Autor Thema: Krebsstatistiken Österreich  (Gelesen 14233 mal)

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Sissi

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Krebsstatistiken Österreich
« am: 18. September 2010, 22:33 »

Aktuell sind Zahlen bei der Statistik Austria zu erfragen bzw. dort abzurufen

Tumore verursachen ein Viertel der Todesfälle

02.02.2010 (DiePresse.com)

Zum heutigen Weltkrebstag präsentierte die Statistik Austria Daten rund um die Krankheit. Die Sterblichkeit ist in den vergangenen Jahren gesunken, die Krebsrate allerdings gestiegen.

36.000 Österreicher erkranken pro Jahr an Krebs, 20.000 Patienten sterben an einem Karzinom. Tumore sind damit für etwa ein Viertel der Todesfälle verantwortlich, teilte die Statistik Austria am Dienstag, den 2. Februar, in einer Aussendung mit. Die weibliche Bevölkerung leidet und stirbt mit Abstand am häufigsten an Brustkrebs: Im Jahr 2007 wurde bei 4611 Frauen eine entsprechende Diagnose gestellt, 1531 Patienten überlebten nicht. Bei Männern trat Prostatakrebs mit 4986 Fällen am häufigsten auf, Lungenkrebs-Erkrankungen (2246 im Jahr 2007) endeten beim starken Geschlecht aber öfter tödlich.

Krebsrate ist gestiegen

Während jährlich rund 19.000 Männer erkranken und 11.000 sterben, gibt es bei Frauen 17.000 Krebsdiagnosen und 9000 Todesopfer. Bei beiden sei das Erkrankungsrisiko in den vergangenen Jahren um rund 15 Prozent gesunken, die Veränderung der Altersstruktur miteingerechnet. In absoluten Zahlen nahm Krebs bei Männern seit 1997 um vier Prozent zu, bei Frauen um acht Prozent ab. Von 1983 bis 2007 traten insgesamt 889.581 Neuerkrankungen bei 741.278 Personen auf.

Sterblichkeit ist gesunken

Dank besserer Früherkennungs- und Behandlungsmethoden ging die Sterblichkeit bei Männern laut Statistik Austria um 13 Prozent und bei Frauen um zehn Prozent zurück. Dank der guten Heilbarkeit von Brustkarzinomen überleben Frauen generell länger als Männer. Zwischen 1997 und 2007 gingen das Brustkrebsrisiko um 14 Prozent und die dadurch verursachten Todesfälle um ein Sechstel zurück.

Nikotinkonsum fördert Krebsentstehung

Dank besserer Screeningmethoden hat aber auch die Sterblichkeit bei Prostatakrebs innerhalb von zehn Jahren um 22 Prozent abgenommen. Bei Darmtumoren hat sich die Situation seit 1997 ebenfalls verbessert: Bei Männern ging das Erkrankungsrisiko um 25 Prozent zurück, bei Frauen um 16 Prozent; die Sterblichkeit sank bei beiden um 23 Prozent bzw. ein Drittel. Bei Lungentumoren stieg die Erkrankungsrate bei Frauen hingegen um 23 Prozent an, die Todesfälle nahmen um ein Fünftel zu. Schuld daran ist laut Statistik Austria vermehrter Nikotinkonsum. Männer erkranken - trotz einer Abnahme der Betroffenen und deren Sterblichkeit um 20 Prozent - nach wie vor 1,9-mal so oft.

Ranking der Krebsleiden

Am Ranking der häufigsten Krebsleiden hat sich nichts geändert: Ein Viertel der betroffenen Männer erkrankte 2007 an Prostatakrebs, danach folgten Lungen- (2576 Diagnosen) und Darmkarzinome (2478). Gut ein Fünftel aller Todesfälle waren auf Lungentumore zurückzuführen. Knapp zwölf Prozent der Verstorbenen (1178) litten an Darmkrebs, jeder zehnte hatte ein Prostatakarzinom (1066 Tote).

Bei Frauen war Brustkrebs 2007 mit einem Anteil von 28 Prozent wie in den vergangenen Jahren die häufigste Erkrankungsform. Auch die meisten Todesfälle - 16 Prozent - wurden von Brusttumoren verursacht. Am zweithäufigsten diagnostizierten die Ärzte bei zwölf Prozent Darm- (1984 Fälle), gefolgt von Lungenkarzinomen (1377). Letzterer führte öfter zum Tod als Darmkrebs (Anteil: 13 und elf Prozent).

Über 300.000 Krebs-Patienten

Mit dem Stichtag 31. Dezember 2007 gab es in Österreich 300.134 Personen (3,6 Prozent der Bevölkerung) mit einer Krebsdiagnose, darunter vor allem Patienten mit Brust- (52.291),Prostata- (43.830) sowie Darmkrebs (33.596). 58 Prozent hatten die Krankheit bereits mehr als fünf Jahre überlebt. Am höchsten war dieser Anteil bei Gebärmutterhals-Patientinnen (72 Prozent), Frauen mit Brustkrebs (61 Prozent), Darmkrebs-Kranken (57 Prozent) und Männern mit einem Prostatakarzinom (47 Prozent).

Sissi

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Rückgang bei neuen Krebsfällen und Sterblichkeit
« Antwort #1 am: 18. September 2010, 22:34 »

Rückgang bei neuen Krebsfällen und Sterblichkeit

03.02.2009 (APA)

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Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen und die Krebssterblichkeit sind im Zeitraum von 1996 bis 2005 in Österreich gesunken, wenn die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt wird. Darauf machte die Statistik Austria anlässlich des morgigen Welt-Krebs-Tags (4. Februar) aufmerksam. Sie führt den Rückgang auf mehr Früherkennung und verbesserte Behandlungsmethoden zurück.


Die Neuerkrankungsrate bei Männern ging demnach um sechs und bei Frauen um vier Prozent zurück. Die Mortalität ist in den vergangenen zehn Jahren um 17 Prozent bei Männern und um elf Prozent bei Frauen gesunken. Die absolute Zahl der Neuerkrankungen ist seit 1996 allerdings um sechs Prozent gestiegen, was auf die größere Zahl älterer Menschen zurückzuführen ist, so die Statistik Austria in einer Aussendung.

In Österreich werde pro Jahr rund 19.500 Männer und 17.400 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Bei 9.000 Frauen und 10.000 Männern führt die Erkrankung zum Tod.

(APA)

Geri

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Weltkrebstag, und Österreich
« Antwort #2 am: 04. Februar 2011, 14:56 »

Eine gute Zusammenfassung,
die wir ausnahmsweise komplett bringen, von
http://oesterreich.orf.at/stories/496972/



GESUNDHEIT    04.02.2011
         Weltkrebstag: 20.000 Opfer pro Jahr
Heute ist Weltkrebstag: In Österreich sterben rund 20.000 Menschen pro Jahr an Krebs. Doch in den vergangenen Jahren hat sich die Fünfjahresüberlebensrate der Betroffenen um mehr als 50 Prozent erhöht.
            
            
            Weltweit 7,6 Millionen Tote
Weltweit sterben jährlich 7,6 Millionen Menschen an Krebs. Knapp drei Viertel (72 Prozent) davon kommen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus armen Staaten sowie Schwellenländern.
            
            
Tabakkonsum als Ursache.
            Ungarn in Europa Spitzenreiter
In Europa mit 53 WHO-Mitgliedsländern hat Ungarn die höchste Todesrate durch Krebs. Dort sterben 458 von 100.000 Bürgern an einem Tumor, gefolgt von Russland und der Ukraine mit 347 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern. Als wichtigste Ursache gilt das Rauchen.

Für Frauen in Europa ist Brustkrebs mit einem Anteil von 17,2 Prozent aller tödlichen Erkrankungen die gefährlichste Krebsart, für Männer der Lungenkrebs mit einem Anteil von 26,9 Prozent.
            
            
Bessere Früherkennung und besseren Therapien.
            36.000 Neuerkrankungen
Pro Jahr werden in Österreich rund 19.000 Männer und 17.000 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, bei jährlich rund 9.000 Frauen und 11.000 Männern führt eine solche Erkrankung zum Tod.
            
            Todesfälle nach Krebsarten seit 1970
Grafik: APA

2009 starben insgesamt 19.642 Menschen an Krebs, 1970 waren es 19.362. Auch eine im Schnitt immer älter werdende Bevölkerung ließ die Gesamtzahl der Krebserkrankungen nicht drastisch steigen, die Mortalität sinkt seit Jahren. Das liegt offenbar an mehr Früherkennungsmaßnahmen und besseren Therapien.
            
            oesterreich.ORF.at
   Überlebensrate stark gestiegen
   Fortschritte in der Therapie
            
            wien.ORF.at
   Neue Initiative soll Patienten helfen
            
            kaernten.ORF.at
   Spezialist: Hauptaugenmerk auf Darm
   Positive Statistikzahlen in Kärnten
            
            steiermark.ORF.at
   Hautkrebs: Vorsorge bei Kindern
            
            vorarlberg.ORF.at
   Hohe Vorsorgedichte in Vorarlberg
            
            burgenland.ORF.at
   Gute Heilungschancen
            
            science.ORF.at
Hund (Bild: Fotolia/Céline D.Caumont)Hunde können frühe Stadien von Darmkrebs erschnüffeln. Tests von japanischen Forschern mit einem Labrador haben gezeigt, dass bei bestimmten Krebsarten chemische Substanzen im menschlichen Körper zirkulieren, die Hunde offenbar riechen können.
   Hunde können Darmkrebs erschnüffeln
            
            Links:
   Statistik Austria: Krebserkrankungen
   Österreichische Krebshilfe
   WHO
            
         

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31. Oktober 2012

Diagnose: unheilbar krank

Was leisten Palliativmedizin und Hospiz?

Jährlich erkranken in Österreich etwa 38.000 Menschen an Krebs.
Seit 1999 hat die absolute Zahl der jährlich neu aufgetretenen Krebserkrankungen in Österreich bei Männern um sieben und bei Frauen um zwei Prozent zugenommen.
Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Österreich, im Schnitt sind die Erkrankten 66 Jahre alt. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der palliativmedizinischen Betreuung für die Zukunft.

Aufgabe der Palliativmedizin ist es, unheilbar Kranken mit allen Mitteln zu einem qualitätsvollen und selbstbestimmten Weiterleben zu verhelfen. Dr. Michael Preitschopf, Leiter der Palliativstation St. Raphael des Krankenhauses Göttlicher Heiland: „Ziel ist, dass Patienten ihre verbleibende Lebenszeit weitgehend autonom bestimmen und leben können, indem ihre Schmerzen gelindert und andere belastende Beschwerden körperlicher oder psychosozialer Art behoben und spirituellen Bedürfnissen nachgekommen werden.“

Unterschied Palliativstation – stationäres Hospiz

Beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, schwer kranken Menschen die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. In einem stationären Hospiz steht dabei die pflegerische Begleitung bis zum Lebensende im Vordergrund, während Palliativstationen darum bemüht sind, die Patienten wieder nach Hause zu entlassen. Organisatorisch sind Palliativstationen in ein Krankenhaus eingegliedert, während stationäre Hospize oft eigenständig oder an ein Pflegeheim angeschlossen sind.

Palliativmedizin kann auch Leben verlängern

2010 ergab eine Studie in den USA, dass frühzeitige und umfassende palliative Versorgung die Lebenserwartung jedes Einzelnen erhöht. Dazu Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft: „Patienten, die im Rahmen der Studie bereits ab der Krankheitsdiagnose palliativmedizinisch betreut wurden, lebten im Mittel 2,5 Monate länger als die Vergleichsgruppe. Gleichzeitig hatten sie eine deutlich verbesserte Lebens- und Sterbesituation.“ Die Ergebnisse der Studie haben die Stellung der Palliativmedizin verändert. „Early Palliative Care ist das Gebot der Stunde, denn je früher mit dem Patienten über den Krankheitsverlauf gesprochen und Symptome und Komplikationen gemanagt werden, umso positiver ist der Krankheitsverlauf bei den Patienten“, erklärte Watzke.

Großer Bedarf

Wie hoch der Bedarf an palliativer Begleitung tatsächlich ist, zeigte Mag. Leena Pelttari, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich, auf: „Über 100 Millionen Menschen in Europa würden von Palliative Care profitieren, derzeit haben aber nur 8 Prozent Zugang zu adäquater Betreuung bis zum Ende (Zahlen der European Association for Palliative Care). Diese 100 Millionen umfassen nicht nur onkologisch Erkrankte, sondern auch die steigende Anzahl geriatrischer PatientInnen und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensbegrenzenden Erkrankungen.“ Mit 264 Hospiz- und Palliativeinrichtungen, davon 29 Palliativstationen, befindet sich Österreich ...... http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/a-h/allgemeinmedizin/?full=31218



baldau-pr/FH, Ärzte Woche 43/2012
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Gutes Zeugnis für Krebs-Therapie Patienten fühlen sich gut betreut, Kritik für mangelnde Forschungsförderung in Österreich.
   
Die Österreicher stellen der Krebsbehandlung insgesamt ein gutes Zeugnis aus – das ergab eine Umfrage der GfK Austria Healthcare im Auftrag der Initiative „Leben mit Krebs“. 90 Prozent der Betroffenen sind zufrieden mit der Behandlung, 80 Prozent mit der Wirksamkeit und der Nachsorge. Befragt wurden 2000 Österreicher über 15 Jahre – 379 davon haben Verwandte oder Angehörige, die in den vergangenen fünf Jahren eine Krebserkrankung hatten, 70 Befragte waren selbst erkrankt.

Univ.-Prof. Christoph Zielinski (Bild), Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie und Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH: „Wir können hier eine Erfolgsstory vermelden im Hinblick auf die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Krebsversorgung.“

Die Zufriedenheit der Österreicher mit dem Gesundheitssystem und dessen Standard sollte „mit Zähnen und Klauen“ verteidigt werden. Die Politik wäre gut beraten, an der Versorgungssituation nichts zum Schlechteren zu bewegen.

Kritik

Es gibt aber auch Kritik: Aufholbedarf gibt es in Punkto Aufklärung und Information (siehe unten). Univ.-Prof. Gabriela Kornek, Onkologin und Präsidentin des Vereins „Leben mit Krebs“ wird nicht müde zu sagen: „Krebs hat sich in den meisten Fällen von einer tödlichen zu einer chronischen Erkrankung entwickelt. Je besser ein Patient informiert ist, desto besser können wir mit ihm die Therapie planen.“ Außerdem gehört den Experten zufolge die steigende Betroffenenzahl und folglich der erhöhte Bedarf an medizinischen Ressourcen zu den großen Herausforderung der nächsten Jahre. Als besonders problematisch prangert Zielinski die mangelnde Prävention an – zu den am stärksten steigenden Krebserkrankungen gehört Lungenkrebs, vor allem bei Frauen: „Das ist der große Schandfleck, weil die Nichtraucher viel zu wenig vor den Rauchern geschützt werden.“

Forschung

Kritik gibt es zudem für die spärliche Förderung klinischer Forschung durch die öffentliche Hand. Univ.-Prof. Michael Gnant, Präsident der in internationalen Fachkreisen angesehenen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (www.abcsg.at): „Der Anteil der öffentlichen Gelder an der Krebsforschung liegt in Österreich bei unter einem Prozent. Es ist beschämend. Der Durchschnitt in der EU sind elf bis 13 Prozent.“

........... http://kurier.at/lebensart/gesundheit/umfrage-gutes-zeugnis-fuer-krebs-therapie/10.087.047


Zielinski dazu: „Die Frage ist, wo sieht sich ein Land innerhalb der internationalen Forschergemeinschaft. Ich sehe hierzulande keine großen Entfaltungsmöglichkeiten für junge Wissenschaftler oder die Positionierung der Österreicher im internationalen Feld außerhalb der Bestrebungen Einzelner.“

Über den Autor

    Laila Daneshmandi

Veranstaltungen

- Krebstag 2013 im Festsaal des Wiener Rathauses (1., Lichenfelsgasse 2) am 27. April, 11 bis 16 Uhr, Eintritt frei.

www.leben-mit-krebs.at

- Cancer School: Ab 8. Mai gibt es im Wiener AKH acht Info-Abende (mittwochs 18-20 Uhr) rund um das Thema Krebs. www.cancerschool.at


Sissi

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Österreich - Krebs kostet 2,6 Milliarden Euro
« Antwort #5 am: 18. Oktober 2013, 23:14 »
xxbeefzz




http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/1464487/Krebs-kostet-26-Milliarden-Euro?from=newsletter


Krebs kostet 2,6 Milliarden Euro

14.10.2013 | 18:14 |  von Christian Höller (Die Presse)

In Österreich verursacht Krebs volkswirtschaftliche Kosten von 2,6 Mrd. Euro. Davon profitiert die Pharmaindustrie. Doch die Wirkung vieler Medikamente ist umstritten.

Aus dem Archiv:

    Krebs kostet die EU-Volkswirtschaften 126 Mrd. Euro (14.10.2013)

    Krebs: Risiko und Todesrate sinken (01.02.2013)

Wien. Pro Jahr werden in Österreich etwa 20.000 Männer und 18.000 Frauen mit der Diagnose Krebs konfrontiert.
Die Sterberate ist hoch. Jedes Jahr sterben 10.000 Männer und 9000 Frauen an dieser Krankheit.
Damit ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithöchste Todesursache. So traurig es klingt, Krebs ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Medikamente bescheren der Pharmaindustrie Umsätze in Milliardenhöhe. Am Montag wurde in der britischen Fachzeitung „The Lancet Oncology“ erstmals eine Studie über die volkswirtschaftlichen Kosten von Krebserkrankungen in der Europäischen Union veröffentlicht.

Die Autoren haben dazu die Daten von internationalen Gesundheitsorganisationen und verschiedenen Behörden ausgewertet. Zählt man alle 27 EU-Länder zusammen, lagen die volkswirtschaftlichen Kosten für Krebserkrankungen im Jahr 2009 bei exakt 126,2 Milliarden Euro. Für Österreich haben die Autoren Kosten von rund 2,6 Milliarden Euro berechnet. Dies entspricht in etwa 0,95 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts.
 
450 Mio. € für Medikamente

„Die Presse“ hat dazu am Montag Angaben vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger angefordert, um die Plausibilität der britischen Studie zu überprüfen. Laut einer groben Schätzung des Hauptverbands lagen 2011 die Kosten der stationären Krankenhausaufenthalte von Patienten mit der Hauptdiagnose Krebs bei rund 1,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch 450 Millionen Euro für Medikamente, die überwiegend zur Krebstherapie eingesetzt und von der Sozialversicherung bezahlt werden.

Zu berücksichtigen sind weiters die Ausgaben, die im spitals-ambulanten Bereich und bei niedergelassenen Ärzten anfallen. Rechnet man nun alle volkswirtschaftlichen Kosten zusammen, sind die 2,6 Milliarden Euro, die in der britischen Studie für Österreich zum Thema Krebs genannt werden, durchaus plausibel.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt geben Deutschland, Finnland und die Niederlande mehr Geld für Krebspatienten aus als Österreich. Schlecht sieht die Situation dagegen in vielen osteuropäischen Ländern aus.

Europaweit verursachte Lungenkrebs (bekanntlich 90 bis 95 % durch passives/aktives Tabakrauchen) die höchsten Gesamtkosten sowie den höchsten Produktivitätsverlust durch Krankenstände und frühe Todesfälle. Die medizinische Versorgung ist dagegen bei Brustkrebspatienten am teuersten, vor allem wegen des hohen Anteils an Ausgaben für Medikamente.

Laut einer Broschüre der Pharmafirma Roche gehört Österreich zu jenen fünf Ländern in Europa mit den längsten Überlebensraten bei Krebs. Österreich ist laut Roche neben Frankreich, den USA und der Schweiz führend in der Anwendung neuer Krebsmedikamente. Doch das sorgt für Diskussionen. „Der Nutzen der neuen Krebsmittel ist für viele Patienten gering. Häufig wird das Überleben nur um wenige Wochen verlängert, bei gleichzeitig schweren Nebenwirkungen“, sagt Claudia Wild, Direktorin des Ludwig-Boltzmann-Instituts in Wien. Ihrer Ansicht nach sei es besser, wenn man den Patienten reinen Wein einschenkte. Oft folge eine Behandlung nach der anderen.
 
Was bringen Medikamente?

Viele Patienten klammern sich an die Medikamente, weil sie hoffen, dass sie damit geheilt werden. Doch bei vielen Krebsarten sei es der Chirurg, der mit dem Herausschneiden der betroffenen Stellen eine Verbreitung von Krebs verhindere. „Man sollte mehr die Kosten und Nutzen der Medikamente hinterfragen“, sagt Wild. Das sieht die Pharmaindustrie anders. Ihren Angaben zufolge ist es den neuen Medikamenten zu verdanken, dass die Überlebensrate gestiegen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2013)
« Letzte Änderung: 18. Oktober 2013, 23:22 von admin »

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