Autor Thema: Lymphdrüsenkrebs - Forschung und Sonstiges  (Gelesen 7045 mal)

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Lymphdrüsenkrebs - Forschung und Sonstiges
« am: 06. Juli 2012, 11:57 »


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Spektakulärer Erfolg bei der Behandlung von aggressivem Lymphkrebs
« Antwort #1 am: 15. Oktober 2012, 19:37 »



Spektakulärer Erfolg bei der Behandlung von aggressivem Lymphkrebs

Wien (OTS) - ALCL (anaplastic large cell lymphoma) ist eine besonders
aggressive Form von Lymphkrebs. Diese Krebs-Art tritt meist bei
Kindern und Jugendlichen auf und ist bisher schwer zu behandeln.
Jetzt ist es der Gruppe von Lukas Kenner von der MedUni Wien und dem
Ludwig Boltzmann-Institut mit Unterstützung von Karoline Kollmann und
Veronika Sexl von der Vetmeduni Vienna sowie einer internationalen
Forschergruppe gelungen, einen schwerkranken ALCL-Patienten mit einem
spezifischen PDGFR-Inhibitor zu behandeln. Kenner: "Innerhalb von nur
zehn Tagen war der 27-jährige Patient tumorfrei und führt seit mehr
als 22 Monaten ein vollkommen normales Leben. Ohne diese Behandlung
wäre der Patient vermutlich schon verstorben."

Bekannt war bisher, dass bei PatientInnen mit dieser Art von
Lymphkrebs ein bestimmter genetischer Defekt auftritt, der das Gen
NPM-ALK (nucleophosmin-anaplastic lymphoma kinase) aktiviert. NPM-ALK
wird schon länger mit der Entstehung von Krebs in Verbindung
gebracht. Was dieses Gen bei der Krebsentstehung jedoch genau macht,
war bisher unbekannt.

In der nun im Top-Journal "Nature Medicine" publizierten Studie, an
der auch Daniela Laimer und Helmut Dolznig von der MedUni Wien un
Paul Vesely von der MedUni Graz maßgeblich beteiligt waren, fanden
die WissenschafterInnen heraus, dass dieses Gen die Produktion zweier
Transkriptionsfaktoren hervorruft, die ein bestimmtes Protein
aktivieren.

Es gelang den ForscherInnen, dieses Protein (PDGFRB/patelet derived
growth factor receptor B) durch den bereits bekannten Wirkstoff
Imatinib zu hemmen. Dadurch wird die Lebenserwartung der Betroffenen
- nachgewiesen durch in-vivo-Versuche - deutlich erhöht.
Derzeit wird der Lymphkrebs ALCL üblicherweise mit Chemotherapie und
Knochenmarkstranplantation behandelt, Aufgrund der Aggressivität der
Erkrankung erleben aber viele PatientInnen nach anfänglichem
Therapieerfolg einen lebensbedrohlichen Rückfall.

"Unsere Ergebnisse lassen darauf schließen, dass PatientInnen, die
nicht mehr auf Chemotherapie ansprechen, von einer Behandlung mit
Imatinib profitieren", so Kenner. "Unser Patient hatte keine
Behandlungsoptionen mehr und wäre wohl schon vor langer Zeit
verstorben", so Kenner. "Diese Behandlungsform könnte die
Überlebensrate generell deutlich verbessern." Es wurden bereits
weitere PatientInnen, die an aggressivem Lymphknotenkrebs mit
aktiviertem PDGFRB leiden, mittels dieser Therapie in Zusammenarbeit
mit der Universitätsklinik in Bologna erfolgreich behandelt.

Service: Nature Medicine

"Identification of PDGFR blockade as a rational and highly effective
therapy for NPM-ALK driven lymphomas"; D. Laimer, H. Dolznig, K.
Kollmann, P. Vesely, M. Schlederer, O. Merkel, A. Schiefer, M.
Hassler, S. Heider, L. Amenitsch, C. Thallinger, P. Staber, I.
Simonitsch-Klupp, M. Artaker, S. Lagger, S. Pileri, P. Piccaluga, P.
Valent, K. Messana, I. Landra, T. Weichhart, S. Knapp, M. Shehata,
MM. Todaro, V. Sexl, G. Höfler, R. Piva, E. Medico, B. Riggeri, M.
Cheng, R. Eferl, G. Egger, J. Penninger, U. Jaeger, R. Moriggl, G.
Inghirami und Lukas Kenner.

Geri

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Lymphdrüsenkrebs - Forschung und Sonstiges
« Antwort #2 am: 11. Mai 2015, 12:55 »



Neue Therapie-Option bei Subtyp von aggressivem Lymphdrüsenkrebs

Wien (OTS) - Ein internationales ForscherInnen-Team, dem auch die Arbeitsgruppe von Lukas Kenner vom Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien angehört, hat eine spezifische Kombination von Mutationen und neue Genfusionen entdeckt, die am Tumorwachstum bei PatientInnen mit einem besonders aggressiven Subtyp des Lymphdrüsenkrebs (ALCL) maßgeblich beteiligt sind. Die Erkenntnisse, die nun im Top-Magazin "Cancer Cell" publiziert wurden, könnten zu neuen, zielgerichteten Therapien für diese Erkrankung führen, aber auch bei anderen Krebsarten therapeutische Erfolge bringen.

ALCL (anaplastic large cell lymphoma) ist eine besonders aggressive Form von Lymphdrüsenkrebs. Diese Krebs-Art tritt meist bei Kindern und Jugendlichen auf und ist mit Chemotherapie gut zu behandeln, leider spricht aber ein Drittel der Patienten auf die klassiche Therapie nicht an. Vor drei Jahren ist es allerdings den Wiener ForscherInnen gelungen, einen schwerstkranken Patienten mit einer therapieresistenten ALCL mit einem spezifischen PDGF Rezeptor-Blocker zu behandeln. Innerhalb von zehn Tagen war dieser Patient tumorfrei. "Dem Patienten geht es nach wie vor sehr gut und er führt ein ganz normales Leben", berichtet Lukas Kenner von der MedUni Wien, der stellvertretender Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung (LBI-CR) ist sowie an der der Vetmeduni Vienna die Abteilung für Labortierpathologie leitet.

Möglich war der erfolgreiche Einsatz des PDFG Rezeptor-Blockers, weil in diesem Patienten der PDGF Rezeptor durch das für diese Erkrankung typische Fusionsgen NPM-ALK mitreguliert wird. Bei ALCL-Patienten ohne das Fusionsgen NPM-ALK, das sind rund 50 Prozent aller PatientInnen, war es bisher nicht bekannt, wie diese Erkrankung ausgelöst wird.
Mutations-Pärchen identifiziert

Mittels Next Generation Sequencing analysierten die WissenschafterInnen nun die Genome von 155 ALCL-PatientInnen, die das Fusionsgen NPM-ALK nicht besitzen. Die Sequenzierungsdaten zeigten, dass bei mehr als 38 Prozent der PatientInnen die Tumore aktivierende Mutationen in jeweils zwei bestimmten Genen aufweisen, nämlich JAK1 und STAT3.

Die Tumore wurden in Tiere implantiert und anschließend mit Inhibitoren gegen Stat3 und JAK1 therapiert. Diese Behandlung führte in sämtlichen Fällen zu einer deutliche Reduktion des Tumorwachstums. Die Daten zeigen, dass Medikamente zur Blockade des JAK / STAT3-Signalwegs daher eine neue und effektive Strategie zur Behandlung dieser molekularen Subgruppe von ALCLs darstellt. Da sich diese beiden Gene auf demselben Signalweg im Zellstoffwechsel befinden, wird das Tumorwachstum sozusagen doppelt angetrieben.

Zwar gibt es derzeit noch keinen effektiven Inhibitor für STAT3, die Mutation ist aber generell abhängig von der Aktivität von JAK1. Für JAK1 sind hemmende Medikamente verfügbar, die das Potenzial haben, die krebsfördernde Wirkung von Mutationen gleichzeitig auch bei STAT3 einzudämmen. Diese Medikamente sind auch schon von der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) zugelassen und könnten daher sehr rasch bei klinischen Studien eingesetzt werden. Kenner: "Es ist davon auszugehen, dass es diese Art von Mutationen auch bei anderen Krebsarten gibt und dass wir hiermit generell einen Ansatzpunkt für neue Krebstherapien entdeckt haben."
Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien

Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert. Dort werden in der Grundlagen- wie in der klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Die vorliegende Arbeit fällt inhaltlich in den Themenbereich des Clusters für Onkologie.
Service: Cancer Cell

"Convergent Mutations and Kinase Fusions Lead to Oncogenic STAT3 Activation in Anaplastic Large Cell Lymphoma."
http://dx.doi.org/10.1016/j.ccell.2015.03.006.
Rückfragen & Kontakt:

Medizinische Universität Wien
Mag. Johannes Angerer
Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +431 40160 - 11 501
Mobil: +43 664 800 16 11 501
johannes.angerer@meduniwien.ac.at
http://www.meduniwien.ac.at