Autor Thema: Darmkrebs - Hilft die Therapie?  (Gelesen 4272 mal)

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Darmkrebs - Hilft die Therapie?
« am: 01. August 2010, 23:25 »
Innsbruck, 27.3.10

STATEMENT

Prim. Univ.-Doz. Dr. Felix Offner
Vorstand des Instituts für Pathologie, Facharzt für Pathologie (Zytodiagnostik, Humangenetik), Universitäres Lehrkrankenhaus Feldkirch

Ein neuer molekularpathologischer Gentest (KRAS) zur Vorhersage des Therapieerfolgs

Ein molekularpathologisches Testverfahren ermöglicht eine besonders zielgerichtete Therapie bei der Behandlung von Dickdarmkrebs. Molekularpathologisch-genetische Analysen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft auch bei anderen Tumorerkrankungen eingesetzt werden. Damit werden Pathologen zunehmend zum bestimmenden Faktor der medikamentösen Krebstherapie.

Dickdarmkrebs

Bösartige Tumore des Dickdarms (Dickdarmkarzinome) gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen der industrialisierten Welt. In Österreich erkranken pro Jahr 5.000 Patienten an dieser gefährlichen Erkrankung. Allein in Tirol sind 400 Neuerkrankungen pro Jahr zu verzeichnen. Beinahe jeder zweite Betroffene stirbt nach wie vor an dieser Erkrankung.

Die Vorsorgeuntersuchung (Darmspiegelung) ermöglicht die Früherkennung und auch frühe Behandlung von Krebsvorstufen und führt seit ihrem Einsatz zu einer kontinuierlichen Abnahme von Neuerkrankungen. Gleichzeitig hat sich in den letzten Jahren auch die Therapie von Dickdarmkrebs erheblich verbessert.

Auch bei fortgeschrittener Erkrankung mit Metastasen (Tochtergeschwülsten) ist heute manchmal eine Heilung möglich. Durch Einsatz modernster Medikamente kann auch die Überlebenszeit bei nicht heilbaren Patienten wesentlich verlängert werden. Sie hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt.

Behandlung mit monoklonalen Antikörpern

Ein medizinischer Durchbruch in der Behandlung des Dickdarmkrebses ist der Einsatz sogenannter monoklonaler Antikörper. Diese therapeutisch eingesetzten Antikörper sind entweder gegen die Blutgefäße des Tumors oder direkt gegen die Dickdarmkrebszellen gerichtet. Sie wirken daher nahezu selektiv gegen den Tumor und verursachen im Gegen-satz zu anderen Chemotherapieverfahren nur selten problematische Nebenwirkungen.
 
An den Dickdarmkrebszellen binden die monoklonalen Antikörper an ein spezifisches Zielmolekül, das für das Wachstum der Tumorzellen sehr wichtig ist, den sogenannten Epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGF-Rezeptor). Durch die Bindung der Antikörper an den EGF-Rezeptor werden den Tumorzellen wichtige Wachstumsfaktoren entzogen. Dies führt zur Hemmung des Tumorzellwachstums (der Tumorzellteilung) und hemmt auch deren Ausbreitung.

KRAS prognostiziert Therapieerfolg mit monoklonalen Antikörpern

Welche Patienten tatsächlich von der Therapie mit Antikörpern gegen den EGF-Rezeptor profitieren, kann durch einen Gentest, die molekularpathologische Analyse des KRAS-Gens (ein sogenanntes Onkogen), präzise vorherbestimmt werden. Der KRAS-Mutationstest ist technisch aufwendig und wird direkt am Tumorgewebe durchgeführt. Hierbei müssen Tumorzellen mikroskopisch isoliert werden. Danach erfolgen die Isolierung von spezifischer DNA aus den Tumorzellen und die Überprüfung einer eventuell vorliegenden KRAS-Mutation mittels PCR-Analytik oder Gensequenzierung. Patienten, deren Tumorzellen eine Mutation des KRAS-Gens aufweisen, profitieren nicht von der Behandlung mit monoklonalen Antikörpern und können daher selektiv mit anderen Medikamenten behandelt werden.

Der KRAS-Mutationstest – individuelle Krebstherapie steigert Kosteneffizienz

Der KRAS-Mutationstest gibt präzisen Aufschluss über das Ansprechen einer medikamentösen Krebstherapie und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer individuellen, auf den jeweiligen Patienten zugeschnittenen Krebstherapie. Durch den gezielten Einsatz teurer Medikamente ist der Test nicht nur für die Patienten vorteilhaft, sondern auch unter dem Aspekt der Kosteneffizienz ein Gewinn für das Gesundheitssystem.

In Österreich wird der KRAS-Mutationstest mittlerweile an acht Instituten für Pathologie angeboten. Um die diagnostische Qualität der KRAS-Mutationsanalytik an den Instituten für Pathologie in Österreich auf höchstem Niveau zu sichern, hat die Österreichische Gesellschaft für Pathologie (ÖGP) zusätzlich drei Referenzzentren eingerichtet und organisiert im Zuge eines Qualitätssicherungsprogrammes regelmäßige Ringversuche.

Pathologen als bestimmender Faktor medikamentöser Krebstherapien

Durch den Einsatz molekularpathologischer Testverfahren werden Pathologen zunehmend zum bestimmenden Faktor der medikamentösen Krebstherapie. Molekularpathologische genetische Analysen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in naher Zukunft bei anderen Tumorerkrankungen eine Vorhersage des Ansprechens differenzierter Chemotherapien ermöglichen und uns helfen, Patienten, die an Krebs erkranken, zielgerichtet und mit geringen Nebenwirkungen zu behandeln.

Tanja

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Risikoeinschätzung für Darmkrebs möglich
« Antwort #1 am: 24. August 2013, 00:42 »




Risikoeinschätzung für Darmkrebs möglich

Wien (OTS) - Polypen der Dickdarmschleimhaut sind ein häufiger Befund
bei Vorsorge-Darmspiegelungen. Einige Untergruppen von Polypen gelten
als Vorläufer von Darmkrebs. Bisher war die Einschätzung des Risikos,
ob aus ihnen Darmkrebs entstehen kann, nicht exakt möglich. In einem
Kooperationsprojekt mit der Universität Heidelberg hat die
Arbeitsgruppe um Peter Birner vom Klinischen Institut für Pathologie
der MedUni Wien nun jedoch gezeigt, dass das Risiko mit Hilfe eines
neuen Antikörpers sehr exakt eingeschätzt werden kann.

Adenome/Polypen mit sägezahnartigem (serratiertem) Erscheinungsbild
galten bisher als Vorläufer für Darmkrebs, wohingegen man
hyperplastische - auf den ersten Blick gutartige - Polypen für
harmlose Zufallsbefunde hielt. Serratierte Adenome sind wie die
daraus entstehenden Dickdarm-Karzinome durch Mutationen im BRAF-Gen
charakterisiert. Birner: "Mittlerweile weiß man jedoch, dass auch
einige hyperplastische Polypen diese Mutationen aufweisen und somit
ebenfalls potenzielle Krebs-Vorläufer sind."

Mittels normaler Mikroskopie ist die Unterscheidung zwischen
serratierten Adenomen und hyperplastischen Polypen normalerweise sehr
schwierig, womit bei der Diagnose eine starke Schwankungsbreite
entsteht.

Mit dem neuen, in Heidelberg entwickelten Antikörper, der spezifisch
auf BRAF-Gen-Mutationen anspricht, konnte die Arbeitsgruppe um Peter
Birner nun aber eine "unkomplizierte und exakte Klassifizierung der
Risikoabschätzung" von beiden Dickdarmpolypen-Arten in der
Routine-Gewebeuntersuchung nachweisen. Die Ergebnisse der Studie
wurden nun im Top-Magazin Modern Pathology veröffentlicht.

Erstautorin Ildiko Mesteri: "Erstmals ist man bei diesen
Dickdarmpolypen nicht mehr nur auf die unsicheren histologischen
Kriterien angewiesen, sondern sieht direkt am Schnitt durchs Gewebe,
ob ein hyperplastischer Polyp harmlos ist oder das Potenzial besitzt,
sich zu einer bösartigen Gewebsveränderung zu entwickeln."

Es sei außerdem davon auszugehen, so Studienleiter Birner, "dass die
von uns beschriebene, neue Methode dazu führen wird, dass die
Klassifikation der serratierten Läsionen des Dickdarms entsprechend
adaptiert wird." Die bisherige Klassifikation beruht rein auf
lichtmikroskopischen bzw. morphologischen Kriterien, während man nun
auch den BRAF-Gen-Mutationsstatus einfließen lassen sollte.

Service: Modern Pathology

"Improved molecular classification of serrated lesions of the colon
by immunohistochemical detection of BRAF V600E." Ildiko Mesteri,
Günther Bayer, Jochen Meyer, David Capper, Sebastian F Schoppmann,
Andreas von Deimling, Peter Birner: Improved molecular
classification of serrated lesions of the colon by
immunohistochemical detection of BRAF V600E. Modern Pathology advance
online publication 26 July 2013; doi: 10.1038/modpathol.2013.126

Medizinische Universität Wien - Kurzprofil

Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren
31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über
48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.

Werner

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Darmkrebs: Was Regorafenib bringt
« Antwort #2 am: 08. Januar 2016, 01:08 »