Autor Thema: Prostatakrebs oder nicht? Beste bildgebende Untersuchung ist .........  (Gelesen 6875 mal)

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Werner

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Bitte was ist, neben den üblichen Voruntersuchungen,

die beste bildgebenden Untersuchunge zu Prostatakrebs:



MRT-Magnetresonanztomographie
oder
MR/Spektographie
oder
3D-FCDS-TRUS (spez. Ultraschall)?


Und dann noch bitte wie viel Tesla soll das Gerät mindestens haben,
und ob ohne oder mit Spule (z. B. eMRT für EndorektalspuleMRT)?
Das heißt dann auch: MRT mit kombinierter Endorectal- und Oberflächenspule nativ + KM (Kontrastmittel).

Welche Erfahrungen hasst du dabei gemacht?
« Letzte Änderung: 05. Januar 2009, 09:57 von Werner »

Heribert

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Hallo Werner,
wenn es darum geht, den Tumor zu erkennen, haben keine der aufgezälten Methoden eine ausreichende Sicherheit. Von der Logik ausgehend hat das 1,5 Tesla MRT mit endorektaler Spule die beste Auflösung, weil das Kern-Spin intensiv auf die Prostata gebündelt wird. Ob es demnächst ein 3 Tesla eMRT geben wird und zudem die Auflösung verbessert, ist mir nicht bekannt. Extern ist das 3 Tesla MRT dem eMRT unterlegen.

Du fragst sicher, weil mit Bildgebenden Verfahren als Vorlage, die Wahrscheinlichkeit bei der Biopsie den Tumor zu Treffen, erhöht wird.

Gruss, und einen guten Rutsch
Heribert

Werner

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Hallo Heribert,
vorerst auch alles Gute im Neuen Jahr.
Das 3 Tesla MRT ist sicher besser als das 1,5 Tesla Gerät, oder?
Somit wäre die Untersuchung mit 3 Tesla eMRT die derzeit beste Möglichkeit zu sehen, was mit der Prostata los ist, wo innerhalb und außerhalb malignes Gewebe - oder nicht - ist.
Weiters soll dabei nicht nur festgestellt werden wo die Nadel bei der Biopsie hin soll, sondern einerseits
a) ob überhaupt eine Biopsie bzw.
b) die Prostatektomie (Totalentfernung) notwendig ist?

Oder sind für diese Fragestellungen andere bildgebende Maßnahmen (spez. Ultraschall) erfolgreicher,
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,863.msg7293.html#msg7293
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,905.msg4485.html#msg4485

denn auf den PSA alleine kann man sich wohl nicht verlassen.
Gruß Werner
« Letzte Änderung: 05. Januar 2009, 13:46 von Werner »

Heribert

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Hallo Werner,

das Problem bei allen bildgebenden Verfahren ist, es gibt kein Verfahren welches die Veränderung in der Prostata sensitiv beurteilen lässt. Auch ein F18-Cholin-PET kann nicht unterscheiden ob es sich um ein malignes oder benignes Geschehen handelt. Früher schon durchgemachte, bakterielle Entzündungen, die letztlich Verkapselt werden, gleichen einem Tumorherd ebenso.
Deshalb auch diese Antwort
Zitat von: Heribert
wenn es darum geht, den Tumor zu erkennen, haben keine der aufgezälten Methoden eine ausreichende Sicherheit.
Welche Klinik hat denn schon ein 3Tesla geführtes eMRT? Mir ist da noch nichts bekannt.
Dazu kommt, dass nur die Biopsie als ausreichender Faktor zählt, irgend eine Krebs-Therapie einzuleiten. Ob dies
letztlich eine RPE (x) sein sollte, kann erst dann entschieden werden.
Gruß Heribert

Anmerkung Admin:
(x)
Die Totalentfernung, also Radikale Prostatektomie RP oder RPE (von Prostata + Ektomie = Herausschneiden)
ist für die Urologie der „Goldene Standard“ beim Prostatakrebs.
Siehe auch FNAB und DNA-Zytometrie, vor einer solchen weitreichenden Entscheidung!
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,2692.msg7403.html#msg7403

« Letzte Änderung: 06. Januar 2009, 16:31 von admin »

admin

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02.06.2009

Prostatadiagnostik: neue Methode zur US-Detektion des PCa

Elastografie, farbcodierter Power-Doppler-TRUS, computergestützte TRW/ANNA, Kernspin, Magnetresonanzspektroskopie der Prostata – es gibt mittlerweile zahlreiche bildgebende Verfahren, die die Prostatakarzinomdiagnostik unterstützen. Hinzu kommen noch einige Labortests, genannt seien hier neben dem PSA das PCA-3 und demnächst Annexin A3 sowie TMPRSS-erg. All diese Testverfahren dienen dazu, die Sensivität und Spezifität einer eventuell notwendigen Prostatastanzbiopsie zu erhöhen, um damit letztendlich unnötige Prostatastanzbiopsien zu vermeiden.

Bei einer randomisierten 8-fach-Stanzbiopsie der Prostata werden Karzinomdetektionsraten von 22% berichtet.1 Bei einer Folgebiopsie wird in nur ca. 10% der Stanzen ein Karzinom erkannt. Letztendlich werden 60–70% der Patienten unnötig einer oder mehrerer Biopsieserien unterzogen, ohne dass ein Karzinom nachgewiesen wird.

HistoScanning

Mit HistoScanning der Prostata steht nun ein bildgebendes Verfahren zur Verfügung, das das Potenzial hat, die Indikation zur Stanzbiopsie einzugrenzen sowie eine indizierte Stanzbiopsie zielgesteuert durchzuführen.

Technik

HistoScanning der Prostata ist eine Untersuchung mit Ultraschall. Mithilfe eines kleinen Motors wird die TRUS-Sonde gleichmäßig von rechts nach links gedreht, insgesamt um 179°. Hierbei wird alle 0,2 Winkelgrade ein Radiofrequenz-Datensatz (RF) im Sagittalschnitt aufgezeichnet. Nur ein Bruchteil dieser aufgenommenen Daten ist notwendig, um das Graubild am Ultraschallgerät anzuzeigen. Für die HistoScanning-Auswertung wird jedoch der gesamte RF-Datensatz an den HistoScanning-Computer übermittelt (ca. 2,5 GB). Aus den aufgezeichneten RF-Daten des Sagittalschnitts wird ein 3D-Bild der Prostata sowie eine Darstellung in transversaler sowie koronarer Schnittebene errechnet. Der Untersucher grenzt anschließend auf etwa 35 Schnittbildern die Prostata vom umgebenden Gewebe ab. Für den ausgewählten Teil, die Prostata, erfolgt nun die Auswertung der RF-Daten nach einem Algorithmus zur Identifizierung und Charakterisierung von Gewebe der Prostata. Tumorverdächtige Areale werden rot hinterlegt und in allen Schnitteben sowie der 3D- Grafik dargestellt. Nun ist eine Volumengrößenbestimmung für einzelne Läsionen möglich. Zudem kann über die Korrelationsfunktion ein gewählter Fokus auf allen Ebenen ins „Fadenkreuz“ genommen werden, wodurch eine exakte Ortsangabe möglich ist.

Algorithmus

Braeckman et al haben im BJUI 2008 den „Lernprozess“ detailliert beschrieben.2 15 Patienten mit stanzbioptisch gesichertem Prostatakarzinom wurden erst der HistoScanning-Untersuchung unterzogen, anschließend wurde die radikale Prostatovesikulektomie durchgeführt. Die Prostata wurde eingebettet und in 3mm-sagittalen Stufenschnitten aufgearbeitet. Ein 5x5mm-Raster wurde über die Schnitte gelegt. Jedes einzelne dieser Quadrate wurde nach histologischen Gesichtspunkten ausgewertet (Prostatitis, PIN, Karzinom ...) (Abb. 1). Im Weiteren wurde über eine Mapping-Korrelation der histologische Befund mit den korrespondierenden RF-Daten in Zusammenhang gebracht. Für tausende dieser Quadrate wurde ein typisches Amplitudenmuster der RF-Daten zu den jeweiligen histologischen Befunden ermittelt.

Durch dieses alternierende Verfahren konnte HistoScanning ein für Prostatakrebs typisches Amplitudenmuster der RF-Daten erkennen lernen.

Ergebnisse

An 13 Patienten haben Braeckman et al3 die Vorhersagerichtigkeit publiziert und diese aktuell auf der EAU4 vorgestellt. Hierzu wurden ebenfalls Patienten mit bereits stanzbioptisch gesichertem Prostatakarzinom zuerst mit HistoScanning untersucht und anschließend prostatektomiert.

Zunächst wurden im HistoScanning die Lokalisierung und das Volumen des Tumors bestimmt. Nach erfolgter radikaler Prostatovesikulektomie wurde per Rasteranalyse mit 5x5mm großen Quadraten histologisch für jedes Quadrat die Richtigkeit des HistoScannings bewertet. Insgesamt wurden so 28 Läsionen gefunden: 16 mit einem Volumen von 0,10–0,49cm3, 12 mit einem Volumen ≥0,50cm3 (Tab.).

Bei einem histologisch gesicherten Tumorvolumen ≥0,50cm3 lag HistoScanning in 12/12 Läsionen dieser Größe richtig (Sensitivität), wobei 3 weitere Läsionen, die von HistoScanning als ≥0,50cm3 ermittelt wurden, sich als kleiner herausstellten (0,42/0,46/0,47cm3). Das Fehlen von Tumorvolumina bzw. Volumina ≤0,49 cm3 wurde in 13/16 Fällen richtig erkannt (Spezifität). Der positive Vorhersagewert für tumorverdächtige Areale ≥0,50 cm3 war 12/15. Der negative Vorhersagewert für das Nichtvorhandensein tumorverdächtiger Areale ≥0,50cm3 war 13/13.

Die im HistoScanning prognostizierten Tumorgesamtvolumina korrelierten mit dem in der histopathologischen Auswertung ermittelten Tumorgesamtvolumen (Pearson-Koeffizient: r=0,98, p<0,001). Darüber hinaus konnte HistoScanning bei 14 Patienten zu 100% richtige Angaben bezüglich Multifokalität und Uni-/Bilateralität der Tumorareale liefern.2

Extraprostatisches Wachstum wurde in 3 von 4 Fällen richtig erkannt:
richtig positiv: 3 Patienten mit pT3a
falsch positiv: 1 Patient mit pT2b

Diskussion

Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass relativ kleine Tumorherde in der Prostata von HistoScanning korrekt erkannt werden. Ein Tumorvolumen ≥0,50cm3 wurde in jedem Fall richtig erkannt. Dem Tumorvolumen wird deshalb so viel Bedeutung beigemessen, da dieses auf die klinische Signifikanz der Erkrankung hindeutet. Prostatatumore <0,50cm3 gelten als Tumore mit niedrigem malignem Potenzial und werden daher aller Wahrscheinlichkeit nach nur für einen sehr kleinen Teil der Männer klinisch relevant.5 In den bisher veröffentlichten Studien handelt es sich jedoch immer um präselektionierte Patienten. HistoScanning ist noch nicht in einem Studiensetting erprobt worden, in dem die Aussagekraft der Untersuchungsmethode bezüglich der Diagnosestellung bewertet wird.

Als Hauptanwendungsgebiet von HistoScanning kommt vermutlich die zielgerichtete Prostatastanzbiopsie in Betracht. Bestechender Vorteil für den die Biopsie durchführenden Urologen ist das Verwenden der gleichen Bildgebung. Bei ultraschallgesteuerter Prostatastanzbiopsie fällt es leichter, die suspekten Areale auszumachen, wenn diese bereits in sonografisch basierter sagittaler Schnittbilddiagnostik beschrieben wurden. Bei Patienten unter Active Surveillance könnte die Tumorvolumenbestimmung per HistoScanning als Grundlage für die Entscheidung dienen, diese Behandlung beizubehalten oder doch mit dem Patienten eine eventuelle operative Sanierung des Befundes anzustreben. HistoScanning kann zusätzlich für die Operationsplanung mit der Fragestellung eingesetzt werden, ob eine nervschonende Operation durchführbar erscheint. In der Brachytherapie könnte HistoScanning zu einer Verbesserung der fokalen Tumortherapie führen, durch eine zielgenaue Seed-Applikation in die dargestellten Tumorherde.

Wir wenden HistoScanning der Prostata seit Januar dieses Jahres an. Die praktische Durchführung der Methode hat sich bewährt. Es bedarf jedoch weiterer Studien. Folgende Studien wurden initiiert:

• Beurteilung der falsch negativen Aussagekraft an Patienten mit radikaler Zystoprostatektomie

• HistoScanning-zielgerichtete Stanzbiopsie im Vergleich zur Random-Stanzbiopsie

• Vergleich von HistoScanning mit MRT





Literatur:

1Djavan B et al, J Urol 2001; 166(5): 1679-83

2Braeckman J et al, BJU Int 2008; 101(3): 293-8

3Braeckman J et al, BJU Int. 2008; 102(11): 1560-5

4Govindraju S K et al, Eur Urol Suppl 2009;8(4): 356

5Roemeling S et al, Cancer 2007; 110(10): 2218-21

Autor:
Dr. Leopold Durner1, Dr. Ralf Oberneder1, 2, Prof. Dr. Martin Kriegmair1, 2

1Urologische Klinik Dr. Castringius, München Planegg

2UCM-AG München

uro090216