Autor Thema: Prostatakrebs! Op.?  (Gelesen 2538 mal)

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Prostatakrebs! Op.?
« am: 06. Mai 2011, 01:20 »

Donnerstag, 5. Mai 2011

Prostatakarzinom: Vorteile der Operation nach 15 Jahren

Uppsala – Infolge der langsamen Tumorprogression bietet eine Operation beim lokalisierten Prostatakarzinom erst langfristig einen Vorteil gegenüber einer abwartenden Haltung. In der Scandinavian Prostate Cancer Group Study 4 (SPCG-4) kristallisiert sich nach 15 Jahren heraus, dass die radikale Prostatektomie die krebsspezifische und die Gesamtsterblichkeit nur bei jüngeren Patienten senkt. Den größten Nutzen haben laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2011; 364: 1708-17) Patienten mit Low-grade-Tumoren.

Die SPCG-4 gehört zu den wenigen randomisierten klinischen Studien zur Therapie des Prostatakarzinoms. Zwischen Oktober 1989 und Februar 1999 waren 695 Männer mit einem Tumor im Stadium T1 oder T2 auf eine sofortige Operation oder ein “watchful waiting” randomisiert worden.

zum Thema

    Studie zu den 15-Jahres-Ergebnissen
    Studie zu den12-Jahres-Ergebnissen
    Studie zu den 10-Jahres-Ergebnissen
    Studie zu den 6-Jahres-Ergebnissen
    PIVOT
    ProtecT

Inzwischen sind 166 von 347 chirurgisch behandelten Patienten gestorben, davon 55 am Prostatakrebs. Im „watchful waiting“-Arm sind 201 von 348 Patienten gestorben, davon 81 am Prostatakrebs. Anna Bill-Axelson von der Universität Uppsala errechnet eine absolute Risikominderung um 6,6 Prozentpunkte für die Gesamtsterblichkeit und um 6,1 Prozentpunkte für die krebsspezifischen Todesfälle. Dies ergibt für beide Endpunkte eine Number needed to Treat (NNT) von etwa 15 Patienten, die operiert werden müssen um einen vor einem Tod (am Prostatakrebs) zu bewahren.

Die Vorteile der Operation sind jedoch auf Patienten unter 65 Jahren beschränkt. Bei ihnen senkt die Operation das Gesamtsterberisiko um 13,5 Prozentpunkte (NNT 7). Bei Patienten unter 65 Jahren mit einem Low-Risk-Krebs (PSA unter 10 plus Gleason-Score unter 7 bzw. WHO-Grad 1) betrug der Unterschied in der Gesamtsterblichkeit sogar 19,3 Prozentpunkte (NNT 5).

Die jüngeren Patienten, die sich für eine abwartende Haltung entschieden hatten, starben zum einen häufiger am Prostatakrebs, zum anderen entwickelten sie häufiger Metastasen. Für die Patienten über 65 Jahren zeichnet sich 15 Jahren nach der Operation ein Trend hin zu einer verminderten Rate von Metastasen ab. Hier ist allerdings zu beachten, dass diese Personen heute über 80 Jahre alt sind, wenn sie nicht aus anderen Gründen gestorben sind.

Die Ergebnisse liefern jüngeren Patienten Argumente für eine frühzeitige Operation. Vor allem bei Low-Grade-Tumoren scheint die radikale Prostatektomie die Heilungschancen zu erhöhen. Die Operation hat jedoch auch Nachteile. Die kumulative 1-Jahres-Inzidenz einer Harninkontinenz betrug immerhin 32 Prozent, und 58,1 Prozent der Patienten klagten über Impotenz.

Andererseits kann der Aufschub der Operation in der “watchful waiting”-Gruppe die Lebensqualität beeinträchtigen. Dies ist spätestens dann der Fall, wenn aufgrund einer Tumorprogression eine Hormonbehandlung notwendig wird.

Dann kommt es regelmäßig zur Impotenz, aber auch vasomotorisches Flushing und eine Fatigue dürften die Patienten strapazieren. Hinzu kommen Störungen im Fettstoffwechsel und eine verminderte Insulinsensitivität, die ein erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetes mellitus und Herzinfarkten erklären.

Der Editorialist Matthew Smith vom Massachusetts General Hospital in Boston merkt noch an, dass die Ergebnisse kaum auf die Verhältnisse in anderen Ländern übertragen werden können (NEJM 2011; 364:1770-1772).

In den USA würden die meisten Prostatakrebserkrankungen heute durch das PSA-Screening und damit wahrscheinlich 10 Jahre früher (Lead-Time-Bias) entdeckt. Dort könnte es dementsprechend länger dauern, bis sich die Vorteile einer Operation gegenüber dem “watchful waiting” zeigen, die dann aber möglicherweise deutlicher ausfallen.

Die Frage, ob oder besser in welchen Fällen eine frühzeitige Operation günstiger ist als eine abwartende Haltung ist deshalb noch nicht entschieden. Weitere Erkenntnisse werden von zwei laufenden randomisierten Studien erwartet. Die US-amerikanische Prostate Cancer Intervention versus Observation Trial (PIVOT) ist inzwischen abgeschlossen. Die 15-Jahres-Ergebnisse sollen in diesem Jahr vorliegen. Die britische Prostate Testing for Cancer and Treatment trial (ProtecT) läuft noch bis Ende 2013.

© rme/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45723/Prostatakarzinom_Vorteile_der_Operation_nach_15_Jahren.htm

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Prostatakrebs! Operation ... fraglich!
« Antwort #1 am: 19. Juli 2012, 21:32 »


Prostatakarzinom: Operation von Screening-Tumoren von fraglichem Nutzen

Donnerstag, 19. Juli 2012


Minneapolis – Bei einem im PSA-Screening entdeckten Prostatakarzinom bietet eine radikale Prostatektomie im ersten Jahrzehnt nach der Operation keine Vorteile gegenüber einer abwartenden Haltung. Dies kam in einer randomisierten klinischen Studie der US-Veteranenbehörde heraus, die jetzt im New England Journal of Medicine (2012; 367: 203-213) veröffentlicht wurde.

In den USA erkranken 17 Prozent aller Männer im Verlauf ihres Lebens an einem Prostatakarzinom. Der Krebs ist aber nur für etwa 3 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Die Diskrepanz wird weniger durch die guten Ergebnisse der Operation erklärt als durch das langsame Wachstum des Malignoms: Viele Patienten sterben aus anderen Ursachen, bevor der Tumor metastasiert und dann tödlich endet. Es wird deshalb seit einiger Zeit diskutiert, ob ein lokalisiertes Prostatakarzinom sofort operiert werden muss, oder ob eine abwartende Haltung gerechtfertigt ist.

Dies wurde bisher in zwei randomisierten Studien untersucht. Die erste Studie konnte auch nach 20 Jahren keine signifikante Reduktion der Sterblichkeit für die frühzeitig operierten Patienten zeigen (Scand J Urol Nephrol Suppl. 1995; 172: 65-72). In der anderen Studie kam es zu einer Reduktion der prostatakrebsspezifischen Sterblichkeit um 6,6 Prozentpunkte und der Gesamtsterblichkeit um 6,1 Prozentpunkte, wobei der Vorteil auf Patienten unter 65 Jahre beschränkt war (NEJM 2011; 364: 1708-17).

In einer dritten Studie konnte für die externe Strahlentherapie, eine Alternative zur Operation, in den ersten 16 Jahren kein Vorteil gegenüber einer abwartenden Haltung gezeigt werden (Widmark A et al. Astro 2011). Alle drei Studien waren vor Einführung des PSA-Screenings durchgeführt worden. Das Screening führt zu einer früheren Diagnose. Damit steigt auch der Zeitraum bis zum Auftreten der ersten Metastasen. Beim Prostatakarzinom könnte dies bedeuten, dass es noch länger dauert, bis ein Vorteil der Operation oder einer Strahlentherapie erkennbar wird.

Die Prostate Cancer Intervention versus Observation Trial (PIVOT) ist die erste Vergleichsstudie in der Ära des PSA-Screenings. Zwischen November 1994 und Januar 2002 waren an 52 US-Kliniken 731 Männer mit lokalisiertem Prostatakarzinom (mittleres Alter 67 Jahre; mittlerer PSA-Wert 7,8 ng/ml) auf eine Operation oder eine abwartenden Haltung randomisiert worden. Ursprünglich sollte die Studie 2.000 Patienten umfassen, doch die meisten Männer sagten angesichts der Aussicht, dass das Los über ihre Therapie entscheiden sollte, ab.

Dies dürfte am Ende dazu beigetragen haben, dass die Studie zu keinem eindeutigen Ergebnis kam. Der zweite Grund war das langsame Wachstum des Tumors. Nach einer mittleren Nachbeobachtung von 10 Jahren waren im Prostatektomie-Arm 171 von 364 Männern gestorben, davon jedoch nur 21 an ihrem Krebsleiden. Im Vergleichsarm kam es zu 183 Todesfällen, davon 31 am Prostatakarzinom. In beiden Endpunkten war die sofortige Operation leicht im Vorteil. Nach den Angaben von Timothy Wilt vom Veterans Affairs Center for Chronic Disease Outcomes Research in Minneapolis senkte die Operation die Gesamtsterberate um 2,9 Prozentpunkte und die prostatakrebsspezifische Mortalität um 2,6 Prozentpunkte. Die Differenz war aber in beiden Fällen nicht signifikant und deshalb ein Zufall nicht auszuschließen.

Zu dem unsichere Vorteil der Operation nach einem Jahrzehnt kommen noch die Risiken der Prostatektomie: Bei 21,4 Prozent der PIVOT-Teilnehmer kam es in den ersten 30 Tagen nach der Operation zu Komplikationen, darunter zu einem Todesfall. Außerdem war in der Folgezeit die Rate der Inkontinenzen (17,1 versus 6,3 Prozent) und der erektilen Dysfunktionen (81,1 versus 44,1 Prozent) signifikant erhöht.

Die Prostatektomie kann zweifellos Patienten das Leben retten, und bei einigen Karzinomen kommt es bereits nach wenigen Jahren zur Metastasierung. In der Subgruppen-Analyse von Wilt zeigte sich, dass die Operation am ehesten bei Patienten mit einem PSA-Wert über 10ng/ml im Screening, einem Gleason-Score über 7 in der Biopsie und einem mittleren bis hohen Risiko nach den Kategorien von d’Amico einen Vorteil bietet.

Das Early Detection Research Network des US-National Cancer Institute und andere Gruppen suchen derzeit nach Tests, die diese aggressiven Karzinome von den langsam wachsenden Tumoren unterschieden können. Dabei fließen neben dem PSA-Wert auch neuere Marker wie PCA3 (prostate cancer gene 3) in die Bewertung ein.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50964

© rme/aerzteblatt.de

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Prostatakrebs! Op.? Abwarten?
« Antwort #2 am: 18. Februar 2019, 14:29 »
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US-Studie: Überwachung/Abwarten hat sich bei Niedrigrisiko-Prostatakrebs durchgesetzt


https://biermann-medizin.de/us-studie-ueberwachung-abwarten-hat-sich-bei-niedrigrisiko-prostatakrebs-durchgesetzt/