Autor Thema: Krebs-Immuntherapie war bzw. ist ...........  (Gelesen 8534 mal)

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Richi

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Krebs-Immuntherapie war bzw. ist ...........
« am: 03. Mai 2010, 20:00 »
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/blasen-karzinom/article/555729/neue-immuntherapien-krebs.html

Ärzte Zeitung, 02.05.2010   

Neue Immuntherapien gegen Krebs

Tumoren entstehen, weil sich bösartig veränderte Zellen den Mechanismen der Immunabwehr entziehen. Aber die Forscher arbeiten an immunologischen Gegenstrategien - bei einigen Tumoren mit Erfolg

Von Nicola Siegmund-Schultze

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Antikörper lassen sich auch spezifisch für die Zerstörung von Tumorzellen verwenden. © S.Kaulitzki/Fotolia.de

NEU-ISENBURG. Das Immunsystem ist ein ständiger, lebensnotwendiger Wächter: Nicht nur Krankheitserreger müssen eliminiert werden, auch bösartig veränderte, körpereigene Zellen. Meist scheint dies zu funktionieren. Der gegenwärtigen wissenschaftlichen Auffassung zu Folge entstehen im Verlauf des Lebens immer wieder Tumorzellen, und meist werden sie vom Immunsystem zerstört, bevor sie schaden könnten. Die erhöhte Krebshäufigkeit bei Patienten mit dauerhaft geschwächtem Immunsystem gilt als einer der wichtigsten Belege für diese Theorie.

Aus ihr folgt auch: Versagen im Einzelfall immunologische Abwehrmechanismen gegen Krebs, sollte es möglich sein, der Körperabwehr auf die Sprünge zu helfen. Immuntherapien gegen Krebs werden seit den 80er Jahren erprobt. Dabei erfolgen die Aktivierungen des Immunsystems krebsunspezifisch oder aber tumorspezifisch.
BCG-Vakzine erfolgreich bei Harnblasenkrebs

So gilt als erfolgreichste Immuntherapie solider Tumoren die Impfung gegen Harnblasenkrebs mit einem Tuberkulose-Impfstoff, der BCG-Vakzine (Bacille Calmette-Guérin). Der französische Name steht für einen Stamm von Tuberkelbazillen, der bei Menschen ungefährlich ist. Bei Harnblasenkrebs mit hohem Risiko für einen Rückfall wird die BCG-Vakzine mehrfach direkt in die Harnblase des Patienten gespritzt. Die Impfung ist tumorunspezifisch, löst aber komplexe Immunreaktionen aus, darunter eine Aktivierung der natürlichen Killerzellen. Diese Zellen können veränderte körpereigene Zellen, wie es Tumorzellen sind, abtöten. Das Risiko für Tumorrezidive wird durch die BCG-Vakzine um bis zu 50 Prozent gesenkt.

Ebenfalls tumorunspezifisch, aber hoch wirksam können Therapien mit Botenstoffen des Immunsystems (Zytokine) sein, zum Beispiel Interferone oder Interleukine. Zytokine vermitteln die biochemischen Signale zwischen den Zellen, die bei einer Immunantwort zusammenwirken, etwa Lymphozyten, Makrophagen und dendritische Zellen.

Die Zytokinbehandlung ist erfolgreich beim Harnblasenkarzinom erprobt worden, unter anderem in Kombination mit der BCG-Vakzine. Aber auch beim Melanom hat sich eine Zytokintherapie mit Interleukin 2 (IL-2) als wirksam erwiesen. In den USA ist dieses Mittel deshalb zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Melanom zugelassen, in Europa allerdings nicht - aufgrund der unerwünschter Wirkungen des Interleukins.

Eine weitere Strategie der Immuntherapie gegen Krebs ist die Behandlung mit Antikörpern. So werden zum Beispiel die monoklonalen Antikörper Trastuzumab und Rituximab bei Patienten mit Brustkrebs und Lymphomen angewandt, häufig in Kombination mit Hormon- und Zytostatika-Behandlung. Solche dem Patienten injizierten Antikörper binden passiv an Oberflächenmoleküle auf Tumorzellen.
Antikörper beugt Neuroblastom-Rezidiv vor

In einer Studie im vergangenen Jahr mit 226 Kindern mit Neuroblastom beugte die Verabreichung eines Antikörpers gegen das Tumormolekül GD2 Rezidiven dieses Tumors vor, wenn die Patienten den Antikörper im Anschluss an die herkömmliche Therapie erhielten.

Bei der aktiven Tumorimpfung soll der Körper des Patienten selbst Antikörper und tumorspezifische T-Lymphozyten bilden, die die malignen Zellen gezielt und nebenwirkungsarm zerstören und ein lang anhaltendes, immunologisches Gedächtnis hervorrufen. Noch hat sich im Klinikalltag kein Verfahren der aktiven Immunisierung gegen Krebs etabliert, aber die Ergebnisse neuer, großer klinischer Studien sind vielversprechend.

Beispiel: Melanom. Eine Impfung mit dem Eiweißbaustein gp100 - die Buchstaben stehen für Glykoprotein -, kombiniert mit einem unspezifischen Immunverstärker, brachte in einer Studie mit 185 Patienten mit fortgeschrittenem Melanom Geimpften einen Überlebensvorteil von durchschnittlich fünf Monaten - sie lebten damit knapp eineinhalb Jahre, Nichtgeimpfte lebten im Mittel nur ein Jahr.
Aktivierte dendritische Zellen bekämpfen Melanom

Ebenfalls positive Effekte sind beobachtet worden, wenn Patienten mit Melanom dendritische Zellen entnommen, außerhalb des Körpers mit Tumorantigenen beladen und wieder reinfundiert werden. Dendritische Zellen arbeiten der Immunabwehr zu, indem sie auf ihrer Oberfläche Bruchstücke körperfremder und körpereigener Eiweiße den Lymphozyten zur Erkennung präsentieren.

Fortschritte gibt es auch bei hämatologischen Malignomen. So ließ sich bei Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphomen durch die aktive Impfung mit tumorspezifischen Proteinen die Überlebenszeit ohne Krankheitszeichen von durchschnittlich 30 Monaten auf 44 Monate verlängern. Tumorvakzine werden wahrscheinlich künftig andere Verfahren im Sinne einer multimodalen Therapie ergänzen und vielleicht sogar prophylaktisch bei Hochrisikopatienten angewandt werden.
Fluchtmechanismen von Tumoren und Gegenstrategien
Wie gut Evolution auf der Ebene der Zelle funktioniert, macht das Krebswachstum deutlich: Es überleben und vermehren sich nur Zellen, die den Attacken des Immunsystems entgangen sind. Die Kenntnisse dieser Tumor-escape-Mechanismen bilden die Grundlage für neue Strategien in der Krebsimmuntherapie, mit denen künftig gegen die wichtigsten Fluchtwege von Tumorzellen vorgegangen werden kann.

Escape-Mechanismen sind zum Beispiel eine Verringerung jener Eiweißmoleküle auf Tumorzellen, an denen das Immunsystem diese Zellen als entartet erkennen kann (Tumorantigene), oder ein Drosseln der Produktion von Signalbotenstoffen (Zytokinen), die für die Aktivierung von tumortötenden Lymphozyten und Fresszellen notwendig sind.

Oder die Tumoren bilden Eiweißmoleküle, die die Immunzellen in den programmierten Zelltod (Apoptose) schicken, wenn sie sich an die Tumorzelle binden. Die Fluchtwege lassen sich aber durch Immuntherapien, die mehrere Wirkmechanismen miteinander kombinieren, verbauen. (nsi)

Euro-Melanoma-Woche noch bis zum 8. Mai
Noch bis zum 8. Mai findet in Deutschland die Euro-Melanoma-Woche 2010 in vielen Hautarztpraxen und klinischen Einrichtungen statt. Die europaweite Kampagne unter dem Dach der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) stellt die Hautkrebsfrüherkennung und die Vorsorge in den Mittelpunkt.

Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen und die Deutsche Dermatologische Gesellschaft fordern dabei die bundesdeutsche Öffentlichkeit auf, möglichst frühzeitig und regelmäßig die Gelegenheit zu einer Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu nutzen. So steige die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen weiter.

Mittlerweile entwickeln 16 von 100 000 Bundesbürgern jährlich ein Melanom - das sind ungefähr 22 000 Neuerkrankungen. Die Dermatologen-Verbände bitten vor allem in dieser Woche auch Hausärzte darum, ihre Patienten über die Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung aufzuklären. (eb)
www.euromelanoma.de

Werner

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Krebs? Neue Immuntherapie um .....
« Antwort #1 am: 10. November 2010, 10:55 »

Immuntherapie soll Krebsbehandlung unterstützen

06.11.10.

Eine gezielte Immuntherapie könnte künftig Krebstherapien unterstützen. Mediziner der Berliner Charité haben ermittelt, wie sich der Kampf der Körperabwehr gegen Krebszellen stimulieren lässt. Dazu richteten die Immunologen bestimmte Immunzellen, die T-Zellen, auf Tumoren ab. „Diese Zellen sollen die Krebszellen künftig gezielt aufspüren“, sagt Projektleiter Thomas Blankenstein.

Da Krebszellen aus körpereigenem Gewebe stammen, werden sie vom Immunsystem kaum erkannt. Mit einem Trick durchbrachen die Forscher diese „Ignoranz“ des Immunsystems: Sie vermehrten DNA-Bausteine des Menschen und schleusten rund 170 Gensegmente mithilfe embryonaler Stammzellen in Mäuse ein. Die humanen T-Zell-Rezeptoren in den Tieren können menschliche Krebszellen erkennen und das Immunsystem alarmieren. Letztlich wollen die Forscher diese Rezeptoren in die T-Zellen von Krebspatienten einschleusen. So könnten deren T-Zellen Tumoren direkt bekämpfen. „Derzeit bereiten wir eine erste klinische Studie vor, in der die Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser T-Zell-Rezeptoren bei Krebspatienten erprobt wird“, sagt Blankenstein. (dapd)

Aus Befund Krebs 4/2010

Tanja

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Krebs-Immuntherapie bzw. Wunder gibt es immer wieder!
« Antwort #2 am: 08. Dezember 2010, 20:00 »

http://www.medica.de/cipp/md_medica/custom/pub/content,oid,32634/lang,1/ticket,g_u_e_s_t/local_lang,1/~/Wunder_gibt_es_immer_wieder.html

Wunder gibt es immer wieder

Selbst bei Krebspatienten im Endstadium kommt es immer wieder zu wundersamen Tumorrückbildungen. Solche spektakulären Verläufe zeigen, wozu unsere Selbstheilungskräfte im Extrem fähig sind.

01.12.2010

In einem von 60.000 bis 100.000 Fällen ist – seriösen Hochrechnungen zufolge - bei Krebserkrankungen eine Spontanheilung zu beobachten. Was sich hinter dieser Statistik verbirgt, sind Heilungsverläufe, die in der Tat wie Wunder anmuten: Ein riesiger Bauchtumor verschwindet bei einem alten Mann, dem die Ärzte keine Chance mehr gegeben haben. Der Patient und seine ihm innig verbundene Ehefrau führen die Heilung auf den täglich frisch gepressten Orangensaft zurück – ein Hinweis darauf, dass Glauben und Vertrauen wohl eine große Rolle spielen.

Oder eine andere unglaubliche, aber verbürgte Geschichte: Bei einem Landwirt wird im Alter von 68 Jahren ein fortgeschrittenes, hoch malignes Lymphom mit extrem schlechter Prognose diagnostiziert. Nach Komplikationen unter der Chemotherapie wird die Behandlung abgebrochen. Der Landwirt stellt sich nach zwei Jahren erneut in der Klinik vor und ist komplett tumorfrei, ohne dass weitere Therapien durchgeführt worden sind. Der Mann, der nach Aussagen der Ärzte über ein sonniges Naturell verfügt, wird weit über 90 Jahre alt und verrichtet noch viele Jahre zum Teil schwere körperliche Arbeiten in der Landwirtschaft.

Eine 2008 publizierte Untersuchung an 120.000 Norwegerinnen liefert einen wichtigen Hinweis, dass Spontanremissionen bei Krebs häufiger sind, als gemeinhin angenommen wird. In dieser Studie wurde die Brustkrebsrate bei Frauen, die sich einem regelmäßigen Mammografie-Screening unterzogen, verglichen mit der Krebsrate bei Frauen, die nicht am Screening teilnahmen. Verblüffenderweise traten in allen Altersgruppen bei Frauen, die zur Vorsorge gegangen waren, circa 20 Prozent mehr Krebserkrankungen auf als in der Kontrollgruppe. Dieses Ergebnis wird damit erklärt, dass 20 Prozent aller Mammakarzinome sich von selbst zurückbilden.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Trotz solch spektakulärer Hinweise wird es gemeinhin als wenig lohnenswert erachtet, sich mit dem Phänomen der Selbstheilung weiter zu befassen. Mehr noch: Viele Schulmediziner leugnen aufs Heftigste, dass es Spontanheilungen bei Krebs überhaupt gibt. Die Emotionalität, mit der die Diskussion geführt wird, wenn überhaupt zugelassen, lässt vermuten, dass man mit diesem Thema empfindliche Wurzeln des schulmedizinischen Denkens berührt. Dass das Phänomen der Selbstheilung vielleicht sogar noch etwas mit der Psyche zu tun haben könnte, macht es für viele Hardliner gänzlich indiskutabel.

Dabei liefert eine derzeit boomende Wissenschaft – die Psychoneuroimmunologie – immer mehr Beweise dafür, wie eng die Verbindungen zwischen Psyche und Immunsystem sind. Es liegt deshalb nahe, die Krankheitsbewältigungsstrategien von Krebspatienten mit Spontanremissionen genauer unter die Lupe zu nehmen. Soweit dies geschehen ist, hat man vor allem eins herausgefunden: Den einen Siegertyp gibt es nicht.

Die wenigen systematischen Untersuchungen an Krebspatienten mit dokumentierter Spontanremission haben vier verschiedene Bewältigungstypen ausgemacht:


    * Der Kampfansage-Typ betrachtet den Krebs als Feind, den er besiegen will.

    * Der Warum-ich-Typ forscht intensiv in der eigenen Lebensführung nach möglichen Gründen für die Krebserkrankung und versucht sich zu ändern.

    * Der Gottesgnade-Typ schöpft aus seinem starken religiösen Glauben und legt sein Schicksal in Gottes Hand.

    * Der Verstrickungs-Typ setzt sich mit der Krankheit überhaupt nicht auseinander, weil seine Ängste dies nicht zulassen oder auch weil sie mit anderen existenziellen Fragen beschäftigt sind.
      Allen diesen Strategien scheint – bei aller Verschiedenheit – eins doch gemeinsam zu sein: Alle vier Typen geben sich nicht auf, sondern bleiben auf die eine oder andere Weise aktiv im Leben. Sie haben Hoffnung.



Vorsicht mit Negativprognosen

Was lässt sich daraus ableiten? Sicher nicht, dass positives Denken bei Krebserkrankungen Wunder wirken kann. Hoffnung hat etwas mit tief erlebter Sinnhaftigkeit zu tun und kann nicht mit Positiv-Denk-Parolen, wie sie heute gerne propagiert werden, erzeugt werden. Aber die realistische Information darüber, dass es Spontanremissionen gibt, kann genutzt werden, um Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen Mut zu machen und ihnen bei der Krankheitsbewältigung zu helfen. So jedenfalls sehen es die wenigen seriösen Mediziner, die sich ernsthaft mit diesem Thema befassen.

Und sie formulieren an die Adresse ihrer Kollegen den Rat, sehr vorsichtig zu sein mit dem Aussprechen von Prognosen. Prognosen sind nichts als statistische Mittelwerte und werden immer wieder durch unerwartete Krankheitsverläufe Lügen gestraft. Für die Patienten, die nicht selten brutal mit negativen Voraussagen konfrontiert werden, kann dies fatal sein. Hoffnung wird zerstört, und Selbstheilungskräfte werden vielleicht behindert. Man weiß es eben nicht.

Literaturempfehlung: Herbert Kappauf, Wunder sind möglich, Herder 2003 (Doktor Herbert Kappauf ist heute niedergelassener Onkologe in Starnberg und hat an der Universitätsklinik Nürnberg über Spontanremissionen bei Krebspatienten geforscht)

Ulrike Viegener
MEDICA.de