Autor Thema: Die DNA-Zytometrie zur Aggressivitätsbestimmung bei Prostatakrebs  (Gelesen 6129 mal)

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Die DNA-Zytometrie zur Aggressivitätsbestimmung bei Prostatakrebs


1. Was leistet die DNA-Zytometrie?


Die DNA-Zytometrie ist eine sehr aussagekräftige Methode zur Aggressivitäts- (=Malignitäts) Bestimmung eines Tumors. Dabei wird der Gehalt an Erbsubstanz (=Desoxyribonukleinsäure, abgekürzt: DNA) in Zellkernen gemessen. Mengenveränderungen der DNA lassen nicht nur tumorös veränderte Zellen (=Krebszellen) erkennen, sondern sie geben auch ein Maß für die Bösartigkeit und Aggressivität vieler Tumoren ab. Das gilt auch für das Prostatakarzinom.

Fachliche Hintergrundinformationen Die Messung der DNA-Menge erfolgt mittels geeigneter computerisierter Verfahren an einem Mikroskop unter der Kontrolle eines entsprechend erfahrenen Pathologen. Als verwandte Messverfahren stehen
a) die DNA-Bildzytometrie und b) die DNA-Flusszytometrie zur Verfügung.
Nach spezifischer Anfärbung der DNA wird der Farbstoffgehalt in etwa 300 Zellkernen gemessen. Dies geschieht an Bildern einer Videokamera mit Hilfe von Bildanalyse-Software. Eine interne Kalibrierung erfolgt durch Messung von 30 gesunden Zellen im selben Präparat. Die Entstehung einer Krebszelle (Karzinogenese) wird von dem amerikanischen Molekularbiologen Peter Duesberg (2004) als Kettenreaktion
vieler aufeinander folgender chromosomaler Aneuploidisierungen beschrieben. Dabei kommt es zum Gewinn oder auch Verlust von Chromosomen in den Zellkernen. Diese fuhren zu Krebs-spezifischen Veränderungen des DNA-Gehalts, welche im Mikroskop gemessen werden können.
Die DNA-Zytometrie misst sowohl das Ausmaß der chromosomalen Aneuploidie (auch DNA-Aneuploidie genannt) als auch ihre Unterschiedlichkeit (Variabilität). Ein vergleichsweise wenig bösartiger Krebs z. B. zeigt in fast allen Zellen noch relativ normale DNA-Gehalte. Man nennt dies „peridiploid“, weil der normale
Chromosomensatz noch annähernd diploid ist. Ein besonders bösartiges Prostatakarzinom weist dagegen hohe und stark schwankende DNA-Gehalte der Zellkerne auf.

2. Was bringt die DNA-Bildzytometrie beim Prostatakarzinom?
Mit ihr lässt sich die Malignität (Aggressivität) des Tumors und seine Ansprechen auf bestimmte Therapien ermitteln.
Damit dient die DNA-Bildzytometrie sowohl der Bestimmung der Aggressivität des Tumors (= Malignitätsgrading) als auch der Beurteilung seines Ansprechens auf Hormon- oder Strahlentherapie (= sog. Therapie-Monitoring).

Fachliche Hintergrundinformationen
Malignitätsgrading:

Je bösartiger ein Krebs ist, desto eher beeinflusst er die Lebenserwartung seines Trägers in negativer Weise und desto hoher ist die Wahrscheinlichkeit, Tochtergeschwülste (Metastasen) zu setzen oder nach stattgefundener Behandlung wiederaufzutauchen (Rezidivbildung). Je geringer der Malignitätsgrad eines Tumors ist, desto weniger gefährlich ist er für seinen Träger. So gibt es Prostatakarzinome, deren Malignitätsgrad so gering ist, dass die davon betroffenen Männer aller Voraussicht nach daran nicht sterben werden (und das sind, so wird geschätzt, weit mehr als 50 Prozent aller Prostatakarzinome).
Man spricht in solchen Fällen von „insignifikanten Karzinomen“, die deshalb auch keiner Behandlung bedürfen, wenn sie nicht im Laufe der Jahre aggressiver werden. Dabei handelt es sich vor allem um Prostatakarzinome niedriger aber auch mittlerer Malignitätsgrade (über den Gleason-Score ausgedruckt: Gleason-Scores 2 – 7), welche in der DNA-Zytometrie noch einen weitgehend normalen Gehalt an Erbsubstanz (peridiploid und peritetraploid) zeigen, besonders, wenn sie zusätzlich eine niedrige Wachstumsrate (unter 5 Prozent) haben (Ahlgren et al., 1997, Tribukait, 2005).


3. Wie reproduzierbar ist die DNA-Bildzytometrie?

Die Reproduzierbarkeit, also die Wiederholbarkeit der Ergebnisse, ist deutlich höher als bei anderen Diagnoseverfahren, sowohl beim Prostatakarzinom als auch bei anderen Tumoren. Dies gilt einfach deshalb, weil die Untersuchung auf einem computerunterstützten Messverfahren basiert und damit nicht abhängig von der subjektiven Einschätzung des Untersuchers ist, wie beim Gleason-Score.
                     

4. Ist die DNA-Bildzytometrie zur Aggressivitätsbestimmung des Prostatakarzinoms besser geeignet als der Gleason-Score?

Die DNA-Bildzytometrie ist zur Prognose des Prostatakarzinoms meist besser geeignet als der Gleason-Score. Sie liefert auf jeden Fall wesentliche Zusatzinformationen.
Beide Methoden machen eine Aussage zum Malignitätsgrad des Prostatakarzinoms. Dabei ist die Vorhersagekraft (prognostische Validität) durch die DNA-Bildzytometrie in vielen Studien mit dem Gleason-Score verglichen und fast durchgängig als besser beurteilt worden (Ross et al., 1994; Lorenzato et al., 2004). Es hat sich gezeigt, dass sich die Vorhersagekraft des Gleason-Score durch die DNA-Bildzytometrie signifikant verbessert und dabei – und das ist von ganz besonderer Bedeutung – vor allem harmlose von weniger harmlosen Krebsen der Prostata besser unterscheiden können (Ross et al., 1994,
1999; Song et al., 1992).


5. Macht die DNA-Bildzytometrie beim Vorliegen von Metastasen Sinn?
Auch wenn Metastasen festgestellt wurde, ist die Wahl dieses Verfahrens sinnvoll.

Fachliche Hintergrundinformationen: Selbst beim Vorliegen von Knochenmetastasen leben Patienten mit Prostatakarzinom noch deutlich (signifikant) länger, wenn ihr Tumor eine „peridiploide“ oder „peritetraploide“ DNA-Verteilung aufweist (Kugler
et al., 1997). Diese Konstellation ist allerdings sehr selten. Bei Patienten mit Lymphknoten-Metastasen kommen nach einer Untersuchung von Pollak et al. (1997) in einem Beobachtungszeitraum von vier Jahren weder eine lokale Progression noch Fernmetastasen vor, wenn ihr Prostatakarzinom peridiploid war (Pollack et al., 1997).


6. Macht die DNA-Zytometrie nach einer durchgeführten Therapie Sinn?
Ja, denn sie ermöglicht eine Beurteilung des Therapieerfolges oder auch (im schlimmsten Fall) des Misserfolges.

Nach einer operativen Entfernung der Prostata, einer durchgeführten Strahlen- oder Hormontherapie kann die DNA-Zytometrie Aussagen über den Therapieerfolg ergeben. Ist der Tumor unter Therapie aggressiver (negative Veränderung des DNA-Musters) geworden, so sollte man über einen Therapiewechsel nachdenken.
Geht andererseits der DNA-Malignitätsgrad unter der Therapie zurück, dann spricht der Tumor auf die Behandlung wahrscheinlich an (Leistenschneider und Nagel, 1984, Böcking et al., 1985; Al-Abadi und Nagel, 1995). Außerdem ist z.B. der Nachweis eines peridiploiden Karzinoms in einer operativ entfernten Prostata ein vergleichsweise beruhigender Befund für einen Patienten.

Siehe auch: www.forum.prostatakrebs-bps.de, und ganz besonders www.prostata-shg.de/Aktuelles/612_GEK_Prostata_A4%20%280708%29_screen.pdf



Bitte um Spende
5.3.2012 - Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. bittet um Unterstützung der Studie Vorhersage eines klinisch gutartigen Verlaufes durch die DNA-Bildzytometrie bei Niedrig-Risikopatienten mit Mikrokarzinomen der Prostata mit einer Spende auf das Spendenkonto
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe aus dem Ausland verwenden Sie bitte
die IBAN DE62250501800007020621 und die BIC SPKHDE2H
Bitte geben Sie als Verwendungszweck "DNA-Zytometrie" an.



Selbsthilfegruppen
Krebspatienten für Krebspatienten eV

Zentrale:1220 Wien, Steigenteschg. 13-1-46
info@krebspatienten.at, www.krebsforum.at
Hotline täglich von 9 bis 21 Uhr: 0650-577-2395
Dietmar Erlacher, Bundesobmann



Anmerkung:
Dank an Günter F. für diesen Beitrag!
Dank an Reinhard S. für die ausführlichen Broschüren.


« Letzte Änderung: 06. März 2012, 11:54 von admin »

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Von: Prostatakrebs-Diskussionsforum [mailto:info@forum.prostatakrebs-bps.de]
Gesendet: Samstag, 21. April 2012 00:06
Betreff: Neues im Thema "Bitte um finanzielle Unterstützung einer Studie zur DNA-Zytometrie"

Hallo,

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Erstellt von: Harald_1933

Datum: 20.04.2012 16:41

Bis 9. März 2012 waren von *152 Spendern 20.790.86 €* auf das Spendenkonto für die ProKo-Studie eingegangen. Vom 9. März bis 20. April 2012 haben weitere *13 Spender* den Kontostand auf nunmehr *21.885.86 €* erhöht. Allen Spendern gilt der Dank der Initiatoren der schon laufenden Studie.
 
Um die ProKo-Studie jedoch ohne Unterbrechung zum Abschluß zu bringen, fehlen noch rund 10.000 €. Ich appelliere im Namen dieser für uns Männer so wichtigen Studie, doch bitte noch einmal den Geldbeutel umzukrempeln. Auch viele kleine Beträge helfen und dienen dieser so lange umkämpften Studie, die den Beweis erbringen soll, dass eine DNA-Zytometrie in der Lage ist, die wahre Malignität eines PCa objektiv zu zu erkennen.

*"Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt"
*(Oscar Wilde)


Mit freundlichen Grüßen

Prostatakrebs-Diskussionsforum
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PS: Siehe vorherigen Beitrag!

« Letzte Änderung: 21. April 2012, 01:13 von admin »

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Erstellt von: Harald_1933
Datum: 11.05.2012 11:29

Während der vergangenen 3 Wochen ist ein gewisser Stillstand in der Spendenbereitschaft festzustellen. Spendeneingang bis *11.05.2012:   22.195,86 €  Anzahl der Spendenüberweisungen:  170 

*Die DNA-Zytometrie steht als leitliniengerechter Diagnosebaustein zur Verfügung! Tatsache ist, sowohl Pathologie als auch Urologie als zwei unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Diagnosemöglichkeiten verfügen jeweils über eigene Leitlinien, die aber in sich verknüpft sind. Im Vorwort der Pathologenleitlinie schreibt Prof. Hartmann, Zitat :„dass diese Leitlinie aus dem Fachgebiet Pathologie eine Zentrale Rolle in der Diagnostik des Prostatakarzinoms und in der Risikostratifizierung einnimmt und ausdrücklich in der täglichen Diagnostik von Prostatagewebeproben anzuwenden ist.  Die Erarbeitung dieser Leitlinie, die von allen Beteiligten einen erheblichen Zeitaufwand verlangen, können bei rascher Umsetzung und konsequenter Anwendung zu einer deutlichen Standardisierung der histopathologischen Diagnostik von Prostataerkrankungen in der flächendeckende Krankenversorgung führen."

Dies wird insbesondere in der Veröffentlichung der S3-Leitlinie Prostata der Deutschen Krebsgesellschaft im Oktober 2009 deutlich. Der jetzt vorliegenden Version haben die Vorstände des Bundesverbandes Deutscher Pathologen und der Deutschen Gesellschaft für Pathologie nach einiger Diskussion zugestimmt. Damit bekräftigt das Fachgebiet Pathologie seine zentrale Rolle innerhalb der Prostatazentren. Im Zeitalter der risikoadaptierten Behandlung von Patienten mit Prostatakarzinom, z. B. mit einer *„Active Surveillance“, *kommt den Pathologen eine immer wichtigere Rolle in der Therapiestratifizierung von Patienten mit Prostataerkrankungen zu. Die nachfolgende Anleitung gibt Pathologen wie Urologen eine Hilfestellung für die optimale Registrierung, Bearbeitung und Befunderhebung von Zytologien, Biopsien, transurethralen Resektionen sowie Prostatektomiepräparaten.

Auf Seite 8 steht: *"DNA-zytometrische Untersuchungen können im Einzelfall als Zusatzuntersuchung bei bestimmten Fragestellungen, z. B. Active Surveillance, neben dem Gleason-Grading durchgeführt werden, sind jedoch nicht als Standard anzusehen" 
Hier  (http://www.prostata-shg-bretten.de/Email_Anhang/anleitung_prostata-1.pdf)*nachzulesen.


Siehe auch: www.forum.prostatakrebs-bps.de, und ganz besonders www.prostata-shg.de/Aktuelles/612_GEK_Prostata_A4%20%280708%29_screen.pdf