Autor Thema: Alzheimer oder Demenz oder .....  (Gelesen 4182 mal)

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admin

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Alzheimer oder Demenz oder .....
« am: 02. Juni 2011, 00:15 »

Zuerst einmal:
WAS HAT RAUCHEN MIT ALZHEIMER ZU TUN ?
Siehe: http://rauchersheriff.at/rauchfrei/index.php?topic=485.msg2863#msg2863



Was ist Demenz? Was ist Alzheimer?
http://www.alzheimerinfo.de/alzheimer/demenz-alzheimer/

Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten einhergehen und die dazu führen, dass alltägliche Aktivitäten nicht mehr eigenständig durchgeführt werden können. Dazu zählen die Alzheimer-Demenz, die Vaskuläre Demenz, Morbus Pick, Frontotemporale Demenz und weitere Demenzformen.

Der Begriff Demenz ist international im ICD 10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision) einheitlich definiert.
Alzheimer-Demenz

Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist die Alzheimer-Demenz
("der Alzheimer"). Rund 60 % aller Demenzen werden durch eine Alzheimer-Demenz hervorgerufen. Bei dieser Krankheit gehen in bestimmten Bereichen des Gehirns durch Störungen des Gleichgewichts des Botenstoffs Glutamat Nervenzellen zugrunde. Man spricht auch von einer neurodegenerativen Demenz. Bei der Behandlung der Alzheimer-Demenz ist es wichtig, die Störungen im Bereich der Botenstoffe durch Gabe von Antidementiva (z.B. Memantine) positiv zu beeinflussen.
Informieren Sie sich:

Therapie der Alzheimer Demenz
Vaskuläre Demenz

Die vaskuläre Demenz kann aufgrund von Durchblutungsstörungen entstehen. Hier kann es zu plötzlichen Verschlechterungen der Hirnleistung und zur schlaganfallartigen Symptomatik kommen.
Sekundäre Demenzen

Sekundäre Demenzen werden durch nicht-hirnorganische Grunderkrankungen hervorgerufen. Bei erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankungen können sich die Gedächtnisstörungen zurückbilden. Ursachen für eine sekundäre Demenz können z.B. Stoffwechselstörungen, Schilddrüsenerkrankungen oder ein Mangel an Vitamin B12, Alkoholismus oder andere chronische Vergiftungen und Infektionskrankheiten wie Hirnhautentzündungen, AIDS oder die Creutzfeldt-Jakob-Krankeit sein.
Einteilung der Demenzen - Überblick
Lesen Sie mehr:
http://www.alzheimerinfo.de/alzheimer/formen/

    Demenzformen

Formen der Demenz

Man unterscheidet hirnorganische (primäre) und nicht-hirnorganische (sekundäre) Demenzformen.
Primäre Demenzformen

Die primären Formen treten am häufigsten auf und machen 90 Prozent aller Demenzfälle bei über 65-Jährigen aus. Es liegen neurogenerative oder vaskuläre Veränderungen vor. Spezialisten unterscheiden, ob die Nervenzellen des Gehirns „degenerieren“, also ohne äußerlich erkennbare Ursache untergehen – wie bei der Alzheimer-Krankheit –, oder ob sie z.B. wegen Durchblutungsstörungen schwere Schäden erlitten haben (eine solche Form wird als vaskulärer Demenztyp bezeichnet). Mit zunehmendem Alter treten häufig Mischformen der vaskulären und neuodegenerativen Demenzen auf.
Sekundäre Demenzen

Der geistige Verfall ist Folge einer anderen organischen Erkrankung wie einer Hirnverletzung, einer Hirngeschwulst oder einer Herz-Kreislauf-Krankheit; auch Arzneistoffe und Gifte wie Alkohol oder andere Drogen können dazu führen. Wenn die Grunderkrankung wirksam behandelt wird, Giftstoffe das Gehirn nicht mehr belasten oder Verletzungen geheilt sind, normalisiert sich meist die geistige Leistungsfähigkeit.
« Letzte Änderung: 02. Juni 2011, 00:15 von admin »

Tanja

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Demenz
« Antwort #1 am: 05. Juni 2011, 21:53 »


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Wenn es dunkel wird

Mehr als 100.000 Menschen leiden in Österreich an einer Demenzerkrankung, in vierzig Jahren sind es dreimal so viele. Die große Mehrheit wird von Angehörigen zu Hause gepflegt. Das rettet das Gesundheitssystem (noch) vor dem Kollaps – und zermürbt die Betroffenen. Was bedeutet es, wenn Partner und Eltern langsam verschwinden?

Von Tina Goebel und Sebastian Hofer

Frau Kornherr nestelt an ihrer grauen Strickjacke, kramt in der Seitentasche, zieht ein Taschentuch hervor, betrachtet es kurz. Steckt es zurück, schaut aus dem Fenster, irgendwohin. Beginnt wieder zu kramen, zieht wieder ein Taschentuch hervor, betrachtet es wieder, steckt es wieder zurück. Schaut wieder aus dem Fenster. Frau Kornherr ist 85 Jahre alt, wirkt ruhig und ein bisschen abwesend. Manchmal sieht sie sich um, manchmal seufzt sie. Ihre Haare sind geföhnt und frisch gekämmt. Frau Kornherr hat Alzheimer. Vor vier Jahren kam die Diagnose, aber schon vorher war klar, dass etwas mit ihr nicht mehr in Ordnung war. Frau Kornherr hatte begonnen, Dinge zu verlieren, erst Schlüssel und Geldbörse, dann immer mehr sich selbst. Neben Frau Kornherr sitzt ihre Tochter Gertraud Wieser, 61, selbst Mutter zweier erwachsener Töchter, und erzählt von der Krankheit und vom Leben mit ihrer Mutter. Es ist ein anderes Leben als das vor der Krankheit.

In Österreich leben derzeit fast 110.000 Menschen mit demenziellen Erkrankungen, die meisten von ihnen mit Alzheimer. Die Zahl basiert auf Schätzungen und Hochrechnungen, exakte Erhebungen liegen nicht vor. Sicher ist allerdings, dass die Zahl in den nächsten Jahren explodieren wird, die Sozialver-sicherungen gehen von bis zu 270.000 Betroffenen im Jahr 2050 aus. Demenz ist eine Alterserscheinung, vom 60. Lebensjahr an steigt die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung rapide an. Während aktuell etwa ein Prozent der 60-Jährigen an Demenz leidet, ist mehr als ein Drittel aller 90-Jährigen betroffen. Mit der Lebens-, steigt auch die Demenzerwartung. Die Bevölkerung wird immer älter und immer dementer, das Gesundheitssystem damit immer kränker. Bei einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von neun Jahren ergeben sich laut dem Demenzbericht der Sozial¬versicherungsträger Gesamtkosten von etwa 2,4 Milliarden Euro. In vierzig Jahren ¬werden es knapp sechs Milliarden sein. Das Verhältnis von Demenzkranken zu Erwerbstätigen wird dann bei 1:15 liegen.

Die eigentlichen Kosten werden in den Gesundheitsstatistiken allerdings nicht aufgeschlüsselt, weil sie ökonomisch kaum zu berechnen sind. Etwa 80 Prozent aller Demenzkranken werden zu Hause betreut, von Pflegerinnen und Angehörigen, in den meisten Fällen von Töchtern oder Ehepartnern. Die wenigsten von ihnen wissen zu Beginn der Krankheit, welche Aufgabe da auf sie zukommt, wie groß die Last ist, mit der ein Demenzpatient auf sein Umfeld drückt. Demenz heißt immer auch Überforderung, und keineswegs nur für den Kranken selbst. Gesundheitsökonomen rechnen so: Im Pflegeheim kostet ein Demenzpatient durchschnittlich etwa 25.000 Euro, in häuslicher Pflege nicht ganz 11.000. Die sozialen und psychologischen Kosten sind nicht zu beziffern. Man kann sie allerdings beschreiben.

Als sich der an Alzheimer erkrankte ehemalige US-Präsident Ronald Reagan im November 1994 in einem offenen Brief an seine Mitbürger wandte, fand er ein etwas sentimentales, aber dadurch nicht weniger passendes Bild für die Situation, in der er sich befand: „Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt.“ Ein Sonnenuntergang kann nicht nur im Western viele Farben haben, in Facetten leuchten, die schwer zu beschreiben sind. Der Schriftsteller Arno Geiger hat es mit seinem jüngsten Buch „Der alte König in seinem Exil“ versucht, das von seinem betagten Vater August und dessen Alzheimer-Erkrankung handelt (siehe Interview Seite 79). Darin berichtet Geiger von Frustrationen und Hoffnungen, von bereichernden Erfahrungen und solchen, auf die er lieber verzichtet hätte.

Es ist immer das Gleiche: Zuerst das Nicht-wahrhaben-Wollen, mit dem jede Demenz beginnt, beim Betroffenen wie bei seinen Angehörigen. Das Reiß-dich-zusammen. Die Depressionen und Aggressionen, die entstehen, weil das Zusammenreißen nichts hilft, weil die Krankheit stärker ist, unheil- und unumkehrbar. Dann, irgendwann: das allmähliche Akzeptieren des Unumkehrbaren. Das Verlieren und Neuentdecken, das die Demenz mit sich bringt. Geiger nennt die Krankheit „ein jahrelanges Katz-und-Maus-Spiel (…), mit dem Vater als Maus, mit uns als Mäusen und mit der Krankheit als Katze“. Jahrelang dauerte es auch, bis Geiger den Vater in seiner Demenz anerkennen und schätzen lernte: „Dort drüben, innerhalb der Grenzen seiner geistigen Verfassung, jenseits unserer auf Sachlichkeit und Zielstrebigkeit ausgelegten Gesellschaft, ist er noch immer ein beachtlicher Mensch.“

Frau Kornherr blickt noch immer aus dem Fenster, schwer zu sagen, ob in die Ferne oder hinaus in ihren Garten am südlichen Rand von Wien, nippt am Kaffee, den ihre Tochter hingestellt hat, und fragt: „Ist der Unsrige noch herinnen?“ „Ja, Mama, der Unsrige ist noch herinnen.“ Wer der Unsrige ist? „Ich weiß es nicht“, sagt Frau Wieser. Sie fragt nicht nach, diskutiert mit ihrer Mutter auch nicht mehr darüber, dass ihr Vater ganz sicher nicht zum Essen kommen wird, weil er schon seit fünf Jahren tot ist. Dass man gegen Alzheimer nicht anstreiten, der Demenz nicht mit vernünftigen Argumenten begegnen kann, lernt man als betreuender Angehöriger irgendwann, oft zu spät. Für viele ist das ein schmerzhafter Prozess, die erste Phase der Krankheit die schlimmste: „Am Anfang hat sie ihre eigenen Unzulänglichkeiten noch erkannt und mit Aggression kompensiert. Darunter habe ich sehr gelitten, mir immer wieder gedacht: Ich tue alles, was ich kann – und wie wird es mir gedankt? Ich musste erst lernen, dass das zum Krankheitsbild gehört.“

Arno Geiger beschreibt die Krankheit in „Der alte König in seinem Exil“ am Ende auch als Chance – auf einen Neuanfang, ein Umdenken, eine andere Art von Fühlen und Mitfühlen. Das kann sie zweifellos auch sein, ihre tragische, unerträgliche Seite legt die Demenz trotzdem nie ab. Alzheimer ist unheimlich anstrengend – körperlich, weil die Kranken oft einer ständigen Unruhe ausgesetzt sind, einen gestörten Schlafrhythmus haben, aggressive Ausbrüche erleben und ihre emotionale Selbstkontrolle verlieren. Psychologisch, weil es kaum etwas Schlimmeres gibt, als mit anzusehen, wie ein Ehepartner, ein Elternteil seine Persönlichkeit verändert, zunehmend verschwimmt und dann langsam verschwindet.
Auch der US-Schriftsteller Jonathan Franzen hat die Geschichte seines Vaters, der in den neunziger Jahren an Alzheimer erkrankt war, in einem berührenden Essay festgehalten („Das Gehirn meines Vaters“). Er beschreibt den bedrohlichen Einfluss der Krankheit auf sein Selbst- und Menschenbild: „Meinen leidenden Vater als Bündel organischer Symptome zu sehen würde mich dazu verleiten, den gesunden Earl Franzen (und mich) ebenfalls in symptomatischen Kategorien zu sehen – unsere geliebte Persönlichkeit auf eine endliche Reihe neurochemischer Koordinaten zu reduzieren. Wer will schon so eine Lebensgeschichte?“

Zu den schmerzlichen Erfahrungen, die die Demenz mit sich bringt, gehört diese: Wo keine Persönlichkeit mehr ist, kann auch keine Beziehung mehr sein, zumindest nicht in dem Sinn, in dem man sie über Jahrzehnte erlebt hat. Die „Spiegel“-Journalistin ¬Beate Lakotta, Mitherausgeberin eines ¬Sammelbands zum Thema („Demenz“, Deutsche Verlagsanstalt), formuliert es so: „Demenz ist ein Kidnapper. Sie raubt den Kranken ihr Ich. Aber anders als Aids oder Krebs schnappt sie sich nicht nur einen ¬einzelnen Menschen, sondern macht auch seine Nächsten zu Geiseln.“ Etwas ganz Ähnliches meint auch Georg Psota, Geronto¬psychiater und Chefarzt der Psychosozialen Dienste Wien, wenn er definiert: „Demenz ist eine neurologische Erkrankung mit einer vielfältigen psychiatrischen Symptomatik und einem ausgeprägten sozialpsychiatrischen Zugangsbedarf.“

Die Krankheit macht krank, an ihr leiden auch die Menschen, deren Gehirn nicht verfällt. Das beginnt bei der täglichen Überforderung, endet nicht selten in der Depression und kann schließlich auch lebensgefährlich sein. Mehrere Studien belegen, dass pflegende Angehörige ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko aufweisen und dass ihre Lebenserwartung um bis zu eineinhalb Jahre sinkt. „Alzheimer ist eine Krankheit, die die ganze Familie betrifft“, erklärt Peter Dal-Bianco, Leiter der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am AKH. „Die Betreuung geht an die Subs¬tanz. Ich kenne Fälle, bei denen der Pfleger vor dem Demenzkranken gestorben ist.“ Auch Katharina Pils, Chefärztin des Roten Kreuzes, weiß um die Not der Angehörigen: „Oft bekommen diese Personen nicht einmal eine Anerkennung für ihre Anstrengung. Die Demenzerkrankten erkennen ja ihre Leistung nicht mehr. Sie haben auch kein Sprachrohr in der Öffentlichkeit. Wir bemerken, dass die Bevölkerung zu wenig informiert ist und Hilfe nicht in Anspruch genommen wird, bis die pflegende Person in ein Burn-out schlittert.“

Fast zwanzig Jahre lang hat Antonia Croy ihre demente Mutter gepflegt – ein untypisch langer Krankheitsverlauf; im Durchschnitt sterben Demenzkranke acht bis zehn Jahre nach der Diagnose. Sie kam zurecht, irgendwie, merkte aber immer wieder, dass sie an ihre Grenzen stieß. Sie engagierte sich in einer der wenigen Selbsthilfegruppen, die es damals gab, bei den Alzheimer Angehörigen Austria. Heute leitet sie den Verein gemeinsam mit Roswitha Bartsch und dem Neurologen Andreas Winkler. „Die Angehörigen, die zu uns kommen, wollen in erster Linie über ihre Situation sprechen und auch mit ihren negativen Gefühlen und ihrem schlechten Gewissen ernst genommen werden. Den Gedanken: ‚Warum kann er oder sie nicht einfach sterben?‘, kennen viele Alzheimer-Angehörige.“ Und bei aller Aufopferung für kranke Eltern oder Partner kommt es vor, dass sich Konflikte aus dem alten Leben in der Krankheit fortsetzen – oft mit umgekehrten Vorzeichen. „Es gibt auch späte Retourkutschen, wie im Fall der Frau, die ihrem dementen Mann jeden Tag Spinat gekocht hat, weil sie wusste, dass er den noch nie mochte. Besonders schwierig wird die Situation in Familien, in denen Kinder geschlagen oder missbraucht wurden und dann ihre Eltern pflegen sollen.

Nicht immer ist die Pflege zu Hause der Idealfall.“ Deutsche Experten gehen davon aus, dass bis zu 25 Prozent aller Demenzkranken psychischer oder physischer Gewalt durch ihre pflegenden Angehörigen ausgesetzt sind – vom erzwungenen Abendessen bis zur totalen Verwahrlosung. „Wer einen demenzkranken Elternteil hat, muss damit rechnen, dass alte Konflikte oder Spannungen zutage treten“, erklärt Christa-Stella Quedzuweit von der IG pflegender Angehöriger: „In so einer Situation kommen Leichen aus dem Keller. Ich rate jedem dazu, sich sehr bewusst anzuschauen, womit die aufkommenden Gefühle zu tun haben, was in der gemeinsamen Geschichte passiert ist und ob es vielleicht etwas zu verzeihen gibt.“

Frau Kornherr blickt in den Garten hin¬aus, ihr Blick schweift, sie seufzt, schaut immer wieder nach ihrem Taschentuch. Ihren Kaffee hat sie kaum angerührt. „Mama, warum trinkst du deinen Kaffee nicht?“ „Dafür war keine Zeit mehr.“ „Aber jetzt ist wieder Zeit.“ Frau Kornherr greift nach der Tasse und nimmt einen tiefen Schluck. „Meine Mutter war immer ein sehr aktiver Mensch, der am liebsten drei Dinge gleichzeitig gemacht hat. Jetzt steht derselbe Mensch vor dir und weiß nicht, was er tun soll. Man hat mir geraten, meine Emotionen abzuschalten und daran zu denken, dass meine Mutter heute eine andere Person ist. Das ist mir nicht so ganz gelungen.“
Tatsächlich gehören die Persönlichkeitsveränderungen ihrer Väter, Mütter, Partner zu den belastendsten Erfahrungen für pflegende Angehörige. Manchmal können sie aber auch eine Art von Frieden stiften. „Es kommt vor, dass sich negative Beziehungen in der Demenz entschärfen“, sagt die Angehörigen-Aktivistin Antonia Croy. „Schwierige Eltern können sich zu überaus freundlichen Menschen entwickeln.“ Die Krankheit verändert vieles, oft auch ein ganzes Leben. Der Neurologe und Psychiater Georg Psota, der das Gerontopsychiatrische Zentrum in Wien-Alsergrund gegründet hat, erzählt die Geschichte einer Frau, die ihren Vater jahrelang aufopferungsvoll gepflegt hat: „Dabei hatte er sich schon während der Schwangerschaft aus dem Staub gemacht. Erst als Erwachsene hat sie einen Kontakt zu ihm knüpfen können, der aber auch sehr lose blieb. In der Demenz hatte sie endlich ihren Vater für sich. Wir erleben immer wieder, dass Kinder, die wenig Anerkennung erlebt haben, sich besonders engagiert um ihre kranken Eltern kümmern. Die Lieblingskinder dagegen sind im Delegieren oft ziemlich geschickt.“

Das muss keine Schande sein. „Es ist legitim zu sagen: Ich kann nicht mehr“, meint Psota. Nicht nur aus Selbstschutz. Ein konfliktfreies Umfeld hat auch therapeutische Effekte. In einer weltweiten Metastudie vom Herbst 2010 wurde die Wirksamkeit von nicht-pharmakologischen Therapien – die Förderung pflegender Angehöriger und die kognitive Stimulation der Patienten – bestätigt und ihre Anwendung ausdrücklich empfohlen. Ganz in diesem Sinne meinte der an Alzheimer leidende Psychologieprofessor Richard Taylor in einem Interview mit dem „Spiegel“: „Wir brauchen keine Pharma-Zeutika, sondern Sozio-Zeutika.“ Tatsächlich können Demenzkranke aus gut betreuten Familien bis zu eineinhalb Jahre länger in ihrem häuslichen Umfeld leben, bevor sie in ein Pflegeheim müssen. Was viele Angehörige nicht wissen oder nicht glauben: Es gibt Hilfe. Nicht nur für die Angehörigen, auch für Ärzte und Pfleger, die vielfach auch erst lernen müssen, mit Demenz umzugehen, Diagnosen früher zu stellen und die Erkrankten nicht nur als beschwerlich zu empfinden. Demenz muss keine Katastrophe sein.

Es ist Abend geworden in Wien, Frau Kornherr sieht sich noch einmal um, sagt: „Ich muss jetzt nach Hause.“ Ihre Tochter berührt sie sanft am Arm, sie muss laut sprechen, weil Frau Kornherr ihr Hörgerät irgendwo verloren hat: „Bald gehen wir nach Hause, ich begleite dich.“ Später werden sie nach draußen gehen, die Straße entlang und wieder zurück, und Frau Kornherr wird zu Hause ankommen. Eine Zeit lang.
Mehr zum Thema Demenz, sowie ein ausführliches Interview mit dem Autor Arno Geiger, finden Sie im aktuellen profil 14/2011

Edi

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Dank an Lebenshilfe: L. empfiehlt nationalen Strategieplan zu Demenz
« Antwort #2 am: 05. Oktober 2012, 14:00 »



Lebenshilfe empfiehlt nationalen Strategieplan zu Demenz

Weber: Lücken in der medizinischen Versorgung müssen geschlossen werden

Wien (OTS) - Immer mehr Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung
sind von einer Demenzerkrankung betroffen. Noch mangelt es an Wissen
und Qualitätsstandards in der fachgerechten medizinischen und
pädagogischen Begleitung dieser Personengruppe. Die Lebenshilfe
Österreich empfiehlt, einen nationalen Strategieplan zu diesem Thema
auszuarbeiten. Univ.-Prof. Dr. Germain Weber dazu: "Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat auf die Zeichen der Zeit
reagiert und die Gruppe der Menschen mit intellektueller
Beeinträchtigung in ihrem Report zu Demenz aufgenommen. Um die
derzeitigen Lücken in der medizinischen Versorgung zu schließen,
empfehlen wir auf nationaler Ebene, einen Strategieplan zu Demenz,
unter Berücksichtigung von Menschen mit intellektueller
Beeinträchtigung, auszuarbeiten."

Die Fachleute, die am 3. Oktober 2012 zu einem vollbesetzten
internationalen Workshop der Lebenshilfe Österreich an der
Universität Wien referierten, waren sich einig: Demenz wird immer
mehr zum zentralen Thema im Leben von alten Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung. Der drastische Anstieg von
Demenzerkrankungen in der westlichen Welt spiegelt sich auch in
dieser Personengruppe wider. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen
mit intellektueller Beeinträchtigung über 60 Jahre an Demenz
erkranken, liegt bei über 60 %. Bei Menschen mit Down-Syndrom kann
die Krankheit sogar schon in ihren Dreißigern ausbrechen. Diese
Situation stellt nicht nur Behinderteneinrichtungen, sondern auch das
ärztliche Personal vor eine Reihe an Herausforderungen.

Eine der Knackpunkte ist die frühe und rechtzeitige Diagnostik des
Krankheitsbildes. Hier fehlt es an standardisierten Prozessen und
neuropsychologischen Tests, die speziell auf Menschen mit
intellektueller Beeinträchtigung zugeschnitten sind, so die
Fachleute. Bei medizinischen Untersuchungen ist nicht nur Wissen
gefragt, sondern auch sogenannte Soft-Skills wie Einfühlungsvermögen,
Würde und Respekt bei der Behandlung.

Im Bereich der Behindertenhilfe ergeben sich neue Anforderungen in
der Alltagsbegleitung und Umweltgestaltung. Hier ist der Einsatz von
Hilfsmittel wie Bilder, Symbolen, Piktogrammen und einfacher Sprache
sinnvoll, um den erkrankten Menschen einen Orientierungsrahmen und
damit Sicherheit vermitteln. Der Workshop beschäftigte sich ebenso
mit der Frage, wie auf ungewohntes und herausforderndes Verhalten
professionell reagiert werden soll. Weber: "Wir werden in
unterschiedlichen Lösungsalternativen in der Begleitung nachdenken
müssen. Ebenso werden wir an einer verbesserten Vernetzung mit den
zentralen Interessengruppen im Gesundheitsbereich arbeiten, mit dem
Ziel, Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung auch im Falle
einer Demenzerkrankung ein hohes Maß an Lebensqualität
sicherzustellen."

Josef

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Alzheimer, Vergesslichkeit, Gedächtnisstörungen und Demenzen
« Antwort #3 am: 29. Oktober 2012, 00:04 »


Vergesslichkeit, Gedächtnisstörungen und Demenzen

Mit dem Welt-Alzheimertag will die Internationale Alzheimer-Gesellschaft die Aufmerksamkeit auf diese schwere und zunehmend häufiger auftretende Erkrankung richten. Der Welt-Alzheimertag wird seit 1994 jährlich am 21. September begangen.
Es gibt eine ganz normale Vergesslichkeit, bei einigen Menschen mehr, bei anderen weniger stark. Dies ist kein Grund zur Beunruhigung. Im Alter ist ein gewisses Maß an Vergesslichkeit normal. Manche biologische Vorgänge sind beim älteren Menschen einfach verlangsamt und eingeschränkt. Da beispielsweise auch das Hör- und Sehvermögen abnimmt, können Informationen auch gar nicht mehr so schnell und in einem solchen Umfang wie früher aufgenommen werden.
Treten häufig und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung auf, so ist dies ein Grund einen Arzt aufzusuchen. In manchen Fällen wird der Arzt feststellen, dass es sich um eine Demenz, d.h. um ein typisches Muster von geistigen Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen handelt. Die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit, es gibt aber auch eine Reihe anderer Demenzformen, die zum Teil gut behandelbar sind.
Vor rund 100 Jahren diagnostizierte der deutsche Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer zum ersten Mal die Krankheit, die später nach ihm benannt wurde: Morbus Alzheimer ist eine degenerative Krankheit, die langsam und fortschreitend Nervenzellen zerstört. Am 26. November 1901 begegnete Alzheimer der Patientin, die ihn berühmt machen sollte: Auguste Deter, eine 51jährige verwirrte und orientierungslose Patientin. Dr. Alzheimer nannte den Zustand "Die Krankheit des Vergessens". Nach ihrem Tod 1906 sezierte er ihr Gehirn, und entdeckte Eiweißablagerungen in Form von Plaques in der gesamten Hirnrinde.
Der Krankheitsverlauf ist gut erforscht. Giftige Eiweiße wie Amyloid und Tau-Protein formen im Gehirn Fädchen und steinharte Klumpen, so groß wie Hirsekörner. Die Folge sind irreparable Schäden im Geflecht der Nervenzellen. Die Alzheimer-Krankheit beeinträchtigt das Gedächtnis und andere seelische Leistungen wie Denken und Sprache. Sie kann auch andere Schwierigkeiten wie Verwirrheit, Veränderungen der Stimmung und Desorientierung hervorrufen.   
Alois Alzheimer (1864–1915)
   
Abbildung: Alzheimer-Plaques unter dem Mikroskop (mit freundlicher Genehmigung von "Alzheimer's Disease Education and Referral Center").

Alzheimer wird oft die Krankheit des 21. Jahrhunderts genannt, denn unsere Gesellschaft wird immer älter und dadurch steigen auch die Alzheimerfälle signifikant an.
Welt-Alzheimertag - der 21. September
Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. Der Welt-Alzheimertag wird von der Dachorganisation Alzheimer’s Disease International (London) (www.alz.co.uk) unterstützt.
Alzheimer in Zahlen:
Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 115 Millionen ansteigen.
In Europa sind derzeit vier Millionen Menschen betroffen. Bei 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr übertrifft die Alzheimerkrankheit sogar die Schlaganfälle (575.000) und die Diabeteserstdiagnosen (500.000). In Österreich leiden rund 100.000 Menschen an Alzheimer. Experten kritisieren allerdings, dass längst nicht alle richtig behandelt werden. Für viele gilt die Krankheit als altersbedingte Vergesslichkeit. Dabei könnte man den Fortgang von Alzheimer bei rechtzeitiger Behandlung zumindest bremsen. Die Krankheit ist zwar noch nicht heilbar, kann aber durch Medikamente verzögert werden, vorausgesetzt dass die Behandlung bei den ersten Anzeichen beginnt. Das ist allerdings nur bei einem Viertel der Betroffenen der Fall.
Informationen für Österreich: Der Verein "Alzheimer Angehörige Austria" ist Mitglied von Alzheimer Europe und Alzheimer´s Disease International (ADI) und arbeitet mit allen Alzheimer Selbsthilfegruppen in Österreich zusammen. www.alzheimer-selbsthilfe.at

Lesen Sie auch auf unserer Homepage: Das Schneeglöckchen liefert einen Arzneistoff gegen Demenz

http://www.apotheker.or.at/Internet/OEAK/NewsPresse_1_0_0a.nsf/webPages/B93491022F91540CC125707C003E3833!OpenDocument



Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Jutta

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Was ist eine Demenz?
« Antwort #4 am: 29. Oktober 2012, 23:13 »


Definition: Was ist eine Demenz?

Die Definition lautet: ein Fehlen von kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das soziale und berufliche Funktionen beeinträchtigt und in den überwiegenden Fällen mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht.
Bei einer Demenz ist besonders das Kurzzeitgedächtnis gestört. Aber auch das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik sind beeinträchtigt. Es kann sogar sein, dass die Persönlichkeit in Form einer Wesensveränderung betroffen ist.
Entscheidend ist das Wegfallen von bereits erworbenen Fähigkeiten. Das unterscheidet die Demenz von einer angeborenen Minderbegabung.
Man kennt unterschiedliche Ursachen der Demenz. Es besteht nur eine eingeschränkte Behandlungsfähgkeit dieser Erkrankung. Im Anfangsstadium können die Symptome verzögert werden.
Eine besonders bekannte um sehr häufig auftretende Art der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.


Validation

Validation heißt Wertschätzung. Validation ist somit ein wertschätzender Umgang mit desorientierten Menschen; die Gefühle und die Lebenswelt der Betroffenen werden dabei akzeptiert und angenommen.
Validation wurde von der Sozialarbeiterin und Schauspielerin Naomi Feil, im Jahr 1990 von Cleveland (USA) nach Europa gebracht. Feil entwickelte diese Pflegetechnik aus der klientenzentrierten Gesprächsführung des Psychologen Carl Rogers. (Literatur: Naomi Feil: "Validation - Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen", ISBN 3497017949)
Danach ist Validation eine Methode, den Zugang zu dementen, verwirrten und alten Menschen zu ermöglichen. Es ist eine bestimmte Form des Eingehens und Reagierens auf die Verhaltensweisen und Äußerungen verwirrter bzw. dementer Menschen. Daneben kennzeichnet Validation eine Grundhaltung, die bestimmend für den alltäglichen Umgang mit dementen Menschen sein kann. In belastenden Situationen kann sie Spannungen reduzieren und Beziehungen ermöglichen.

Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz, die aus Gründen der Sicherheit nicht mehr in ihrer eigenen Wohnung leben können, aber nicht unbegingt körperliche gebrechlich sind, sondern vor allem wegen ihrer Desorientiertheit Unterstützung benötigen, finden in Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz eine Alternative zum Alten- und Pflegeheim.

Das Konzept erinnert an die Studenten-WB und skizziert sich wie folgt:
3 bis 9 dementiell erkrankte Menschen mieten oder kaufen eine entsprechend große Wohnung. In dieser Wohnung bezieht jeder ein Zimmer, zur gemeinsamen Nutzung sind Wohnküche und zwei bis vier Toiletten und Bäder vorhanden. Die dementiell erkrankten Menschen addieren ihre Leistungen der Pflegekasse und finanzieren so die Möglichkeit, daß rund um die Uhr eine Betreuungsperson da ist.

Vieles aus dem alten Hausrat kann mitgebracht werden. Der neue Haushalt wird gemeinsam geführt: eingekauft, gekocht, geputzt, gewaschen. Die zu erledigenden Tätigkeiten werden nach einem Plan und dem jeweiligen Befinden aufgeteilt, Gemeinschaftsaktivitäten wie Singen, Basteln, Spaziergänge werden gepflegt. Dadurch können motorische und kognitive Ressourchen erhalten werden und es kann den Tendenzen von Rückzug, Apathie und Depressionen entgegengewirkt werden.

Probleme können sich allerdings aus der Organisation dieser Wohngemeinschaften ergeben:
- Wie finde ich geeignete Mitbewohner und eine entsprechend ausgestattete Wohnung?
- Was passiert, wenn jemand stirbt oder einen anderen Pflegedienst haben will?
- Wie werden in der WG Entscheidungen getroffen und umgesetzt?
- Wer sind die Vertragspartner im Mietvertrag?
- Wer darf welche Hausratgegenstände mitbringen?
- Greift das Heimgesetz?
- Wie kann man die Finanzierung kalkulieren?


http://www.br.de/themen/ratgeber/inhalt/familie/pflege/pflege-pflegeskandal-pflegestufe-pflegefall-pflegeeinstufung-102.html


Josef

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Alzi: "Mein Hirn ist ein Sieb"
« Antwort #5 am: 05. November 2012, 14:52 »

"Mein Hirn ist ein Sieb", Eva Tinsobin, 11. Oktober 2012

"Können Sie mir sagen, wo wir hier sind?", fragt Gatterer. "Schnirchgasse 9a, 1030 Wien, ...

... hier ist die Sigmund Freud Privatuniversität Wien, Zentrum für Gedächtnisvorsorge, zweiter Stock, Ambulanz", kommt meine Antwort zu meiner eigenen Verwunderung wie aus der Pistole geschossen.

Zuvor hat mich Gerald Gatterer, Leiter des Zentrums für Gedächtnisvorsorge, in einen großen, mit Sofas, Couchtischen und Spielsachen ausgestatteten Raum geführt ...
... und den standardisierten Demenzscreening-Score mit Basisfragen eingeleitet: "Wie ist Ihr Name? Adresse? Krankheiten in der Familie? Was haben wir heute für ein Datum? Welche Jahreszeit?"
Einige Testminuten später gilt es, möglichst schnell das oben gezeigte Objekt auf dem Blatt Papier anzukreuzen, ...
... geometrische Formen nachzuzeichnen ...
... und - für mich vergleichweise einfach - zu erklären, was auf dieser Zeichung zu sehen ist.
Medikamentöse Therapien in Kombination mit Gedächtnistraining können die Demenzerkrankung um drei bis fünf Jahre nach hinten verschieben.
Mein Hirn ist ein Sieb. Gesichter und Namen muss ich mindestens zweimal sehen beziehungsweise hören, um sie mir merken zu können, und an die E-Mails vom Vortag kann ich mich auch nicht erinnern. Oft habe ich den Eindruck, dass mein Gehirn nicht mehr viel speichern kann. Ob es sich um einen "Overload" der "Festplatte" oder gar um "Digitale Demenz" handelt, soll ein Besuch in der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) klären, in der seit Ende April das Zentrum für Gedächtnisvorsorge beheimatet ist.

Erkrankung der Zukunft

"Eigentlich sind Sie ja noch zu jung für den Test", sagt Gerald Gatterer, der mich in der Ambulanz im zweiten Stock begrüßt und in den Testraum geleitet. "Unter 50 brauchen Sie sich keine Gedanken wegen Demenz zu machen", meint der Abteilungsvorstand der Memory-Klinik im Geriatriezentrum am Wienerwald und Leiter des Instituts für Altersforschung sowie des Zentrums für Gedächtnisvorsorge an der SFU. Die Aufgabe des Zentrums liege in der Früherkennung und in der Sensibilisierung vor allem älterer Menschen.

Gatterer weiht mich in die Fakten ein: 100.000 Menschen sind in Österreich derzeit von einer Demenzerkrankung betroffen. Ein Drittel leidet an leichter, ein Drittel an mittelgradiger, ein Drittel an schwerer Demenz. "Bis 2030 wird sich diese Zahl mit 180.000 bis 200.000 Betroffenen in etwa verdoppeln", prognostiziert der Klinische Psychologe und Psychotherapeut. "Bezieht man auch die leichten Störungen ein, müssen wir mit bis zu 240.000 Betroffenen rechnen."
"Wann war der Erste Weltkrieg?"
Wir nehmen in einem großen, mit Sofas, Couchtischen und Spielsachen ausgestatteten Raum Platz. Der Test beginnt mit einer Erhebung meiner Daten: Name, Alter, Familienstand, Erkrankungen in der Familie, aber auch Datum und Jahreszeit sind gefragt, und schon komme ich ein wenig unter Druck, wäre doch gerade bei der Abfrage solchen Basiswissens jede falsche Antwort peinlich. "Können Sie mir sagen, wo wir uns hier befinden?", fragt Gerald Gatterer. Ich beginne zu schwitzen und wundere mich, dass ich ganz selbstverständlich weiß, wo wir hier sind: "Schnirchgasse 9a, dritter Bezirk."
Als Gerald Gatterer zu Bildungsfragen übergeht - "Wann war der Erste Weltkrieg?", "Wie hieß der erste Bundeskanzler nach dem Zweiten Weltkrieg?" -, erhöht sich der Druck, sollten doch die richtigen Antworten "wie aus der Pistole geschossen" kommen - das meinten zumindest früher die Lehrer. Schnell fühle ich mich ins Klassenzimmer zurückversetzt, obwohl Gatterer mit seiner freundlichen und keineswegs wertenden Art rein gar nichts dazu beiträgt, Stress zu verbreiten. Damit ist sonnenklar: Den Druck mache ich mir selbst.

Das individuelle Gedächtnis

Der Leiter des Zentrums für Gedächtnisvorsorge zählt Buchstaben- und Zahlenreihen auf, die es zuerst von vorne nach hinten, dann von hinten nach vorne zu wiederholen gilt. Dann soll ich in kurzer Zeit möglichst viele Tierarten nennen und mir eine fremde Postanschrift merken. Aus einer Reihe geometrischer Figuren gilt es möglichst schnell Doppelungen wegzustreichen. Rasche und vielfältige Anforderungen an mein Gehirn, das bereits nach kurzer Zeit zu "rauchen" beginnt. Vergleichsweise einfach ist es dagegen, ein Bild anzuschauen und zu erzählen, was ich da sehe.
Ob eine Antwort richtig oder falsch war, gibt Gatterer nicht bekannt. Viele Fragen erscheinen mir allzu banal, andere ausschließlich für "Bildungsbürger" relevant, wieder andere zu schwierig. Doch der bunte Mix an Fragen und Aufgaben ist perfekt durchdacht: "Mit diesem standardisierten globalen Demenzscreening-Score kann man anhand individueller Gegebenheiten wie Alter, Beruf oder Bildungsgrad feststellen, wie gut das Gedächtnis jeder einzelnen Person ist. Die Gedächtnisleistung eines Mathematikers wird in anderen Bereichen besser oder schlechter ausgebildet sein als die eines Bauern", sagt Gatterer. Darüber hinaus ist der Test in der Lage, auf die Ursachen kognitiver Beeinträchtigungen einzugehen.

"Das Altgedächtnis ist bildungsabhängig und hält sehr lange", erklärt Gatterer die Relevanz der Bildungsfragen. Was bei Demenz als Erstes verlorengehe, seien die Gedächtnisleistung und die Merkfähigkeit neuer Inhalte. "Alles, was mit Geschwindigkeit, Anpassung oder dem Erlernen neuer Inhalte zu tun hat, nimmt bereits ab dem 30. Lebensjahr ab", lautet die Prognose des Gedächtnisexperten. Die gute Nachricht: Gedächtnistraining soll dieser natürlichen Entwicklung effizient vorbeugen.
Verschiedene Ursachen
Weisen die Testergebnisse einer Person eine Schwäche in einem Bereich auf, gilt es diese korrekt zu interpretieren. Wenn ein Verdacht auf eine Gedächtniserkrankung besteht, erhält der Patient einen Befund samt Überweisung zur weiteren diagnostischen Abklärung an der Memory Clinic des SMZ-Ost. "Denn Demenz ist nicht gleich Demenz", betont Gatterer, "es gibt verschiedene Ursachen dafür." So können etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Alkoholismus zu gefäßbedingter Demenz führen. Auch ein depressives Stimmungsbild kann hinter der verminderten Gedächtnisleistung stehen. Ein spezifischer Fragenkatalog führt hier zur richtigen Diagnose.
Im Rahmen der genannten Erkrankungen spricht man von "reversibler Demenz", wobei eine entsprechende medikamentöse Therapie das Gedächtnis nachhaltig verbessern kann. Voraussetzung dafür ist Früherkennung, und genau hier liegt die Intention des Gedächtnisvorsorgezentrums: "Viele Betroffene kommen erst in die Kliniken, wenn die Demenzerkrankung schon weiter fortgeschritten ist", beobachtet Gatterer. Es gebe nur wenige niederschwellige Angebote zur Gedächtnisvorsorge, und die Hürde, bei einem leisen Verdacht gleich einen Arzt aufzusuchen, sei für die meisten zu groß. "Aber je früher man draufkommt, umso wirkungsvoller die Therapie."

"Kein Schicksal"

Die häufigste Form von Demenz ist Alzheimer. Eine Erkrankung, für die es derzeit keine Heilung gibt. "Aber Demenz ist kein Schicksal in dem Sinne von 'Jetzt verblöde ich', sondern man kann durchaus selbst etwas dazu beitragen", sagt Gatterer. Medikamentöse Therapien in Kombination mit Gedächtnistraining könnten die Demenzerkrankung um drei bis fünf Jahre nach hinten verschieben, was angesichts der Tatsache, dass Demenz vor allem im fortgeschrittenen Alter auftritt, eine maßgebliche Steigerung der Lebensqualität bedeuten würde.
Nach einer halben Stunde ist der Test abgeschlossen. Ich bin erstaunt, da ich mit einem höheren Zeitaufwand gerechnet habe. Noch mehr erstaunt mich Gatterers Diagnose: "Ihre Gedächtnisleistung ist ausgezeichnet", weshalb er die kurze Basis-Vorsorgeuntersuchung für ausreichend hält. Erst bei Hinweisen auf Gedächtnisstörungen würden weitere spezifische Untersuchungen folgen.

Woher kommt dann mein Unvermögen, mir Namen, Gesichter und andere Eindrücke zu merken? "Das kann schon eine gewisse Überforderung sein durch die Online-Arbeit, Multitasking, Stress et cetera", meint Gatterer und empfiehlt mir, die Freizeit konsequent "offline" zu gestalten, eine gezielte Entspannungstechnik zu praktizieren und mein Gehirn zu trainieren: "Mit unserem Gehirn ist es wie mit jedem Muskel: Use it or lose it. Es gilt aber, ein Mittelmaß zwischen Über- und Unterforderung zu finden, denn zu viel Gedächtnistraining überfordert das Gehirn." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 11.10.2012)

Zentrum für Gedächtnisvorsorge, 1030 Wien, Schnirchgasse 9a, Tel.: 0699/15053186.

Empfohlen wird die Vorsorgeuntersuchung ab einem Alter 50 Jahren einmal jährlich. Sie kostet 90 Euro und wird nicht von den Kassen bezahlt. Das individuelle Vorsorgepaket der SFU besteht aus Gedächtnistrainings, die von zu Hause aus via Internet praktiziert werden können, aus wöchentlichen Gedächtnisgruppen sowie psychotherapeutischen Gruppen- und Einzelgesprächen.

http://derstandard.at/1348284646972/Mein-Hirn-ist-ein-Sieb?ref=nl
« Letzte Änderung: 05. November 2012, 19:09 von admin »
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

admin

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Ein tiefer Blick in das Gehirn, Beispiel Alzheimer
« Antwort #6 am: 29. März 2013, 16:25 »



 Ein tiefer Blick in das Gehirn

Ein neues Verfahren macht es möglich, typische Veränderungen nachzuweisen.

   
   
„Wäre es nicht eine Beruhigung für die Angehörigen, wenn man schon beim Auftreten erster Gedächtnisprobleme Gewissheit hätte, was die genaue Ursache ist?“ Die österreichische Physikerin Britta Fünfstück leitet bei Siemens den Bereich „molekulare Bildtechnik“. – „Eines der zukunftsträchtigsten, medizintechnischen Felder des Konzerns“, wie die deutsche Wochenzeitung Die Zeit schrieb – also die Diagnose von Krankheiten auf der Ebene kleinster Strukturen mittels bildgebender Verfahren. Und da ist es seit kurzem möglich, bestimmte Veränderungen im Gehirn, wie sie auch bei Alzheimer auftreten, bereits zu Lebzeiten sehr genau nachzuweisen. Die Bedeutung für einen routinemäßigen Einsatz ist aber noch umstritten.

Bestimmte Eiweißablagerungen im Gehirn – sogenannte Beta-Amyloid-Plaques – sind bei Patienten mit Demenzerkrankungen wie Alzheimer recht häufig und können nach dem Tod im Rahmen einer Autopsie nachgewiesen werden.

„Biomarker“

Seit kurzem ist in der EU eine diagnostische Substanz (von Eli Lilly) zugelassen, die bereits zu Lebzeiten den Nachweis dieser Plaques deutlich vereinfacht, wie Fünfstück kürzlich bei einem Wien-Besuch erläuterte:

– Ein „Biomarker“ wird dem Patienten gemeinsam mit einem kurzlebigen radioaktiven Substanz injiziert.

– Im Gehirn heftet sich diese Substanz ganz spezifisch an diese alzheimertypischen Eiweißablagerungen und markiert sie dadurch (deshalb der Begriff „Biomarker“).

– Anschließend werden in einem PET-CT hochauflösende Aufnahmen des Gehirns des Patienten gemacht. Durch die radioaktive Strahlung sind die Areale mit den möglicherweise krankhaften Ablagerungen als dunklere Stellen (siehe Grafik) gut zu erkennen.

– „Damit der Arzt nicht nur nach der Intensität der Graustufen urteilen muss, ob das Gehirn noch oder nicht mehr gesund ist, gibt es von uns eine Software, die die Belastung des Hirns mit den Ablagerungen auch quantifiziert, also mengenmäßig berechnet“, sagt Fünfstück. „Dahinter liegen die Vergleichsdaten zahlreicher gesunder und kranker Patienten.“ Alarm wird erst ausgelöst, wenn gewisse Schwellenwerte überschritten sind.

„Bei wem keine derartigen Ablagerungen nachgewiesen werden, der kann sich sicher sein, keine Demenz zu haben“, sagt Fünfstück. „Das kann viele Familien sehr beruhigen.“

Doch nicht alle Experten teilen diese Ansicht: „Natürlich ist es auf jeden Fall ein großer Fortschritt“, sagt der Alzheimer-Spezialist Univ.-Prof. Peter Dal-Bianco von der MedUni Wien. „Aber für eine Anwendung im klinischen Alltag ist es viel zu früh – das haben kürzlich auch renommierte US-Experten erklärt.“

Für eine Alzheimerdiagnose reiche diese Methode alleine nicht aus, betont auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA in London: Denn einerseits treten diese Plaques nicht nur bei Patienten mit Demenzsymptomen auf: „Sie können auch bei älteren Personen ohne Symptome festgestellt werden.“

Und: „Es gibt auch Menschen, die für eine Demenz typische geistige Beeinträchtigungen zeigen, ohne dass sie Plaque-Ablagerungen in einem Ausmaß zu haben, wie dies häufig bei Alzheimer der Fall ist“, sagt Dal-Bianco. „Das wissen wir aus einer Studie mit Nonnen, bei der nach dem Tod der Studienteilnehmerinnen auch die Gehirne untersucht wurden.“

Trotzdem .......... http://kurier.at/lebensart/gesundheit/ein-tiefer-blick-in-das-gehirn/6.742.798


Geri

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Alzheimer oder Demenz oder .....
« Antwort #7 am: 25. September 2015, 23:44 »




Top-Thema  | 21.09.2015  Diagnose Demenz: Was nun?

Informationen für Betroffene und Angehörige

Die Brille oder den Namen von Menschen zu vergessen, kann jedem passieren - doch Demenz geht weit über die übliche Vergesslichkeit hinaus. Diese Krankheit führt dazu, dass die Betroffenen alltägliche Abläufe nicht mehr koordinieren oder logische Zusammenhänge nicht mehr erkennen können. Es treten Orientierungsschwierigkeiten auf, oft verändert sich auch die Persönlichkeit. Wie können Betroffene und Angehörige eine Demenzerkrankung frühzeitig erkennen?

Schleichende Demenz

Angehörige von Demenzpatienten haben es nicht leicht. Persönlichkeitsveränderungen der dementen Patienten überfordern die Angehörigen. So auch bei Familie Klein. (21.09.2015)

Die Demenz zählt zu den häufigsten Gesundheitsproblemen im Alter. Demenz ist der medizinische Oberbegriff für einen fortschreitenden Abbauprozess im Gehirn. Diesem Prozess können viele Ursachen zugrunde liegen, wobei die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist.

Wer den dringenden Verdacht hegt, selbst dement zu sein oder deutliche Anzeichen bei einem Angehörigen entdeckt, sollte zunächst den Hausarzt konsultieren. Für eine sichere Diagnose ist anschließend der Spezialist gefragt. Dafür sollte entweder ein Neurologe oder eine Gedächtnissprechstunde in einer Fachklinik aufgesucht werden.

Die sieben Warnzeichen für Demenz

Das US-amerikanische National Institute On Aging hat einen Katalog entwickelt, der hilft, eine mögliche Demenz im Frühstadium zu erkennen.

    Eine Person wiederholt immer wieder die gleiche Frage.
    Sie wiederholt ständig die gleiche kurze Geschichte.
    Sie weiß nicht mehr, wie bestimmte alltägliche Verrichtungen funktionieren (Kochen, TV-Fernbedienungen, Kartenspiel).
    Sie hat den sicheren Umgang mit Geld, Überweisungen und Ähnlichem verloren.
    Sie findet viele Gegenstände nicht mehr oder legt sie an ungewöhnliche Plätze (unabsichtliches Verstecken) und verdächtigt andere Personen, den vermissten Gegenstand genommen zu haben.
    Sie vernachlässigt anhaltend ihr Äußeres, bestreitet dies aber.
    Sie beantwortet Fragen, indem sie die ihr gestellte Frage wiederholt.

Mit "Uhrentest" zur Diagnose
Die Untersuchung ............ http://www.zdf.de/volle-kanne/diagnose-demenz-informationen-fuer-betroffene-und-angehoerige-5340794.html

Geri

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Re: Alzheimer oder Demenz oder .....
« Antwort #8 am: 26. September 2015, 00:14 »





Sind Gedächtnisprobleme immer Alzheimer?
Heute ist Welt-Alzheimertag. Die Aufmerksamkeit für diese Krankheit ist gestiegen. Doch nach wie vor herrscht Unsicherheit, wie Gedächtnisprobleme zu deuten sind. Ein Überblick
von Andrea Blank-Koppenleitner, 21.09.2015
Memory
Gezieltes Training hält auch das Gedächtnis fit

Gezieltes Training hält auch das Gedächtnis fit
W&B/Martin Ley

Einen Namen vergessen, die Brille verlegen oder im Gespräch den Faden verlieren – im Alltag lässt das Denkorgan junge wie alte Menschen des Öfteren im Stich. Dabei erfüllt das Vergessen an sich zunächst sogar wichtige Funktionen für die Gedächtnisleistung. Denn das Gehirn filtert aus der Flut der Daten aus, was für einen Menschen wesentlich ist, Unwichtiges wird aussortiert. So entsteht immer wieder Raum für neue Inhalte. Informationen, die das Gehirn lange erhalten möchte, gelangen ins Langzeitgedächtnis. Was nur kurzfristig benötigt wird, wie die Einkaufsliste, speichert es vorübergehend im Kurzzeitgedächtnis.

Die normale Gedächtnisleistung unterliegt je nach Situation und persönlicher Verfassung auch größeren Schwankungen. Zu den häufigen Gedächtnisproblemen zählen das Vergessen von Namen, von Gegenständen, von Vorhaben oder Terminen, von Lerninhalten, von Gesichtern sowie Wortfindungsstörungen oder Orientierungsschwierigkeiten. Erinnerungsverluste betreffen häufig das Kurzzeit-, aber auch das Langzeitgedächtnis.

Vorübergehende Denk- und Gedächtnisschwächen

Schlafmangel, erhöhter Stress, Zeitdruck, psychische Belastungen, aber auch positive Ablenkung, wie etwa Verliebtsein, können die geistige Leistungsfähigkeit kurzzeitig negativ beeinflussen. Auch eine laute Umgebung erschwert vielfach die Konzentration. Auf der anderen Seite lähmen Einsamkeit und mangelnde Anregung ebenso die geistige Wachheit. Denn das Denkorgan funktioniert am besten, wenn es trainiert und gefordert wird. Zudem spielt die körperliche Verfassung eine Rolle. Vor allem bei Senioren kann sich zum Beispiel Flüssigkeitsmangel unmittelbar auf die Denkleistung auswirken.

Besonders schwerwiegende Folgen für die Leistungsfähigkeit des Gehirns haben Alkoholmissbrauch und Drogen. Sie können das Denkvermögen nachhaltig schädigen.
Gedächtnis und geistige Leistung im Alter

Im Alter betreffen Gedächtnisstörungen häufiger das Kurzzeitgedächtnis. Auch benötigen ältere Menschen manchmal mehr Zeit, bis sie neue Inhalte gelernt haben und dann auch zuverlässig abrufen können. Die geistige Leistungsfähigkeit muss jedoch nicht zwangsläufig mit den Lebensjahren abnehmen. Hier gibt es große individuelle Unterschiede. Eine aktive, gesunde Lebensweise unterstützt zusätzlich die Gehirnfunktionen.

Damit das Gehirn seinen vielfältigen Aufgaben gut nachkommen kann, braucht es ausreichend Nährstoffe und Sauerstoff. Durchblutungsstörungen, die mit dem Alter häufig zunehmen, wirken daher negativ auch auf die Gedächtnisleistung. Doch kann jeder selbst einiges tun, um einer Arterienverkalkung vorzubeugen, unter anderem durch Nichtrauchen und regelmäßige körperliche Bewegung. Dies hilft zudem gegen Übergewicht und hält die Gefäße und damit auch den Geist fit.
Krankhafte Ursachen von Gedächtnisstörungen

Mediziner bezeichnen auffällige Gedächtniseinbußen als Amnesie. Es geht dabei um die plötzlich oder schleichend einsetzende Unfähigkeit, Neues im Gedächtnis zu verankern sowie Gedächtnisinhalte bei Bedarf wieder abzurufen. Amnesien können zurückliegende Ereignisse (retrograde Amnesie) und aktuelle Informationen (anterograde Amnesie) erfassen. Je nach Ursache gehen sie wieder zurück oder bleiben dauerhaft bestehen.

Zur Liste möglicher krankhafter Auslöser von ernsten, aber meist vorübergehenden Gedächtnisproblemen gehören ein schlecht eingestellter Diabetes sowie Bluthochdruck. Negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit können sich außerdem Infektionskrankheiten wie eine Lungenentzündung, Schilddrüsenstörungen oder Mangelerscheinungen, zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel, auswirken. Eine Behandlung der Grunderkrankung lässt dann auch meist das Gehirn wieder besser funktionieren (siehe auch Abschnitt "Therapie").

Bestimmte Medikamente können zeitlich begrenzte Gedächtnisstörungen hervorrufen, zum Beispiel bei zu hohen Dosierungen. Dazu gehören Mittel zur Entwässerung, einige Blutdrucksenker, starke Schmerz- und Beruhigungsmittel. Besonders bei älteren Menschen lassen sich Defizite in der Aufmerksamkeit und der geistigen Reaktionsfähigkeit häufig auf unerwünschte Wirkungen von Schlafmitteln, bestimmten Antidepressiva oder Antihistaminika älteren Typs zurückführen. Wer Zweifel hat, sollte immer mit seinem Arzt darüber sprechen, keinesfalls das Arzneimittel eigenmächtig und abrupt absetzen.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angsterkrankungen oder Psychosen beeinflussen Denkvorgänge und Gedächtnis. Bei einer Depression sind häufig Denkabläufe blockiert, die Konzentrationsfähigkeit ist herabgesetzt. Kommen deutliche Gedächtnisprobleme hinzu, haben die Betroffenen oft Sorge, dement zu werden. Besonders in höheren Lebensjahren weisen nachlassende geistige Leistungen nicht immer auf eine Demenz hin, dahinter kann sich auch eine Altersdepression verbergen. Deshalb ist es wichtig, dass ein Facharzt, etwa ein Neurologe oder ein Psychiater, mit Tests und eingehenden Untersuchungen eine depressive Erkrankung gegen eine Demenz abgrenzt. Denn eine Depression und mit ihr verbundene Denkstörungen lassen sich auch im Alter oft erfolgreich therapieren. Erfahren Sie mehr zu Ursachen, Symptomen und Therapien im Ratgeber „Depressionen“.

Folgen für die geistige Leistungsfähigkeit haben zudem Störungen, die nach einschneidenden Erlebnissen auftreten, wie posttraumatische Belastungsstörungen oder sogenannte Anpassungsstörungen. Neben bedrohlichen und schmerzlichen Erinnerungen können auch Gedächtnislücken auftreten. Depressionen, Ängste und körperliche Beschwerden kennzeichnen häufig das vielfältige Krankheitsbild. Eingehend informiert der Ratgeber „Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)“.
Sonderfall: Transiente globale Amnesie

Plötzlich streikt das Gedächtnis. Für die Menschen, die er unvermittelt trifft, ist der vorübergehende (transiente) Gedächtnisaussetzer (Amnesie) äußerst beunruhigend. Sie können sich neue Eindrücke und Inhalte nur noch für wenige Sekunden merken. Sie wissen nicht mehr, warum sie an einem bestimmten Ort sind und was gerade um sie herum abläuft, aber auch nicht, was kurze Zeit vor dem Gedächtnisausfall geschehen ist. Allerdings wissen die meisten sehr wohl, wer sie sind, und sie wenden früher Erlerntes ganz selbstverständlich an.

Nach höchstens einem Tag und einer Nacht funktioniert das Erinnerungsvermögen dann wieder normal. Nur für die Zeit der Amnesie selbst bleibt eine Gedächtnislücke bestehen. In der Regel hat das Ereignis keine Folgen für die Gehirnleistung. Körperliche und seelische Belastungen gehören zu den möglichen auslösenden Faktoren. Manchmal kann jedoch auch eine ernsthafte Ursache dahinter stecken, etwa eine Gehirnerschütterung oder eine Entzündung. Deshalb sollte immer ein Arzt den kurzzeitigen Gedächtnisverlust abklären, um eine eventuell dahinter verborgene Erkrankung auszuschließen.
Gedächtnisstörungen als Symptom einer beginnenden Demenzerkrankung

Alarmierend wird es, wenn sich deutliche Hirnleistungsstörungen abzeichnen, die Gedächtnisprobleme über Monate anhalten und weitere geistige Ausfälle dazukommen. Zu den am meisten gefürchteten Ursachen zählen dann Demenzerkrankungen aufgrund von Hirnabbauprozessen, wie die Alzheimer Krankheit, oder die sogenannten vaskulären Demenzen, bei denen Durchblutungsstörungen das Gehirn dauerhaft schädigen. Bei einer Demenz gehen nicht nur Erinnerungen und Merkfähigkeiten verloren, sondern auch einmal erlernte komplexe Fähigkeiten und Techniken. Das Denkvermögen nimmt ab. Der Gedächtnisschwund schreitet voran und die Persönlichkeit verändert sich nachhaltig.

Warnzeichen für eine beginnende Demenz können mehrere Faktoren sein:

    Besonders das Kurzzeitgedächtnis lässt auffallend nach. Wortfindungs- und Orientierungsprobleme kommen dazu. Den Betroffenen fallen selbst alltägliche Wörter nicht mehr ein, sie verlaufen sich öfter. Auch wissen sie oft Uhrzeiten oder Tage nicht mehr.
    Neues zu lernen fällt zunehmend schwer oder gelingt gar nicht mehr.
    Geistige und praktische Fähigkeiten, die bisher noch problemlos abrufbar waren, bereiten plötzlich Schwierigkeiten: Der Mathematikprofessor schafft einfache Rechenaufgaben nicht mehr, der Hobbykoch lässt ständig den Reis anbrennen.
    Auch die Persönlichkeit verändert sich: Die Betroffenen sind entweder depressiv verstimmt, antriebslos, erschöpft oder unruhiger und aggressiver als früher. Ihr Urteilsvermögen lässt nach, sie regen sich über unwichtige Begebenheiten auf, bleiben bei erschütternden Ereignissen dagegen völlig ungerührt.
    Der Alltag wird durch die Gedächtnisschwächen mehr und mehr beeinträchtigt. Angehörige und Freunde bemerken die Probleme eher als die Betroffenen selbst, die sie oft nicht wahrhaben wollen.


Oft kann schon der Hausarzt mit relativ einfachen Tests feststellen, ob Anzeichen für eine Demenz vorhanden sind. Beim Neurologen oder in einer Gedächtnisambulanz folgen weitere umfangreiche Untersuchungen und Tests. Bei Verdacht auf ein psychiatrisches Leiden wird ein Psychiater hinzugezogen.

Umfassend zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Therapien von Demenzerkrankungen informieren die Ratgeber „Alzheimer Krankheit“ und „Vaskuläre Demenz“.
Weitere Gehirnerkrankungen sowie Verletzungen, die mit Gedächtnisabbau verbunden sein können

Die Fachärzte werden außerdem weitere mögliche Ursachen für eine abnehmende Gehirnleistung abklären. Dazu gehören Hirntumore, Hirninfarkte, Entzündungen der Hirngefäße sowie Schädel-Hirn-Verletzungen. Auch ein Schleudertrauma und Verletzungen an der Halswirbelsäule können mitunter chronische Konzentrations- und Gedächtnisprobleme zur Folge haben. Erhält das Gehirn kurzfristig zu wenig Sauerstoff, etwa bei einem Herzstillstand, bei Schockzuständen, durch Erstickungsanfälle oder Badeunfälle, sind je nach Dauer und Ausmaß des Sauerstoffentzugs chronische Schäden mit Gedächtnisproblemen möglich.

Nach einem epileptischen Anfall besteht meist für die Zeit des Anfalls eine Erinnerungslücke. Schwere Epilepsieerkrankungen mit häufigen Anfällen mindern mitunter auch dauerhaft Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit.

Entzündliche Erkrankungen des Zentralnervensystems wie eine Multiple Sklerose können in ihrem Verlauf zu Gedächtnisstörungen führen. Andere Hirnabbauerkrankungen, die das Denkvermögen angreifen, sind die Parkinson Krankheit, die Lewy-Körper-Erkrankung oder Chorea Huntington.

Im Zuge einer schweren Alkoholerkrankung und ausgeprägter Mangelzustände, etwa eines Vitamin-B1-Mangels, oder einer Magersucht kann sich ein Wernicke-Korsakow-Syndrom entwickeln. Die Betroffenen haben dann Schwierigkeiten, neue Informationen zu erlernen und zuverlässig abzuspeichern. Typisch ist auch das Konfabulieren, das Erzählen erfundener Erlebnisse und nicht zu einem Gesprächthema passender Geschichten. Dazu kommen Orientierungsprobleme sowie vielfältige Nervenstörungen, insbesondere an Füßen und Beinen.
Therapie von krankhaften Gedächtnisstörungen

Je nach Erkrankungsbild sind unterschiedliche therapeutische Maßnahmen angezeigt. Sind die Gedächtniseinbußen Folge einer inneren Erkrankung, normalisiert sich die geistige Leistungsfähigkeit in der Regel mit einer konsequenten Behandlung.

Bei Bluthochdruck kann eine gute Einstellung der Druckwerte durch die passenden Medikamente helfen, die Entwicklung späterer Hirnleistungsstörungen zu verhindern. Das gilt ebenso für ungünstige Blutfettwerte. Ein gewissenhaftes Blutzucker-Management ist eine wesentliche Vorsorgemaßnahme für Menschen mit Diabetes, um die geistige Leistungsfähigkeit lange zu erhalten. Lesen Sie mehr zu Diagnose und Therapien der unterschiedlichen Krankheiten in den entsprechenden Ratgebern (siehe Links im Text). Spezielle Informationen zu Diabetes finden Sie auf www.diabetes-ratgeber.net.

Ziel der Behandlung einer Alzheimer Krankheit oder einer anderen fortschreitenden Demenz ist es, die Selbstständigkeit des Patienten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Hier helfen gezieltes Training der Gedächtnisfunktionen und Alltagskompetenzen im Rahmen von psychosozialen Therapien. Für die Angehörigen ist es wichtig, sich umfassend beraten zu lassen. Selbsthilfegruppen bringen zusätzliche Unterstützung (siehe auch Link unten). Medikamente, sogenannte Antidementiva, können für gewisse Zeit die geistigen Fähigkeiten verbessern und den Hirnleistungsabbau hinauszögern, vor allem, wenn die Erkrankten sie in einem noch frühen Krankheitsstadium erhalten.

Aus Angst vor der Diagnose zögern viele Betroffene einen notwendigen Arztbesuch hinaus und versuchen, erste Warnzeichen zu ignorieren. Dabei bringt frühzeitiges Handeln gerade bei Demenzerkrankungen die besten Chancen, die Lebensbedingungen möglichst opitimal zu gestalten.

Anregungen und unterhaltsame Aufgaben, mit denen Sie Ihr Gedächtnis spielerisch trainieren können, finden Sie in unserem Spezial "Gehirnjogging – Lust am Lernen".

 

Fachliteratur und Fachredaktion

Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie und Psychotherapie, Thieme Verlag, 2009
Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie, Thieme Verlag, 2008
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen, in: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2008
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Transiente globale Amnesie, in: Diener, H.Ch., Weimar, Ch. (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Thieme Verlag, 2012
Herold, Gerd und Mitarb.: Innere Medizin, 2012
Classen/Diehl/Kochsiek: Innere Medizin, Hrsg. Böhm, M., Hallek, M., Schmiegel, W., Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2009

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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Informationen zum Thema Demenz auf anderen Internetseiten

    Deutsche Alzheimer Gesellschaft »
    www.apotheken-umschau.de ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten



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Gitti

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Demenz oder .....
« Antwort #9 am: 08. März 2017, 14:44 »
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Demenz oder .....

Immer wieder ein schwieriges Thema,

detto, überhaupt (leichte) Demenz, oder "nichts"? Wie wirklich zu diagnostizieren, denn der Patient meint: DAS ist doch Demenz!
Und die Wissenschaftler fordern zur frühzeitigen Diagnose (und Therapie?) regelmäßig auf!