Autor Thema: Leberkrebs  (Gelesen 4211 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Tanja

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 932
  • Geschlecht: Weiblich
Leberkrebs
« am: 14. April 2012, 14:01 »


Überproduktion von Wachstumshormon führt zu Leberkrebs

Das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung entdeckt neue Zusammenhänge in der Entstehung von Leberkrebs

Wien (OTS) - Eine Forschungsgruppe des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung entdeckt einen neuen Aspekt für den Zusammenhang zwischen der Entstehung von Leberkrebs und chronischer Entzündungserkrankungen aufgrund erhöhter Wachstumshormonspiegel. Chronische Entzündungen sind meist mit erhöhter Tumorenstehung assoziiert, wobei die Entstehung von Leberkrebs durch eine Überproduktion von Wachstumshormon eine Ausnahme darstellt. Hier wirkt die Entzündung schützend, aber das Tumorwachstum wird durch die erhöhte Menge an Wachstumshormon angeregt.
Leberkrebs weltweit eine der fünf häufigsten Krebserkrankungen - erhöhte Konzentration von Wachstumshormon auch Life-Style abhängig

Leberkrebs ist weltweit der fünfthäufigste Krebs und die
dritthäufigste tumorassoziierte Todesursache. Hier sind bisher vor
allem Virusinfektionen wie Hepatitis B und C als auch übermäßiger
Alkoholkonsum als Hauptauslöser zu nennen. Heute treten allerdings
immer häufiger Leberkrebsarten auf, die durch Hormon- oder
Stoffwechselstörungen gefördert werden. Dabei führt eine
Überproduktion von Wachstumshormon zu massiver Zunahme des
Größenwachstums, das mit erhöhten Tumorerkrankungen einhergeht. Auch
der konzentrierte Einsatz des Wachstumshormons in der "Anti-Aging"
Therapie, bei Dopingmissbrauch und in der Tiermast ist dabei zu
berücksichtigen. Generell ist das Wachstumshormon sehr schwer
nachweisbar und die Dunkelziffer des Missbrauchs wird als sehr hoch
angenommen.
Forschergruppe untersuchte Wirkung des wichtigen Signalmoleküls STAT5 während der Entstehung von wachstumshormoninduzierten Leberkrebs und konnte Organversagen bei zusätzlich auftretenden Nierenerkrankungen unterbinden

Ziel der Studie des LBI für Krebsforschung war es, den
Wirkmechanismus des hepatischen Signalmoleküls STAT5 während der
Entstehung von Leberkrebs aufgrund einer Überproduktion des
Wachstumshormons zu verstehen. Untersuchungen in Mäusen zeigen, dass
dieser Signalweg im gesunden Zustand die Leber schützt und
Stoffwechselvorgänge wesentlich regulieren kann. Bei einer
Beeinträchtigung dieses Signalweges durch hohe Konzentrationen von
Wachstumshormon und Stresshormonen führt dieser aufgrund von
unkontrollierter Neusynthese und Transport von Lipiden zu einer
Verfettung mit drastischer Vergrößerung der Leber. Des Weiteren kommt
es zu erhöhten Stresssignalen und zu einer Regulationsstörung
wichtiger Krebsgene wie STAT3 oder p53, was zusammen aggressiven
Leberkrebs auslöst.

Zusätzlich führen erhöhte Serum-Spiegel von Wachstumshormon auch
zu Nierenerkrankungen mit Organversagen. Weitere Untersuchungen
konnten allerdings zeigen, dass eine Blockierung des
leberspezifischen STAT5 Signalweges das Organversagen unterbinden
kann, welches durch chronische Entzündungsprozesse ausgelöst und
durch die Leber gesteuert wird.

Dieses Forschungsprojekt wurde zusätzlich durch den FWF über einen
Sonderforschungsbereich gefördert. Doktoranden der Arbeitsgruppe von
Richard Moriggl, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für
Krebsforschung, führten in enger Kooperation mit der Medizinischen
Universität Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien, sowie
dem Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische
Traumatologie dieses Forschungsprojekt durch. Die Ergebnisse der
Arbeit wurden in dem international renommierten Journal "Hepatology"
veröffentlicht.
Über die Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre
Forschungsorganisation mit Sitz in Wien und betreibt
Forschungsinstitute (Ludwig Boltzmann Institute) in den Bereichen der
Humanmedizin / Life Sciences sowie der Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften. Sie initiiert gemeinsam mit akademischen und
anwendenden Partnern innovative Forschungsthemen und ist
spezialisiert auf translationale Forschung - die Brücke zwischen
Grundlagenforschung und Anwendung.

So arbeiten in medizinischen Instituten Teams aus
Grundlagenforschern und Klinikern in einem Zentrum zusammen und sind
dadurch Katalysatoren für die Verbindung von präklinischer
Spitzenforschung und klinischer Medizin.

In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Instituten werden die
interdisziplinär erarbeiteten Forschungsergebnisse in Konferenzen und
wissenschaftlichen Veranstaltungen dem Fachpublikum kommuniziert
sowie mittels publikumswirksamer Aktivitäten der breiten
Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Derzeit betreibt die LBG 20 LBI und 5 Cluster mit rund 300
MitarbeiterInnen. Die Einrichtung von Ludwig Boltzmann Instituten
(LBI) für eine befristete Laufzeit erfolgt aufgrund von
Ausschreibungen mit internationalen Begutachtungsverfahren.

Jutta

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 957
  • Geschlecht: Weiblich





Entzündungen spielen wesentliche Rolle bei Entstehung von Leberkrebs


Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Hebrew University in Jerusalem entdeckten, dass Leberkrebs in entzündlichen Lymphknoten-artigen Strukturen entsteht. Im Inneren dieser aus Immunzellen bestehenden "Pseudo-Lymphknoten" treiben wachstumsfördernde Proteine die Entwicklung der Krebsvorläuferzellen an. Von einem bestimmten Moment an versorgen sich die Leberkrebszellen selbst mit ihrem Treibstoff und wandern ins Lebergewebe aus, wo sie zu Tumoren auswachsen.

Wirkstoffe gegen die wachstumsfördernden Proteine drosselten bei Mäusen die Krebsentstehung. Anhand einer spezifischen Gen-Signatur können die Forscher Personen mit einem hohen Risiko für Leberkrebs identifizieren. Die Ergebnisse sind nun in der Zeitschrift Nature Immunology erschienen.

Bei Rheuma und Multipler Sklerose, bei Hepatitis C und Tuberkulose, auch bei Brust- und Darmkrebs treten sie auf: In den erkrankten Organen und Geweben bilden sich kleine Strukturen aus Zellen des Immunsystems, die in ihrem Aufbau und der Zellzusammensetzung an Lymphknoten erinnern.

Wie und warum diese "Pseudo-Lymphknoten" (ektope lymphoide Strukturen, kurz ELS) genau entstehen, wussten Wissenschaftler bislang nicht. Bei Darm-, Brust- und Lungenkrebs ist ihr Vorhandensein mit einem günstigeren Verlauf assoziiert. Dass dies für Leberkrebs nicht gilt, zeigte nun Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Forschern von der Hebrew University in Jerusalem sowie mit weiteren Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und den USA.

Leberkrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache weltweit. Meist entsteht die Erkrankung als Folge einer chronischen Leberentzündung, die sich entweder aus einer Virushepatitis entwickelt oder aus einer entzündlichen Fettleber. "Pseudo-Lymphknoten" sind ein charakteristisches Merkmal der chronischen Leberentzündung.

Heikenwälder und Kollegen zählten die Pseudo-Lymphknoten im krebsfreien Lebergewebe von 82 Leberkrebs-Patienten und erkannten: Je mehr dieser Immunstrukturen eine Leber enthält, desto höher das Risiko, dass der Krebs nach Behandlung zurückkehrt.

Als Ursachen für die Entstehung der Pseudo-Lymphknoten kamen die Forscher einem notorischen Wachstumstreiber von Immunzellen und Entzündungsreaktionen auf die Spur, dem Zellkern-Protein NF kappa B. Mäuse, in deren Lebern die NF kappa B-Signale dauerhaft aktiv waren, entwickelten bald schon große Mengen von Pseudo-Lymphknoten in der Leber. Spätestens im Alter von 20 Monaten erkrankten diese Tiere ausnahmslos an Leberkrebs.

Bei den Jungtieren dagegen fanden die Forscher Krebsvorläuferzellen ausschließlich innerhalb der Pseudo-Lymphknoten, nicht aber im Lebergewebe selbst. Erst nach einer gewissen Zeit wanderten die fortgeschrittenen Krebszellen aus den ELS aus, teilweise noch monatelang. Auch in Leber-Gewebeproben von Leberkrebs-Patienten fanden die Forscher Krebs-Vorläuferzellen im Inneren der Immunstrukturen.

ELS sind aus einer Vielfalt von Zellen des angeborenen (Makrophagen, dendritische Zellen) sowie des erworbenen Immunsystems (T- und B-Zellen) aufgebaut und enthalten sogar Blutgefäße, über die Immunzellen einwandern können. Mäuse, die keine T- und B-Zellen bilden können, produzieren trotz dauerhaft aktivierten NF-kappa B-Signals keine Pseudo-Lymphknoten und erkranken kaum an Leberkrebs.

Treibstoff-Entzug verlangsamt Krebswachstum

Warum sind die ELS eine so günstige Brutstätte für Leberkrebs? Die Wissenschaftler fanden in den Pseudo-Lymphknoten hohe Konzentrationen an Signalmolekülen des Immunsystems, insbesondere die so genannten Lymphotoxine. Im frühen Stadium der Krebsentstehung produzieren ausschließlich die Immunzellen des ELS diese krebsfördernden Proteine.

"Die Leberkrebs-Vorläuferzellen in den ELS sind förmlich süchtig nach den Lympotoxinen. Irgendwann sind sie in der Lage, sich diesen "Treibstoff" selbst zu produzieren. Erst dann fangen die an, aus den ELS auszuwandern und sich im Lebergewebe zu vermehren. Das konnten wir in Gewebeuntersuchungen nachweisen", sagt Mathias Heikenwälder. Der Wissenschaftler, der seit kurzem eine Abteilung am DKFZ aufbaut, hat zuvor am Helmholtz-Zentrum München geforscht.

Die Wissenschaftler behandelten die Mäuse mit einem Wirkstoff, der die Lymphotoxine blockiert, und entzogen den Krebs-Vorläufern damit ihren Treibstoff. Tatsächlich entwickelten die Tiere daraufhin weniger Tumoren. Das funktionierte aber nur, wenn der Wirkstoff rechtzeitig verabreicht wurde, solange die Krebsvorläufer ausschließlich auf die von den ELS produzierten Lymphotoxine angewiesen waren. Sobald sie sich ihren Treibstoff selbst produzieren, wirkte die Therapie nicht mehr.

"Wir kennen nun das Muster der Genaktivität, das zur übermäßigen Aktivierung von NF kappa B führt und damit dazu beiträgt, dass Pseudo-Lymphknoten entstehen und dass sich gesunde Leberzellen in Tumorvorläuferzellen verwandeln. Anhand dieser "Gen-Signatur" können wir abschätzen, welcher Patient mit einer chronischen Leberentzündung ein hohes Risiko hat, an Leberkrebs zu erkranken", sagt Mathias Heikenwälder. Diese Gen-Signatur soll zunächst an weiteren Patientengruppen auf ihre klinische Relevanz überprüft werden. Heikenwälder und seine Kollegen wollen nun bei Risikopatienten prüfen, ob eine Blockade der wachstumstreibenden Lymphotoxine auch beim Menschen die Entstehung von Leberkrebs verhindern kann.

Literaturhinweis:
Shlomi Finkin, Detian Yuan, Ilan Stein et al. Ectopic lymphoid structures function as microniches for tumor progenitor cells in hepatocellular carcinoma. Nature Immunology 2015, DOI: 10.1038/ni.3290

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum