Autor Thema: Reizdarmsyndrom  (Gelesen 4099 mal)

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hilde

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Reizdarmsyndrom
« am: 30. Juli 2010, 16:43 »


Was sind typische Symptome des Reizdarmsyndroms?

Das Reizdarmsyndrom ist ein recht häufiges Gesundheitsproblem. Zu den typischen Beschwerden gehören lang anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfungen. Auch schleimiger Stuhl kann ein Anzeichen für ein Reizdarmsyndrom sein.

Es werden verschiedene medizinische Kriterien verwendet, um ein Reizdarmsyndrom festzustellen. Nach einer aktuellen Definition spricht man von einem Reizdarm, wenn jemand in den letzten drei Monaten an mindestens drei Tagen pro Monat mit Schmerzen oder Unwohlsein im Darm zu tun hatte und die Beschwerden dabei seit mindestens sechs Monaten anhalten. Außerdem müssen zwei der folgenden Kriterien hinzukommen:

    * Die Beschwerden lassen nach dem Stuhlgang nach
    * Mit Beginn der Beschwerden verändert sich die Häufigkeit des Stuhlgangs
    * Mit Beginn der Beschwerden verändert sich das Aussehen des Stuhls


Das Reizdarmsyndrom ist nicht die einzige Erkrankung, die diese Symptome hervorrufen kann. Beispielsweise kann eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktoseintoleranz) ähnliche Beschwerden verursachen. Die Beschwerden können auch Anzeichen einer Sprue (Zöliakie) sein. Dies ist eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten – einem Eiweiß, das in verschiedenen Getreidesorten vorkommt und in vielen anderen Lebensmitteln enthalten ist. Durch Bluttests und andere Untersuchungen können diese Unverträglichkeiten als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden. Sie können aber auch zusammen mit einem Reizdarmsyndrom vorkommen.

Wenn folgende Beschwerden hinzukommen, deutet das eher auf eine andere Darmerkrankung hin:

    * Deutlicher Gewichtsverlust
    * Blut im Stuhl
    * Fieber
    * Blutarmut


Dies können Anzeichen einer anderen Erkrankung sein, zum Beispiel einer entzündlichen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn. Möglich ist auch eine Divertikulitis – eine Entzündung, bei der sich Kot in Taschen in der Darmwand festgesetzt hat. Plötzliche starke Bauchschmerzen können auch durch Gallensteine verursacht werden.

Darmkrebs ist zwar auch eine mögliche Ursache, wenn Verdauungsbeschwerden zusammen mit Anzeichen wie zum Beispiel Blut im Stuhl auftreten, er ist aber bei Menschen unter 50 sehr selten. Typische Warnsignale für Darmkrebs haben wir >hier< zusammengestellt.

Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
http://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-typische-symptome-des-reizdarmsyndroms.196.de.html


admin

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Reizdarmsyndrom
« Antwort #1 am: 12. August 2010, 18:12 »
  12.08.2010

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31042
   
   Ursachen des Reizdarmsyndroms auf der Spur

Das Reizdarmsyndrom macht Betroffenen - immerhin rund zehn Prozent der Bevölkerung - das Leben zur Hölle. Was viele Erkrankte zusätzlich wurmt: Oft werden sie als Psychosomatiker abgestempelt, denn körperliche Ursachen für einen Reizdarm waren bisher unbekannt. Nun haben Humanbiologen der Technischen Universität München (TUM) Licht ins Dunkel gebracht: Sie haben Mini-Entzündungen in der Darmschleimhaut gefunden, die das empfindliche Gleichgewicht im Darm durcheinanderbringen und mit einer Sensibilisierung des Darmnervensystems einhergehen.

Schnitt durch die humane Darmwand mit der Muskulatur oben und der Schleimhaut unten. Das Bild zeigt die enge Beziehung zwischen Zellen des Darmimmunsystems (rot und grün) und dem Darmnervensystem (blau). Bei Reizdarmpatienten scheinen die Immunzellen vermehrt neuroaktive Substanzen zu produzieren, die aufgrund der Nähe zu Nerven diese sensibilisieren.
(Bildquelle: Michael Schemann/TU München)

Blähungen, Verstopfung oder Durchfall, Übelkeit oder Bauchkrämpfe – beim sogenannten „Reizdarmsyndrom“ wird die Verdauung zum Alptraum. Nicht selten kommen zum ständigen Toilettengang noch Schlafstörungen sowie Kopf- oder Rückenschmerzen. Allein in Deutschland leiden ca. 7 Millionen Menschen an dem Leiden - und daran, dass man ihr Reizdarmsyndrom oft für psychosomatisch hält. Denn bislang ist der organische Auslöser der Krankheit unentdeckt, entsprechend enttäuschend sind die Therapieansätze für Patienten wie Ärzte. Das könnte sich bald ändern: Denn Biologen der TU München haben jetzt erstmals unsichtbare, körperliche Ursachen der tückischen Darmkrankheit dingfest gemacht.

Dem Forscherteam vom TUM-Lehrstuhl für Humanbiologie ist unter der Leitung von Prof. Michael Schemann jetzt der Nachweis geglückt, dass offenbar Mikroentzündungen in der Schleimhaut eine Sensibilisierung des Darmnervensystems auslösen und damit Ursache für das Reizdarmsyndrom sind. Mit ultraschnellen optischen Messverfahren konnten die Forscher nachweisen, dass Botenstoffe von Mastzellen und enterochromaffinen Zellen die Nervenzellen im Darm direkt aktivieren. Diese Überempfindlichkeit des Darmnervensystems bringt die Kommunikation zwischen Darmschleimhaut und -nervensystem durcheinander, so Projektleiter Prof. Schemann: „Die irritierte Darmschleimhaut setzt nun vermehrt neuroaktive Körpersubstanzen wie Serotonin, Histamin und Proteasen frei. Dieser körpereigene Cocktail könnte also die eigentliche Ursache der unangenehmen Reizdarm-Beschwerden sein.“

Die TUM-Humanbiologen verfolgen die heiße Spur bereits weiter. Sie untersuchen zur Zeit, inwieweit die Nervensensibilisierung mit der Schwere der Krankheitssymptome korreliert. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Amsterdam konnten sie bereits die klinische Relevanz ihrer Ergebnisse untermauern: Reizdarmsymptome verbesserten sich nach Behandlung mit einem Antihistaminikum, dessen immunstabilisierende Wirkung von der Behandlung allergischer Reaktionen wie z.B. Heuschnupfen bekannt ist. Die Wissenschaftler untersuchen nun im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt, ob die Symptomverbesserung mit einer Normalisierung der Nervenaktivität einhergeht.

Mittelfristig ermöglicht die nun gelungene Identifizierung der aktiven Komponenten die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen das Reizdarmsyndrom. Die TUM-Forscher haben aber schon jetzt vielen Reizdarm-Patienten Erleichterung verschafft: Denn sie konnten nachweisen, dass das chronische Leiden körperliche Ursachen hat und nicht etwa „eingebildet“ ist.

Als federführende Autorin der Publikation in „Gastroenterology“ erhielt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Sabine Bühner den mit 5.000 Euro dotierten Norgine Gastro Award, der für herausragende Forschungs- und Erkenntnisleistung im Bereich der Gastroenterologie verliehen wurde. Gefördert wird das Projekt „Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms: Wirkung von Schleimhautbiopsie-Überständen von Reizdarmpatienten auf das enterische Nervensystem.“ durch Mittel der DFG.


Originalveröffentlichungen:
Buhner S, Li Q, Vignali S, Barbara G, De Giorgio R, Stanghellini V, Cremon C, Zeller F, Langer R, Daniel H, Michel K, Schemann M.: Activation of human enteric neurons by supernatants of colonic biopsy specimens from patients with irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2009 Oct;137(4):1425-34. (doi:10.1053/j.gastro.2009.07.005)
http://www.gastrojournal.org/article/S0016-5085(09)01152-4/abstract

Klooker TK, Braak B, Koopman KE, Welting O, Wouters MM, van der Heide S, Schemann M, Bischoff SC, van den Wijngaard RM, Boeckxstaens GE.: The mast cell stabiliser ketotifen decreases visceral hypersensitivity and improves intestinal symptoms in patients with irritable bowel syndrome. Gut. Online vorab veröffentlicht unter http://gut.bmj.com/content/early/2010/07/21/gut.2010.213108.abstract
(doi:10.1136/gut.2010.213108)

Quelle: Technische Universität München

Werner

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Reizdarmsyndrom
« Antwort #2 am: 06. Januar 2011, 22:29 »
Donnerstag, 6. Januar 2011

Medizin Antibiotikum lindert Reizdarmsyndrom

Morrisville – Eine zweiwöchige Behandlung mit dem Breitbandantibiotikum Rifaximin kann die Beschwerden von Patienten mit Reizdarmsyndrom über weitere 10 Wochen lindern. Dies kam in zwei randomisierten klinischen Studien im New England Journal of Medicine (NEJM 2011; 364: 22-32) heraus. Die Ergebnisse waren jedoch nur geringfügig besser als unter Placebo und wegen der Resistenzproblematik dürfte den Zulassungsbehörden die Erweiterung der Indikation schwer fallen.

Rifaximin ist ein oral verfügbares Breitbandantibiotikum, das vom Darm kaum resorbiert wird. Es ist wirksam gegen eine Reihe gram-negativer und gram-positiver Bakterien sowie einigen Anaerobiern einschließlich Clostridium difficile. In Deutschland ist das Medikament seit 2008 zur Behandlung der Reisediarrhö zugelassen, die es im Durchschnitt um einen Tag verkürzt.

........... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/44164/Antibiotikum_lindert_Reizdarmsyndrom.htm