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Neue Malignome durch CT-Nachsorge
« am: 04. April 2011, 01:33 »
Donnerstag, 31. März 2011

Hodenkrebs: Neue Malignome durch CT-Nachsorge

dpa
Sacramento – Die Surveillance-Strategie beim Hodenkrebs kann infolge der häufigen Computer­tomo­graphien (CT) zu einer er­höhten Rate von sekundären Krebstumoren führen. Dies zeigt eine Auswertung des US-Krebsregisters in Cancer (2011; doi: 10.1002/­cncr.26038).

Die Behandlungsergebnisse beim Hodenkrebs sind auch beim Auftreten von lokoregionalen Metastasen sehr gut, sofern diese rechtzeitig erkannt werden. Viele Patienten entscheiden sich deshalb nach der Orchiektomie gegen eine ausgedehnte Operation mit einer sofortigen retroperitonealen Lymphadenektomie.

Diese wird auf den seltenen Fall verschoben, dass in der Nachsorge ein Tumorbefall entdeckt wird. Die Nachsorge muss jedoch engmaschig durchgeführt werden. Sie erfolgt üblicherweise mit der Computertomographie, da hier die Metastasen sehr früh erkannt werden können. Das US-National Comprehensive Cancer Network empfiehlt im ersten Jahr alle zwei bis drei Monate ein CT.

Danach wird die Frequenz gesenkt. Die Untersuchungen summieren sich aber auf 15 CTs in den ersten fünf Jahren. Die Strahlendosis jeder Untersuchung ist beträchtlich und mit ihr steigt auch das Risiko, dass die Surveillance-Strategie zur Induktion von neuen Krebserkrankungen führt.

zum Thema

    Abstract der Studie
    Pressemitteilung des Davis Health System
    Hintergrund

Karim Chamie vom Davis Health System in Sacramento hat jetzt die Daten des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology and End Results Program) ausgewertet. Für ältere Patienten (über 45 Jahre) mit einem Nicht-Seminom im Stadium I kann der Urologe tatsächlich eine erhöhte Rate von sekundären Krebserkrankungen dokumentieren.

Auf 10.000 Patienten, die eine CT-Surveillance betreiben, kommen seinen Berechnungen zufolge 306, die in den ersten 15 Jahren erneut an Krebs erkranken. Unter den Patienten, die sich für eine sofortige retroperitoneale Lymphadenektomie entschieden, waren es nur 233 Patienten.

Der Unterschied von 73 Patienten mag gering erscheinen. Sie ist laut Chamie jedoch größer als die Zahl der 50 Patienten, die während dieser Zeit an den Folgen des Hodenkrebses starben. Die Nebenwirkung der Surveillance ist deshalb größer als ihr Nutzen, schreibt der Forscher.

Seine Studie ist die erste Studie, die ein erhöhtes Krebsrisiko durch die CT-Untersuchungen direkt nachweist. Es gibt aber Berechnungen nach denen 1,5 bis 2 3 Prozent aller Krebserkrankungen in den USA die Folge von CT-Untersuchungen sind (NEJM 2007;357:2277-84).

In den USA werden jedes Jahr 80 Millionen CT-Untersuchungen durchgeführt. Bei den meisten Patienten bleibt es allerdings bei ein oder zwei CTs während ihrer Lebenszeit. © rme/aerzteblatt.de