Autor Thema: Ein Dogma der Krebsmedizin fällt  (Gelesen 3555 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Gitti

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 1.339
  • Geschlecht: Weiblich
Ein Dogma der Krebsmedizin fällt
« am: 08. März 2009, 18:46 »

Ein Dogma der Krebsmedizin fällt


Von Rainer Flöhl

07. Februar 2009 Die Bedeutung von Krebsregistern wird hierzulande noch immer unterschätzt. Sie sind nicht nur zur Beurteilung der Qualität der medizinischen Versorgung unerlässlich, sondern bieten, wenn sie konsequent den Krankheitsverlauf einer Population verfolgen, auch die Chance, die Wissenschaft voranzubringen. Beispielhaft dafür sind Erkenntnisse über die Metastasierung von Tumoren, die jetzt das Tumorregister München veröffentlicht hat („Zentralblatt für Chirurgie“, Bd. 133, S. 1).

Die von Dieter Hölzel vom Institut für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie der Universität München geleitete Forschungsgruppe stürzt ein Dogma der Krebsbekämpfung, indem sie die routinemäßige Entfernung der Lymphknoten, die Lymphadenektomie, „als nicht mehr zeitgemäß“ betrachtet. Sie stellt fest, dass die von Metastasen befallenen Lymphknoten nicht zur weiteren Ausbreitung des Tumorleidens beitragen. Ihr Fazit: „Lymphknoten metastasieren nicht“.
Anzeige

„Metastasen metastasieren nicht“

Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Aufgrund der aus dem Krebsregister gewonnenen Daten habe die umfassendere Hypothese „Metastasen metastasieren nicht“ eine hohe Plausibilität. Das würde bedeuten, dass aus Tochtergeschwülsten in Organen, etwa Lunge oder Leber, nicht an der Streuung weiterer Krebszellen beteiligt sind. Die unmittelbare Konsequenz aus diesen Erkenntnissen liegt für die Münchener Wissenschaftler darin, nur die Lymphknoten zu entfernen, die zur lokalen Kontrolle, zur Ermittlung der Prognose und der sich daraus ergebenden Therapieentscheidungen unerlässlich sind.

............. http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/Doc~EA5EC5D4F3A2B4A2DB478147D079566E3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

............. Der Zeitpunkt der Metastasierung ist auch für den Erfolg der Chemotherapie entscheidend. Bis heute gibt es bei den meisten Tumoren keine Heilung nach der Diagnose von Tochtergeschwülsten. Zu vernichten sind lediglich Metastasen, die gerade initiiert wurden oder vielleicht als „angreifbare“ Mikrometastasen existieren. Früher eingetretene Metastasierungen sind nicht mehr reversibel.

Der komplexe Prozess der Metastasierung ist offensichtlich genetisch gesteuert und läuft deshalb für alle Krebsarten vergleichbar ab. Die Metastasierung ist einheitlich und hängt nicht mit unserer pragmatisch begründeten Klassifikation der Tumorformen zusammen. Weil viele Details der Metastasierung noch nicht durchschaubar sind, fordern die Münchener Wissenschaftler eine stärkere Förderung der Erforschung der pathogenetischen Prozesse der Metastasierung. Daraus könnten sich neue Therapien ergeben, aber auch eine effizientere Nutzung heutiger Maßnahmen.

Gesundheitspolitische Folgerungen

In der Publikation im „Chirurg“ kritisieren die Wissenschaftler auch aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen. Das Münchener Tumorregister, das von Hölzel gegen viele Widerstände auf- und zu einem ungewöhnlich leistungsfähigen Instrument ausgebaut wurde, entspricht internationalem Standard. Es ist 1998 in die weltweite Sammlung von Krebsregistern aufgenommen worden. Es umfasst ein Einzugsgebiet von 4,5 Millionen Einwohnern, was 5,4 Prozent der Bundesrepublik entspricht. Es reicht heute weit über München bis nach Oberbayern und die Region Landshut hinaus.

Die Daten zeigen, so Hölzel, dass das deutsche Gesundheitswesen flächendeckend eine hohe Versorgungsqualität erbringt. Dies spreche gegen die Forderungen nach ständigen Strukturreformen. Der Onkologiestandort Deutschland werde „schlecht geredet“, um teilweise autosuggestive Ziele zu erreichen, etwa Disease-Management-Programme oder Krebszentren. Wichtig seien hingegen akribisch beobachtete Krebsregister-Kohorten mit klinischen Daten. Doch dies lehne der Zeitgeist trotz überwältigender Belege bisher ab.

Text: F.A.Z.

Gitti

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 1.339
  • Geschlecht: Weiblich

...................: Verlange ein PET/CT!

siehe: http://www.krebsforum.at/forum/index.php/topic,2387.0.html