Autor Thema: Zahnlose Behinderte?  (Gelesen 2975 mal)

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Jutta

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Zahnlose Behinderte?
« am: 13. Februar 2009, 10:20 »
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=090212032

   Behinderte fordern mehr Einbezug in Gesellschaft
   Fehlende Selbstbestimmung als großes Problem

   Berlin (pte/12.02.2009/13:55) - Nur gesellschaftliches Umdenken kann die
   Barrieren überwinden, denen Menschen mit Behinderungen täglich ausgesetzt
   sind. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer eines viertätigen Kongresses
   des Bundesverbands evangelischer Behindertenhilfe (BEB)
   http://www.beb-ev.de, der gestern, Mittwoch, in Rheinsberg bei Berlin zu
   Ende gegangen ist. Anlässlich des Superwahljahres 2009 in Deutschland
   formulierten die Kongressteilnehmer Forderungen, die sie den Vertretern
   der Bundesregierung und des Bundestages sowie den behindertenpolitischen
   Sprechern aller Parteien überreichten. Zahlreiche Benachteiligungen von
   Menschen mit Behinderungen wurden dabei sichtbar.

   "Barrieren im Kopf sind schwerer abzusenken als Bordsteine", gab eine
   Kongressteilnehmerin die Alltagserfahrungen von Menschen mit
   Behinderungen treffend wieder. "Bei diesen Barrieren handelt es sich um
   alles, was zu Vorurteilen im Umgang mit den Betroffenen führt", erklärt
   Thomas Schneider, Pressesprecher der Behindertenhilfe, im
   pressetext-Interview. Der Beginn sei bereits bei Sprache und Schrift zu
   finden, wenn etwa Nachrichtentexte viele Fremdwörter enthalten oder
   behördliche Schreiben wie die Steuererklärung kaum verständlich
   formuliert sind. Das führe dazu, dass Menschen mit Behinderungen schnell
   als rückständig abgestempelt würden.

   Auch das Gesetz verfalle oft in diese Denkweisen. "Menschen mit geistigen
   Behinderungen können ihre Rechte in vielen Fällen nicht persönlich,
   sondern nur über einen gesetzlichen Vertreter wahrnehmen." Eine
   entsprechende Assistenz könnte das in vielen Fällen jedoch ermöglichen.
   In eine ähnliche Richtung geht auch die Diskussion unter
   Behindertenvertretern um das persönliche Budget. "Seit dem Vorjahr haben
   alle Betreuten mit Behinderungen Anspruch auf eine bestimmte Geldsumme,
   die ihnen persönlich ausbezahlt wird statt an ihre Einrichtungen. Die
   Entscheidung, welche Leistungen der Betroffene in Anspruch nimmt, liegt
   damit bei ihm, was seine Integration und Selbstbestimmung stärken kann.
   Doch zu selten wird dieser Anspruch bisher auch umgesetzt", so Schneider.
   Ein Umdenken im Kopf sei in allen Bereichen nötig, zitiert er die
   Forderung der Kongressteilnehmer.

   Eine neue Diskussionsgrundlage bringt ein Übereinkommen der Vereinten
   Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, das seit
   Jahresbeginn auch in Deutschland geltendes Recht ist. "Ihr zentrales
   Leitbild ist das der Einbeziehung. Darunter versteht die UNO, dass
   Menschen mit Behinderungen schon von Anfang an gemeinsam statt getrennt
   von der Gesellschaft leben und nicht erst in einem späteren Prozess
   integriert werden müssen", verdeutlicht der BEB-Sprecher. Das habe etwa
   für das Schulsystem große Auswirkungen. "Wir besitzen in Deutschland ein
   ausgeprägtes Förder- und Sonderschulsystem. Dieses zeichnet jedoch den
   weiteren Lebensweg der hier Ausgebildeten schon deutlich vor. Chancen auf
   eine Anstellung erhalten sie dadurch nur in einer
   Behinderten-Einrichtung. Der gemeinsame Unterricht vom Kindergartenalter
   an würde das verhindern", so Schneider abschließend zu pressetext. (Ende)

hilde

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Behindert? UN-Konvention passiert nur schleppend
« Antwort #1 am: 26. Januar 2013, 13:44 »


Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention passiert nur schleppend
Grüne: Monitoringausschuss braucht finanzielle Ressourcen und echte Unabhängigkeit

Wien (OTS) - "Ich möchte mich beim unabhängigen Monitoringausschuss
zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen für die bisherige Tätigkeit bedanken", sagt Helene
Jarmer, Behindertensprecherin der Grünen und ergänzt: "die
fundierten Stellungnahmen, Empfehlungen und die öffentlichen
Sitzungen sind eine gute Grundlage für meine politische Arbeit."

Bisher ist allerdings wenig passiert, um die aufgezeigten
Versäumnisse bei der verpflichtenden Umsetzung der UN-Konvention zu
beseitigen. "Für die Themen barrierefreie Bildung, Selbstbestimmung
und unterstützte Entscheidungsfindung gibt es konkrete Stellungnahmen
des Ausschusses. Gerade in diesen wichtigen Bereichen geht jedoch
seit Jahren nichts weiter", kritisiert Jarmer.

Der Ausschuss hat außerdem mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Im
vorliegenden aktuellen Tätigkeitsbericht werden das
Nichtvorhandensein eines Budgets und die mangelnde Unabhängigkeit von
ministeriellen Strukturen beklagt. "Dass die Mitglieder ehrenamtlich
arbeiten und die Vorsitzende lediglich eine Aufwandsentschädigung
bekommt, ist ein unhaltbarer Zustand", meint Jarmer und fordert: "der
Monitoringausschuss muss mit ausreichenden finanziellen Ressourcen
ausgestattet werden."

Unter den gegebenen Rahmenbedingungen kann der Ausschuss auch im
vierten Jahr seines Bestehens den Vorgaben der Konvention nicht
gerecht werden.Laut Bericht können vor allem die zunehmenden
Koordinationsaufgaben nicht bewältigt werden. Auch eine umfassende
kommunikative Barrierefreiheit der Sitzungen ist nach wie vor nicht
gewährleistet. "Dies schließt zum Beispiel Menschen mit
Lernschwierigkeiten von einer Mitarbeit im Ausschuss aus und
diskriminiert diese Behindertengruppe", kritisiert Jarmer und
ergänzt: "der Monitoringausschuss braucht ein eigenes ausreichendes
Budget, und strukturelle Unabhängigkeit vom Sozialministerium um im
Sinne der UN-Konvention arbeiten zu können".