Autor Thema: Was bedeutet HER2-pos.?  (Gelesen 6329 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

christina62

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 755
  • Geschlecht: Weiblich
Was bedeutet HER2-pos.?
« am: 18. Mai 2007, 00:27 »
Was bedeutet HER2-positiv?  
 
 
   
Patientinnen werden als HER2-positiv bezeichnet, wenn auf ihrem Brustkrebsgewebe sehr hohe Mengen von HER2 nachgewiesen wurden. Von HER2-positiven Patientinnen weiß man, dass sie im Vergleich zu anderen Brustkrebspatientinnen an einer aggressiveren Tumorform leiden und deshalb eine ungünstigere Prognose haben.

Nach Angaben in der wissenschaftlichen Literatur sind etwa 20 bis 25 % der Brustkrebspatientinnen HER2-positiv. HER2-positiv bedeutet aber auch, dass es eine zielgerichtete und effektive Therapie gegen diese Krebszellen gibt.

 
 
gefunden in roche.de
Jeder Tag ist ein kleines Leben.



Betreue die Unterforen Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs

christina62

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 755
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Was bedeutet HER2-pos.?
« Antwort #1 am: 18. Mai 2007, 00:29 »

 
 Was ist HER2? 
   
HER2 ist ein Rezeptor, also ein Eiweiß bzw. Proteinbaustein an der Oberfläche von Zellen. Über diesen Rezeptor werden Signale von der Zelloberfläche an das Zellinnere und den Zellkern weitergeleitet. HER2 ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „human epidermal growth factor receptor 2“. Wörtlich übersetzt bedeutet dies „vom Menschen stammender (humaner) an der Zelloberfläche befindlicher (epidermaler) Wachstumsfaktor-Rezeptor 2“. HER2 wird vielfach auch als erbB2 oder HER2/neu bezeichnet.

Der HER2-Rezeptor kann Paare bilden (Dimerisierung) und zwar sowohl mit gleichartigen Rezeptoren, als auch mit anderen Rezeptoren der so genannten HER-Familie. Durch die Paarbildung werden Wachstumssignale ins Zellinnere geleitet.

Eine normale Zelle besitzt nur eine relativ geringe Menge an HER2-Rezeptoren. Sind auf Tumorzellen zu viele solcher HER2-Rezeptoren vorhanden, teilen die Zellen sich häufig und der Tumor wächst schnell und unkontrolliert.

Die vermehrte Bildung von HER2 ist eine der Ursachen bei der Entstehung von Krebs und kommt bei etwa 20 bis 25 % der Brustkrebspatientinnen vor.

 
www.roche.de
Jeder Tag ist ein kleines Leben.



Betreue die Unterforen Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs

Werner

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 866
  • Geschlecht: Männlich
HER2-positiver Brustkrebs
« Antwort #2 am: 07. September 2008, 23:28 »

Experten beantworten Patientenfragen:

Dr. med. Brigitte Rack beantwortet Fragen zur zielgerichteten Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab
Bei etwa einem Viertel aller Frauen mit Brustkrebs wird während der feingeweblichen Untersuchung der Krebszellen eine erhöhte Konzentration des Proteins HER2 festgestellt („HER2-positiver Brustkrebs“). Diese Frauen leiden an einer aggressiveren Form der Erkrankung. Die Therapie mit dem Antikörper Trastuzumab kann heute vielen dieser Patientinnen helfen.

Dr. med. Brigitte Rack vom Klinikum der Universität München beantwortet einige der in letzter Zeit beim Portal der DKG eingegangenen Fragen zu diesem Thema.

Was bedeutet HER2-Positivität?
HER2 – auch als ErbB2 oder HER2/neu bezeichnet – ist ein Eiweißmolekül an der Oberfläche von Zellen (Rezeptor). Über diesen Rezeptor werden Signale von der
Zelloberfläche wie über eine Art Antenne an das Zellinnere und den Zellkern weitergeleitet. Wenn auf einer Zelle übermäßig viele HER2-Rezeptoren vorhanden sind, können auch viele Wachstumssignale zum Zellinneren ausgesendet werden, so dass es zu einem beschleunigten Tumorwachstum und einem aggressiveren Tumorverhalten kommt.

Wie kann man den HER2-positiven Brustkrebs diagnostizieren?
Im Rahmen einer Biopsie oder der Operation wird eine Gewebeprobe entnommen. Diese Gewebeprobe wird von einem Pathologen untersucht um festzustellen, ob der Tumor übermäßig viele HER2-Rezeptoren auf seiner Oberfläche besitzt, also HER2-positiv ist.

Was bedeutet die Diagnose HER2-positiv für die Therapie der Patientin?
Bei Brustkrebspatientinnen mit einem HER2-positiven Tumor sollte nach Möglichkeit der Antikörper Trastuzumab in das Therapiekonzept einbezogen werden.

Können Sie die Empfehlung, alle Brusttumore frühzeitig auf das HER2-Protein zu testen und bei positivem Ergebnis Patientinnen mit dem Antikörper Trastuzumab zu behandeln, bestätigen?
Alle Patientinnen sollten auf das HER2 Protein getestet werden. Ist der Tumor HER2-positiv, erhält die Patientin in der Regel nach der Operation eine Chemotherapie und Trastuzumab.
Bei HER2-positiven Patientinnen, bei denen der Brustkrebs weiter fortgeschritten ist oder bereits Metastasen vorhanden sind, wird Trastuzumab entweder in Kombination mit einer Chemotherapie oder endokrinen Therapie (Aromatase-Hemmer) oder allein, d. h. als Monotherapie eingesetzt.

In welchen Erkrankungsstadien können Brustkrebs-Patientinnen mit Trastuzumab behandelt werden? Wirkt Trastuzumab auch bei Patientinnen, bei denen die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist?
Die derzeit zugelassene Standardtherapie in der adjuvanten Situation ist ein Jahr Trastuzumab, meist begonnen im Anschluss an die Chemotherapie. Bei manchen Chemotherapie-Regimen kann man aber auch schon parallel zur Chemotherapie anfangen. Während der Therapiedauer wird der Wirkstoff im Drei-Wochen-Rhythmus als Infusion verabreicht.
In der metastasierten Situation sollte jede HER2-positive Patientin, bei der die Voraussetzungen für die Therapie mit Trastuzumab gegeben sind und bei der keine Gründe gegen die Durchführung einer Therapie vorliegen, mit dem Antikörper behandelt werden. Die Dauer der Therapie in der metastasierten Situation wird derzeit diskutiert. Man sollte jedenfalls so früh wie möglich mit der Therapie beginnen, um die beste Wirksamkeit zu erzielen und die Behandlung auf jeden Fall bis zum Fortschreiten der Krankheit weiterführen.


Was macht die Antikörpertherapie mit Trastuzumab so einzigartig?
Das Tolle an dem Wirkmechanismus ist, dass es ein zielgerichteter Therapieansatz ist. Die Chemotherapien richten sich ja gegen alle sich schnell teilenden Zellen und gehen dadurch mit starken Nebenwirkungen einher. Weil Trastuzumab ausschließlich Zellen mit einer HER2-Überexpression angreift, hat es einerseits eine sehr gute Effektivität gegen diese Zellen und andererseits geringe Nebenwirkungen. Eine möglicherweise auftretende Nebenwirkung, die man beachten und kontrollieren muss, ist der herzschädigende Effekt, der sich aber durch regelmäßigen Kontrollen und Untersuchungen gut kontrollieren lässt.

Wie aktiviert Trastuzumab das Immunsystem?
Indem Trastuzumab an den Rezeptor bindet, kann das Signal zur Zellteilung nicht weitergeleitet werden. Trastuzumab führt darüber hinaus auch dazu, dass die Tumorzelle „markiert“ wird und dadurch vom körpereigenen Immunsystem als „fremd“ erkannt und zerstört wird.