Autor Thema: Allgemeines zu Depression  (Gelesen 7343 mal)

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admin

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Allgemeines zu Depression
« am: 29. Mai 2007, 01:29 »

Bei Wikipedia sah ich nach:

Die Depression (v. lat.: deprimere = „niederdrücken“), auch depressive Episode oder rezidivierende depressive Störung genannt, ist eine behandlungsbedürftige psychische Störung. Sie wird zu den affektiven Störungen gezählt.

So weit das "Technische".

Aber dann geht es weiter unter:

    * 1 Symptome
    * 2 Diagnose
    * 3 Verbreitung
    * 4 Unterschiedliche Formen
          o 4.1 Anaklitische Depression
          o 4.2 Somatisierte Depression
          o 4.3 Organische Depression
    * 5 Ursachen
          o 5.1 Genetische Ursachen
          o 5.2 Neurobiologische Faktoren
          o 5.3 Physiologische Ursachen
          o 5.4 Medikamente als Auslöser
          o 5.5 Psychosoziale Faktoren
          o 5.6 Psychologische Theorien zur Depressionsentstehung
                + 5.6.1 Erlernte Hilflosigkeit
                + 5.6.2 Kognitionen als Ursache
                + 5.6.3 Verstärkerverlust
                + 5.6.4 Psychoanalytische Ansätze
          o 5.7 Krankheitserreger als Auslöser?
    * 6 Behandlung
          o 6.1 Psychotherapie
          o 6.2 Pharmakotherapie
                + 6.2.1 Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI)
                + 6.2.2 Trizyklische Antidepressiva
                + 6.2.3 Monoaminooxidasehemmer (MAO-Hemmer)
                + 6.2.4 Weitere Antidepressiva
                + 6.2.5 Phasenprophylaxe und Augmentation
                + 6.2.6 Johanniskraut
                + 6.2.7 Allgemeines
          o 6.3 Stationäre Behandlung
          o 6.4 Lichttherapie
          o 6.5 Elektrische/elektromagnetische Stimulationen
          o 6.6 Selbsthilfegruppen
          o 6.7 Ernährung
          o 6.8 Andere Hilfsmittel
    * 7 Quellen
    * 8 Literatur
    * 9 Filme
    * 10 Videos
    * 11 Siehe auch
    * 12 Weblinks

Alles zu finden unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Depression

Zum Probelesen ......  Symptome

Die Krankheit Depression (depressive Episode nach ICD-10) ist charakterisiert durch die Symptomverbindung von

    * Antriebshemmung, zu der auch eine Denkhemmung gehört,
    * Stimmungseinengung,
    * innere Unruhe und
    * Schlafstörungen. Diese Schlafstörungen sind Ausdruck eines gestörten 24-Stundenrhythmus. Häufig geht es dem Kranken in den frühen Morgenstunden so schlecht, dass er nicht mehr weiter schlafen kann. Liegt diese Form des gestörten Biorhythmus vor, fühlt sich der Patient am späten Nachmittag und Abend jeweils besser, bis dann einige Stunden nach Mitternacht die depressive Symptomatik in voller Stärke wieder einsetzt.

Weniger beweisende, aber häufige Symptome sind das Gefühl der Minderwertigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle, Müdigkeit, verringerte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, sinnloses Gedankenkreisen. Regelmäßig ist das Denken verlangsamt (Denkhemmung). Reizbarkeit besteht oft und Ängstlichkeit. Negative Gedanken und Eindrücke werden überbewertet und positive Aspekte nicht wahrgenommen beziehungsweise für zufällig gehalten. Das Gefühlsleben ist eingeengt, das sexuelle Interesse vermindert oder erloschen (Libidoverlust). Bei einer schweren depressiven Episode kann der Erkrankte in seinem Antrieb so gehemmt sein, dass er nicht mehr einfachste Tätigkeiten, wie Einkaufen oder Abwaschen, verrichten kann. Bereits das morgendliche Aufstehen bereitet dann Probleme (Morgentief). Bei einer seltenen Krankheitsvariante verhält es sich umgekehrt: Es tritt ein sogenanntes „Abendtief“ auf, d. h. die Symptome verstärken sich gegen Abend und das Einschlafen ist erschwert oder erst gegen Morgen möglich.

Depressive Erkrankungen gehen mit körperlichen Symptomen einher, sogenannten Vitalstörungen, wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme („Kummerspeck“), häufig auch mit Schmerzen in ganz unterschiedlichen Körperregionen, am typischsten mit einem quälenden Druckgefühl auf der Brust.

Während einer depressiven Episode ist die Infektionsanfälligkeit erhöht.

Je nach Schwere einer Depression kann sie mit latenter oder akuter Suizidalität einhergehen. Es wird vermutet, dass der größte Teil der jährlich zirka 12.000 Suizide in Deutschland auf Depressionen zurückzuführen ist.

Kinder und Jugendliche

Im Entwicklungsverlauf zeigt sich eine Depression in unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungen, die grob in verschiedene Phasen zu unterscheiden sind. Ein Kleinkind im Alter von 1–3 Jahren, hat noch nicht die Fähigkeit, sich differenziert zu seinem Befinden zu äußern. Eine Depression erkennt man bei ihm an einem ausdruckslosen Gesicht, erhöhter Irritabilität, und einem gestörten Essverhalten. Das Kind wirkt insgesamt traurig und entwickelt ein selbststimulierendes Verhalten. Besonders auffälliges selbststimulierendes Verhalten ist der Jactatio capitis und exzessives Daumenlutschen. Auch kann es mit genitaler Manipulation beginnen. Das Spielverhalten zeichnet sich durch mangelnde Kreativität sowie und verminderte Ausdauer aus oder es kann eine generelle Spielunlust und eine generell mangelnde Phantasie entwickeln.

Vorschulkinder zeigen ein trauriges Gesicht, mit verminderter Mimik und Gestik. Sie sind leicht irritierbar und stimmungslabil. Sie können sich nicht freuen, und zeigen introvertiertes oder aggressives Verhalten. Sie sind weniger an motorischer Aktivität interessiert und können stark ab- oder zunehmen. Auch können sie eine Schlafstörung entwickeln. Sie können dann nicht ein- oder durchschlafen oder haben Alpträume.

Schulkinder können meist schon verbal über ihre Traurigkeit berichten. Zusätzlich können sie Suizidgedanken entwickeln und Schulleistungsstörungen entwickeln. Auch können sie Befürchtungen entwickeln, von ihren Eltern nicht genügend beachtet zu werden.

Jugendliche in der Pubertät zeigen häufig ein vermindertes Selbstvertrauen, sind apathisch, haben Ängste und Konzentrationsmängel. Auch Jugendliche können Leistungsstörungen entwickeln und zirkadiane Schwankungen des Befindens zeigen. Auch psychosomatische Störungen können hier Anzeichen für eine Depression sein. Jugendliche zeigen hierbei schon die Kriterien der depressiven Episode, wie sie bei Erwachsenen zu erkennen sind.


Weiter unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Depression

Edi

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Depression? Ich doch nicht! Oder doch?
« Antwort #1 am: 14. Juli 2008, 19:46 »

Habe ich eine Depression?  Fragebogen!


Bitte lesen Sie die folgenden Fragen sorgfältig durch. Je nach Ihrer überwiegenden Befindlichkeit in den vergangenen Wochen kreuzen Sie bitte "ja" oder "nein" an.

Summe der Ja-Antworten:
Auswertung: Zählen Sie alle Ja-Antworten zusammen. Bei mehr als vier Antworten mit Ja leiden Sie wahrscheinlich unter einer typischen Depression. Bitte bedenken Sie jedoch, dass die Auswertung des Fragebogens noch keine eindeutige Diagnose ist, diese kann nur ein psychologisch ausgebildeter Therapeut oder Arzt stellen.
Quelle: Entwickelt vom Max‐Planck‐Institut für Psychiatrie, München.

http://www.medical-tribune.at/mm/mm007/DepressionScreening.pdf

Jutta

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Psychotherapie: Die Behandlung komplexer Störungen braucht Zeit
« Antwort #2 am: 09. Oktober 2008, 20:27 »

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Gießen – Eine psychodynamische Langzeittherapie über mindestens ein Jahr oder über mindestens 50 Sitzungen ist bei Patienten mit komplexen psychischen Störungen nicht nur wirksam, sondern einer kürzeren Therapie signifikant überlegen.

Das ergibt eine Metaanalyse von Falk Leichsenring, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Gießen, und Sven Rabung, Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Wissenschaftler publizierten ihre Ergebnisse im Journal of the American Medical Association JAMA (2008; 300: 1551 – 1565).

Die psychodynamische Therapie fokussiert auf die intrapsychischen und interpersonellen Konflikte der Patienten. Diese Konflikte und Beeinträchtigungen werden in der Therapie durchgearbeitet. Die Therapeut-Patient-Beziehung hat dabei eine besondere Bedeutung.

Leichsenring und Rabung gingen vor allem auch der Frage nach, ob sich die Langzeittherapie bei komplexen psychischen Störungen gegenüber kürzeren Formen der Psychotherapie als überlegen erweisen würde. Komplexe Störungen definierten sie als chronifizierte psychische Störungen mit einer Krankheitsdauer von über einem Jahr, multiplen psychischen Störungen oder als Persönlichkeitsstörungen.

Die beiden Wissenschaftler bezogen 23 hochwertige Studien in die Meta- Analyse ein (elf randomisiert-kontrollierte Studien und zwölf Beobachtungsstudien), welche 1.053 Patienten, die mit der psychodynamischen Langzeittherapie behandelt wurden, einschlossen. Nach den Ergebnissen von Leichsenring und Rabung war LTPP den kürzeren Formen der Psychotherapie  im direkten Vergleich signifikant überlegen. Dies gilt für die generelle Wirksamkeit, für die Zielprobleme der Patienten sowie für Persönlichkeitsveränderungen.

Im Hinblick auf die generelle Wirksamkeit von LTPP kommt die Meta-Analyse zu dem zentralen Ergebnis, dass es Patienten mit komplexen psychischen Störungen nach der Behandlung mit psychodynamischen Langzeittherapie im Durchschnitt besser geht als 96 Prozent der Patienten in den Vergleichsgruppen, die kürzere Therapien erhalten hatten.

© hil/aerzteblatt.de


Evi

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Verunsicherte Wienere PsychiatriepatientInnen?
« Antwort #3 am: 09. Oktober 2008, 20:53 »
Wiener PatientInnenanwalt Brustbauer lädt verunsicherte PsychiatriepatientInnen in die PatientInnenanwaltschaft ein.

Wien (OTS) - Psychische Krankheiten gelten leider immer noch oft
als Tabu. Viele sprechen nicht gern darüber, besonders, wenn sie
selbst betroffen sind, sei es als PatientIn oder als Angehörige/-r.

Umso wichtiger ist es, eine weitere Entstigmatisierung psychischer
Krankheiten herbeizuführen und Verunsicherungen Betroffener hintan zu
halten. "Wenn jedoch jemand den Eindruck hat, nicht gut behandelt
worden zu sein oder sogar Schaden während einer oder durch eine
Behandlung genommen zu haben, dann sind mein Team und ich die
richtigen AnsprechpartnerInnen", teilt PatientInnenanwalt Konrad
Brustbauer anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit mit.

Die unabhängige Wiener Pflege-, Patientinnen- und
Patientenanwaltschaft hat das gesetzlich verbriefte Recht, im
Beschwerdefall Auskünfte bei den zuständigen Stellen einzuholen, die
wiederum verpflichtet sind, diese zu erteilen. "Das unterscheidet uns
von anderen, etwa sonstigen Interessensvertretungen, denen
Einzelfallauskünfte in der Regel nicht erteilt werden", führt
Brustbauer aus und hebt hervor, dass dennoch die Daten vertraulich
behandelt werden. "Das ist den PatientInnen das Wichtigste und das
ist zu respektieren", ist sich Brustbauer sicher. "Nach einem Besuch
bei der PatientInnenanwaltschaft braucht niemand zu fürchten, sein
Bild oder seinen Namen deshalb im Fernsehen oder in der Zeitung zu
sehen" führt Brustbauer dazu aus.

Der PatientInnenanwalt nimmt daher den Welttag für psychische
Gesundheit zum Anlass, besonders auch Menschen mit psychischen
Problemen aufzurufen sich an die Wiener Pflege- und
PatientInnenanwaltschaft zu wenden, wenn sie den Eindruck haben, dass
sie menschlich, pflegerisch, medizinsch oder psychiatrisch nicht gut
behandelt wurden oder werden.

Die Wiener Pflege-, Patientinnen- und Patientenanwaltschaft ist unter
Tel 5871204 werktags, Mo.-Fr. von 8-16 Uhr erreichbar. Adresse: Wien
4., Schönbrunner Straße 7; E-Mail: post@wpa.wien.at (Schluss) neu

Evi

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Depression - Tag der Seelischen Gesundheit nur auf dem Papier?
« Antwort #4 am: 09. Oktober 2008, 20:55 »

   Wien (OTS) - Seit 1992 ist der 10. Oktober der Internationale Tag
der Seelischen Gesundheit. Der Österreichische Bundesverband für
Psychotherapie - ÖBVP nimmt diesen Tag zum Anlass, um mit Nachdruck
auf die immer noch bestehenden Versorgungsprobleme der
österreichischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.

   Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten darf die Politik in
diesem Bereich nicht untätig bleiben. Die Auswirkungen von drohendem
Arbeitsplatzverlust, Existenzängsten und den seelischen Belastungen
durch Arbeitslosigkeit sind bekannt. Prognostiziert wird, dass der
Bedarf an Psychotherapie in den nächsten Jahren enorm steigen wird.
Die bestehenden Bedingungen sind unhaltbar, für die Zukunft ist nicht
gesorgt. Dies ist gerade in dem Land, in dem Psychotherapie als
erwiesenermaßen effektive Behandlungsmethode erfunden worden ist,
mehr als beschämend!

Die gravierenden aktuellen Versorgungsprobleme:

 - Etwa die Hälfte der PatientInnen, die derzeit Psychotherapie in
   Anspruch nehmen, erbringen hohe Eigenleistungen, weil die Kassen
   den nicht valorisierten Zuschuss zur psychotherapeutischen
   Behandlung seit 1992  bei Euro 21,80 eingefroren halten.
 - Die Kostenerstattung (Erstattung von 80 % des Kassentarifs), wie
   sie im ASVG für die Psychotherapie vorgesehen ist, wird mit der
   Refundierungsregelung umgangen. Viele Psychotherapiebedürftige
   können sich Psychotherapie deshalb nicht leisten.
 - Die Kontingentmodelle für die Sachleistungsvorsorge
   ("Psychotherapie auf Krankenschein") erbringen allerorts
   Wartezeiten von durchschnittlich 1,5 Jahren.
 - Der Zugang zur Psychotherapie ist für die PatientInnen
   undurchsichtig, weil in jedem Bundesland eine eigene Regelung
   besteht.

   Der ÖBVP tritt daher mit einem 6-Punkte-Programm an die kommende
Regierung heran, um den Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu
sein und den internationalen Anschluss nicht zu verlieren.

1. Etablierung der gesetzlichen Berufsvertretung der
PsychotherapeutInnen

   Der bereits vorliegende Gesetzesentwurf fur die gesetzliche
Berufsvertretung der PsychotherapeutInnen (öffentlich-rechtliche
Interessenvertretung in Selbstverwaltung) soll umgehend verabschiedet
werden. Mit der Schaffung einer gesetzlichen Berufsvertretung werden
die Gleichstellung mit den anderen freien Berufen und die Schaffung
eines psychotherapeutischen Disziplinar- und Schlichtungsrechts als
wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung verbunden. Auch die durch
die Schaffung einer gesetzlichen Berufsvertretung verbundenen
Verwaltungseinsparungen auf Seiten des Bundes durch die Übernahme der
Vollzugsaufgaben werden begrüßt.

2. Bundesweit einheitliche Vertragsregelung (Best-Practice-Modell
   des ÖBVP)

   Die psychotherapeutische Versorgung soll stufenweise ausgebaut
werden. Die Kostenerstattung für psychotherapeutische Leistungen soll
eingeführt und die Sachleistungsvorsorge wesentlich verbessert
werden. Ziel ist es, den Zugang zur psychotherapeutischen Behandlung
für die PatientInnen durch ein bundesweit einheitliches und
transparentes System zu erleichtert. Die Sozialversicherungsträger
werden aufgefordert, das vom ÖBVP vorgelegte Best-Practice-Modell für
eine bundesweit einheitliche Vertragsregelung mit dem ÖBVP zu
verhandeln und es im Hinblick auf die Sicherung einer treffsicheren,
strukturierten und bedarfsgerechten Versorgung zu prüfen.

3. Sofortige Erhöhung des Kostenzuschusses

   Bis zum Abschluss einer bundesweit einheitlichen Vertragsregelung
wird der seit 1992 nicht valorisierte Kostenzuschuss von 21,80 Euro
auf zumindest 30,- Euro pro Behandlungsstunde erhöht und künftig dem
Verbraucherpreisindex angepasst. 

4. Bereitstellung finanzieller Mittel für die psychotherapeutische
   Versorgung in der Höhe von zumindest 40 Mio. Euro

  Die flächendeckende psychotherapeutische Versorgung erfordert
zumindest 200 Mio. Euro (Ausgaben für die Psychotherapie derzeit bei
optimistischer Betrachtung maximal 44 Mio. Euro). Die Vollversorgung
soll stufenweise um jährlich zumindest 20 Mio. Euro ausgebaut werden.
Zur Sicherung einer Grundversorgung und Einführung des vorgelegten
Vertragsmodells werden aktuell 40 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. 

5. Kontinuierliche Evaluierung der psychotherapeutischen
   Behandlungsleistung durch öffentliche Einrichtungen

   Die laufende Systembeobachtung durch geeignetes Benchmarking soll
die kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung ermöglichen.
Die institutionelle Unterstützung der Qualitätssicherung wird in
einem Institut für Qualitätssicherung und Effizienz in Auftrag
gegeben.

6. Ausbildungsplätze für die PsychotherapeutInnen in Ausbildung

   Ein Konzept für den Ausbau von Planstellen für
PsychotherapeutInnen in Ausbildung wird erstellt,
psychotherapeutische Lehrpraxen werden unterstützt. Die
Verrechnungs-möglichkeiten der Leistungen von KandidatInnen in
Ausbildung unter Supervision werden befürwortet.

Rückfragehinweis:

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP)
   www.psychotherapie.at
   1030 Wien, Löwengasse 3/5/6
   T +43 1 512 70 90  0
   F +43 1 512 70 90  44
   M oebvp@psychotherapie.at 

Dietmar E.

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Depressionen: Raus aus der Spirale
« Antwort #5 am: 30. März 2009, 21:34 »

Niedergeschlagen sein, traurig, unglücklich - all das beschreibt nur unzureichend die quälende Energielosigkeit, unter der depressive Menschen leiden. Die kleinste Anforderung wird für Betroffene zur Schwerstarbeit. Depressionen sind eine ernstzunehmende Volkskrankheit. Sie gilt als die häufigste seelische Erkrankung überhaupt. Trotz der erschreckenden Zahlen gehören Depressionen nach wie vor zu den am meisten unterschätzten Krankheiten. Dabei sind sie in vielen Fällen gut behandelbar.

Mit den folgenden Beiträgen haben wir das Thema näher beleuchtet:

   * Depressionen: zutiefst erschöpft
     http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/0309/01_depressionen_zutiefst_erschoepft.jsp

   * Depressionen: auch die Angehörigen leiden
     http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/0309/02_depressionen_angehoerige.jsp

   * Depressionen: Raus aus der Spirale
     http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/0309/03_depressionen_raus_aus_der_spirale.jsp

   * Psychopharmaka
     http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/0309/04_psychopharmaka.jsp

   * Laufen gegen Depressionen
     http://www.wdr.de/tv/servicezeit/gesundheit/sendungsbeitraege/2009/0309/05_laufen_gegen_depressionen.jsp
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Tanja

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Frauen nehmen Hilfe bei Depression, und Männer?
« Antwort #6 am: 29. August 2012, 14:27 »

Umfrage: Frauen nehmen häufiger psychologische Hilfe in Anspruch

Dienstag, 28. August 2012

Baierbrunn – Deutlich mehr Frauen als Männer waren einer Umfrage zufolge schon einmal in psychotherapeutischer Behandlung. Über dem Bevölkerungsdurchschnitt liegen außerdem jene Menschen beider Geschlechter, die zwischen 50 und 59 Jahre alt sind, sowie jene, die einen Partner verloren haben, wie eine heute veröffentlichte Erhebung der GfK Marktforschung Nürnberg ergeben hat. Im Auftrag des Internet-Gesundheitsportals www.apotheken-umschau.de wurden 2.129 Personen ab 14 Jahren interviewt.

Danach erklärten 18,7 Prozent der Befragten, dass sie sich schon einmal psychologisch hätten beraten lassen. Bei den Frauen sagten dies immerhin 23,9 Prozent (Männer 13,2 Prozent), von den 50- bis 59-Jährigen 26,1 Prozent sowie 28,3 Prozent der verwitweten, geschiedenen oder von ihren Partner getrennt Lebenden.

Ähnlich seien die Ergebnisse bei der Psychotherapie gewesen, heißt es in der Mitteilung weiter. 9,9 Prozent der Befragten gaben an, eine solche bereits gemacht zu haben. Bei den Frauen lag der Anteil bei 12,8 Prozent, bei ohne ihren Partner Lebenden bei 15,4 Prozent und bei den 50- bis 59-Jährigen bei 15,3 Prozent ...........

Und Kommentar ....

Nichts Verwunderliches! - Männer weinen nicht!
Auch heutzutage bekommen kleine Jungs eingeschärft, dass sie ein ihrer Geschlechtsidentität entsprechendes Verhalten zeigen müssen: Jungs weinen nicht! Und Männer erst Recht nicht!

Die beiden stärksten Beleidigungen gegenüber Jungen und Männern sind die Worte „Schwul” und „Opfer”. In beiden Fällen liegt der Beschämung und der Entwertung zu Grunde, dass mit diesen Worten auch eine schwache Haltung beschrieben sei, die eben nicht die geschlechtsspezifischen Erwartungen des gesellschaftlichen Umfelds erfüllt.

Ich habe einige Monate in einer psychosomatischen Klinik zugebracht. In der Akut-Abteilung mit vorwiegend depressiven Patienten gab es noch einen Männeranteil von 20% bis 25%. Hier saßen Männer, die wirklich im Zusammenbruch waren und gekämpft hatten bis zum Letzten! Vorher waren sie nicht bereit, Hilfe anzunehmen! Allerdings liegt meist einer Depression eine tiefere Ursache zu Grunde. Die ist dann Gegenstand ambulanter Therapie oder wird bei heftigeren Problematiken ein Thema eines zweiten stationären Aufenthalts. In der Abteilung zur Bearbeitung struktureller Störungsbilder dieser Klinik waren folgerichtig nur noch unter 3% bis 5% Männer zu finden.

Ich nehme an, dass die meisten Männer nach Verlassen der Akutabteilung aus purer Existenzangst schleunigst wieder an ihre Arbeitsplätze zurück gekehrt sind! Bei den Patientinnen der anderen Abteilung war der Anteil von nicht erwerbstätigen Frauen fast bei 50%. Während also ihre Männer weiter das Geld verdienten, konnten Frauen unter deren Schutz die nötige Hilfe in Anspruch nehmen.
Die umgekehrte Situation ist ziemlich selten! (Und ehe mir wieder etwas unterstellt wird: Nein, ich bin nicht frauenfeindlich oder neide den Frauen die Inanspruchnahme von Therapie. Ich beschreibe nur, was ich erlebt habe.) Da aber Angst und Unsicherheit in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben und die kommenden Auswirkungen der Spekulation und Korruption in Hochfinanz und Politik auf uns zukommen werden, sehe ich eine Verschärfung dieser Situation. Ich befürchte, dass künftig noch mehr Männer zusammen brechen werden, weil sie aus Angst nicht rechtzeitig genug Hilfe in Anspruch genommen haben.
Übrigens war auch ich damals einer dieser Männer: Statt der alten Indianer-Weisheit zu folgen: „Wenn dein Pferd tot ist, steig ab!” habe ich weiter gekämpft bis in BurnOut und Depression.

Als Abhilfe rate ich, alle Anstrengungen in die Prävention und gesundheitliche Aufklärung zu legen. Zudem wünsche ich mir, dass Psychotherapeuten nicht länger so tun, als müssten sie keinesfalls in systemisch-therapeutischem Sinne sich mit den Haupt-Ursachen für psychische Probleme auseinander setzen und zu Gunsten ihrer Patienten Partei ergreifen. Es wird Zeit, dass auch im Rahmen von Psychotherapie die psychosozialen Strukturen berücksichtigt werden, die die Menschen erkranken lassen oder gar deren Erkrankung billigend in Kauf nimmt, um des Profits wegen! Hier brauchen wir klare Kritik und mehr öffentliche Stellungnahmen der Psychotherapeuten und klare Parteinahme zu Gunsten ihrer Patienten statt eines „Abstinenzgebot”.

Clemens M. Hürten - Lebenslust jetzt! - Rottweil

........... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51421
« Letzte Änderung: 21. Februar 2013, 14:05 von Edi »

Edi

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Was heißt „psychisch krank“?
« Antwort #7 am: 21. Februar 2013, 14:06 »



Presseaussendung

Was heißt „psychisch krank“?

Im Rahmen eines von Lundbeck Austria veranstalteten Presseforums gingen ExpertInnen der Frage nach, was psychische Erkrankungen für den Einzelnen sowie die Gesellschaft bedeuten und wie sich die Versorgungssituation in Österreich darstellt.

„‚Psychisch krank‘ bezeichnet eine grundlegende Veränderung des Denkens, Fühlens oder Wollens eines Menschen, welche in der Regel von der Umgebung und vom Individuum selbst als sozial einschränkend empfunden wird. „‚Psychisch krank‘ ist genauso wie ‚körperlich krank‘ nur durch Definition von ‚psychisch gesund‘ und ‚körperlich gesund‘ abgrenzbar“, so Univ.-Prof.in DDr.in Gabriele Sachs am ersten Lundbeck Presseforum Psychiatrie. Bei Bluthochdruck zum Beispiel sei es eindeutig, dass 120/80 „gesund“ und 220/140 „krank“ ist. Dazwischen aber gäbe es ein Kontinuum, in dem jeder Wert möglich ist, erläuterte die ärztliche Direktorin der Oberösterreichischen Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg. „Möchte man eine Schwelle konstruieren, welche ‚gesund‘ und ‚krank‘ unterscheidet, so ist diese künstlich und unterliegt wechselnden Definitionen. Psychische Störungen sind in der Regel ebenfalls so einzustufen: Eine schwerste Depression ist erkennbar ‚krank‘; die Schwelle allerdings zwischen einer sehr leichten, aber noch ‚kranken‘ Depression und einer ‚gesunden‘ Verstimmung ist genauso künstlich und definitionsabhängig wie beim Bluthochdruck“, so Sachs.

Psychische Erkrankungen sind ebenso Erkrankungen wie physische


Dass psychische Erkrankungen ebenso als Erkrankungen anzusehen seien wie körperliche, betonte Prim. Dr. Georg Psota, Chefarzt des Kuratoriums für psychosoziale Dienste in Wien. „Psychische Erkrankungen haben folgende gemeinsame Merkmale: Die Entstehungsgeschichte ist individuell vielfältig und hängt von einer Reihe innerer sowie äußerer Faktoren und deren Interaktion ab: Das Auftreten kann schleichend oder akut sein, der Verlauf episodisch, rezidivierend oder auch chronisch. Der Schweregrad ist leicht, mittel bis schwer. Psychische Erkrankungen sind relativ häufig, können alle Lebensalter betreffen und haben in den beiden Geschlechtern gewisse Betonungen. Psychische Erkrankungen sind sehr unterschiedlich, keine homogene Gruppe und haben vielfältige Auswirkungen. Das alles unterscheidet psychische Erkrankungen überhaupt nicht von den sogenannten ‚körperlichen‘ Erkrankungen.“ Trotz all dieser unübersehbaren Gemeinsamkeiten sei es aus diversen Entwicklungen heraus zu großen Divergenzen im allgemeinen Verständnis von „psychisch krank“ versus „körperlich krank“ gekommen.
Diskriminierung beruht oft auf Unwissen
„Mit dieser irreführenden Unterscheidung eng verbunden ist ein seltsamer Makel, der dem Begriff ‚psychisch krank‘ anhängt, eine Reihe von Antizipationen und wenig Wissen über Fakten, eine der Differenzierung entgegengesetzte Verallgemeinerung und auch eine abwertende Sprache über Betroffene, Angehörige und auch professionelle Helfer. Und – man muss es erwähnen – zumindest teilweise auch eine dementsprechende Berichterstattung“, so Psota weiter. All dies macht den Betroffenen einen offenen Umgang mit der Erkrankung überaus schwierig.

Psychische Erkrankungen nehmen in Mitteleuropa stark zu

Während in nicht oder weniger industrialisierten Regionen der Welt Infektionskrankheiten, Unfälle oder körperliche Kriegsfolgen an der Spitze der Burden of Disease-Werte (= Krankheitslast) liegen, gibt es in Ländern wie Österreich einen zunehmenden Bedeutungsschwenk hin zu psychischen Erkrankungen. Laut WHO-Prognose für 2030 für Industriestaaten wird die Unipolare Depressive Erkrankung an erster Stelle vor Kardiovaskulären stehen. An dritter Stelle werden Alzheimer und andere Formen der Demenz folgen. Die Daten zur Frühpensionierung zeigten diese Entwicklung bereits ganz eindeutig, meinte Psota, über 50 % der Frühpensionsfälle gingen bereits auf das Konto psychischer Krankheitsursachen.

Krankenstand wird häufig durch psychische Erkrankungen verursacht

Psychische Erkrankungen gehörten schon jetzt in Europa zu den am häufigsten auftretenden Diagnosen, besonders im erwerbsfähigen Alter, so der Gesundheitsökonom Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Zentrum für Public Health der MedUni Wien: „Besonders bedeutend sind in diesem Zusammenhang affektive Erkrankungen, zu denen auch die Depression gehört, mit 10-20%, Angsterkrankungen mit 14-25%, Anpassungsstörungen, einschließlich dem sogenannten „Burn Out“, mit 20-50% und Suchterkrankungen mit einer Prävalenz von 15-27%.“
Auch in Bezug auf Krankenstandstage sind psychische Leiden ein wichtiger Faktor. Schwarz: „Die durchschnittliche Krankenstandsdauer auf Grund psychischer Erkrankungen liegt mit 40 Tagen deutlich über dem Durchschnitt von elf Tagen. Der wichtigste wirtschaftliche Faktor ist aber der Präsentismus, also die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz eingeschränkter Gesundheit bzw. Erkrankung. Die Produktivitätsverluste durch Präsentismus betragen laut verschiedener internationaler Studien das 4-5fache der durch Krankenstände verursachten.“ Keine Frage also, dass psychische Erkrankungen massive wirtschaftliche Auswirkungen haben. Schwarz: „Für Europa wurden die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Depressionen auf knapp €120 Mrd. geschätzt; davon entfallen etwas mehr als ein Drittel auf direkte Behandlungskosten und knapp zwei Drittel auf Produktivitätsverluste.“

Umdenken dringend notwendig

Psychische Erkrankungen werden zunehmen, so viel stehe aus heutiger Sicht fest. Es sei also höchst an der Zeit, dass wir diesen Paradigmenwechsel in der Bedeutung von Erkrankungen wahrnehmen, verstehen und begreifen – und dementsprechend handeln, meinte Psota. Sachs richtet unter anderem das Augenmerk auf die Wichtigkeit der Kombination von Psychopharmaka und Psychotherapie und hier auf die Therapiemethode der störungsspezifischen Psychotherapie. Und Gesundheitsökonom Schwarz forderte zum Abschluss des ersten Lundbeck Presseforum Psychatrie: „Zur Verbesserung der Betreuungssituation und Milderung der Konsequenzen sind umfassende Maßnahmen nötig, die alle Lebenssphären betreffen. Dazu zählen Maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen, im betrieblichen Umfeld und in der Altenversorgung.“ Von ganz essenzieller Bedeutung sei aber vor allem die Entstigmatisierung psychischer Leiden. Und dazu gehören sowohl ein höherer Wissenstand zum Thema psychische Erkrankungen in der Bevölkerung, das Bewusstsein, dass psychische Erkrankungen genauso zu werten sind wie somatische und ein sensiblerer Umgang mit der Thematik in den Medien.

Lundbeck Presseforum Psychiatrie
Das Lundbeck Presseforum Psychiatrie wendet sich an JournalistInnen der Fach- und Publikumspresse. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe werden relevante Themen aus dem Bereich der psychischen Erkrankungen aufgegriffen und umfassend beleuchtet. Lundbeck ist ein dänischer Pharmakonzern, der sich auf das Gebiet der Psychiatrie spezialisiert hat.

Kontakt für JournalistInnen-Rückfragen
Barbara Urban und Mag. Harald Schenk
Urban & Schenk medical media consulting
0664/41 69 4 59 (Urban)
0664/160 75 99 (Schenk)
barbara.urban@medical-media-consulting.at
harald.schenk@medical-media-consulting.at


Statements der ReferentInnen, Präsentationen und Fotos zum Download unter:
www.medical-media-consulting.at/pressroom



Harald Schenk
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Urban & Schenk medical media consulting

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1050 Wien
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Tel. + Fax: ++43 1 2083864
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Josef

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Psychiatrische Störungen: Was ist normal?
« Antwort #8 am: 17. März 2014, 00:15 »
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Psychiatrische Störungen: Was ist normal?

15.3.2014, 12:04
 

Was ist normal, was verrückt? Und wer bestimmt darüber? Die Kriterien, nach denen psychologische und psychiatrische Störungen diagnostiziert werden, bleiben höchst umstritten. Die Grenzen zwischen gesundem und krankhaftem Verhalten sind fließend, oft kommt es schlicht auf den Kontext an – und manchmal leider auch auf den Zufall.

Von Tina Goebel, Sebastian ­Hofer und Salomea Krobath

Im Nachhinein betrachtet war es wohl eine Art Burnout oder Lebenskrise. Es kam viel zusammen, im Job und privat, aber Marion K. wollte weiter funktionieren. Sie entschied sich für eine psychiatrische Behandlung. Als die Kärntnerin im vergangenen Juni trotz angstlösender Medikamente eine Panikattacke erlitt, nahm sie aus Frustration eine zusätzliche Tablette und spülte diese mit Alkohol hinunter. Einer Freundin erzählte K., sie wisse nicht mehr weiter und würde „am liebsten ausbluten“. Die Freundin alarmierte einen Arzt. Dann geriet der Fall K. aus dem Ruder.

„Krankheitsuneinsichtige Patientin“
Eine Ärztin erkundigte sich, ob K. freiwillig zur Behandlung bleiben wolle. Die noch immer berauschte Frau bestand darauf, nach Hause zu ihren beiden Kindern zu wollen. Diesen Wunsch bereut K. bis heute. Als „krankheitsuneinsichtige Patientin“ wurde Marion K. im Fixationsbett auf die geschlossene Abteilung überstellt – und musste in der Folge feststellen, dass der Weg hinaus verbaut war. Durch regelmäßige Medikamentenverabreichung blieb sie in einem ständigen Dämmerzustand. Ihre Traurigkeit wurde als Instabilität interpretiert, patziges Verhalten gegenüber den Pflegerinnen als Anpassungsstörung – und der Wunsch, nach Hause zu gehen, als Krankheitsuneinsichtigkeit. „Wenn man drinnen ist, ist man in der Schiene. Keiner schaut einen mehr von einer anderen Seite an“, sagt sie heute. Erst nach acht Tagen in der geschlossenen Anstalt konnte K.s Psychiater ihre Verlegung auf eine offene Station und schließlich ihre Entlassung durchsetzen. Bis heute laboriert K. an der traumatischen Episode.

Was ist "normal"?
Der Fall berührt eine alte Grundangst des Menschen: urplötzlich verrückt zu werden oder, noch schlimmer: für verrückt erklärt zu werden. Die Angst ist nicht immer ganz unberechtigt. Die Grenze zwischen psychischer Gesundheit und Störung verläuft unscharf. Auf welcher Seite man landet, wird auch von Umständen und Zufällen bestimmt. Marion K. ist fraglos ein Ausnahmefall. „Die Gefahr, mit einer falschen Diagnose in eine psychiatrische Krankenhausabteilung eingewiesen zu werden, ist extrem gering“, sagt Johannes Wancata, Leiter der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Uniklinik Wien. „Irren kann man sich grundsätzlich bei jeder Diagnose, so wie sich auch der Hausarzt irren kann. Aber es passiert sehr selten. Zudem werden Diagnosen bei Unterbringungen innerhalb kürzester Zeit auch von Gerichtsgutachtern überprüft. Dabei kommt es kaum je zu Abweichungen von der Erstdiagnose.“

Zweifellos herrscht in der modernen Psychiatrie keine fahrlässige Willkür, und unbestritten sind die dunklen Zeiten der freihändigen psychiatrischen Zwangseinweisung lange vorbei. Unbestritten bleibt aber auch die Tatsache, dass eine gewisse Uneindeutigkeit zum Wesen des Fachs gehört. Germain Weber, Dekan der Fakultät für Psychologie an der Uni Wien: „Psychologie und Psychiatrie verwenden zwar naturwissenschaftliche Methoden, können deshalb aber noch nicht mit den exakten Naturwissenschaften gleichgesetzt werden. Ihre Befunde sind zu einem gewissen Grad immer auch gesellschaftlich geprägt.“ Sprich: Was eine Gesellschaft für normal hält, bleibt verhandelbar, Störungen sind relativ. Im engeren Sinn der psychiatrischen Diagnostik liegt es in der Verantwortung des einzelnen Arztes oder Gutachters, die Symptome seiner Patienten zu deuten. Es gibt keinen Labortest für Bindungsstörungen, kein Depressionsmessgerät.

Diese Ungewissheit überschattet freilich nicht nur Extremfälle wie jenen von Marion K. Auch diesseits der geschlossenen Anstalt werden psychische Störungen zu einer wachsenden Belastung und einige Fragen damit immer virulenter: Steckt wirklich hinter jeder Burnout-Diagnose eine Erschöpfungsdepression? Muss jedes Kind mit ADHS-Symptomen auch pharmakologisch behandelt werden? Und, noch grundlegender: Werden ungewöhnliche, nicht-alltägliche Verhaltensweisen und Charakterzüge sogar unnötig pathologisiert? Wenn ja: von wem? Wer zieht die Grenze?

Der Hamburger Medizinphilosoph Thomas Schramme beschäftigt sich seit Jahren mit diesen Fragen. Er meint: „Ganz pragmatisch lässt sich sagen, dass die solidarisch finanzierte Behandlung einer Erkrankung nur nach einer Diagnose möglich ist. Die Diagnose ist die Eintrittskarte, und zweifellos sollen Menschen, die leiden, mit solidarischer Hilfe rechnen können. Die Frage bleibt, ob diese Hilfe eine medizinische sein muss ...

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Stigmatisierung psychisch Kranker nimmt zu
« Antwort #9 am: 17. März 2014, 00:19 »



Stigmatisierung psychisch Kranker nimmt zu

Mittwoch, 12. März 2014
dpa

Greifswald/Leipzig – Die Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen nimmt allen Aufklärungskampagnen zum Trotz eher zu als ab. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie einer Arbeitsgruppe um Georg Schomerus von der Universitätsmedizin Greifs­wald. Sie hat ihre Ergebnisse im British Journal of Psychiatry veröffentlicht (doi:10.1192/bjp.bp.112.122978).

Weitere Studien zu Stigmatisierung fordert der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP). Die Greifswald-Leipziger Studienergebnisse stünden zum Teil im Widerspruch zu früheren Ergebnissen der Anti-Stigma-Forschung, sagte die BVDP-Vorsitzende Christa Roth-Sackenheim gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.
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Die Wissenschaftler haben im Jahr 2011 rund 3.600 Menschen bundesweit in persön­lichen Interviews ausführlich zu ihrer Einstellung zu den Krankheitsbildern Schizophrenie, Depression und Alkoholismus befragt. Während die Bereitschaft, mit Betroffenen in Kon­takt zu treten in Bezug auf Depression und Alkoholabhängigkeit unverändert geblieben ist, hat sich das Verhältnis zu Menschen mit Schizophrenie im Vergleich zu 1990 deutlich verschlechtert.

„Das Besondere ist, dass wir die Einstellungsentwicklungen zu psychisch Kranken seit 1990 sehr gut nachverfolgen können, weil wir Vergleichsdaten aus den Jahren 1990, 1993 und 2001 haben“, sagte Schomerus. Dazu lägen Studien des Leipziger Wissen­schaftlers Matthias Angermeyer vor, der auch an der aktuellen Studie beteiligt war.

Was die Stigmatisierung der Betroffenen angeht, zeigten sich unterschiedliche Entwick­lungen. Für Betroffene mit einer Depression konnten die Wissenschaftler geringfügige positive Veränderungen beobachten: Die Menschen äußerten 2011 etwas mehr Mitleid und Hilfsbereitschaft und etwas weniger Befangenheit als 1990, gleichzeitig aber auch mehr Ärger über den Betroffenen. Das Bedürfnis nach sozialer Distanz, also die Bereit­schaft, mit einem Betroffenen in alltäglichen Situationen umzugehen, blieb weitgehend unverändert.

zum Thema

    Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Greifswald
    Abstract der Studie im British Journal of Psychiatry

Eine eindeutig negative Entwicklung zeigte sich dagegen für die Schizophrenie: Hier nahm die Furcht vor den Betroffenen zu, während positive Reaktionen wie Mitleid und Hilfsbereitschaft abnahmen. Vor allem aber stieg das Bedürfnis nach sozialer Distanz deutlich: Während es 1990 20 Prozent ablehnten, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten, waren es 2011 schon 31 Prozent.

Der Anteil derjenigen, die es ablehnten, jemand mit einer Schizophrenie einem Freund vorzustellen, stieg von 39 Prozent auf 53 Prozent. Insgesamt haben die Forscher den Befragten im Interview sieben verschiedene hypothetische Situationen vorgestellt, und in allen Situationen stieg die Ablehnungsquote. „Gerade der Kontrast zum Krankheitsbild Depression macht deutlich, dass speziell die Einstellungen zu Menschen mit Schizo­phrenie in den letzten zwanzig Jahren negativer geworden sind“, so das Fazit der Wissenschaftler.

Die stärkste Ablehnung unter den drei Krankheitsbildern erfahren nach wie vor Men­schen mit einer Alkoholabhängigkeit. Die ... http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57914
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