dürfen aber die Behandlung unheilbar Kranker stoppen oder begrenzen, wenn der Patient dies wünscht.

Zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe bekräftigte ihr Vorsitzender, Kardinal Andre Vingt-Trois, die kirchliche Ablehnung aktiver Sterbehilfe. Er beklagte, das persönliche Drama Einzelner werde für eine Kampagne instrumentalisiert, um die Öffentlichkeit für Gesetzesänderungen zu gewinnen. Tatsächlich gehe es aber um die Erlaubnis zu töten. © kna/aerzteblatt.de

Tanja

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Sterbehilfe?
« Antwort #5 am: 04. April 2008, 12:16 »
Referendum zur Sterbehilfe?

Zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe bekräftigte Kardinal Andre Vingt-Trois die kirchliche Ablehnung aktiver Sterbehilfe. Er beklagte, das persönliche Drama Einzelner werde für eine Kampagne instrumentalisiert, um die Öffentlichkeit für Gesetzesänderungen zu gewinnen. Tatsächlich gehe es aber um die Erlaubnis zu töten (Quelle: Deutsches Ärzteblatt v. 02.04.08)

Eine weitere unheilbar kranke Patientin aus Frankreich hat eine Aufhebung des Verbots der aktiven Sterbehilfe verlangt und rief den franz. Staatspräsidenten auf, ein Referendum über Sterbehilfe zu organisieren.

Das öffentliche Wehklagen des Kardinals scheint plausibel zu sein, wird doch im Zweifel durch ein Referendum die katholische Kirche mit der Realität auf Erden konfrontiert, wo nicht wenige Patienten um ihre selbstbestimmte Entscheidung nach einem humanen Tod ringen. Der Wertkonservativismus der katholischen Kirche verliert in dem Maße seine inquisitorische Wirkung, wie der mündige Patient ein Mehr an Selbstbestimmungsfreiheit zugebilligt bekommt. Der Zwang zum Leben wird nicht durch die „Heiligkeit des Lebens“ legitimiert und es bleibt zu wünschen übrig, dass ein Referendum jedenfalls in Frankreich hierüber Klarheit schaffen wird. In unserem demokratischen Lande scheint ein Referendum kaum möglich, leugnen doch wertkonservative Verfassungsjuristen und Politiker die Möglichkeit eines Plebiszits. Dies ist zwar in Anlehnung an den grammatikalischen Wortlaut der Staatsfundamentalnorm des Art. 20 III GG schwer nachvollziehbar, aber wohl immer noch „herrschende Meinung“.


Hierzu haben wir vom IQB eine Online – Umfrage auf unserem Internetportal freigeschaltet und wir fänden es toll, wenn Sie hierzu Ihre Stimme abgegeben würden.

Lutz Barth

IQB - Lutz Barth
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Geri

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Sterbehilfe in Luxemburg?
« Antwort #6 am: 14. April 2008, 10:24 »
Luxemburg: Regierungspartei sucht Kompromiss zu Sterbehilfe

10.4.08 - Luxemburg - Die Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) in Luxemburg sucht einem Zeitungsbericht zufolge nach einem Kompromiss im Streit um die geplante Straffreiheit für aktive Sterbehilfe.

Laut einem internen Dokument plädiert die CSV für Straffreiheit bei aktiver Sterbehilfe in streng reglementierten Ausnahmefällen, berichtet die Luxemburger Tageszeitung „Le Quotidien“ von Mittwoch. Dazu gehöre unter anderem, dass eine Kommission aus Juristen, Medizinern und Sterbebegleitern die Anträge auf Sterbehilfe vorher prüfen und genehmigen soll.

Im Februar hatte das Luxemburger Parlament in erster Lesung mit knapper Mehrheit die Zulassung von aktiver Sterbehilfe und Beihilfe zum Selbstmord beschlossen. Das Gesetz sichert Ärzten unter bestimmten Voraussetzungen Straffreiheit zu. Gleichzeitig billigten die Abgeordneten einstimmig einen Gesetzentwurf zum Ausbau der Palliativmedizin. Laut Votum des Staatsrates müssen beide Gesetze in zweiter Lesung erneut im Parlament beraten werden.

Die katholische Kirche des Großherzogtums warnte eindringlich davor, aktive Sterbehilfe zu erlauben.
© kna/aerzteblatt.de

Sissi

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Sterbehilfe?
« Antwort #7 am: 15. April 2008, 15:40 »
Umfrage zur Sterbehilfe – ein erstes Zwischenergebnis

Wir vom IQB – Internetportal führen derzeit eine Umfrage zu der Frage durch, ob es die Bürgerinnen und Bürger begrüßen würden, wenn im Zuge der Debatte der Sterbehilfe bundesweit ein Referendum durchgeführt werden würde.
Bei dieser Umfrage haben wir auf Frankreich verwiesen, wo ganz aktuell eine französische Bürgerin um ein Referendum beim Staatspräsidenten nachgesucht hat, damit ggf. das Verbot der aktiven Sterbehilfe für unheilbare Patienten aufgehoben wird.

Hieran anknüpfend haben wir unsere Frage formuliert und das Zwischenergebnis zeigt einen überdeutlichen Trend. Von den derzeit 246 abgegebenen Stimmen begrüßen 97% (238) kein Referendum resp. keine Volksentscheidung (Stand 14.04.08: 6.00 Uhr).

Wir bitten weiterhin um Ihre Stimme auf unserem Internetportal unter >>>
www.iqb-info.de/aktuelle_umfragen.htm
und danken für Ihr Interesse.

Lutz Barth

Edi

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Sterbehilfe boomt in der Schweiz
« Antwort #8 am: 28. April 2008, 21:51 »
Schweiz: Sterbehilfeorganisation hat 1.500 neue Mitglieder

Zürich – Die Schweizer Sterbehilfeorganisation „Exit“ hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 1.500 neue Mitglieder gewonnen. Auch das Spendenaufkommen sei 2007 überdurchschnittlich ausgefallen, teilte die Organisation am Wochenende in Zürich mit.

Der Verein zählt nach eigener Darstellung 50.000 Mitglieder allein in der Deutschen Schweiz und im Tessin. „Exit“ bietet seinen Mitgliedern Beihilfe zur Selbsttötung an. Außerdem wirbt die Organisation für Patientenverfügungen, in denen die Verfasser auch ihren Wunsch nach Suizid in bestimmten Fällen festlegen können.

“Exit“ unterstützt in solchen Fällen Angehörige bei der Durchsetzung solcher Patientenverfügungen. Zur Selbsttötung verwendet die Organisation Natrium-Pentobarbital, das in Deutschland in der Humanmedizin verboten ist und in der Schweiz nach einer Untersuchung von einem Arzt verschrieben werden kann.

Als neuen Sprecher wählte die Sterbehilfe-Organisation den Journalisten Bernhard Sutter, der bis vor kurzem Präsident des Zürcher Pressevereins (ZPV) war. Sutter löst den ehemaligen Radiodirektor Andreas Blum ab, der im Oktober zurückgetreten war; er warf „Exit“ vor, das Betäubungsmittelgesetz zu verletzen und sich zu wenig von der Sterbehilfe-Organisation „Dignitas“ von Ex-Journalist Ludwig A. Minelli abzugrenzen.

„Dignitas“ ist ebenfalls eine Schweizer Organisation, die 2005 in Deutschland einen Ableger gegründet hat. Sie will die Legalisierung der Beihilfe zur Selbsttötung in der Bundesrepublik durchsetzen. „Dignitas“ hat 6.000 Mitglieder und ist die einzige Organisation, die auch Ausländern in der Schweiz die Sterbehilfe ermöglicht.

Beihilfe zur Selbsttötung ist in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen legal, wenn sie nicht mit Gewinnabsicht durchgeführt wird.

Dietmar E.

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Niederlande: Deutlich mehr Sterbehilfe-Anträge
« Antwort #9 am: 29. April 2008, 09:47 »
Den Haag – 29.4.2008 - In den Niederlanden sind 2007 deutlich mehr Anträge auf Sterbehilfe registriert worden als im Jahr zuvor. Nach Angaben der gesetzlichen Regionalausschüsse zur Überprüfung von Sterbehilfe wurden zuletzt 2.120 Fälle von Lebensbeendigung auf Antrag und von Hilfe zur Selbsttötung gemeldet; 2006 waren es noch 1.923 Fälle, meldeten die von Ärzten, Juristen und Ethik-Experten gebildeten Gremien.

In drei Fällen seien Zweifel aufgetaucht, ob die Ärzte sich bei ihrer Hilfe genau an die Vorschriften gehalten hätten, hieß es am Montag in Presseberichten. Staatsanwälte und die Inspektion für Gesundheitsfürsorge ermittelten. In den Niederlanden ist ärztliche Hilfe zur Lebensbeendigung gesetzlich zugelassen, sofern die Betroffenen unheilbar krank sind und unerträglich leiden. Sie müssen ausdrücklich die Hilfe beantragen; jeder Fall muss gemeldet und untersucht werden.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Tanja

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Passive Sterbehilfe
« Antwort #10 am: 01. Juni 2008, 16:34 »

15. Mai 2008

Von Birgitta vom Lehm

Passive Sterbehilfe

Ärzte schalten Geräte zur Lebenserhaltung selten ab

Passive Sterbehilfe ist in Deutschland erlaubt, doch viele Ärzte scheuen sie. Widersprechen sich medizinische Indikation, also eine Lebensverlängerung, und mutmaßlicher Patientenwille, so neigen Ärzte dazu, lebenserhaltende Maßnahmen durchzuführen - auch gegen den Willen des Patienten.

Viele Ärzte scheuen passive Sterbehilfe

Die Frage, wann passive Sterbehilfe und damit der Verzicht auf lebensverlängernde Maßnahmen erlaubt oder geboten ist, haben Gerichte festgelegt. So darf ein Patient nicht gegen seinen Willen behandelt werden. "Das Selbstbestimmungsrecht schließt auch die Selbstbestimmung zum Tode ein", so das Oberlandesgericht München. Auch ist kein Arzt verpflichtet, eine lebenserhaltende Maßnahme durchzuführen, für die keine medizinische Indikation besteht, so der Bundesgerichtshof. Dies gilt selbst dann, wenn der Patient eine Weiterbehandlung wünscht. Denn das Recht auf Selbstbestimmung lasse sich "nur als Abwehrrecht gegen, nicht als Anspruch auf eine bestimmte Behandlung begreifen".


    * Hamburger Ex-Senator stellt Tötungsautomat vor
    * Krebsärztin soll acht Patienten umgebracht haben
    * "Ich habe meinem Bruder in den Tod geholfen"
    * Dignitate soll nicht mehr für Sterbehilfe werben
    * Der Freitod kostet bei Dignitas 5900 Euro

Tatsächlich aber brechen Ärzte die Therapie nur selten ab. Stattdessen

http://www.welt.de/wissenschaft/article1997449/.html


Geri

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Sterbehilfe in Deutschland
« Antwort #11 am: 06. Juni 2008, 12:54 »
So nicht, Herr Montgomery - Vize- Präsident der BÄK bekräftigt Nein der Ärzte zu Sterbehilfe

Herr Montgomery als Vizepräsident der BÄK ist durchaus legitimiert, zur Problematik der Sterbehilfe-Debatte seine Meinung zu äußern. Insofern handelt es sich nur um eine Stimme unter vielen, die gehört werden will, so wie der Präsident der BÄK gebetsmühlenartig seine Botschaften im Wertediskurs verkündet.

Zentraler Maßstab für den Gesetzgeber ist allerdings die von ihm wahrzunehmende grundrechtliche Schutzverpflichtung. Diese Aufgabe ist nicht delegierbar, insbesondere auch nicht auf eine ärztliche Standesorganisation, die in der Frage offensichtlich der Auffassung der Kirchen und der Parteien, die das „C“ in ihrem Namen tragen, sehr nahe steht. Dies ist allerdings ohne Belang, da der Staat und damit auch die Abgeordneten zur religiösen Neutralität verpflichtet sind.

Palliativmedizin und Sterbehilfe stehen in keinem direkten Widerspruch zueinander, wie sich im Übrigen unschwer aus der terminalen Sedierung ergibt. Dieser prinzipielle Gegensatz wird immer wieder in der Debatte behauptet, ohne dass dieser allerdings zutrifft. Dies gilt vornehmlich aus der Patientenperspektive, der letztlich nur seinen (!) Willen umgesetzt wissen möchte.

Dass die Ärzteschaft die „Gunst der Stunde“ nutzen will, ist für sich verständlich. Fraglich ist nur, ob ... http://www.openpr.de/news/217104.html

Richi

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Die Kunst des schönen Sterbens
« Antwort #12 am: 08. Juni 2008, 10:17 »

Die Kunst des schönen Sterbens
   Ein Buch zu Recht und Unrecht der Sterbehilfe


   Leipzig (pts/21.05.2008/10:30) - Wenn es um den Tod geht, herrscht
   gewöhnlich Schweigen. Wir wollen darüber nicht reden, nicht schreiben,
   nicht lesen. Woran liegt das? An den beschämenden Bildern aus
   Krankenhäusern und Altenheimen. An unserer Angst vor dem
   Ausgeliefertsein? Der amerikanisch-ungarische Pharmakologe und Physiologe
   László Bitó geht dieser und vielen anderen Fragen nach. Er skizziert Wege
   hin zu einem "schönen Tod". Die Hilfe, um diesen zu erlangen, umreißt er
   mit dem Begriff der Euthelie. Damit zieht er gleichzeitig eine Grenze zur
   Sterbehilfe, wie sie heute diskutiert wird. Die nüchterne Darstellung und
   das sorgsame Abwägen der Argumente verhindern im Ansatz, dass man Bitó
   vorschnell in ein Lager "pro Hilfe zum Sterben" einordnen könnte.

   Er beleuchtet die Rolle von Ärzten und Angehörigen, von medizinischem
   Fortschritt und religiösen Anschauungen, er bringt Beispiele aus Europa
   und Amerika und blickt sogar in die Tierwelt. Philosophin Agnes Heller
   beschreibt in ihrem Vorwort unter anderem die Meinung Bitós zum
   Selbstmord: "Ein schöner Tod ist nicht derjenige, nach dem wir uns
   sehnen, sondern der, den wir annehmen, auch wenn wir uns nicht danach
   sehnen." Ein Selbstmord sei meistens eine unter Zwang gegebene Antwort
   auf eine Depression und keine freie Entscheidung. Ein schöner Tod dagegen
   ist die Krönung eines schönen Lebens und nicht das möglichst schnelle
   Ende eines schlechten Lebens.

   Weiter auf ........... http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=080521013


Werner

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Sterbehilfe in Frankreich
« Antwort #13 am: 15. Juni 2008, 09:01 »

Frankreich will sterbebegleitende Medizin ausbauen

Samstag, 14. Juni 2008

Paris - Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat einen Mehrjahresplan zum Ausbau der sterbebegleitenden Palliativmedizin vorgelegt. Danach soll die Zahl der damit betreuten Personen von derzeit 100.000 auf 200.000 verdoppelt werden, erklärte Sarkozy laut französischen Rundfunkberichten am Freitag in Bourges.

Der Staat wolle dafür bis Ende 2012 knapp 230 Millionen Euro zusätzlich bereitstellen. Ziel müsse es sein, den Sterbenden Würde, Schmerzfreiheit und Begleitung durch ihre Angehörigen zu geben, sagte Sarkozy.

Dem Plan zufolge sollen unter anderem 1.200 neue palliativmedizinische Betten in französischen Krankenhäusern neu geschaffen werden. Zusätzlich solle die Zahl mobiler Einheiten aus Ärzten, Krankenpflegepersonal und Psychologen erhöht werden.

Ausbauen will Frankreich die Zahl der sterbebegleitenden Einrichtungen für Kinder. Laut Medienberichten gibt es derzeit in Frankreich rund 4.000 Betten in sterbegleitenden Einrichtungen. Hinzu kämen 337 mobile Einheiten zur Betreuung der Sterbenden und ihrer Familien. © afp/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32690

Edi

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Re: Sterbehilfe?
« Antwort #14 am: 05. Juli 2008, 10:09 »

Ex-Senator Kusch als Gast bei Friedmann – ein Alptraum über Sterbehilfe

Erst kürzlich war Friedmann selbst Talk-Gast im Elysée und verkündete dort in gewohnter Manier: "Ich sage, was ich denke und nehme wenig Rücksicht darauf, ob mich andere Menschen mögen - ich möchte ja nicht 'Wetten, dass ..?' moderieren."

Wohl wahr – so kennen wir ihn und es war nur eine Frage der Zeit, bis Friedmann in seiner Sendung v. 03.07.08 zum Generalangriff auf R. Kusch überging. Kusch blieb kaum die Zeit zum „Atmen“, geschweige denn zum Antworten und mit Verlaub – es wäre sicherlich für die allgemeine Debatte um den Grund und die Grenzen der Sterbehilfe hilfreicher gewesen, wenn Kusch sich nicht der Öffentlichkeit in der Art und Weise, wie geschehen, präsentiert hätte.

Friedmann selbst zelebriert einen Journalismus, der nicht selten Anlass zu heftigen Widersprüchen bietet und in diesem Sinne war es fatal, dass Kusch den Verbalattacken von Friedmann nichts entgegenzusetzen hatte. Ein wahrer Alptraum in den Abendstunden – ein geradezu entfesselter Talker, der im Sekundentakt seinen Interviewpartner mit Fragen bombardierte und dieser offensichtlich mit der Situation überfordert war. Insgesamt ein bedauerliches Kapitel im an sich bedeutsamen Wertediskurs und es sollte schnellstens zugeschlagen werden.

Weder Kusch noch Friedmann ist es gelungen, auch nur ansatzweise die Probleme zu skizzieren und es bleibt zu hoffen, dass aus diesem Szenario die Wertkonservativen kein „moralisches Kapital“ schlagen, um das Selbstbestimmungsrecht des Patienten und dem damit verbundenen Willen nach einem frei verantwortlichen, ggf. auch ärztlich assistierten Suizid ad absurdum führen zu können..........http://www.openpr.de/news/224473.html

Tanja

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Re: Sterbehilfe?
« Antwort #15 am: 13. Juli 2008, 14:25 »
Gott im Gehirn und die „Sterbehilfe-Entscheidung“


 „Eins mit Gott und dem Universum fühlen sich Menschen während der Meditation. Die Neurotheologie versucht zu erklären, warum.
Existiert Gott? Ist es notwendig, dass er existiert? Oder reicht nicht der Glaube allein? Je genauer Naturwissenschaftler die Funktionsweise des menschlichen Gehirns entschlüsseln, umso mehr müssen sich Theologen mit der Frage nach der Beziehung zwischen Gott und Gehirn auseinandersetzen. Dr. Tobias Kläden vom Seminar für Pastoraltheologie stellt sich dieser Herausforderung. Das neue Gebiet der so genannten Neurotheologie wird zumeist von Naturwissenschaftlern besetzt, Theologen haben bisher eher wenig Kenntnis genommen“ (Quelle: Universität Münster, Wissen/Leben, Gott im Gehirn (02.07.08)

Kurze Anmerkung:
Hier bahnt sich ein höchst spannender Diskurs an, an dem wir uns auch beteiligen wollen, zumal das Thema eine interessante Schnittstelle zum Selbstbestimmungsrecht aus juristischer Perspektive beinhaltet: Ist der „Wille“ wirklich so frei, wie wir allgemeinhin annehmen oder ist dieser Wille vielmehr ein vernetztes „Neuronenfeuer“ im Gehirn, dass uns gleichsam determiniert. Über den diesseitigen kurzen Beitrag „Der drohende Kulturkampf um die Würde des Menschen - Visionen, Irrwege des menschlichen Geistes oder ernsthafte Bedrohung durch das Neuronenfeuer in unseren Hirnen? (www.iqb-info.de/Neurowissenschaft_Wuerde.pdf ) aus 2006 hinaus erscheint es an der Zeit, gerade vor dem Hintergrund der Sterbehilfe-Debatte diesen spannenden Fragen nachzugehen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir alle vielleicht zu neuen Erkenntnissen gelangen
und die Theologie – mehr als bisher – in der aktuellen Debatte gefordert ist, sich ihrer Offenbarungsquellen nochmals bewusst zu werden und kritisch zu reflektieren. Nicht die zuletzt die Sendung von HartaberFair in dieser Woche dürfte als ein Beleg dafür zu werten sein, dass die Theologen allein mit „Sonntagsreden“ keine Überzeugungsarbeit (mehr) in dem Wertediskurs zu leisten vermögen. Es muss uns nachdenklich stimmen, dass R. Kusch in dem Medienspektakel hat darauf hinweisen können, dass die Suizidkandidatin wohl offensichtlich meinte, Frau Käßmann im Fernsehen „wegzappen“ zu wollen und zu können. Ob dieser Hinweis von Kusch „anrüchig“ war, soll hier nicht bewertet werden – aber allein der Hinweis muss uns nachdenklich stimmen und wirft letztlich die Frage auf, ob der Religion noch eine integrierende (ethische) Kraft beizumessen ist, wenn es darum geht, selbstbestimmte Entscheidungen mit Blick auf das Lebensende zu treffen. Die Neurotheologie könnte hier neue Einsichten ermöglichen, wenn es insbesondere darum geht, zu klären, ob die „Existenz Gottes nur eine reine Projektion“ ist oder ob es eine „Wirklichkeit“ auch außerhalb des Gehirns gibt und welche Folgen sich hieraus für das verfassungsrechtlich verbriefte Selbstbestimmungsrecht des Patienten ableiten lassen.

Lutz Barth

IQB - Lutz Barth
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Jutta

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Deutscher Bundesrat gegen kommerzielle Sterbehilfe
« Antwort #16 am: 14. Juli 2008, 01:25 »

Der Bundesrat spricht sich für die Strafbarkeit gewerblicher Sterbehilfe und zugleich für die Stärkung der Palliativmedizin und der Hospizarbeit aus. In einer heute gefassten Entschließung schlägt er vor, das Betreiben eines Gewerbes zur Suizidbeihilfe ebenso unter Strafe zu stellen wie das gewerbliche Anbieten und Vertreiben von Mitteln zur Selbsttötung oder die Übernahme einer maßgebenden Rolle in einem derartigen Gewerbe. Noch in diesem Jahr solle der Gesetzgeber tätig werden.

Hintergrund für die Entschließung ist, dass sich auch in Deutschland seit einiger Zeit vermehrt kommerzielle Sterbehilfeorganisationen etablieren wollen. Diese bieten Suizidwilligen einen vermeintlich leichten Weg in den Tod an - gegen Zahlung meist erheblicher Geldbeträge. Gerade Menschen in einer momentanen Verzweiflungssituation können durch die leichte Verfügbarkeit von Suizidmöglichkeiten zu unumkehrbaren Entscheidungen verführt werden.

Der Bundesrat warnt zudem davor, dass ein - wenn auch vielleicht nur subjektiv empfundener - Erwartungsdruck auf schwer kranke und alte Menschen entstehen könnte. Es widerspreche dem Menschenbild des Grundgesetzes, wenn mit dem Suizid und dem Leid von Menschen Geschäfte gemacht werden, betont die Entschließung.

Der für die heutige Sitzung ursprünglich vorgeschlagene Gesetzentwurf wurde zur nochmaligen Beratung zurück in die Fachausschüsse überwiesen.

Entschließung zum Entwurf eines Gesetzes zum Verbot der geschäftsmäßigen Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung (... StrRÄndG)

Gitti

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Kritik an der Sterbehilfe-Umfrage des IfD überzogen
« Antwort #17 am: 12. August 2008, 10:36 »

Die Kritik an der Sterbehilfe-Umfrage des IfD scheint überzogen, und zwar unabhängig davon, dass selbstverständlich der Palliativmedizin ein hoher Stellenwert einzuräumen ist. Es ist daran zu erinnern, dass nicht wenige Palliativmediziner und –Ethiker den Patienten einen egozentrischen Individualismus vorwerfen, wenn und soweit diese im Rahmen einer von ihnen selbst formulierten Patientenverfügung den freiverantwortlichen Suizid ggf. durch eine ärztliche Assistenz vorziehen würden. Die Patientenverfügung selbst leiste damit einen Beitrag, dass künftig wohl kein Interesse daran bestehe, dass der palliativmedizinischen Forschung und Therapie der Vorrang eingeräumt werde.

Sofern nunmehr die Fachgesellschaften der „Instrumentalisierung“ der Bürger im Rahmen einer Umfrage das Wort reden, wird daran zu erinnern sein, dass mit dem Hinweis auf den Patienten als einen „egozentrischen Individualisten“ der künftige Patient selbst zum „Objekt“ einer Wissenschaftsdisziplin wird.

Das redliche Bemühen der Palliativmediziner auch um eine qualifizierte und nachhaltige Schmerzforschung steht nicht - wie vielfach behauptet – in einem direkten Widerspruch zu den aktiven Formen der Sterbehilfe. Es obliegt künftigen Patienten, sich für eine der Optionen entscheiden zu können.

"Tötung auf Verlangen ist keine Alternative“, so Prof. Dr. Rolf-Detlef Treede, Präsident der DGSS in einer gemeinsamen Presseerklärung v. 08.08.08 mit Prof. Dr. Müller-Busch, Präsident der DGP.

Selbstverständlich ist der freiverantwortliche Suizid ggf. durch ärztliche Assistenz eine Alternative. Hierüber entscheidet der Patient und nicht die Palliativmediziner, mögen letztere auch um ihre Wissenschaft willen eine andere Auffassung hegen. Das Selbstbestimmungsrecht beinhaltet mehr, als man/frau allgemeinhin vermuten und das dies in der Tat so ist, dokumentiert im Kern die Umfrage sowie erkennbar den weiteren bedeutsamen Umstand, dass ggf. der Vernunfthoheit der Ärzte Grenzen gesetzt sind und der Patient sich durchaus auch gegen ein palliativmedizinisches und –therpeutisches Konzept in seinem individuellen Fall entscheiden kann.

Die Palliativmedizin unterbreitet ein therapeutisches „Angebot“, welches eben nicht zwangsläufig von den Patienten anzunehmen ist. Dies mag zwar die Berufsseele der Pallitaivmediziner empfindlich „berühren“, dürfte aber letztlich ohne Belang sein. Freilich ist in diesem Zusammenhang stehend immer wieder zu betonen, dass das Selbstbestimmungsrecht nicht zur Fremdbestimmung der Ärzte, so also auch nicht über Palliativmediziner führt, so wenig wie der neopaternalistische Fürsorgegedanke zur Fremdbestimmung über die Patienten führen darf!

Lutz Barth
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hilde

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Re: Sterbehilfe?
« Antwort #18 am: 13. August 2008, 14:33 »
Einstellungen zur aktiven und passiven Sterbehilfe

Wie nicht anders zu erwarten, steht die Mehrheit der deutschen Bevölkerung der Forderung, unheilbar schwerstkranken Menschen auf deren Wunsch hin aktiv Sterbehilfe zu gewähren, positiv gegenüber, so eine aktuelle Meldung des Instituts für Demoskopie Allensbach v. 05.08.08.

Zu fragen ist, ob diese neuerliche Umfrage mit ihrem eindeutigen Ergebnis zumindest die politisch Verantwortlichen und insbesondere auch die Ärztefunktionäre zum erneuten Nachdenken über ihren eingeschlagenen neopaternalistischen Kurs bewegt.

Oberste Richtschnur ist und bleibt das Selbstbestimmungsrecht des Patienten, das freilich nicht zur Fremdbestimmung etwa über die Ärzteschaft führt. Gleichwohl ist die ärztliche Assistenz bei einem frei verantwortlichen Suizid in bestimmten Lagen eine echte Option und sofern ein Arzt oder eine Ärztin eine solche Option mit seinem/ihrem Gewissen vereinbaren kann, werden insbesondere die Ärztekammern – allen voran die Bundesärztekammer – ein solches zu akzeptieren haben.

Das ethische Sendungsbewusstsein mancher Sprecher von Ärztekammern und –verbänden in allen Ehren gehalten, aber hier handelt es sich um eine höchst individuelle Entscheidung und wie die neuerliche Umfrage zeigt, wünscht sich erkennbar auch eine Mehrheit der Bevölkerung zumindest die Option der aktiven Sterbehilfe. Es bedarf hier keiner ethischen Erziehung durch Funktionäre, sondern lediglich ein geschärfter Blick für das Wesentliche, der eben nicht mit „Last-Argumenten“ oder die unselige deutsche Vergangenheit eingetrübt wird. Auf der Suche nach einem würdevollen Tod bedürfen wir nicht eines fürsorglichen Zwangs, sondern allenfalls Respekt und Toleranz für und vor unserer Entscheidung. Wir sterben alle unseren eigenen Tod und es ist unerträglich, bei dem Ringen um eine selbstbestimmte Entscheidung mit ethischen Proklamationen konfrontiert zu werden, die nur vorübergehender Natur sind, weil es offensichtlich dem mainstream nicht ganz unbedeutender Hobbyphilosophen entspricht und hier gerne darauf verwiesen wird, dass uns im Zweifel eine „liebende Hand“ gereicht wird.

In Grenzfällen ist die aktive Sterbehilfe ein gebotener Akt der Humanität und es kann und darf nicht sein, dass das selbstbestimmte Sterben und ggf. die dazu erforderliche ärztliche Assistenz gebetsmühlenartig stigmatisiert wird und zwar mit Argumenten, die nun ganz und gar untauglich sind. Das Bekenntnis eines Hippokrates ist nicht bindend und dies mögen die Gegenwartsethiker verinnerlichen, auch wenn es schwer fällt.

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Sterbehilfe in Luxemburg
« Antwort #19 am: 09. Oktober 2008, 20:28 »

Luxemburg entscheidet wohl erst im Frühjahr über Sterbehilfe

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Luxemburg – Die endgültige Abstimmung im Luxemburger Parlament über die Neuregelung der aktiven Sterbehilfe wird sich voraussichtlich bis ins Frühjahr verzögern. Grund sind vom Staatsrat des Großherzogtums vorgetragene Bedenken an dem im Februar in erster Lesung beschlossenen Gesetz, wie Luxemburger Medien am Donnerstag berichteten. Luxemburg sollte mit dem Gesetz liberale Regelungen zur Sterbehilfe erhalten, wie sie bereits in den Nachbarländern Niederlande und Belgien gelten.

In dem jetzt veröffentlichten Bericht des Staatsrates heißt es, die Neuregelung lasse juristische Unsicherheiten bestehen. Das Gesetz gehe in mehreren Punkten über das belgische Gesetz zur Sterbehilfe hinaus. So könnten laut dem Luxemburger Entwurf auch 16- bis 18-Jährige Sterbehilfe beantragen. Ebenso seien Demenzkranke eingeschlossen.

Der grüne Parlamentsabgeordnete Jean Huss erklärte in der Zeitung „L'Essentiel“ vom Donnerstag, gemeinsam mit den Sozialisten solle jetzt versucht werden, die vom Staatsrat aufgeworfenen Fragen zu lösen. Dafür seien mindestens zwei bis drei Monate erforderlich.

Sozialisten und Grüne hatten den Gesetzentwurf im Parlament eingebracht. Dafür stimmten im Februar 30 Abgeordnete, 26 stimmten dagegen, drei enthielten sich. Der Fraktionszwang war für die Abstimmung aufgehoben. Gleichzeitig billigte das Parlament einstimmig auch einen Gesetzentwurf zum Ausbau der Palliativmedizin.

© kna/aerzteblatt.de