Autor Thema: Psychoonkologie - wertvolle Unterstützung im Kampf gegen Krebs  (Gelesen 4633 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

admin

  • Administrator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 4.433
  • Geschlecht: Männlich


Psychoonkologie - wertvolle Unterstützung im Kampf gegen Krebs

Wien (OTS) - Nichts ist mehr so, wie es war: Die Diagnose Krebs
verändert das Leben radikal. Neben den körperlichen Folgen ist eine
Krebserkrankung auch für das psychisch-seelische Gleichgewicht eine
enorme Belastung. Angst, Entsetzen, Hilflosigkeit, Mutlosigkeit, Wut,
Anspannung, Depressivität - das sind nur einige der seelischen
Zustände, die KrebspatientInnen durchleben. Und auch das soziale
Umfeld - PartnerInnen, Kinder, FreundInnen, Bekannte - ist von der
Erkrankung ihrer/es Angehörigen betroffen, sind verunsichert und
benötigen Unterstützung. Hier kann die Psychoonkologie als relativ
neue Form der interdisziplinären Zusammenarbeit einen wesentlichen
Beitrag leisten. Auf der 5. Amgen Press Academy stellte eine
ExpertInnenrunde die verschiedenen Aspekte dieser wichtigen
Unterstützung im Kampf gegen Krebs vor.

Krebs verändert das Leben radikal

"Die Diagnose Krebs bedeutet für die Betroffenen und deren
Angehörige meist eine existenzielle Krise und stellt somit eine große
Herausforderung für eine effiziente psycho-soziale Verarbeitung an
die Betroffenen dar", so Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Leiter der
Klinischen Abteilung für Onkologie der Medizinischen Universität
Graz. "Es kommt oftmals vorübergehend zu mitunter schwerwiegenden
Veränderungen, die als verunsichernd erlebt werden und alle Aspekte
des Lebens betreffen können. Dadurch ist auch ein breit gefächertes
Unterstützungsangebot erforderlich."
Dies bietet die Psychoonkologie, die auf einer interdisziplinären
Form der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psychologen, Pflegepersonal,
Physiotherapeuten und Sozialarbeitern beruht. Samonigg: "Die
psychoonkologische Betreuung ist eine wesentliche und wichtige Säule
im bio-psycho-sozialen Behandlungsmodell in der Onkologie, ist fest
integrierter Bestandteil einer modernen Krebsbehandlung und sollte in
Krebszentren bzw. Krankenhäusern und Abteilungen mit onkologischem
Schwerpunkt für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige
unbedingt zur Verfügung stehen."

Haltung des Arztes/der Ärztin kann auf Patient/in Einfluss nehmen

Stehen zwar Lebensqualität und psychosoziale Bedürfnisse der
PatientInnen und ihrer Familien im Vordergrund eines umfassenden
psychoonkologischen Betreuungskonzeptes, spielen auch Themen wie
Krankheitsverarbeitung, Belastung durch Komorbidität sowie die
Arzt-Patienten-Interaktion ein bedeutende Rolle. Denn auch die
Haltung der behandelnden ÄrztInnen kann die PatientInnen - unbewusst
- sehr beeinflussen.

Mag. Dr. Georg Fraberger, Klinischer und Gesundheits-Psychologe,
ist an der Universitätsklinik für Orthopädie am AKH Wien
psychoonkologisch tätig: "Jener Arzt, der die Diagnose übermittelt,
teilt unbewusst auch seine eigenen Anschauungen und Erwartungen mit
und gibt diese hierdurch an den Patienten weiter. Dieser Prozess der
Übertragung und Gegenübertragung findet unbewusst statt und kann
nicht verhindert werden, dessen muss man sich bewusst sein." Somit
ist auch die Bedeutung der emotionalen Belastung für den
Onkologen/die Onkologin und das Behandlungsteam nicht zu
unterschätzen. Samonigg: "Daher ist die Psychoonkologie nicht nur
eine wesentliche Säule in der Betreuung von KrebspatientInnen,
sondern muss auch in unterschiedlichen Intensitäten in die Aus- und
Weiterbildung aller in der Onkologie tätigen Berufsgruppen integriert
sein."

"Krebspersönlichkeit" gibt es nicht, Einflussfaktoren aber schon

Fraberger erläuterte ein weiteres Aufgabengebiet der
Psychoonkologie: "Sie versucht, den Einfluss psychosozialer Faktoren
- wie psychische Belastungsreaktionen, also z. B. Angst, Depression
und Persönlichkeitsaspekte, das soziale Umfeld, den Lebensstil und
Krankheitsverarbeitungsmechanismen - auf die Entstehung, Auslösung
sowie auf den Verlauf einer Tumor- bzw. Krebserkrankung zu erkennen."
Dabei kämpft man heute noch gegen das Bild der "Krebspersönlichkeit",
das in den 70er Jahren postuliert worden war.

Zu den häufigsten Auswirkungen, die ein Tumor wiederum auf das
psychische Wohlbefinden des Patienten haben kann, zählen - je nach
Tumorart zu einem unterschiedlichen Prozentsatz - die manifeste
Depression, das Fatique-Syndrom (krebsbedingtes Erschöpfungssyndrom),
Tumor-Schmerzen, Appetitverlust, kognitive Beeinträchtigungen und
Libidoverlust.

Was PatientInnen brauchen

Dr.in Miriam Strauss befindet sich in einer Dreifachrolle:
Betroffene, Präsidentin von Europa Donna Österreich - der
österreichischen Föderation gegen Brustkrebs - und Psychiaterin:
"Wenn wir uns den gesamten Weg einer Patientin oder eines Patienten
mit all den dazukommenden individuellen Problemen und persönlichen
Ressourcen anschauen, sehen wir, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten
unterschiedliche psychoonkologische Hilfe benötigen." Das kann ein
Entlastungsgespräch oder eine Begleitung bei der Diagnosestellung
sein, Hilfestellung mit der Kommunikation zu Hause, Begleitung am
Krankenbett und während der Chemo, Entspannungstechniken, systemische
und/oder Familientherapie, wenn/weil das ganze Umfeld betroffen ist,
psychiatrische Intervention im Falle von manifesten psychiatrischen
Begleiterkrankungen bis hin zur begleitenden regelmäßigen
Psychotherapie, meist erst im Anschluss an die "Reparaturphase" der
ersten Wochen oder Monate. Strauss fordert: "All dies sollte
möglichst zeitnah, niederschwellig, kostengünstig und vor allem
selbstverständlich sein! Wir bezahlen apparative Medizin, operative
Medizin und Medikamente. Was wir PatientInnen aber brauchen, ist auch
der Blick, die Geste, das Gespräch. Aus meiner Sicht müsste jede/r
MitarbeiterIn, der/die mit onkologischen PatientInnen arbeitet,
regelmäßig kommunikationsgeschult werden, die Strukturen und Prozesse
der Krankenhäuser kundenorientierter gestaltet werden und
'psychische' Medizin mindestens ebenso wichtig genommen werden, wie
Apparatur und Pharmazie."

Samonigg bekräftigt: Qualitativ hochstehende Forschung ist
erforderlich, um auch auf diesem Gebiet evidenzbasierte
Patientenbetreuungsmodelle anzubieten. Eine multiprofessionelle
Zusammenarbeit muss ebenfalls gewährleistet sein, um in der
Zusammenschau aller, der Wirklichkeit des Patienten/der Patientin und
seiner/ihrer Familie näherzukommen und ihm bzw. ihr dadurch eine
bestmögliche individuelle Behandlung teilwerden zu lassen."

Statements der ReferentInnen sowie weitere Informationen zum Download
unter: www.medical-media-consulting.at/pressroom



Ankündigung zu dieser Veranstaltung:

Wien (OTS) - Die Psychoonkologie hat sich als relativ neue
interdisziplinäre Form der Psychotherapie bzw. der Psychologie als
Teil einer umfassenden Betreuung von KrebspatientInnen etabliert.
Mittlerweile ist sie in ihrer Bedeutung unumstritten, Psychoonkologie
gilt heute als eine wertvolle Unterstützung im Kampf gegen Krebs. Im
Rahmen der 5. AMGEN Press Academy geht eine ExpertInnenrunde Fragen
rund um Theorie und Praxis der psychoonkologischen Betreuung von
KrebspatientInnen in Österreich nach.
Die ReferentInnen

Mag. Dr. Georg Fraberger, Klinischer und Gesundheits-Psychologe,
psychoonkologisch tätig an der Univ.-Klinik f. Orthopädie, AKH Wien
Dr.in Miriam Strauss; Präsidentin Europa Donna Österreich,
Betroffene, Sozialpsychiaterin, Unternehmensentwicklerin
Univ.-Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Leiter der Klin. Abt. f. Onkologie,
Univ.-Klinik f. Innere Medizin Graz, Leiter der Universitären
Palliativmedizinischen Einrichtung, 1. stv. Klinikvorstand der
Univ.-Klinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz

Details zum Programm unter www.medical-media-consulting.at/pressroom

Jutta

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 957
  • Geschlecht: Weiblich
Psychoonkologie-Therapie oder Psychotherapie oder Sozialarbeiter
« Antwort #1 am: 09. Mai 2012, 12:40 »



Die nachstehende Presseaussendung trifft so richtig die gestrigen Wortmeldungen
von Strauss und Salmonigg im vorherigen Beitrag bzw. deren Referat!




9.5.12, OTS

Sozialarbeit im Krankenhaus: Viel mehr als nur "Entlassungsmanagement"

- Sozialdienst im Krankenhaus Schwarzach arbeitet seit zehn Jahren

- Spitalspatienten befinden sich oft in schweren persönlichen Krisen

- Fünfköpfiges Sozialarbeiter-Team leistet "Hilfe zur Selbsthilfe"

(09.05.2012, Schwarzach/Salzburg) - Eine schwere Krankheit, massive psychische Probleme oder ein folgenschwerer Unfall. Viele Menschen sehen sich während eines Spitalsaufenthaltes plötzlich mit einschneidenden, oft existenzbedrohenden Veränderungen in ihrem Leben konfrontiert. Im Krankenhaus Schwarzach leistet das engagierte Team des Sozialdienstes seit nunmehr zehn Jahren "Hilfe zur Selbsthilfe".

"Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung spielt für viele Patienten die Hilfestellung in persönlichen, sozialen, rechtlichen oder finanziellen Fragen eine wichtige Rolle", erklärt Roswitha Lindner, Leiterin des Sozialdienstes, der im Kardinal Schwarzenberg'schen Krankenhaus im Jahr 2002 gestartet wurde. "Die Menschen befinden sich im Spital oft in einer Ausnahmesituation, die von ihnen - aber auch von ihren Angehörigen - als Krise erlebt wird. Hier können wir durch unsere Erfahrung und ein dichtes Netzwerk in der Region wertvolle Unterstützung bieten."

Umfassendes Netzwerk nach Außen

Die Probleme der Patienten sind vielschichtig: Plötzliche Berufsunfähigkeit, unversorgte Angehörige, Pflegebedürftigkeit oder Gewalt in der Familie - das ist nur ein kleiner Auszug der täglichen Aufgabenstellungen des fünfköpfigen Sozialarbeiterteams im Krankenhaus Schwarzach. "Wir bieten Information, Beratung und persönliche Betreuung, stellen Kontakte zu Ämtern und Organisationen her, ergreifen erste Maßnahmen zur Existenzsicherung der Patienten", sagt Lindner.

Der Sozialdienst will die Patienten und ihre Angehörigen entlasten, indem alle vorhandenen persönlichen, privaten und institutionellen Ressourcen erschlossen und so die Handlungsfähigkeit der Patienten gestärkt wird. Rund 20.000 Kontakte in Form von persönlichen Einzel- und Familiengesprächen, Telefonaten und Krisenkonferenzen mit Patienten und deren Bezugspersonen sowie über 15.000 Kontakte zu Ämtern, Behörden und Institutionen hat der Sozialdienst in Schwarzach in den letzten zehn Jahren erfasst.

Demografische Entwicklung als große Herausforderung

"Wir haben daneben aber schon mit der Polizei die Haustiere von alleinstehenden alten Frauen befreit, oder auch mit Hilfe von Vereinen eine ganze Wohnung für einen jungen Mann mit multipler Sklerose eingerichtet", erzählt Lindner. "Sozialarbeit im Krankenhaus geht weit über 'Entlassungsmanagement' hinaus. Wir versuchen schrittweise zur Lösung der anstehenden Probleme beizutragen um für die Betroffenen den Weg nach dem Spitalsaufenthalt zu ebnen."

Eine der größten Herausforderungen sieht die Expertin in der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft: "Familiäre Strukturen bieten nicht mehr den notwendigen Rahmen und Schutz für eine steigende Lebenserwartung und die zunehmend lange Pflegebedürftigkeit. Ein Umdenken der Gesellschaft im Bereich der Betreuung alter Menschen wird absolut unumgänglich sein."


Rückfragehinweis:

Prok. Mag. Karl Söllhammer
Leiter Personal & PR
Telefon: +43(0)6415/7101-2225
E-Mail: karl.soellhammer@kh-schwarzach.at
« Letzte Änderung: 09. Mai 2012, 12:41 von Jutta »

Werner

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 866
  • Geschlecht: Männlich

Ich finde auch, dass das Menschliche viel zu wenig beachtet wird von den "Schulmedizinern".
Etliche dieser Ärzte sagten mir schon, was wollens denn, haben`s eh mich, ich mach das schon, einen Psychologen oder so etwas brauchen`s nicht. Und wer will da schon widersprechen, als Krankenkassen- oder Privatpatient.

Das "Entlassungs-Management" hat sich in vielen Krankenhäusern wesentlich gebessert.

Weiterhin unbefriedigend aber ist:

1) Bei jedem Kontrolltermin einen anderen Arzt, und

2) die wirklich unmenschlichen Wartezeiten, stundenlang. "So ein Betrieb" in der Privatwirtschaft hätte längst keine Kunden mehr!

« Letzte Änderung: 09. Mai 2012, 13:37 von Werner »

admin

  • Administrator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 4.433
  • Geschlecht: Männlich
Seelische Aspekte der Krebserkrankung
« Antwort #3 am: 18. August 2013, 22:14 »

Seelische Aspekte der Krebserkrankung


Dank der Erkenntnisse der Neuropsychoimmunologie wird die Bedeutung seelischer Heilung für den körperlichen Genesungsprozess immer deutlicher. Für die Psychoonkologen ist das nicht wirklich neu. Heute gibt es ausreichend wissenschaftliche Belege für ihre Beobachtungen in den vergangenen Jahrzehnten. Verschiedene Methoden zur Stabilisierung der Seelenlage bis hin zur Verarbeitung ungelöster Traumata sind oft wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Gesundheit. Petra Weiß schreibt einfühlsam in ihrem Artikel „Wenn ein Trauma im Nervensystem festhängt“ über Somatic Experiencing in der Praxis. In einem weiteren Artikel der kommenden Ausgabe unserer Mitgliederzeitschrift beleuchtet die Heidelberger Psychologin und Psychotherapeutin Rosie Knop prägnant die Möglichkeiten der körperorientierten Psychotherapien in Zusammenhang mit Krebserkrankungen.

http://www.biokrebs.de/images/stories/download/Newsletter_Links/2013_Signal_3_Naumann.pdf


Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V.
Voßstr. 3, 69115 Heidelberg, Tel.: 06221 - 138020, www.biokrebs.de, information@biokrebs.de


hilde

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 572
  • Geschlecht: Weiblich
Psychoonkologie - wertvolle Unterstützung im Kampf gegen Krebs
« Antwort #4 am: 03. September 2014, 23:36 »




   
TOP-Thema: Psychoonkologie

Ein Thema rückt immer mehr in die Aufmerksamkeit der interdisziplinären Krebsbehandlung: Die Psychoonkologie. Lesen Sie dazu den folgenden Bericht der Deutschen Krebshilfe und unseren Beitrag in den „Aktuellen Gesundheitsnachrichten“ Nr. 14.
   
    
    Immer mehr Menschen erkranken an Krebs. Alleine im Jahr 2014 werden in Deutschland mehr als 500.000 Menschen diese Diagnose erhalten.
Der rasante medizinische Fortschritt, besonders in den letzten Jahren, hat Krebs in vielen Fällen zu einer chronischen Erkrankung gemacht. Jeder zweite Krebspatient kann heute geheilt werden.
   
   Doch Krebs ist für jeden Betroffenen zunächst einmal eine lebensbedrohliche Erkrankung, die ihn tief erschüttert. Die Diagnose trifft die meisten Menschen plötzlich und völlig unerwartet, und das Leben verändert sich mit einem Schlag.

mehr lesen

http://www.dr-wasylewski.com/akademie/news/psychoonkologie.html
 

Werner

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 866
  • Geschlecht: Männlich
Diagnose Krebs - Hilfe bei seelischen Belastungen
« Antwort #5 am: 04. September 2014, 00:14 »




Diagnose Krebs - Hilfe bei seelischen Belastungen
   
Die Diagnose Krebs stürzt viele Menschen unweigerlich in eine existentielle Krise. Von einem auf den anderen Tag ist nichts mehr so, wie es war. In der ersten Zeit befinden sich die Betroffenen meist in einem Schockzustand, dann kommen Verzweiflung und Wut. Schließlich beginnt ein langer Prozess der Bewältigung, in dem sich die Krebserkrankung mehr und mehr zur gelebten Realität entwickelt.

Dieser Weg der Krankheitsbewältigung ist ein ganz individueller Weg. Manche Menschen schaffen es aus eigener Kraft, in dieser traumatischen Situation eine neue Lebensperspektive entstehen zu lassen. Der Glaube kann dabei helfen oder auch der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen. Menschen haben unterschiedliche Ressourcen, auf die sie zurückgreifen können. Nicht selten sind sie selbst überrascht, welche Kraft in ihnen steckt. Viele Krebspatienten begreifen ihre Erkrankung mit einem gewissen Abstand als Chance, das eigene Leben zu entrümpeln und sich auf das zu konzentrieren, was ihnen wirklich wichtig ist.
 

Neue Lebensperspektiven
Eine psychoonkologische Beratung kann Krebskranken helfen, vorhandene Ressourcen zu mobilisieren und eine neue Orientierung zu finden. Viele Patienten wünschen sich eine solche Unterstützung, und auch Mediziner fordern seit langem, dass psychoonkologische Angebote zum ganzheitlichen Therapieplan bei Krebs dazu gehören müssen.

Angebote zu machen ist ein wichtiger Bestandteil einer psychoonkologischen Beratung. Der Patient entscheidet, welche dieser Angebote ihn bei der Krankheitsbewältigung tatsächlich voranbringen können. Manchen hilft zum Beispiel das Singen: Unter professioneller Anleitung lassen sich mit Musik ganz unterschiedliche Emotionen freisetzen und durchleben – Trauer, Wut und Angst, aber auch Freude und Zuversicht. Andere Patienten profitieren vielleicht eher von einer meditativen Technik wie Yoga oder Qigong, und wieder andere möchten einfach nur reden. Das gilt es, bei jedem einzelnen Patienten herauszufinden.

Psychoonkologie im Blickpunkt
   
Dass Körper und Seele zusammengehören, wurde von bedeutenden Medizinern aller Jahrhunderte nachdrücklich betont. Jetzt rückt dieser Aspekt auch in der modernen Medizin wieder stärker in den Blickwinkel. Davon zeugt auch die Tatsache, dass die psychoonkologische Begleitung beim diesjährigen Deutschen Krebskongress 2014 ein Schwerpunktthema war. (1) In der Fachwelt herrscht Einigkeit darüber, dass die psychoonkologischen Versorgungsstrukturen vor allem im ambulanten Bereich dringend verbessert werden müssen .

In den Kliniken hingegen hat sich bei der psychoonkologischen Versorgung in den vergangenen Jahren schon viel getan: Eine psychoonkologische Beratung und Begleitung durch professionelle Helfer wird heute in vielen onkologischen Akut- und Nachsorgekliniken angeboten. Nach den Zertifizierungskriterien der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft für Onkologische Spitzenzentren, Onkologische Zentren und Organkrebszentren muss in diesen Zentren eine psychoonkologische Versorgung gewährleistet sein. Diese Beratung ist in der Regel für alle Patienten und Angehörige kostenfrei. Auch im Rahmen von Reha-Maßnahmen können Patienten psychosoziale Hilfe bekommen.

Wenn Sie darüber hinaus Unterstützung durch eine psychoonkologische Beratung oder Therapie wünschen, dann sprechen Sie Ihren Arzt gezielt darauf an und erkundigen Sie sich, welche Möglichkeiten es gibt und wo Sie sich hinwenden können. Um Betroffenen die Suche nach einem Therapeuten zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst ein Adressverzeichnis zusammengestellt. Hier finden Sie niedergelassene Therapeuten und Mitarbeiter in Klinikambulanzen, deren Ausbildung den Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) entspricht.

Die Kosten, die bei einer ambulanten Psychotherapie entstehen, können unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen werden. Eine kostenlose psycho-soziale Beratung wird von vielen Landeskrebsgesellschaften angeboten. Die Adressen der Beratungsstellen finden Sie hier mit einem Klick auf das jeweilige Bundesland.

Entspannungstechniken lernen
Aufgrund der medizinischen Fortschritte wandelt sich Krebs zunehmend zu einer chronischen Erkrankung: Immer mehr Menschen leben immer länger mit dieser Diagnose und stehen vor der großen Herausforderung, eine Lebensperspektive zu entwickeln, die nicht von Angst, sondern im besten Fall von Hoffnung getragen ist. Manche Menschen kommen aus eigener Kraft mit der Herausforderung einer chronischen Erkrankung zurecht. Andere wiederum brauchen hier Unterstützung. Auch hier können psychoonkologische Angebote gute Dienste leisten.

Viele Patienten profitieren von Entspannungstechniken, die sie unter professioneller Anleitung erlernen. Sie werden oft begleitend zu einer Chemotherapie durchgeführt und helfen nachweislich, Nebenwirkungen wie Angst und Übelkeit zu reduzieren und die Lebensqualität allgemein zu verbessern (3). Zum Einsatz kommen vor allem Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelrelaxion (PMR) nach Jacobsen, Autogenes Training, Yoga oder Meditation. Aber auch andere Verfahren können sinnvoll sein. Die Grundlagen dieser Techniken lassen sich auch alleine erlernen – beispielsweise anhand eines Buches oder einer CD.


Hilfe gegen Angst und Depression
   
Angst ist ein zentrales Thema der Psychoonkologie. (3) Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung, vor Schmerzen und vor dem Tod. Angst, nur noch als Kranker wahrgenommen zu werden, nicht mehr geliebt und begehrt zu werden. Aber auch Angst vor dem Alltag, dem sich Krebskranke oft nicht gewachsen fühlen. Starke Ängste haben laut Erhebungen rund die Hälfte aller Krebspatienten (3, 5, 6). Bis zu 60 Prozent der in Studien befragten Patienten galten als depressiv und niedergeschlagen, wobei oft gleichzeitig eine starke Ängstlichkeit bestand. (3, 7, 8). Angst und Depression können ein solches Ausmaß annehmen, dass sie die Diagnosekriterien einer psychischen Erkrankung erfüllen. Solche manifesten Angststörungen liegen bei rund 10 Prozent aller Krebspatienten vor. In derselben Größenordnung bewegen sich so genannte „affektive“ Störungen wie Depressionen (3, 4).In diesen Fällen ist eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Auch das zu erkennen, ist eine Aufgabe der Psychoonkologie.

Im besten Fall greift die Psychoonkologie allerdings bereits früher und verhindert durch differenzierte Angebote, dass Krebskranke in Angst und Depression verfallen. Entspannungstechniken können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Auch eine Musiktherapie kann dazu beitragen, die Angst in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu erhöhen – zumindest kurzfristig. Gleiches gilt für eine Kunsttherapie (3).

Leitlinie schafft Standards
   
Um die Basis für eine qualitätsgesicherte psychoonkologische Behandlung zu schaffen, ist kürzlich eine Leitlinie für medizinisches Fachpersonal erschienen. (3) Darin geben renommierte Experten Empfehlungen dazu ab, wie man die individuellen Bedürfnisse der Patienten erkennen und ihnen gerecht werden kann. Diese Leitlinie ist ein Meilensein und könnte auch dazu beitragen, die Krankenkassen von der Notwendigkeit zu überzeugen, Kosten für entsprechende psychoonkologische Leistungen zu übernehmen.

Aber nicht nur Krebskranke, auch ihre Angehörigen brauchen Unterstützung. (9) Erhöhte Angstwerte sind bei über 40 Prozent der Lebenspartner von Krebskranken zu finden. Manche Krebskranke neigen dazu, sich zu verschließen und möchten nicht über ihre Erkrankung sprechen - laut Aussage der Partner ist das bei jedem sechsten Paar der Fall. Diese mangelnde Kommunikation schürt Ängste – und zwar in der Regel mehr, als die Konfrontation mit den Realitäten zur Folge hätte (10).
Es kann also sinnvoll sein, bei der psychoonkologischen Beratung die Angehörigen mit einzubeziehen. Auch das muss individuell entschieden werden.

Verschließen und Verdrängen sind psychische Strategien, die Energie und Kraft kosten. Das spüren viele Menschen erst, wenn es ihnen gelingt sich zu öffnen. Ein offener Umgang mit der Erkrankung kann sich entlastend auswirken, wobei speziell auch der Austausch mit Menschen, denen es ähnlich geht, für Krebskranke und ihre Angehörigen sehr hilfreich sein kann.

(vieg)

Hilfreiche Links:
Literaturliste zum Thema Psychotherapie von INKAnet.de
http://www.inkanet.de/leben-mit-krebs/body-soul/kunsttherapie-buecher-broschueren

Adressverzeichnis Psychoonkologen des Krebsinformationsdienstes:
http://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php

Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen – mehr dazu in unserem Schwerpunktthema
http://www.krebsgesellschaft.de/ip_pat_tdm_201311-selbsthilfe-artikel,237538.html

Onlineprogramm „Stress aktiv mindern“ – STREAM
http://www.stress-aktiv-mindern.ch/

STREAM ist ein achtwöchiges Onlineprogramm, das anhand von Informationen, Übungen und spezifischen Anleitungen Bewältigungsmöglichkeiten im Umgang mit einer Krebserkrankung aufzeigt.
Daran teilnehmen können Patienten aus dem gesamten deutschen Sprachraum, die erstmalig an einer Krebserkrankung leiden, minimale Internetkenntnisse haben und mindestens 18 Jahre alt sind. Zudem sollte der Beginn der Krebsbehandlung nicht länger als acht Wochen zurückliegen. Die Teilnehmer werden über E-Mail von Psychologen aus dem Studienteam begleitet. STREAM ist ein Angebot von Psychologinnen und Onkologinnen des Universitätsspitals Basel in Zusammenarbeit mit den Universitäten Basel und Bern.


Quellen:

(1) 31. Deutscher Krebskongress 2014. Hauptpressekonferenz: Belastungen erforschen, Abhilfe schaffen - Zum Stand der psychosozialen Onkologie in Deutschland

(2) Herbert Kappauf: Wunder sind möglich - Spontanheilung bei Krebs, Kreuz Verlag 2011

(3) S3-Leitlinie: Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten 2014,http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html

(4) Vehling S et al.: Prävalenz affektiver und Angststörungen bei Krebs: Systematischer Literaturreview und Metaanalyse. PPmP 2012; 62(07): 249-258

(5) Burgess C et al: Depression and anxiety in women with early breast cancer: five year observational cohort study. BMJ 2005; 330(7493):702

(6) Roy-Byrne PP et al.:Anxiety disorders and comorbid medical illness. Gen Hosp Psychiatry 2008;30(3):208-225

(7) Massie MJ: Prevalence of depression in partients with cancer. JNatlCacerInstMongraphs 2004;(32): 57-71

(8) Pirl WF: Evidence report on the occurrence, assessment an treatment of pepression in cancer patients. J Natl Cancer Inst Monographs 2004; (32): 32-39

(9) Sklenarova H et al.: Dyadic communication and distress in cancer patients and their caregivers.
Symposium: PsychoonkologischeVersorgung – State ofthe Art

(10) Dyadische Kommunikation und Belastungen bei Patienten mit
Krebs und deren Angehörigen. Schriftliches Statement von Dipl. Psych. Mechthild Hartmann, Universitätsklinikum Heidelberg im Rahmen der Pressekonferenz „Belastungen erforschen, Abhilfe schaffen - Zum Stand der psychosozialen Onkologie in Deutschland“beim Deutschen Krebskongress am 20.02.2014.


Bilder:

© Robert Kneschke, Fotolia (Bild 1), © XXIV, Fotolia (Bild 2), © danielschoene, Fotolia (Bild 3), © jd-photodesign, Fotolia (Bild 4), © hannamonika, Fotolia (Bild 5)

 


Aktualisiert am: 22.08.14 - 9:24

Geri

  • Global Moderator
  • Super - User
  • *****
  • Beiträge: 654
  • Geschlecht: Männlich
Impulse aus der Positiven Psychotherapie
« Antwort #6 am: 18. November 2016, 00:56 »



Leben in Balance - Neues Schwerpunktthema auf GfBK-Internetseite

Mit Impulsen aus der Positiven Psychotherapie leitet Dr. med. Nawid Peseschkian zur Selbsthilfe an. Seinen Artikel „Leben in Balance“ aus momentum – gesund leben bei Krebs 3/2016 habe ich als aktuellen Schwerpunkt für unsere Internetseite ausgewählt. Die positive Psychotherapie hat das Ziel, das Leben wieder in Balance zu bringen. Balance stellt sich ein, wenn Menschen Körper, Leistung, Kontakt und Fantasie in einen Ausgleich bringen. Lassen Sie sich inspirieren und aktivieren Sie Ihre eigenen Fähigkeiten und Selbsthilfepotentiale.

http://www.biokrebs.de/schwerpunktthema