Autor Thema: Wenn die Hand nicht mehr gehorcht – Das Karpaltunnelsyndrom  (Gelesen 6315 mal)

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Wenn die Hand nicht mehr gehorcht – Das Karpaltunnelsyndrom

Wenn die Hand plötzlich schlapp macht und nicht mehr richtig greifen kann, könnte es an einer Erkrankung liegen, die Karpaltunnelsyndrom heißt. Dies Syndrom ist weit verbreitet, Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer.

Was ist der Karpaltunnel?
„Karpal“ stammt vom griechischen Begriff „Karpos“ - die Handwurzel ab.
Der Karpaltunnel wird gebildet aus den Handwurzelknochen und einem darüber liegenden Band aus Bindegewebe. Durch diesen Tunnel oder Kanal verlaufen der Mittelhandnerv und diverse Sehnen. Von einem Karpaltunnelsyndrom spricht man, wenn es im zu eng wird, weil das Bindegewebe anschwillt und auf den Nerv drückt.

Ursachen
Das Karpaltunnelsyndrom tritt unter anderem dann auf, wenn die Hand überlastet wird – zum Beispiel durch Sport: So leiden Klettersportler, die ja ihre Hände sehr stark beanspruchen, häufig unter dem Syndrom.
Auch durch Hormone kann das Bindegewebe anschwellen und auf den Nerv drücken – viele Frauen merken das in der Schwangerschaft oder auch in der Menopause. Grundsätzlich sind Frauen rund dreimal so oft von der Erkrankung betroffen wie Männer. Außerdem spricht vieles dafür, dass der Karpaltunnel bei manchen Menschen von Geburt an zu eng angelegt wurde.
Möglicherweise ist dies Phänomen erblich, das ist aber wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen.

Es beginnt oft in der Nacht
Wenn die Hände nachts immer wieder einschlafen,  ist das oft ein erstes Anzeichen dafür, dass der Mittelhandnerv eingeklemmt wird. Später kribbelt es unangenehm in den Fingern (nur der kleine Finger bleibt verschont). Die Feinmotorik lässt nach, die Hand wird zunehmend kraftlos. Patienten klagen darüber, dass ihnen Dinge aus der Hand fallen oder dass sie Schwierigkeiten beim Zuknöpfen haben. Unternimmt man nichts gegen die Beschwerden, können die Finger sogar taub werden und im schlimmsten Fall kommt es zu dauerhaften Lähmungen.

Behandlungsmöglichkeiten
Um sicher zu gehen, dass es sich tatsächlich um das Karpaltunnelsyndrom handelt, untersucht der Arzt die elektrische Leitfähigkeit der Nerven.
Steht die Diagnose fest, ist es erst einmal wichtig,  die betroffene Hand soweit es geht zu schonen. Dabei hilft eine Armschiene: Sie sorgt dafür, dass der Mittelhandnerv nachts nicht belastet wird. In manchen Fällen spritzt der Arzt Cortison in den Handgelenkstunnel. Bringen diese Maßnahmen keinen langfristigen Erfolg, dann muss operiert werden.

Dabei wird das Bindegewebsband , das das Dach des Karpaltunnels bildet, durchtrennt. Das ist weniger dramatisch, als es sich anhört: Erwachsene Menschen können  auf dieses Band sehr gut verzichten – Kinder allerdings brauchen es noch. Die OP selbst dauert nur wenige Minuten und kann ambulant vorgenommen werden. Dabei kann der Chirurg zwei Arten anwenden:
Entweder macht er einen Schnitt ins Handgelenk und durchtrennt anschließend das Band. Oder aber er wendet die endoskopisch Methode an:
Dabei führt der Arzt eine Sonde mit kleiner Kamera in den Karpaltunnel ein und arbeitet mit Hilfe eines Bildschirms. Bei der Endoskopie ist der Schnitt etwas kürzer als bei der offenen Methode – allerdings erfordert sie einen besonders geübten Chirurg.  Der Spezialist Veit Braun plädiert beim Karpaltunnelsyndrom für die offene Methode, weil bei der Endoskopie der Nerv durch die Sonde zusätzlich gedrückt wird und das kann stärkere Wundschmerzen verursachen.

Über Risiken und Nebenwirkungen der Operation sowie weitere Fragen rund um das Thema Karpaltunnelsyndrom informieren folgende Internetseiten.

Linktipps:
Homepage der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie http:// www.dgnc.de

Patienteninformation Karpaltunnelsyndrom. Diagnostik und Therapie“, die von mehreren medizinische Fachgesellschaften gemeinsam herausgegeben wurde (kostenlos) http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/005-003.html