Autor Thema: "Selbsthilfe Prostatakrebs": Informationsmanko in Österreich  (Gelesen 7990 mal)

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Dietmar E.

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http://www.noen.at/redaktion/wellness/article.asp?Text=249236&cat=753


"Selbsthilfe Prostatakrebs": Informationsmanko in Österreich


Bei rund 5.700 Männern muss in Österreich pro Jahr die Diagnose Prostatakrebs gestellt werden.

Doch oft erfolgt das zu spät und in einem nicht mehr heilbaren Stadium. "Wir brauchen die Verankerung der Prostatakarzinom-Früherkennung in die normale Gesundenuntersuchung. Bis jetzt wird sie erst durchgeführt, wenn der Mann den Arzt darum fragt", forderte jetzt der Ehrenpräsident der vor zehn Jahren gegründeten "Selbsthilfe Prostatakrebs", Ekkehard Büchler, in einem Gespräch mit der APA.

"Wo wir auch nach zehn Jahren noch Probleme haben? Über das Thema Prostatakrebs will in Österreich noch immer keine reden. Dabei ist er um 20 Prozent häufiger als die Brustkrebserkrankungen bei den Frauen. Brustkrebs war bei den Frauen vor 30 Jahren auch noch ein Tabuthema, weil die Erkrankung mit dem Verlust der Brust verbunden war. Das hat sich geändert. Wir befinden uns hier in einer Situation wie beim Brustkrebs vor 30 Jahren", sagte Büchler, der vor einer Dekade gemeinsam mit dem Wiener Urologen Othmar Zechner (Leiter der entsprechenden Abteilung im Wiener Wilhelminenspital) die Patientenorganisation gründete.

Wie groß der Aufholbedarf an Früherkennung und Vorsorge bei den Männern in Sachen Prostatakarzinom ist, beweisen die Ergebnisse einer Umfrage der Selbsthilfeorganisation, an der sich 822 Patienten beteiligten. Zum Zeitpunkt der Diagnosestellung hatte die Konzentration des Prostata-Markers PSA im Blut bei ihnen durchschnittlich 20 Nanogramm/Milliliter Blut betragen. Das ist das Fünffache des Wertes, ab dem eventuell ein Verdacht auf ein Karzinom aufkommen könnte.

Büchler: "Das beweist, dass wir mit der Diagnose des Prostatakarzinoms zu spät dran sind und lässt sich auch an den PSA-Werten nach der erforderlichen Operation (mit Entfernung der betroffenen Vorsteherdrüse, Anm.) ablesen. Nach dem Eingriff wiesen die Betroffenen noch einen PSA-Wert von durchschnittlich 3,3 Nanogramm pro Milliliter auf. Er sollte Null sein! Aber 45 Prozent der Betroffenen müssen derzeit in Österreich nach der Operation noch zusätzlich bestrahlt werden, weil die Operation nicht ausreichte." Bei jedem Fünften ist danach noch eine antihormonelle Behandlung notwendig, weil die Erkrankung per Operation nicht geheilt werden konnte.

Für den Mitbegründer der Selbsthilfegruppe ist die Situation im Bundesland Tirol, wo der Urologe Georg Bartsch (Universitätsklinik Innsbruck) ein Früherkennungsprogramm startete, vorbildlich: "In Tirol werden die meisten Prostatakrebs-Erkrankungen pro 100.000 Männer und Jahr diagnostiziert, es gibt dafür die niedrigste Todesrate. Und in Kärnten werden die wenigsten Prostatakrebs-Erkrankung pro 100.000 Männer und Jahr erkannt - und die Todesrate ist am höchsten."

Doch nicht nur Prostatakrebs scheint ein Tabuthema zu sein, auch die Folgen der Operation - speziell mögliche Impotenz und Inkontinenz - sind es auch. Büchler: "Auch für sexuelle Probleme gibt es in Österreich keine Gesprächskultur. Ein Beamter des Gesundheitsministeriums hat öffentlich das Problem der Impotenz mit schiefen Ohren verglichen."

Das könne wohl nicht wirklich ein Erfassen der Situation der Betroffenen sein. Die Selbsthilfegruppe will vor allem Informationen für Betroffene bereithalten und eine Möglichkeit zur Aussprache bieten. Und schließlich geht es darum, mehr Druck in der Öffentlichkeit für die Früherkennung jenes Karzinoms zu machen, das die Männer am häufigsten trifft und das in einem Spätstadium oft sehr qualvolle Komplikationen verursacht.



"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Reinardo

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Re: "Selbsthilfe Prostatakrebs": Informationsmanko in Österreich
« Antwort #1 am: 02. Februar 2009, 19:31 »
Hallo:-

Zu diesem Thema habe ich oben einen Beitrag verfasst.
 
In Deutschland sind die Kampagnen zur Früherkennung unüberhörbar. Fast jede Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe leitet ihren moralischen Anspruch auf Fördergelder und Spenden aus  Aktivitäten zur Förderung der Früherkennung ab.
Auf Seiten der Ärzteschaft haben diese Kampagnen als Hintergrund natürlich keine menschenfreundlichen Motive sondern bedienen wirtschaftliche Interessen.
Auf Seiten der Selbsthilfegruppen herrschen vor Naivität und guter Glaube an die These, dass Prostatakrebs, früh genug erkannt, heilbar sei.
Ob Prostatakrebs "heilbar" ist oder nicht, richtet sich nach noch ganz anderen Kriterien als nur dem Zeitpunkt seiner Diagnose.
Gut die Hälfte aller Prostatakrebse ist hinsichtlich ihrer Malignität so beschaffen, dass sie keiner oder zunächst keiner Therapie bedürfen. Andere Prostatakrebse sind so bösartig, dass selbst im Frühstadium eine Heilung nicht möglich, ein Rezidiv so gut wie sicher ist.
Es kommt hinzu, dass die Diagnostik per Stanzbiopsie gefährlich ist und die als "Heilung" in der Regel angebotene Prostatektomie mehr verstümmelt als heilt.

Deshalb mein Fazit: Macht erst einmal schonende und umfassendere Diagnostik und entwickelt akzeptable Therapien, bevor ihr die Männer mit Kampagnen zur Früherkennung in ihr Unglück treibt!

Gruss, Reinardo

Dietmar E.

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"Selbsthilfe Prostatakrebs": Informationsmanko in Österreich
« Antwort #2 am: 02. Februar 2009, 19:51 »
Servus Reinardo,

es ist interessant, deine Meinungen, fundiert, hier zu lesen.
Das hier hast du sicher auch gelesen:
http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,1611.0.html

Und wie heiß dein Thema ist, zeigen die explosionsartig angestiegenen Beiträge unter
http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=4411
Wer das liest, muss sich selbst einen Reim darauf machen, ggf. mit "mündigem Zuhören" auf
Antworten seines Urologen.

Aber eines bin ich überzeugt: Auch die Uros würden lieber eine bessere Diagnostik machen, als
blinde Abtastungen mit dem Finger,
PSA als "Zeitvertreib",
Biopsien, ohne Treffer,
Totaloperationen mit Inkontinenz und Impotenz

Etwas könnte aber rasch umgesetzt werden: DNA-Zytometrie. Sicher, das Wissen der zwei, drei Deutschen Spezialisten
schafft Mann/Frau in Wien/Linz/Innsbruck oder Graz nicht in 3 Monaten, aber "nichts zu tun" ist zu wenig, nachdem das
Österreich weit ein Tabuthema ist.

LG.

Dietmar

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« Letzte Änderung: 02. Februar 2009, 20:34 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

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"Selbsthilfe(gruppe) Prostatakrebs": "Nur" in Deutschland
« Antwort #3 am: 06. Oktober 2016, 14:11 »



Auf Grund von Erfahrungen kann ich in Österreich (fast) nichts, sondern NUR das empfehlen, also hier fündig zu werden:


http://forum.prostatakrebs-bps.de


DAS ist wohl das BESTE bei Fragen zum Prostatakrebs.

Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke