Autor Thema: Morbus Crohn Darmkrankheit durch kranke Rinder?  (Gelesen 3598 mal)

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Tanja

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Morbus Crohn Darmkrankheit durch kranke Rinder?
« am: 19. Januar 2012, 00:34 »


Morbus Crohn

Darmkrankheit durch kranke Rinder?
 

Veterinär untersucht Rinder; Bild: Imago Bild vergrößern Bildunterschrift: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Paratuberkulose und Morbus Crohn? ]
(© WDR) von Petra Storch

Als der Tierarzt Dr. Heinrich Dahmen im Jahr 2000 plötzlich an Morbus Crohn erkrankte, erinnerte er sich an alte Studienzeiten: „Ich wusste von meinem Studium her, dass da auch mal ein Zusammenhang diskutiert wurde zwischen Paratuberkulose und Morbus Crohn.“ Könnte es also sein, dass die Paratuberkulose, die bei Rindern, Schafen aber auch in Wildbeständen eine tödlich verlaufende Krankheit ist, auch beim Menschen die Darmerkrankung Morbus Cohn auslösen kann?

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms. In Mitteleuropa tritt Morbus Crohn mit einer Frequenz von etwa fünf bis sechs neuen Fällen pro 100.000 Einwohner und Jahr auf. Prof. Elke Roeb, Gastroenterologin an der Universität Gießen, rechnet mit einer jährlichen Zahl von circa 48.000 Neuerkrankungen. Betroffen sind meist junge Erwachsene. Für die Patienten bedeutet die Erkrankung einen oft komplikationsreichen Krankheitsverlauf. Die Einnahme von Medikamenten, zumeist Cortison, über Jahre ist die Regel, Operationen am Darm sind häufig.

Heinrich Dahmen recherchierte und fand schließlich den Forscher, der sich seit über 25 Jahren mit dem Bakterium avium paratuberkulosis (MAP) beschäftigt: Prof. John Hermon-Taylor vom Londoner Kings College. Er ist davon überzeugt, dass MAP Morbus Crohn verursachen kann: „Das Erste ist, dass diese MAP-Bakterien-Infektionen überall in unseren Tierbeständen vorkommen. Zweitens: Menschen sind ihnen ausgesetzt. Drittens, und das ist wichtig: Wenn die Tests richtig gemacht wurden, tragen die meisten Menschen, die Morbus Crohn haben, auch das MAP-Bakterium in sich. Und der letzte wichtige Punkt ist: Diese MAP-Bakterien können erwiesenermaßen viele Lebewesen krank machen.“ Heinrich Dahmen hatte Glück: Er war tatsächlich mit MAP infiziert und konnte mithilfe von Antibiotika schließlich geheilt werden.
Die Wissenschaft in Deutschland

Aber noch wird weltweit darüber gestritten, ob MAP tatsächlich eine Ursache für Morbus Crohn sein kann. Auch Prof. Elke Roeb will kein abschließendes Urteil abgeben: „Wir wissen nicht genau, ob Crohn und MAP nur eine Koinzidenz sind. Das heißt, dass bei Crohn-Patienten in bestimmten Regionen MAP gefunden wird. Oder ob MAP wirklich eine Ursache ist für die Entwicklung von Crohn. Das ist strittig. Wir gehen davon aus, dass sich im veränderten Darm bei Crohn-Patienten unter Umständen MAP besser ansiedeln kann. Das wäre eine Koinzidenz, aber kein kausaler Zusammenhang zwischen MAP und Morbus Crohn. Es kann auch sein, dass MAP eine Mit-Ursache der Crohn-Entwicklung ist.“

Auf einem Symposium des Bundesamtes für Risikobewertung im November 2009 stellte der Wissenschaftler Philipp Hammer vom Max Rubner-Institut in Kiel fest: „Das Mycobacterium avium ssp. paratuberculosis (MAP) ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts als Erreger der Paratuberkulose vor allem bei Wiederkäuern bekannt. Beim Rind erfolgt die Infektion in den ersten Lebenswochen überwiegend durch Aufnahme von sekretorisch oder fäkal kontaminiertem Kolostrum beziehungsweise von Milch. Klinische Symptome in Form von unstillbarem Durchfall treten circa ab dem dritten bis vierten Lebensjahr oder später, manchmal auch gar nicht auf. Die Krankheit gilt als unheilbar und endet bei klinischen Fällen fast immer tödlich. Infizierte Tiere können lange vor dem Auftreten klinischer Symptome den Erreger mit dem Kot ausscheiden …. In Bezug auf eine Beteiligung von MAP an der Crohnschen Erkrankung des Menschen und damit auch auf die Bedeutung als möglicher Zoonoseerreger gibt es nach wie vor widersprüchliche Auffassungen. Es besteht mit großer Sicherheit ein Zusammenhang zwischen dem Vorkommen des Erregers bei Menschen und der Erkrankung Morbus Crohn.“
Viele Studien

Es gibt weltweite Studien, die den MAP-Erreger im Menschen nachgewiesen haben. Häufig sind aber die Untersuchungsmethoden unter den Wissenschaftlern umstritten. Hier sei nur eine Studie genannt: Israelische Wissenschaftler berichteten 2009 im „Journal of Infectious Diseases“: „In sterilen menschlichen Darmabschnitten wurden durch das Einspritzen von MAP schwere Gewebsschäden und Entzündungsreaktionen hervorgerufen. Und zwar exakt die gleichen, wie sie auch für die Darmerkrankung Morbus Crohn (MC) beim Menschen typisch sind.“ Diese Ergebnisse bestätigen nach Ansicht von Prof. John Hermon-Taylor, dass das Mycobacterium avium paratuberculosis (MAP) der Erreger der chronischen Darmentzündung ist.

MAP könne in Lebensmitteln, aber auch in der Umwelt auftreten, so Hermon-Taylor. MAP kann offenbar in Milchprodukten, vor allem Rohmilchprodukten, vorkommen, die nicht hoch genug erhitzt werden. Der Milchindustrieverband schreibt plusminus: „Im Verlauf der Verarbeitung von Milch und Milchprodukten kommt es zu einer erheblichen Reduktion eventuell vorhandener Keime.“

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 18.01.2012. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,171xo0jz8kgqr0f3~cm.asp