Autor Thema: Blase (Harnblase), Schließmuskel ff.  (Gelesen 8214 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Dietmar E.

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 1.889
  • Geschlecht: Männlich
Blase (Harnblase), Schließmuskel ff.
« am: 26. Dezember 2008, 17:30 »

Jeder Angemeldete kann hier ganz unten in der Anlage

eine fachliche Info dazu herunterladen.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 1.889
  • Geschlecht: Männlich
Niere - Ureter - Blase - Harnröhre (Urethra)
« Antwort #1 am: 16. Juli 2009, 19:47 »
http://www.unifr.ch/anatomy/elearningfree/allemand/rein/niere14.html
Hier sind auch Bilder ersichtlich!


Die Ureter
   
Die Ureter sind 25 - 30 cm lange, enge Gänge mit einem Durchmesser von 4 - 7 mm. Sie beginnen im Nierenbecken, verlassen die Niere durch das Hilum und enden in der Harnblase.

Der Urin fliesst nicht kontinuierlich vom Nierenbecken in den Ureter, sondern wird durch periodische Kontraktionen, alle 20 - 30 Sekunden, befördert (peristaltische Wellen). Diese peristaltischen Wellen beginnen am Nierenbecken und beeinflussen die Öffnung des Ureters. Die Ureteröffnung bleibt einige Sekunden offen um den Urin durchzulassen und schliesst sich dann wieder bis zur nächsten Welle.

Beide Ureter münden in die Harnblase, ca. 4 cm voneinander entfernt, durchqueren schräg die Harnwand und enden nach dieser ca. 2 cm langen Passage 2,5 cm voneinander entfernt in der Harnblase. Die stark schräge Einmündung der Ureter in die Harnblasenwand und ihre Verankerung mit den Muskeln des Trigonum vesicale (die Muskularis funktioniert wie ein Ventil) bilden ein Antirefluxsystem welches den Rückfluss des Urins in die Niere verhindert.

Die Ureterwand besteht aus drei Schichten:

    * eine Mukosa (Tunica mucosa: Urothel + Lamina propria mucosae)
    * eine Muskularis (Tunica muscularis)
    * eine Adventitia (Tunica adventitia)

      
Ureter Act.


Die Mukosa ist mit einem Urothel ausgekleidet, welches auf einem an elastischen Fasern reichen Bindegewebe (Lamina propia mucosae) ruht. Die Falten der Mukosa bilden im Transversalschnitt ein sternförmiges Lumen. Wenn der Urin durchfliesst, glätten sich die Falten und der Ureter dehnt sich.

Die eher dicke Tunica muscularis besteht aus 2 bis 3 Muskelschichten.

Im proximalen Teil des Ureters besteht die Muskularis aus zwei Schichten glatten Muskels:

    * eine innere Längsschicht (Stratum longitudinale internum)
    * eine mittlere Zirkulärschicht (Stratum circulare)

Im distalen Drittel des Ureters besteht die Muskularis aus drei Schichten glatten Muskels:

    * eine innere Längsschicht (Stratum longitudinale internum)
    * eine mittlere Zirkulärschicht (Stratum circulare)
    * eine äussere Längsschicht (Stratum longitudinale externum)

Die Muskelfaserbündel sind durch mehr oder weniger starke Bindegewebebalken getrennt. Die Muskularis, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert wird, erlaubt eine gewisse Peristaltik und ermöglicht somit die Beförderung des Urins bis zur Harnblase.

Die Adventitia besteht aus lockerem Bindegewebe, in dem sich zahlreiche Gefässe, einige Nervenganglien und viele Kollagenfasern befinden.


Die Harnblase
   

Die Harnblase ist ein muskuläres Hohlorgan dessen Funktion ist, den von den Nieren produzierten Harn zu sammeln und zwischen den Harnlassen zu speichern. Sie ist ein sehr elastisches und dehnbares Organ.

Ihre Form hängt vom Füllzustand ab. Wenn sie leer ist oder wenig Urin enhält ist sie pyramidenförmig. Wenn sich mehr Urin ansammelt dehnt sie sich langsam aus und wird birnenförmig.
Sie hat eine variable Kapazität von ca. 350 - 500 ml. Das Bedürfnis Wasser zu lassen wird spürbar wenn sie ca. 300 - 400 ml Urin enthält.
Die funktionell wichtige Zone ist das Trigonum vesicae, das Blasendreieck (Dreieck bestehend aus den zwei Einmündungen der Ureter und der Mündung in die Urethra), welches sich an der Facies posterior der Harnblase befindet.

Die Wand der Harnblase ist histologisch gleich aufgebaut wie der letzte Drittel des Ureters:

    * eine Mukosa (Urothelium + Lamina propria mucosae, mehr elastischen als kollagenen Typs)
    * eine glatte Muskularis (inneres Stratum longitudinale, eine mittlere zirkuläre Schicht und ein äusseres Stratum longitudinale) (M. detrusor vesicae)
    * eine Adventitia

      
Leere Harnblase    
Act.
Gefüllte Harnblase    Act.


Wenn die Harnblase leer ist, wirft die Mukosa der Harnblase Falten auf. Diese glätten sich wenn sich die Blase füllt. In der Muskularis ist die mittlere zirkuläre Schicht die breiteste der drei Schichten.

Die Tunica adventitia ist beim Kind reich an Bindegewebe.
Beim Erwachsenen besteht sie aus reichlichem Fettgewebe. Zwischen den Fettlappen bildet dichtes Bindegewebe mit Lymph- und Blutgefässen und ein starker Nervenplexus Trabekel.


Die Urethra, Harnröhre

   

Die Urethra ist ein einzelner Gang, welcher am Cervix vesicae beginnt. Sie ermöglicht die Ausscheidung des Urins aus dem Organismus. Die Urethra endet am Ostium urethrae externum, welches sich beim Mann an der Spitze des Penis und bei der Frau in der Mitte der Vulva befindet.
Die Urethra der Frau dient nur der Ausscheidung von Urin, diejenige des Mannes hingegen der Ausscheidung von Urin und Sperma.

Zur Kontrolle des Abflusses des Urins dienen zwei Sphincter:

    * der innere, glatte Sphincter der Urethra besteht aus glattem Muskel (Verlängerung der Muskelfasern des M. detrusor vesicae)
    * der gestreifte Sphincter des äusseren Damms besteht aus Skeletmuskulatur.

Die Kontrolle dieser zwei Sphincter ist für den Harnlass unentbehrlich. Der innere, glatte Sphincter wird durch das vegetative Nervensystem kontrolliert (willensunabhängig), der äussere, gestreifte Sphincter wird vom Zentralnervensystem beherrscht (willensabhängig).

      
Harnlass    
Act.

Die Wand der weiblichen oder männlichen Urethra besteht aus histologischer Sicht aus 3 Schichten:

    * eine Mukosa
    * eine glatte Muskularis
    * eine Adventitia




Die männliche Urethra

      

Beim Mann misst die Urethra ca. 20 cm und es werden drei Teile unterschieden:

    * Pars prostatica: entspringt von der Harnblase und verläuft durch die Prostata, misst ca. 4 cm
    * Pars membranacea: verläuft durch die Muskeln des Damms, misst ca. 1 cm
    * Pars spongiosa: misst ca. 15 cm misst

Im Verlauf ausserhalb der Pevis ist die Urethra von einem Schwellkörper umgeben.
      Männliche Urethra       
Männliche Geschlechtsorgane    
Act.
         


1
2
3
4
5
6
   Harnblase
Urethra, pars prostatica
Ductus ejaculatorius
Prostata
Urethra, pars membranacea
Urethra, pars spongiosa
      
© www.embryology.ch
      

Histologische Spezifizierung:

    * Die Mukosa der pars prostatica (im proximalen Teil ab der Einmündung der Ductus ejaculatorii) ist mit einem Urothelium ausgekleidet.
      In der pars membranacea ist dies ein mehrschichtiges isoprismatische Epithelium, und in der pars spongiosa ein zweischichtiges isoprismatisches Epithelium. Auf der Höhe der Fossa navicularis wandelt es sich in ein unverhorntes Plattenepithelium um.
      Die Lamina propria mucosae besteht aus lockerem Bindegewebe, welches viele elastische Fasern und Plexi venosi enthält

    * In der pars spongisa, befinden sich in der Lamina propria mucosae reichlich Schleimdrüsen von azinösem oder tubuloazinösem Typ (Littré- Drüsen). Deren Schleim dient der Schmierung der Urethra.
      In den äusseren Teil der Lamina propria und der anliegenden Muskularis dringen venöse Lakunen ein, die in ein Gerüst aus elastischen Fasern und reichlich glatten Muskelzellen eingebettet sind. Dieser Schwellkörper ist ein erektiles Gewebe.

      
Littré-Drüsen    
Act.
Muköse Drüse    Act.
azinöse oder tubuloazinöse Form    Act.

    * Die Muscularis der pars prostatica und membranacea besteht aus einem gut sichbaren, inneren Stratum longitudinale und einem dünneren, äusseren Stratum circulare.
      Die pars membranacea wird von gestreiftem Muskel umgeben (Sphincter externum).



Die weibliche Urethra
      

Die weibliche Urethra ist wesentlich kürzer als die männliche und misst ca. 3-4cm.

Histologische Spezifizierung:

    * Die Mucosa wird im proximalen Teil von einem Urothelium ausgekleidet, im distalen Teil hingegen durch ein mehrschichtiges isoprismatisches Epithelium.
      Die Falten der Mukosa bilden im Querschnitt ein sternförmiges Lumen. Diese länglichen Falten verschwinden wenn die Urethra sich dehnt.
      In der an elastischen Fasern reichen Lamina propria befinden sich kleine Schleimdrüsen (Skéne-Drüsen), welche Schleim aussondern (Schmierung der urethralen Wand) und einen stark ausgebildeten Plexus venosus.

    * Die glatte Muskularis besteht aus einem inneren Stratum longitudinale und einem äusseren Stratum circulare. Im mittleren Drittel ist die Urethra von gestreifter Muskulatur umgeben (gestreifter Sphincter externus).


http://www.unifr.ch/anatomy/elearningfree/allemand/rein/niere14.html
Hier sind auch Bilder ersichtlich!

« Letzte Änderung: 16. Juli 2009, 19:48 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 914
  • Geschlecht: Männlich
Neurogene Blasenstörung
« Antwort #2 am: 03. Dezember 2010, 00:04 »
http://www.gesundheitsinformation.de/neurogene-blasenstoerung-helfen-medikamente-mit-l-methionin.713.de.html

Neurogene Blasenstörung: Helfen Medikamente mit L-Methionin?

Medikamente mit dem Wirkstoff L-Methionin sollen bei neurogenen Blasenstörungen helfen, zum Beispiel indem sie Infektionen an den Harnwegen vorbeugen und die Wirkung von Antibiotika unterstützen. Bislang sind die Mittel für diese Erkrankung jedoch kaum untersucht worden, so dass keine Aussagen zu ihren Vor- und Nachteilen möglich sind.

Die Muskeln der Blasenwand und die Schließmuskeln am Blasenausgang ermöglichen es uns, kontrolliert Wasser zu lassen und zu halten. Dazu müssen Muskeln und Nerven gut zusammenarbeiten und die Nervensignale vom Gehirn richtig verarbeitet werden. Wenn Nerven beschädigt sind, die die Funktion der Harnblase steuern, ist dieses Zusammenspiel gestört und es kann zu Problemen beim Wasserlassen und -halten kommen. Man spricht dann von einer neurogenen Blasenstörung oder neurogenen Blase. Hier finden Sie weitere Informationen über das Harnsystem.

Eine neurogene Blase kann viele Ursachen haben. Dazu gehören Verletzungen oder Erkrankungen an bestimmten Nerven, dem Rückenmark oder dem Gehirn. So können zum Beispiel Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfälle oder Demenz die Blasenfunktion stören. Auch ein Unfall oder angeborene Erkrankungen wie ein offener Rücken (Spina bifida) können die Nerven im Bereich des Rückenmarks schädigen.

Eine neurogene Blase kann verschiedene Beschwerden auslösen

Eine neurogene Blasenstörung kann zu ganz unterschiedlichen Beschwerden führen, je nachdem, wo die Ursache liegt und welche Nerven betroffen sind. Manchmal ist die Muskulatur der Blasenwand gelähmt. Die Blase kann sich dann nicht mehr zusammenziehen, so dass es nicht mehr oder nur noch schwer möglich ist, die Blase willentlich zu entleeren. Da auch der Harndrang fehlt, merken Betroffene nicht, wenn es Zeit ist, die Blase zu entleeren, so dass sie sich übermäßig füllt. Dadurch steigt der Druck in der Blase und der Urin fließt tröpfchenweise und unkontrolliert nach außen: die Harnblase „läuft über“.

Bei anderen Menschen hat die Nervenstörung den gegenteiligen Effekt: Die Muskulatur der Blasenwand ist dauerhaft angespannt und leicht reizbar, sodass sich die Blase schon bei kleinsten Urinmengen plötzlich heftig zusammenzieht und entleert. Dies äußert sich als ständiger Harndrang. Betroffene müssen sehr oft zur Toilette, scheiden aber nur kleine Mengen Urin aus und sind manchmal nicht mehr in der Lage, den Urin zu halten (Harninkontinenz).

Eine neurogene Blasenstörung kann auch dazu führen, dass das Zusammenspiel zwischen der Muskulatur der Blasenwand und den Schließmuskeln nicht mehr funktioniert. Während sich die Blase zusammenzieht, um Urin abzugeben, bleiben die Schließmuskeln angespannt, statt zu erschlaffen. Dies äußert sich durch häufigen Harndrang, wobei der Urin jedoch nur schwer und mit vielen Unterbrechungen ausgeschieden werden kann. Zugleich arbeiten die unterschiedlichen Muskeln unkoordiniert, so dass die Blase sich in regelmäßigen Abständen selbst entleert, ein Teil des Urins aber in der Blase verbleibt.

Neurogene Blasenstörungen können sehr belastend sein

Eine neurogene Blasenstörung kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Bereits ein normaler Einkauf kann zum Problem werden, wenn man immer wieder nach einer Toilette suchen muss. Zudem kann ein unkontrollierter Harnverlust zu unangenehmen Gerüchen führen. Menschen mit einer neurogenen Blasenstörung ziehen sich dann manchmal zurück und nehmen nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teil.

Ein anderes Problem ist, dass Betroffene nachts häufig auf Toilette müssen und daher immer wieder aufwachen. Sie sind dann tagsüber oft müde und den Alltag zu bewältigen fällt mitunter schwer. Gerade für Menschen mit Multipler Sklerose, die häufig mit einer neurogenen Blase zu tun haben, kann dies besonders unangenehm sein, da sie durch ihre Erkrankung ohnehin oft sehr müde sind.

Mögliche Komplikationen einer neurogenen Blase

Normalerweise werden Bakterien durch regelmäßiges Wasserlassen ausgespült, bevor sie sich im Harnsystem ansiedeln und vermehren können. Bei Menschen mit einer neurogenen Blasenstörung bleibt jedoch oft Harn in der Blase zurück. Dadurch haben sie häufiger mit Infektionen in der Blase, den Harnleitern oder dem Nierenbecken zu tun. Manchmal kann es auch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung kommen. Daher werden Harnwegsinfektionen bei Menschen mit einer neurogenen Blase in der Regel sofort mit Antibiotika behandelt.

Dadurch, dass sich die Blase übermäßig füllt, entsteht ein hoher Druck in der Blase. Er kann dazu führen, dass sich der Urin in die Harnleiter und bis zum Nierenbecken zurückstaut. Durch diesen Druck können die Nieren geschädigt werden. Eine andere Komplikation von neurogenen Blasenstörungen sind Harnsteine, die sich in der Blase, den Harnleitern und der Niere bilden können. Sie können sich zum Beispiel durch Schmerzen und Blutspuren im Urin bemerkbar machen.

Behandlungsmöglichkeiten bei neurogenen Blasenstörungen

Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit neurogenen Blasenstörungen. Zum einen lässt sich möglicherweise die Grunderkrankung behandeln und dadurch die mit der neurogenen Blasenstörung verbundenen Beschwerden lindern. Zum anderen kann man die Harnblase mit Hilfe eines Katheters regelmäßig leeren, um das Risiko für Infektionen gering zu halten. Um einen unfreiwilligen Harnabgang abzufangen, benutzen einige Männer auch beispielsweise sogenannte Kondom-Urinale, die kleinere Harnmengen auffangen.

Je nach Beschwerden gibt es auch verschiedene Medikamente zur Behandlung einer neurogenen Blase. Einige bewirken, dass sich die Blasenmuskulatur zusammenzieht, während andere dabei helfen, die Muskulatur der Blasenwand oder die Schließmuskeln zu entspannen. Antibiotika werden häufig eingesetzt, um Harnwegsinfektionen zu behandeln oder manchmal auch vorzubeugen.

Weitere Medikamente, die bei neurogenen Blasenstörungen verwendet werden, sind Präparate mit dem Wirkstoff L-Methionin. L-Methionin wird im Körper zu Schwefelsäure umgewandelt und mit dem Urin ausgeschieden. Daher wird der Harn sauer, wenn wir größere Mengen L-Methionin zu uns nehmen. Der saure Urin soll bei Harnwegsinfektionen helfen oder ihnen vorbeugen und die Bildung von Harnsteinen verhindern. Außerdem soll L-Methionin die Wirksamkeit von Antibiotika erhöhen, da einige Antibiotika ihre Wirkung in saurem Urin besser entfalten können. Neben Präparaten mit L-Methionin sind in Deutschland auch Medikamente mit Ammoniumchlorid zugelassen: einem weiteren Wirkstoff, der den Harn saurer macht.

Studien zu Medikamenten mit L-Methionin

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) – dem Herausgeber dieser Website – wollten wissen, ob Menschen mit neurogenen Blasenstörungen von Medikamenten mit L-Methionin profitieren. Sie haben systematisch nach Studien gesucht und auch bei verschiedenen Herstellern von Präparaten mit L-Methionin nach bislang unveröffentlichten Daten gefragt. Dabei haben sie bei ihrer Bewertung nur sogenannte randomisierte kontrollierte Studien (RCT) berücksichtigt. Wie solche Untersuchungen aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Ergebnisse liefern, erklären wir hier.

Trotz umfassender Recherche konnte das IQWiG nur eine Studie mit 89 Teilnehmerinnen und Teilnehmern finden. Dort wurde untersucht, ob Medikamente mit dem Wirkstoff L-Methionin Harnwegsinfektionen besser verhindern als ein Scheinmedikament (Placebo). Die Teilnehmenden hatten neurogene Blasenstörungen aufgrund einer Rückenmarksverletzung. Sie nahmen L-Methionin in einer Dosierung von drei mal 1 Gramm pro Tag.

Erwünschte und unerwünschte Wirkungen bislang unklar

Aus verschiedenen Gründen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG aus der Studie keine Vor- oder Nachteile von L-Methionin ableiten. Zum einen wurde in der Studie bereits eine „Harnwegsinfektion“ diagnostiziert, wenn sich im Urin eine bestimmte Anzahl von Keimen befand – auch wenn die Studienteilnehmenden gar keine Beschwerden hatten. Keime im Urin allein sind aber im Normalfall kein Grund für eine Behandlung. Zum anderen erlaubt es eine einzelne Studie mit geringer Teilnehmerzahl normalerweise nicht, sichere Aussagen zu treffen – insbesondere bei einer so vielschichtigen Erkrankung.

Dieses Ergebnis bedeutet, dass es bislang unklar ist, ob Medikamente mit dem Wirkstoff L-Methionin bei neurogenen Blasenstörungen helfen und ob sie gut verträglich sind. Daher ist mehr Forschung nötig, um die Vor- und Nachteile der Medikamente abschätzen zu können. Manche Menschen mit einer neurogenen Blase versuchen auch, ihre Beschwerden durch ein Blasentraining zu lindern. Wie ein solches Blasentraining funktioniert, können Sie hier lesen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)


Hinweis

Die vorliegende Gesundheitsinformation gibt die Inhalte des wissenschaftlichen Gutachtens des IQWiG wieder und ist keine leistungsrechtliche Bewertung der Behandlungsmethode, aus der Rückschlüsse auf die Kostenerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung zulässig wären. Die Entscheidung über die Kostenübernahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren ist per Gesetz dem Gemeinsamen Bundesausschuss vorbehalten. Der Gemeinsame Bundesausschuss bezieht die Gutachten des IQWiG in seine Beschlussfassung ein. Informationen zu den Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten Sie auf dessen Website unter www.g-ba.de.
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke