Autor Thema: Rückenschmerzen - Operation?  (Gelesen 10485 mal)

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Tanja

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Rückenschmerzen - Operation?
« am: 10. September 2010, 16:07 »
Gesundheit: Rückenoperationen oft überflüssig
30.08.2010 | 22:43 |   (Die Presse)
In seinem Buch beschreibt der Dr. Martin Marianowicz Wirbelsäulenspezialist, warum bis zu 80 Prozent der chirurgischen Eingriffe am Rücken nicht notwendig sind. Das Buch ist gespickt mit Fallbeispielen.

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Für 60 bis 80 Prozent aller Arten von Rückenschmerz gibt es keine fundierte Diagnose. „Um die zu bekommen, müsste man den Patienten zuhören. Doch das erlaubt unser Gesundheitssystem aus Kostengründen nicht“, schreibt der Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist Dr. Martin Marianowicz in dem Buch „Aufs Kreuz gelegt. Warum 80% der Rückenoperationen überflüssig sind“. Es werde viel zu schnell zum Messer gegriffen, kritisiert er und beschreibt im hinteren Teil des Buches, wie er in seiner Rückenklinik am Tegernsee Kreuzschmerzen behandelt.


 

Chirotherapie, mitunter riskant

Marianowicz, der selbst mehrere Bandscheibenvorfälle hatte und jahrelang unter Schmerzen litt, hat auf der Grundlage von 25 Jahren Praxiserfahrung und der Auswertung internationaler Studien einen Fünf-Stufen-Plan entwickelt: von sanften Methoden und Schmerzmittel-Injektionen über Mikrotherapie und Wirbelzement bis zu Komplextherapie und zur großen Operation. Ein bisschen Eigenwerbung klingt immer wieder durch, wenn auch die einzelnen Methoden losgelöst davon beschrieben werden.

Beispielsweise Massagen: „Durch Massagen wird das Anti-Stress-Hormon Oxytocin freigesetzt und gleichzeitig die Produktion von körpereigenen Wohlfühlhormonen wie Endorphinen angeregt.“ Oder Chirotherapie: Sie könne, so der Autor, ein Segen oder regelrecht gefährlich sein – je nachdem, an welchen Therapeuten man gerät.

Das Buch ist gespickt mit Fallbeispielen von Patienten, die Martin Marianowicz erfolgreich behandelt hat. Im vorderen Teil schildert der Experte das „Wunderwerk Wirbelsäule“, erklärt, warum Rückenleiden zunehmen, dass XXL-Handtaschen zu Problemen führen können, und beklagt immer wieder, dass viel zu häufig unnötig operiert werde. „80 Prozent aller Bandscheibenoperationen und auch die meisten Wirbelsäulenoperationen sind überflüssig, wenn man dem Körper einfach Zeit gibt, sich mit unterstützenden Maßnahmen selbst zu heilen“. Sehr viele Patienten seien nach einer Operation alles andere als zufrieden, etlichen ginge es hinterher nur noch schlechter.

 

Viele Fehldiagnosen

Patienten sollten sich auch nicht vom ärztlichen „Oh Gott, ein Sequester“ verunsichern lassen. Darunter versteht man den Riss des Faserrings einer Bandscheibe, bei dem Gallertmasse austritt, die dann in den Rückenmarkskanal fällt. Auch ein Sequester sei kein Grund für eine sofortige Operation, „denn gerade die haben konservativ behandelt beste Prognosen“.

Ins Gericht zieht der Arzt auch mit der Tatsache, dass viele Kollegen nur auf bildgebende Verfahren bauen würden. Der Arzt sollte sich vielmehr Körperhaltung, Gang und Beinlänge ansehen und außerdem die Muskulatur des Rückens abtasten sowie Muskelkraft, Sensibilität und Reflexe prüfen. Und weil sich wohl kaum ein Mediziner die Zeit dazu nimmt, kommt es immer wieder zu Fehldiagnosen. „Fast zwei Drittel derjenigen meiner Patienten, die bereits andernorts als Halswirbelsäulenpatienten behandelt worden sind, haben nie Probleme an der Halswirbelsäule gehabt.“

 

Rückenfreundliche Ernährung

Marianowicz beschäftigt sich auch mit dem Schmerzgedächtnis, beschreibt zahlreiche Entspannungs- sowie muskelstärkende Übungen, gibt Tipps für einen erholsamen Schlaf, erläutert die häufigsten Rückenerkrankungen, befasst sich mit Anwendungsgebieten sowie Neben- und Wechselwirkungen von Schmerzmitteln und macht auch Ernährung zum Thema, die dem Rücken gut tut. Dazu gehören neben vielem anderen Paradeiser, Thunfisch, Spinat, Avocados, Käse und Muscheln. Letztere, weil sie eine gute Jodquelle sind und Jod dem Körper hilft, Fett zu verbrennen. Denn auch Fettleibigkeit schadet unserer Wirbelsäule.

Ratschläge und Infos in dem Buch gehen weit über die Wirbelsäule hinaus. Denn der Rücken kann nie losgelöst vom Menschen gesehen und behandelt werden. Wie es auch, so der Autor, nicht die Therapie beim Bandscheibenvorfall gibt. „Deshalb muss auch die Therapie aus vielen kleinen Bausteinen für jeden Patienten maßgeschneidert sein“, schreibt Marianowicz. Eine individuelle Therapie sei das A und O, und die Gradmesser des Erfolgs seien der Schmerz und die Lebensqualität des Patienten und nicht irgendwelche Röntgenbilder.

Alles in allem ein umfassend informierendes und aufklärendes Buch mit einem Wermutstropfen: Wenn man nicht in die Klinik von Marianowicz will oder kann, wird es vielleicht schwierig werden, einen entsprechenden Arzt zu finden. (cr)

„Aufs Kreuz gelegt. Warum 80% der Rückenoperationen überflüssig sind“, Goldmann-Arkana-Verlag, 287 Seiten, 18,50 €.

AUF EINEN BLICK
■Der Griff zum Skalpell sei häufig nicht erforderlich, es werde viel zu oft unnötig operiert, wenn es um Wirbelsäulenprobleme geht, kritisiert ein Spezialist in dem Buch „Aufs Kreuz gelegt“.

■Fehldiagnosen seien an der Tagesordnung. Um eine fundierte Diagnose zu erhalten, müsse der Arzt dem Patienten auch zuhören. Doch das erlaube das Gesundheitssystem aus Kostengründen nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2010)

Werner

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Neurochirurgen operieren Wirbelsäule mit Robotersystem
« Antwort #1 am: 01. März 2011, 22:06 »
Dienstag, 1. März 2011

Tübinger Neurochirurgen operieren Wirbelsäule mit Robotersystem

Tübingen – Ein Roboter unterstützt Neurochirurgen am Universitäts­klinikum Tübingen bei der Versteifung instabiler Wirbelsäulen­segmente mittels Schrauben. Die exakte Positionierung der Schrauben, mehr Sicherheit beim Eingriff, niedrige Komplikationsrate, weniger Schmerzen und schnellere Genesung des Patienten verspricht die neue Technik des Roboters in der Größe eines Mobiltelefons.

„Mit Hilfe von SpineAssist können die Verschraubungen bei ganz geringer Röntgen­strahl­belastung exakt platziert werden, lediglich zwei Röntgenaufnahmen sind nötig“, erläutert Florian Roser, Oberarzt und Wirbelsäulenspezialist der Klinik, das neue Verfahren. Nur an den Stellen, an denen geschraubt werde, müssten die Chirurgen die Haut am Rücken des Patienten eröffnen.

Mazor Robotics wurde 2001 von Moshe Shoham vom Technion Israel Institute of Technology gegründet. Das Unternehmen entwickelt Miniatur-Robotik-Positionierungshilfen. SpineAssist ermöglicht Chirurgen das genaue Platzieren von Implantaten bei reduzierter Strahlenbelastung während der Operation. Das System besteht aus einem über der Wirbelsäule des Patienten fixierten Miniaturroboter und einer Workstation mit einer Software zur Operationsplanung. © hil/aerzteblatt.de

Tanja

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Rückenschmerzen - Operation? 80 % unnotwendig, schädigend!
« Antwort #2 am: 22. Mai 2012, 21:46 »


Sendedatum: 22.05.2012 20:15 Uhr

Rücken-Operationen häufig überflüssig

http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/bewegungsapparat/rueckenop101.html

Etwa zwölf Prozent der Menschen in Deutschland leiden täglich an Rückenschmerzen. Damit zählen Rückenbeschwerden hierzulande zu den häufigsten Volkskrankheiten. Die Zahl der operierten Bandscheibenvorfälle hat sich in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt - die der Versteifungsoperationen sogar verdreifacht.

Laut einer aktuellen Umfrage wurde jedem zehnten Rückenschmerz-Patienten und jedem sechsten Patienten mit chronischen Schmerzen vom Arzt eine Operation empfohlen. Doch eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt: 85 Prozent der Operationen bei Patienten mit Rückenbeschwerden sind überflüssig.

Ausgelöst durch eine falsche Bewegung, tritt ein Bandscheibenvorfall in der Regel plötzlich auf. Am häufigsten betroffen sind die unteren Lendenwirbel. Typische Symptome sind Schmerzen, die - je nach Lokalisation des Schadens - in die Beine oder, wenn die Halswirbelsäule betroffen ist, in die Arme ausstrahlen. Die meisten Bandscheibenprobleme treten im Alter zwischen 25 und 55 Jahren auf.

Die Bandscheiben haben die Funktion eines Stoßdämpfers zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und puffern auf die Wirbelsäule einwirkende Kräfte ab. Mit dem Alter und zunehmender Belastung verlieren die Zwischenwirbelscheiben ihre Elastizität. Dann können sich Teile in den Wirbelkanal vorwölben und dort auf Nerven oder gar das Rückenmark drücken.

Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben, aber unter keine Lähmungen im Bein leiden, brauchen zu 90 Prozent keine Operation. Sie können mit alternativen Methoden wie Medikamenten, Physiotherapie oder manueller Therapie behandelt werden.

Versteifung: Bandscheibe wird entfernt
Bei einer Versteifung, auch Fusion oder Spondylodese genannt, werden zwei oder mehr Wirbel fest miteinander verbunden. Der Operateur durchschneidet dafür zunächst die Rückenmuskulatur, löst sie von den Wirbeln ab und entfernt dann die Bandscheibe. An ihre Stelle setzt er einen Abstandshalter zwischen die Wirbel und dreht Titan-Schrauben durch die Wirbelbögen. Sie werden anschließend mit einem Stab oder einer Platte verbunden. Doch dieser unumkehrbare Eingriff bringt häufig keine völlige Schmerzfreiheit, das gilt vor allem bei chronischem Rückenschmerz. Nicht wenige Patienten unterziehen sich sogar mehreren Versteifungsoperationen - erfolglos.

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Wirbelsäule: Versteifung oft überflüssig
06.12.2011 | 20:10 Uhr
NDR Fernsehen: Visite
Die Zahl der Bandscheibenoperationen hat in Deutschland in den letzten Jahren um 50 Prozent zugenommen. Doch nicht allen Patienten geht es nach dem Eingriff besser.
Video starten (06:46 min)
Tatsächlich notwendig ist eine Rückenversteifung nur bei Brüchen, Tumorbefall und starkem Wirbelgleiten. Bei reinem Verschleiß ist der Eingriff zumindest fragwürdig, kann sogar neue Probleme bringen. Denn die Bandscheiben ober- und unterhalb des versteiften Segments müssen mehr Druck aushalten als normal, sodass die Schmerzen nicht verschwinden, sondern sich nur verlagern. Zudem leidet auch die Muskulatur unter der Wirbelsäulenversteifung. Viele Patienten können nach der OP ihre Rücken- und Bauchmuskulatur nicht mehr richtig aktivieren, ohne sehr gezieltes Training drohen weitere Überlastung, Instabilitäten und Schmerzen.

Operationen nehmen stark zu
Die Kliniken profitieren von den lukrativen Eingriffen, doch für die Patienten bleibt in vielen Fällen der erwünschte Erfolg aus. Im schlimmsten Fall leiden die Patienten nach der Operation sogar unter noch größeren Schmerzen als vor dem Eingriff. Denn operationsbedingte Nerven- und Gewebeschädigungen sowie Narben und Verwachsungen im Operationsgebiet können zusätzliche Beschwerden verursachen. Der Schmerz kann sogar chronisch werden.

Experten warnen daher davor, die Risiken operativer Eingriffe zu unterschätzen und raten den Betroffenen, vor der endgültigen Entscheidung für einen operativen Eingriff eine zweite Expertenmeinung einzuholen.

Allzu oft verließen sich Ärzte auf Röntgenaufnahmen, statt die Patienten ausführlich und gründlich zu untersuchen, klagen die Spezialisten. Zudem würden Patienten oft zu wenig über mögliche Therapien aufgeklärt und viele wünschten sich aus Unkenntnis eine schnelle Heilung durch Spritzen oder auch eine Operation, statt selbst mit konsequentem Training etwas für eine dauerhafte Besserung zu tun.

Multimodale Schmerztherapie statt OP
Studien haben ergeben, dass sich vier von fünf Operationen durch konservative Behandlungsmethoden vermeiden lassen.

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Ist es schwierig an eine multimodale Schmerztherapie zu bekommen?
06.12.2011 | 20:10 Uhr
NDR Fernsehen: Visite
Ist es schwierig an eine multimodale Schmerztherapie zu bekommen? Moderatorin Vera Cordes im Interview mit Dr. Ulrich Peschel.
Video starten (04:21 min)
Die sogenannte multimodale Schmerztherapie ist ein vierwöchiges Intensivprogramm aus Sport, Krankengymnastik, Entspannung und Psychotherapie, das sich allein und in der Gruppe absolvieren lässt. Allerdings muss der Patient dabei aktiv mitarbeiten, um seine Beschwerden dauerhaft in den Griff zu bekommen.

WEITERE INFORMATIONEN
 
 
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Rückenschmerzen: Training mit Trampolin und Co.
Unsere Muskeln halten uns aufrecht, ungefähr 650 hat jeder von uns. Für einen starken und gesunden Rücken ist die Tiefenmuskulatur wichtig. Wie lässt sich diese trainieren? mehr
Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Volker Tronnier
Direktor Klinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, Haus 40
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 61 82

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Jürgen Piek
Neurochirurg
Leiter Abteilung für Neurochirurgie
Chirurgische Klinik und Poliklinik
Universitätsmedizin Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock

Dr. Naomie Cayemitte-Rückner
Fachärztin für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Naturheilverfahren
Alsterdorfer Straße 226 a
22297 Hamburg
Tel. (040) 460 10 04
Fax (040) 48 39 89

Tanja

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Nie wieder Kreuzweh
« Antwort #3 am: 15. September 2012, 19:39 »

Nie wieder Kreuzweh

Jeder Dritte hat akute Probleme mit dem Rücken. Mit neuen Methoden sind Ärzte den Schmerzauslösern auf der Spur.

„Die Seele wurde bisher als schmerzauslösender Faktor unterschätzt.“ Martin Friedrich Orthopäde

Er sieht an seiner Abteilung die schwersten Fälle und bezeichnet die Zunahme von Rückenproblemen bei Kindern und Jugendlichen als „erschreckend“. Univ.-Prof. Dr. Martin Friedrich leitet die Abteilung für Orthopädische Schmerztherapie im Orthopädischen Spital Speising in Wien.

KURIER: Wie geht es den Wirbelsäulen der Österreicher?
Martin Friedrich: Wir haben 500 Österreicher befragt: 36,4 Prozent verspürten innerhalb der vergangenen drei Wochen Schmerzen im Bereich des Bewegungssystems. Österreichweit sind rund 2,5 Millionen Menschen akut davon betroffen. Probleme mit dem Bewegungsapparat sind die häufigste Ursache für Krankenstände. Alarmierend ist der Anstieg der Beschwerden bei Jugendlichen: Laut einer dänischen Studie hatten 50 Prozent der 18-jährigen Mädchen und 19-jährigen Burschen in den zwei Wochen vor der Umfrage Kreuzschmerzen. Die Ursache dürfte unser zunehmend sitzender Lebensstil sein. Eine klare körperliche Ursache – etwa ein Bandscheibenvorfall – lässt sich meist nicht nachweisen.

Ist nicht generell bei Rückenschmerzen meist keine eindeutige organische Ursache erkennbar – auch nicht im Röntgen- oder MRT-Bild?
Ja, deshalb hat man bisher 80 bis 90 Prozent der Rückenschmerzen als „unspezifisch“ bezeichnet. Doch diese Zahl weicht sich auf: Ich führe mittlerweile vor allem bei Patienten ab 50 rund ein Drittel der Kreuzschmerzen auf die kleinen Wirbel- oder Facettengelenke zwischen den Wirbeln zurück. Während die Bandscheiben die vordere Belastung der Wirbelsäule abfedern, tragen die Wirbelgelenke einen großen Teil der Last auf ihrer Rückseite. Bisher wurden sie als Schmerzursache total unterschätzt. Aber bei ihnen kann es zum Beispiel genauso zur Arthrose kommen wie beim Knie oder der Hüfte.

Wie gelingt der Nachweis?
Unterstützt durch ein strahlungsarmes Röntgen spritze ich ein lokal wirksames Betäubungsmittel exakt in den Bereich der von uns als Schmerzauslöser vermuteten Wirbelgelenke. Tritt daraufhin eine Besserung ein, ist das für uns schon ein wesentlicher Hinweis, dass diese Strukturen an der Schmerzentstehung beteiligt sind. Anschließend kann ich bei der Radiofrequenztherapie eine Sonde zu den Nerven vorführen, die für die Schmerzversorgung des Gelenkes verantwortlich sind. Sie leitet Wärme an die Nerven, dadurch werden sie blockiert, die Schmerzursache ist ausgeschaltet.

Löst nicht auch schwache Muskulatur Schmerzen aus?
Ja, durch das Schmerzvermeidungsverhalten: Mir tut es im Kreuz weh und ich vermeide mehr und mehr bestimmte Bewegungen, bis ich ganz passiv werde. Dadurch wird Muskelmasse abgebaut. Das löst einen Teufelskreis aus – immer mehr Schmerzen, immer weniger Bewegung. Bettruhe und Schonung sind deshalb ganz schlecht. Überdies legen sich viele Patienten am liebsten auf den Massagetisch und denken sich: „Die Therapeuten sollen mich wieder herrichten.“ Aber ohne Patienten-Mitarbeit ist die Chance auf anhaltende Schmerzlinderung sehr gering.

Welche Rolle spielt bei Rückenschmerzen die Psyche?
Bisher wurde die Seele als schmerzauslösender Faktor unterschätzt. Aber der psychologische Zustand – die Situation in der Familie oder am Arbeitsplatz etwa – steht bei chronischen Rückenschmerzen auf gleicher, wenn nicht sogar auf einer höheren Stufe als körperliche Faktoren. An meiner Abteilung arbeiten deshalb bereits drei Psychologinnen. Mit der Psyche stehen auch großflächige Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, aber auch im ganzen Körper, begleitet von Müdigkeit und Erschöpfung, in Zusammenhang: Die Fibromyalgie, von der vor allem Frauen immer häufiger betroffen sind. Nahezu alle Patienten haben einen Vitamin-D-Mangel, die Gabe von Vitamin D kann die Schmerzen oft lindern. Dies wollen wir jetzt in einer großen Studie beweisen für die wir noch Teilnehmer bis 55 mit Fibromyalgie suchen (Info bei Mag. K. Gernesch-Hadhri:  01 / 801 82 – 1184 ).

Wann drohen chronische Rückenschmerzen?
Wenn Sie länger als vier bis sechs Wochen nichts dagegen unternehmen oder eine bisher erfolglose Therapie nach dieser Zeit nicht beenden. Nur wenn Sie rechtzeitig mit ihrem Arzt auf eine wirksame Therapie umsteigen, können Sie eine Chronifizierung vermeiden.

Wie kann man vorbeugen?
Unsere Bandscheiben zum Beispiel benötigen den regelmäßigen Wechsel von Be- und Entlastung, wie er etwa beim Gehen gewährleistet ist. 15 bis 20 Minuten täglich sind eine gute Grundlage. Sitzen hingegen belastet nur. Rauchen verengt die Gefäße und verschlechtert den Stoffwechsel der Bandscheiben – das kann zu ihrem frühzeitigen Abbau führen.

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4512213-nie-wieder-kreuzweh.php

Werner

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Spontanverläufe von Bandscheibenerkrankungen der LWS
« Antwort #4 am: 11. Mai 2013, 22:47 »



Spontanverläufe von Bandscheibenerkrankungen der LWS


04.05.2013

Florian Danckwerth (Bild: Biermann Medizin)

Dr. Florian Danckwerth wies in seinem Vortrag daraufhin, dass auch nach einem positiven Verlauf eines Bandscheibenvorfalls die Gefahr einer Chronofizierung erhöht ist.

Auch wenn Bandscheibenvorfälle bei Kindern sehr selten seien, könne das erste Stadium der Degeneration bereits zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr auftreten. Im Verlauf des weiteren Lebens nehme die Wahrscheinlichkeit von degenerativen Veränderungen weiter zu, wie Dr. Florian Danckwerth in seinem Vortrag auf der 61. Jahrestagung des VSOU erläuterte.

Die Lebenszeitkurve für Degenerationen der Bandscheibe (BS) zeige einen deutlichen Peak zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr. Bei vielen Patienten verliefe die Veränderung allerdings zunächst asymptomatisch. Laut Literatur erleben rund 90 Prozent der Patienten mit einem gutartig verlaufenden BS-Vorfall innerhalb von sechs Wochen eine deutliche Linderung. Es bliebe jedoch ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung und für Rezidive. Danckwerth wies zudem darauf hin, dass kein Zusammenhang zwischen der Zunahme der BS-Pathologien und dem Alter und der Häufigkeit von Ischialgien bestehe.

Den Spontanverlauf einer BS-Degeneration beeinflussen zahlreiche Faktoren – neben Anatomie und Morphologie spielen beispielsweise das Schmerz- und Bewegungsverhalten eine Rolle. Zu den medizinischen Faktoren, die Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben, gehören laut Danckwerth unter anderem eine Fehlinterpretation der bildgebenden Befunde.

Ziel sei es, unnötige operative und konservative Maßnahmen zu vermeiden. Das setze voraus, dass die multifaktorielle Komplexität des individuellen Krankheitsbildes zunächst  eindeutig diagnostiziert werde und der Spontanverlauf durch eine positive Einflussnahme unterstützt werde.


http://www.biermann-medizin.de/fachbereiche/orthopaedie/medizin-forschung/spontanverlaeufe-bandscheibenerkrankungen-lws


 

Tanja

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NEU: Band­scheiben-Belastungs­simulator in Ulm
« Antwort #5 am: 27. August 2014, 21:56 »



Uniklinik Ulm entwickelt Band­scheiben-Belastungs­simulator

Ulm – Einen sogenannten Band­scheiben-Belastungssimulator haben Ärzte und Wissenschaftler am Institut für Unfallchirurgische Forschung und Biomechanik (UFB) in Ulm in Betrieb genommen. Das Gerät ist eine Spezialanfertigung der Uni-eigenen Wissenschaftlichen Werkstatt Feinwerktechnik. „Mit dieser Apparatur wollen wir den Ursachen eines Bandscheibenvorfalls auf den Grund gehen. Einzelne Bewegungs­segmente aus der unteren Wirbelsäule können mechanisch so belastet werden, wie dies bei verschiedensten Dreh-, Beuge- und Hebebewegungen geschieht“, erläutert Hans-Joachim Wilke, der stellvertretende Institutsdirektor und Leiter des Forschungs­bereichs Wirbelsäule im Institut.

Die http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59903