Autor Thema: Lebensqualität von Tumorpatienten, Schmerz-/Palliativtherapie  (Gelesen 5308 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Geri

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 674
  • Geschlecht: Männlich
11.07.2011
   
   Analgetische Supportivtherapie in der Onkologie: Lebensqualität ist das Ziel 


Wichtigstes Ziel der analgetischen Supportivtherapie in der Onkologie ist der Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität von Tumorpatienten. Das berichtete Dr. Uwe Richter, Leiter des ambulanten und stationären Schmerz- und Palliativzentrums am DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein, anlässlich des 17. Münchener Fachpresse-Workshops „Supportivtherapie in der Onkologie“: „In der schmerz- und palliativtherapeutischen Betreuung von Tumorpatienten müssen wir uns vor allem mit den Bedürfnissen und Wünschen der Patienten auseinandersetzen. Für die Patienten ist es wichtig, dass ihre zum Teil sehr starken Schmerzen frühzeitig, nachhaltig und besonders verträglich gelindert werden.“


In Deutschland erkranken jedes Jahr 450.000 Menschen an Krebs. Rund 50 Prozent der Patienten leiden an chronischen Schmerzen, davon 30 bis 40 Prozent bereits in Frühstadien der Erkrankung. In fortgeschrittenen Stadien haben 70 bis 90 Prozent der Patienten Schmerzen. 68 Prozent der Schmerzen sind dabei tumorbedingt, insbesondere durch Tumorkompression oder Metastasen und 19 Prozent bedingt durch die Tumortherapie, zum Beispiel durch Zytostatika oder Strahlenfibrose. Weitere zehn Prozent der Schmerzen sind tumorassoziiert, unter anderem infolge von Aszites, Thrombosen oder Zosterneuropathie und drei Prozent tumorunabhängig.

„Deshalb spielt bei der Therapie von Tumorschmerzen die rechtzeitige Gabe stark wirksamer und sehr gut verträglicher Opioide eine zentrale Rolle“, weiß Richter aus seiner Praxiserfahrung. Denn neben ihrer starken analgetischen Wirkung sollte die nicht-bestehende Organtoxizität starker Opioide bei der Auswahl des Schmerzmittels berücksichtigt werden.

Starke und verträgliche Opioide für Tumorschmerzpatienten

Am Beispiel einer 70-jährigen Patientin zeigte Richter die gute Eignung der Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin®). Aufgrund eines Chondrosarkoms im rechten Becken wurde bei der Patientin 2006 eine Beckenteilresektion durchgeführt. 2009 traten erneut Schmerzen an der Lendenwirbelsäule, im Becken und im rechten Bein auf. Ein Rezidiv lag nicht vor. Die Schmerzen konnten weder mit NSAR, Flupirtin noch mit schwachen Opioiden wirksam gelindert werden. Zudem litt die Patientin durch die Behandlung unter Magenproblemen und einer Beeinträchtigung ihrer Darmfunktion. Erst durch die Gabe von Oxycodon wurde eine Schmerzreduktion erreicht. Da die Schmerzen jedoch nicht zufriedenstellend gelindert wurden, stellte sich die Patientin bei Richter vor. Dieser diagnostizierte unter anderem ein chronisch lumbales Schmerzsyndrom, ein myofasziales Schmerzsyndrom sowie neuropathischen Schmerz im rechten Bein. Die Patientin wurde zunächst auf zweimal täglich 20 mg/10 mg Oxycodon/Naloxon eingestellt. Zusätzlich erhielt sie dreimal täglich 100 mg Gabapentin. Daraufhin reduzierte sich ihre durchschnittliche Schmerzstärke von NRS 7 auf NRS 1. Schwindel, Atemnot und die Darmfunktion der Patientin verbesserten sich deutlich.

Hohe Patientenzufriedenheit durch effektive Schmerzlinderung

Während einer stationären Behandlung aufgrund stärkerer Schmerzen im März 2011 wurde eine CT-Kontrolle durchgeführt. Der CT-Befund deutete auf ein Lokalrezidiv eines Chondrosarkoms der rechten Beckenschaufel mit ausgedehnter Weichteilkomponente, eine Infiltration der entsprechenden Muskulatur sowie eine Infiltration der Neuroforamina und der Foramina sacralia mit Weichteilkomponente im Sakralkanal hin. Ebenso lag der dringende Verdacht auf eine Plexus sacralis-Infiltration vor.
Eine Strahlentherapie wurde durchgeführt.
Die Medikation wurde den stärkeren Schmerzen angepasst und die Patientin erhielt zweimal täglich 40 mg/20 mg Oxycodon/Naloxon (Targin®) sowie zweimal täglich 75 mg Pregabalin. Für Schmerzspitzen wurde die wirkstoffgleiche Bedarfsmedikation Oxycodon (Oxygesic® akut, 20 mg) sowie zur Entzündungshemmung Dexamethason verabreicht. Ihre Schmerzstärke stabilisierte sich wieder bei durchschnittlich NRS 1. „Die starken Schmerzen der Patientin konnten so bis heute wirksam und verträglich gelindert werden“, fasste Richter das Behandlungsergebnis zusammen. Die Patientin ist zufrieden, weil sie wieder Lebensqualität zurückgewonnen hatte, das oberste Ziel der Supportivtherapie.

Quellen:
Richter, U.: „Tumorschmerzen wirksam und verträglich lindern“, Vortrag anlässlich
des 17. Münchener Fachpresse-Workshops "Supportivtherapie in der Onkologie",
7. Juli 2011, München.

Nolte T., Schmidt T. (2009): Prolonged-release oxycodone/naloxone is very effective and tolerable in treatment of cancer pain. Eur J Palliat Care (Abstracts of the
11th Congress of the European Association of Palliative Care): 184

Quelle: Mundipharma

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=34629

admin

  • Administrator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 6.061
  • Geschlecht: Männlich
Diagnose: unheilbar krank! - Palliativmedizin und Hospiz ........
« Antwort #1 am: 03. November 2012, 17:07 »


31. Oktober 2012

Diagnose: unheilbar krank

Was leisten Palliativmedizin und Hospiz?

Jährlich erkranken in Österreich etwa 38.000 Menschen an Krebs. Seit 1999 hat die absolute Zahl der jährlich neu aufgetretenen Krebserkrankungen in Österreich bei Männern um sieben und bei Frauen um zwei Prozent zugenommen. Krebs ist die zweithäufigste Todesursache in Österreich, im Schnitt sind die Erkrankten 66 Jahre alt. Diese Zahlen unterstreichen die Bedeutung der palliativmedizinischen Betreuung für die Zukunft.

Aufgabe der Palliativmedizin ist es, unheilbar Kranken mit allen Mitteln zu einem qualitätsvollen und selbstbestimmten Weiterleben zu verhelfen. Dr. Michael Preitschopf, Leiter der Palliativstation St. Raphael des Krankenhauses Göttlicher Heiland: „Ziel ist, dass Patienten ihre verbleibende Lebenszeit weitgehend autonom bestimmen und leben können, indem ihre Schmerzen gelindert und andere belastende Beschwerden körperlicher oder psychosozialer Art behoben und spirituellen Bedürfnissen nachgekommen werden.“

Unterschied Palliativstation – stationäres Hospiz

Beide Einrichtungen verfolgen das Ziel, schwer kranken Menschen die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. In einem stationären Hospiz steht dabei die pflegerische Begleitung bis zum Lebensende im Vordergrund, während Palliativstationen darum bemüht sind, die Patienten wieder nach Hause zu entlassen. Organisatorisch sind Palliativstationen in ein Krankenhaus eingegliedert, während stationäre Hospize oft eigenständig oder an ein Pflegeheim angeschlossen sind.

Palliativmedizin kann auch Leben verlängern

2010 ergab eine Studie in den USA, dass frühzeitige und umfassende palliative Versorgung die Lebenserwartung jedes Einzelnen erhöht. Dazu Prof. Dr. Herbert Watzke, Präsident der österreichischen Palliativgesellschaft: „Patienten, die im Rahmen der Studie bereits ab der Krankheitsdiagnose palliativmedizinisch betreut wurden, lebten im Mittel 2,5 Monate länger als die Vergleichsgruppe. Gleichzeitig hatten sie eine deutlich verbesserte Lebens- und Sterbesituation.“ Die Ergebnisse der Studie haben die Stellung der Palliativmedizin verändert. „Early Palliative Care ist das Gebot der Stunde, denn je früher mit dem Patienten über den Krankheitsverlauf gesprochen und Symptome und Komplikationen gemanagt werden, umso positiver ist der Krankheitsverlauf bei den Patienten“, erklärte Watzke.

Großer Bedarf

Wie hoch der Bedarf an palliativer Begleitung tatsächlich ist, zeigte Mag. Leena Pelttari, Geschäftsführerin des Dachverbandes Hospiz Österreich, auf: „Über 100 Millionen Menschen in Europa würden von Palliative Care profitieren, derzeit haben aber nur 8 Prozent Zugang zu adäquater Betreuung bis zum Ende (Zahlen der European Association for Palliative Care). Diese 100 Millionen umfassen nicht nur onkologisch Erkrankte, sondern auch die steigende Anzahl geriatrischer PatientInnen und Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensbegrenzenden Erkrankungen.“ Mit 264 Hospiz- und Palliativeinrichtungen, davon 29 Palliativstationen, befindet sich Österreich ...... http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/a-h/allgemeinmedizin/?full=31218



baldau-pr/FH, Ärzte Woche 43/2012
© 2012 Springer-Verlag GmbH, Impressum