Autor Thema: Neuropathischer Rückenschmerz! Was ist denn das?  (Gelesen 3687 mal)

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Gitti

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Neuropathischer Rückenschmerz! Was ist denn das?
« am: 09. Februar 2011, 15:45 »

Neuropathischer Rückenschmerz

Oft sind die Nerven schuld
20 Millionen Menschen in Deutschland haben regelmäßig Rückenschmerzen. Mehr als ein Drittel davon wird falsch behandelt. Viele Patienten haben eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich. Sie bekommen Schmerzmittel oder werden operiert - oft ohne Erfolg. Denn eine Ursache wird häufig nicht erkannt: Die Schmerzen gehen von den Nerven aus.

Von Angelika Vogel
Stand: 07.02.2011

http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/gesundheit/gesundheit-medizin-rueckenschmerzen-ruecken-ID1296466686981.xml

 Professor Thomas Tölle, Neurologe am Klinikum Rechts der Isar und Sprecher des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz (DFNS), forscht seit Jahren am Thema chronische Schmerzen. Und er setzt sich dafür ein, dass diese endlich richtig diagnostiziert und behandelt werden. Denn bei etwa 40 Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen dominiert eine neuropathische Schmerzkomponente, ein Schmerz, der von den Nerven ausgeht. Und das erfordert eine andere Behandlung als beim herkömmlichen Entzündungsschmerz. Die gängigen Schmerzmittel, die als Entzündungshemmer wirken, bringen bei Nervenschmerzen nichts.

Schwere Diagnose
 
Neuropathische Schmerzen lassen sich nur schwer von normalen Schmerzen unterscheiden. Es können brennende Dauerschmerzen sein, oder plötzlich einschießende Schmerzattacken. Taubheitsgefühle, Ameisenlaufen oder 1.000 Nadelstiche - die Diagnose ist auch für den Arzt schwierig und komplex. Beim herkömmlichen Rückenschmerz können Abnutzungserscheinungen zu Entzündungen führen. Das Gewebe am Gelenk wird geschädigt, was einen lokalen Entzündungsschmerz auslöst.

Neuropathische Schmerzen
Neuropathische Schmerzen dagegen können durch Verletzungen oder Quetschungen eines Nervs ausgelöst werden. Der Nerv wird überempfindlich und erzeugt Schmerzen in den Körperteilen, die er versorgt. Der Schmerz strahlt aus. Zu Beginn treten beide Schmerzarten oft zusammen auf. Meist verschwindet der Entzündungsschmerz bald wieder, der neuropathische Schmerz kann bleiben und chronisch werden.

Im Rahmen des Deutschen Forschungsverbundes Neuropathischer Schmerz erforscht Prof. Tölle neuropathische Schmerzen und ihre Diagnose. Ziel ist es, die Diagnostik zu verbessern und die richtige Therapie rasch einzuleiten.

Empfindlicher auf Reize
 Ein Schmerzfragebogen liefert Anhaltspunkte dafür, ob es sich um einen herkömmlichen Entzündungsschmerz oder um einen neuropathischen Schmerz handelt. Mit Hilfe der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) wird die Empfindlichkeit der Patienten auf verschiedene Reize gemessen - wie Druck und Wärme. Denn Menschen mit neuropathischen Schmerzen reagieren anders auf Reize: viel empfindlicher oder auch viel unempfindlicher. 
Zurzeit wird ein sogenannter Wirbelsäulensensor erprobt. Er misst die Rückenbewegungen der Patienten und ihre Schmerz vermeidenden Bewegungsmuster. Ein Indiz dafür, wie weit ihre Beweglichkeit bereits eingeschränkt ist und wo das Problem genau liegt.  Basis für die richtige Therapie ist die Unterscheidung zwischen entzündlich-degenerativem und neuropathischem Rückenschmerz.

Ursache solcher Nervenschmerzen können Erkrankungen sein, wo die Nerven durch Stoffwechselstörungen, Entzündungen oder Quetschungen geschädigt wurden wie bei Diabetes, Gürtelrose oder Bandscheibenvorfällen.

Sich aufmerksam beobachten
Nervenschmerzen zu erkennen, ist für Laien sehr schwierig, Indizien können sein: Kann ich mich nicht mehr so wie früher bewegen? Gibt es ein Areal, in dem ich nichts mehr spüre oder weniger spüre? Habe ich Blasenschwäche? Bin ich überempfindlich auf harmlose Reize wie das Überstreifen eines Pullovers? Bei solchen Anzeichen sollte man sofort einen Arzt aufsuchen.  Eine rasche Therapie verhindert, dass der Schmerz chronisch wird. Denn dann helfen selbst die richtigen Medikamente - aus der Gruppe der Antiepileptika, der Opioide oder der Antidepressiva - nur noch bedingt.

Körperwahrnehmung schulen
Mehr dazu Rückenschmerzen - Neues Programm gegen altes Leid  Rückenschmerzen - Neues Programm gegen altes Leid  Rückenschmerzen: Neues Programm gegen altes Leid [Gesundheit!] Bei chronischen Schmerzen hat sich am Klinikum Rechts der Isar in München auch noch eine andere Therapie bewährt: eine Kombination aus Entspannungsübungen, Körpertraining und psychologischer Betreuung. Hier lernen die Patienten, ihre Körperwahrnehmung zu schulen und negative Bewegungsmuster zu verbessern. Patienten mit chronischen Schmerzen können anschließend oft mit ihren Schmerzen besser umgehen.