Autor Thema: Krebs, dazu sagt ........  (Gelesen 2909 mal)

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Krebs, dazu sagt ........
« am: 29. April 2010, 22:25 »

Kurier Gesundheits-Chat mit Krebs-Experten

Der Krebsspezialist Prof. Paul Sevelda stellt sich im KURIER.at-Chat am 28. April von 14:00 - 14:45 Uhr Ihren Fragen.
Der Chat hat bereits stattgefunden. In dem Fenster können Sie alle Fragen nachlesen.

Chatprotokoll

Moderator: Liebe KURIER.at-Leser, herzlich willkommen zum Gesundheits-Chat mit Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der österreichischen Krebshilfe, Facharzt für Gynekologie. Wir freuen uns auf Ihre Fragen.

Chris V.: Gibt es ein erhöhtes Risiko (und wenn ja um wieviel) an einem Carcinom zu erkranken, wenn man schon mehrmals mit Zytostatika und Immuntherapien (Interferon) behandelt wurde?

Prof. Paul Sevelda: Ja, nach zytostatischer Therapie ist das Risiko vor allem an Leukämie zu erkranken geringfügig erhöht und liegt unter 1 %.

Maria C.: Spielt bei Krebs nicht auch sehr stark Psychosomatik eine Rolle?

Prof. Paul Sevelda: In der Entstehung haben wir derzeit keinen Hinweis, dass die Psychosomatik eine entscheidende Rolle spielt.

Martina F.: Um aktiv jedem denkbaren Krebs entgegenzusteuern zu können, müsste ich wohl auf einem anderen planeten leben. Welche sind die gefährlichsten Krebsarten, auf deren abwehr ich mich beschränken sollte?

Prof. Paul Sevelda: Unser Planet ist grundsätzlich ziemlich gesund. Um Krebs zu vermeiden sind folgende einfache Lebensstil-Regeln zu beachten, wobei damit natürlich nicht jedes Krebserkrankungsrisiko ausgeschlossen werden kann: 1. regelmäßige körperliche Bewegung, drei bis fünf mal wöchentlich 30-60 Minuten 2. Vermeidung von Nikotin 3. Vermeiden von Übergewicht

Maria C.: Ist eine HPV-Impfung bei Frauen tatsächlich sinnvoll?

Prof. Paul Sevelda: Ja. Wir können damit 80 % der Gebärmutterhalskrebserkrankungen und vor allem auch deren Vorstufen in der Entstehung verhindern.

Vanessa S.: Sind erhöhte Tumormarker immer ein Zeichen für eine Krebserkrankung?

Prof. Paul Sevelda: Nein. Tumormarker sind nicht geeignet für eine Krebsdiagnose, weil sie auch bei vielen harmlosen Erkrankungen wie Entzündungen jeglicher Art aber auch bei gutartigen Erkrankungen erhöht sein können. Tumormarker dienen zumeist nur für den Verlauf einer Krebserkrankung. Das PSA beim Mann ist für sich alleine gesehen auch keine Früherkennungsmaßnahme und sollte nur gemeinsam mit einer urologisch-fachärztlichen Untersuchung durchgeführt werden. Der erhobene Befund sollte mit dem Arzt des Vertrauens besprochen werden.

Maria C.: Stimmt es, dass Krebs bei jungen Menschen schneller "wächst", wenn er lange unbehandelt/unentdeckt bleibt, als bei älteren Menschen?

Prof. Paul Sevelda: Nein. Die Wachstumsgeschwindigkeit einer Krebserkrankung hängt von deren biologischer Aktivität ab und ist zumeist nicht altersabhängig.

Anna P.: wie problematisch ist hautkrebs? schnell entdeckt lässt sich ein bösartiges melanom schnell und leicht entfernen ... wozu die ganze uv-aufregung?

Prof. Paul Sevelda: Wenn es zeitgerecht entdeckt wird ist es tatsächlich gut behandelbar. Doch leider nehmen noch sehr wenige Menschen an einer regelmäßigen Hautfrüherkennungsuntersuchung teil. Die Sonneneinstrahlung führt tatsächlich zu einem deutlich höheren Melanomerkrankungsrisiko. In Österreich sterben jährlich mehrere hundert Menschen an dieser Erkrankung.

Herta M.: Welches ist Ihrer Erfahrung nach der Krebs mit den geringsten Heilungschancen?

Prof. Paul Sevelda: Der Bauchspeicheldrüsenkrebs und auch der Krebs der Gallenblase sowie seltene Hirntumore haben auch heute noch eine sehr schlechte Prognose, auch Lungenkrebs hat eine hohe Mortalität und wird nur selten rechtzeitig erkannt.

Vanessa S.: Sind herkömmliche Gesundenuntersuchungen ausreichend für die Krebsvorsorge?

Prof. Paul Sevelda: Ja, wenn auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchung keine Garantie ist, nicht an Krebs zu erkranken oder eine allfällige Krebserkrankung zeitgerecht zu entdecken. Es gibt Krebserkrankungen, für die es keine Früherkennungsuntersuchung gibt, wie zum Beispiel bei Lungenkrebs, Blutkrebserkrankungen, oder Eierstockkrebs.

Maria C.: Was passiert bei einer Chemotherapie?

Prof. Paul Sevelda: Es wird mit Medikamenten das Zellwachstum an verschiedenen biologischen Schnittstellen gehemmt und dadurch Tumorzellen zerstört.

Christoph B.: Sg.Hr.Professor, aktuell nehme ich "Bicalutamid" 150g,der mir gute Dienste leistet.Ohne Nebenwirkungen(wie zB."Trenantone" Spritze, habe ich mein PSA -Wert auf 0.53 ng/ml gesenkt.Allerdings Testosteron ist 15 ng/ml.Ist das vielleicht schädlich? lG.Christoph.

Prof. Paul Sevelda: Nein.

Simone K.: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Immunsystem und Krebs? Oder ist Krebs zum großen Teil erblich bedingt?

Prof. Paul Sevelda: Die Entstehung der Krebserkrankung ist zumeist nicht erblich bedingt, jeder Mensch kann an Krebs erkranken. Das Immunsystem spielt schon eine Rolle, allerdings nur dahingehend, dass Menschen mit unterdrückter Immunabwehr wie zum Beispiel nach Organtransplantationen, ein erhöhtes Krebserkrankungsrisiko aufweisen. Eine allgemeine Immunförderung schützt nicht vor einer Krebserkrankung.

Adelheid F.: Es gibt ja verschiedene Krebs-Vorsorgeuntersuchungen, die ab jeweils einem bestimmten Alter empfohlen werden (Gebärmutterhals-, Brust -, Darmkrebs etc.) . Es gibt aber doch noch eine Anzahl anderer Krebserkrankungen. Wie können diese aufgespürt werden?

Prof. Paul Sevelda: Leider existiert für eine Vielzahl von Krebserkrankungen noch immer keine wirksame Früherkennungsmethode. Etabliert ist die Früherkennung für Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, und mit etwas Einschränkung, Prostatakrebs. Alle anderen Krebserkrankungen werden heute überwiegend durch den Arzt meist in Folge von auftretenden Beschwerden entdeckt.

Simone K.: Wird die Medizin jemals Krebs in den Griff bekommen?

Prof. Paul Sevelda: Wir hoffen ja! Aber es wird noch einige Generationen dauern.

Simone K.: Seit wann gibt es die Krankheit? hatten urzeitmenschen krebs?

Prof. Paul Sevelda: Ja. Die erste Krebsdiagnose erfolgte bei einem Saurier vor 150 Millionen Jahren.

Magda T.: Können Sie mir konkrete Tipps geben, wie ich frühzeitig Krebs erkennen kann?

Prof. Paul Sevelda: Die regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen wie 1. jährlicher Krebsabstrich ab dem 20. Lebensjahr 2. Mammografie ab dem 40. Lebensjahr in zweijährigen Abständen 3. Darmspiegelung mit 50, dann alle sieben bis zehn Jahre

Adelheid F.: Gibt es alternativ-medizinische Methoden, die Sie zur Unterstützung bei einer schulmedizinischen Krebstherapie empfehlen würden?

Prof. Paul Sevelda: Es gibt eine Unzahl von alternativ-medizinischen Begleitmethoden, deren Wirksamkeit in Bezug auf verbesserte Heilungsaussichten nach wissenschaftlichen Kriterien nicht erwiesen ist. Daher empfehle ich alternativ-medizinische Begleittherapien nicht. Die allermeisten alternativ-medizinischen Begleittherapien richten auch keinen Schaden an und können daher begleitend in Absprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden, wenn man an diese Therapien glaubt.

Adelheid F.: Sind eigentlich Männer oder Frauen häufiger von Krebs betroffen?

Prof. Paul Sevelda: Die Häufigkeit der Krebserkrankungen ist auf beide Geschlechter nahezu gleich verteilt.

Anna P.: ab welchem alter sollte mein mann (um die 30) zu vorsorge-untersuchungen gehen und welche sollten das sein?

Prof. Paul Sevelda: Ab dem 40. Lebensjahr eine Prostata-Untersuchung, ab dem 45. Lebensjahr in jährlichem Abstand sowie Darmspiegelung um das 50. Lebensjahr.

Werner C.: Beim Nierenzellkarzinom werden von den herstellenden Pharmafirmen für die neuen Medikamente große Erwartungen vorgegeben, Urologen sind skeptischer!

Prof. Paul Sevelda: Ich auch, Langzeitergebnisse müssen noch abgewartet werden.

Adelheid F.: Herr Prof. Sevelda, Sie raten zu einer Mammografie ab dem 40. Lebensjahr. Ist es aber nicht so, dass Brustkrebs bei jungen Frauen

Prof. Paul Sevelda: Ja, jedoch nur sehr selten. Das Problem bei jüngeren Frauen liegt darin, dass das Drüsengewebe noch sehr dicht ist und hier die Mammografie in der Diagnose nicht so aussagekräftig ist und vor allem auch zu falschen positiven Befunden führen kann. Daher sollte eine Frau vor dem 40. Lebensjahr nur dann eine Mammografie durchführen lassen, wenn der Verdacht auf einen Knoten oder sonst eine ungewöhnliche Veränderung der Brust besteht.

Moderator: Liebe Chat-Teilnehmer, noch eine Viertelstunde bleibt uns, um all Ihre Fragen zu beantworten.

Anna P.: wie weit ist die medizin von einer wunderwaffe gegen krebs entfernt?

Prof. Paul Sevelda: DIE Wunderwaffe gegen alle Krebse wird es nie geben, denn hinter dem Begriff Krebserkrankung verbergen sich hunderte verschiedene Krankheiten. Gegen Einzelne haben wir bereits Wunderwaffen mit sehr hoher Aussicht auf Heilung selbst in fortgeschrittenen Stadien wie bei Hodenkrebs sowie dem Chorionkarzinom, einer seltenen Krebserkrankung bei Frauen.

Adelheid F.: Ich rauche seit 20 Jahren. Wenn ich jetzt stante pede aufhöre, sinkt dann auch mein Krebsrisiko - und wenn ja, um wieviel - und um welche Krebsarten handelt es sich dabei?

Prof. Paul Sevelda: Raucher haben eine um zehn Jahre kürzere Lebenserwartung wie Nichtraucher. Wenn man mit vierzig Jahren aufhört kann man neun dieser zehn Jahre aufholen. Rauchen ist mit sehr vielen Krebserkrankungen verbunden, vor allem Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs, Magenkrebs aber auch Gebärmutterhals- und Brustkrebs kommen bei Rauchern häufiger vor.

Christian S.: Ich habe es endlich geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Ab wann geht mein Risiko für Lungenkrebs wieder auf das normale Niveau zurück?

Prof. Paul Sevelda: Das hängt davon ab, in welchem Alter Sie aufgehört haben zu rauchen. Sie profitieren ab dem ersten Tag, nicht nur durch ein bereits jetzt geringeres Krebserkrankungsrisiko, sondern vor allem auch durch eine erhöhte Leistungsfähigkeit und geringere Schädigung ihres Gefäßsystemes.

Anna P.: sollen schwere raucher höhere versicherungsbeiträge zahlen?

Prof. Paul Sevelda: Das ist eine politische Entscheidung. Unbedingt befürworte ich jedoch einen rigorosen Nichtraucherschutz und vor allem Hilfestellungen für Raucher bei deren Versuch der Entwöhnung.

Moderator: Liebe Chat-Teilnehmer, vielen Dank für Ihre Fragen an unseren Experten Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda.

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Krebstherapien, dazu sagt ........ Zielinski
« Antwort #1 am: 17. Juli 2010, 12:20 »

Onkologiepapst Prof. Dr. Zielinski zu neuesten Krebstherapien und Tabakrauch

Vortrag gehalten im Rahmen des Kongresses Medizin in Wien 2010
am 30.Jänner 2010 im Wiener Rathaus

Wie immer sehr interessant die Aussagen von Zielinski,

speziell nach ca. 8 min zum Thema tödlichem Tabakrauch: "90 % der Krebserkrankungen ..........."


http://www.rauchersheriff.at/docs/