Autor Thema: PSYCHOONKOLOGIE - Allgemeines  (Gelesen 8992 mal)

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PSYCHOONKOLOGIE - Allgemeines
« am: 12. Juni 2007, 00:06 »

Mit freundlicher Zustimmung von:

http://www.krebsinformationsdienst.de



Psychoonkologie


http://www.krebsinformationsdienst.de/Fragen_und_Antworten/psychoonkologie.html


Die psychosozialen Auswirkungen von Krebs



Der Begriff Onkologie bezeichnet alle wissenschaftlichen Fachrichtungen, die sich mit Krebs befassen. Der Begriff Psychoonkologie bezieht sich daher auf das Themengebiet der seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können und ihrer Folgen.
Als eigenständige Disziplin hat sich die Psychoonkologie erst vor weniger als 30 Jahren etabliert. Entsprechend groß ist der Bedarf an psychoonkologischer Forschung.  Auch haben psychoonkologische Erkenntnisse nach Ansicht von Experten noch keinen ausreichenden Zugang in die Regelversorgung gefunden: Patienten müssen sich noch zu oft selbst um Angebote bemühen oder diese aktiv einfordern.
Womit befasst sich die psychoonkologische Forschung?
Welche Methoden hat die Forschung zur Verfügung?
Wie sieht psychoonkologische Arbeit in der Praxis aus?
Wo und wie sind Psychoonkologen zu finden?
Welche Qualifikation braucht ein Psychoonkologe?
Wo gibt es weitere Informationen zum Thema?


Womit befasst sich die psychoonkologische Forschung?



Die psychoonkologische Forschung beschäftigt sich mit Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Das sind nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Angehörigen der Patienten oder die Ärzte und Schwestern in Krankenhäusern, in denen Krebskranke behandelt werden. Die Forscher sind von ihrer Ausbildung her meist Sozialwissenschaftler (Psychologen und Soziologen) oder Mediziner.
In den letzten Jahren hat sich der Begriff „Psychosoziale Onkologie“ immer mehr durchgesetzt. Er berücksichtigt die Tatsache, dass eine Krebserkrankung Auswirkungen nicht nur auf die betroffene Person selbst, sondern immer auch auf das soziale Umfeld hat. Psychoonkologie wird allerdings oft als Kurzbegriff gleichsinnig verwendet.


Belastung erforschen, Abhilfe entwickeln

Bis in die 90er Jahre stand die Frage nach einem möglichen Beitrag psychischer Faktoren zur Krebsentstehung im Vordergrund psychoonkologischer Forschung. Viele ältere Theorien zur so genannten Krebspersönlichkeit haben dieser Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten.
Ein wichtiges Ziel der neueren Forschung ist es herauszufinden, wie den Betroffenen bei der Bewältigung von Belastungen geholfen werden kann, die eine Krebserkrankung mit sich bringt. Daneben hat der in der Psychoonkologie entwickelte Begriff der Lebensqualität dazu beigetragen, dass bei der Erforschung neuer Behandlungsmethoden die Belastungen durch die Behandlung viel stärker berücksichtigt wird: Die Zulassung neuer Medikamente in der Krebsmedizin ist heute ohne Aussagen zur Lebensqualität der damit behandelten Patienten kaum noch vorstellbar.


Welche Methoden hat die Forschung zur Verfügung?
Viele Psychoonkologen arbeiten mit Interviews in Gesprächen oder per Fragebogen, neuerdings auch über das Internet: Sie befassen sich mit dem Ausmaß der seelischen Belastung, den Bewältigungsstrategien, Beschwerden oder Schmerzen und mit Aspekten der Lebensqualität insgesamt.
Die Beantwortung solcher Fragebogen ist für einige Patienten in ihrer schwierigen Situation oft lästig oder zusätzlich belastend. Leichter fallen diese Auskünfte vielleicht, wenn man sich die Auswirkungen dieser Forschung auf die Verbesserung der Versorgung von Krebspatienten in Deutschland wie in anderen Ländern vor Augen führt. Andere Betroffen nützen diese Möglichkeiten jedoch auch als Anknüpfung zu vertiefenden Gesprächen über ihre Situation.

Forschung nach strengen Richtlinien geregelt
Die Datenerhebung erfolgt meist zu mehreren Zeitpunkten, zum Beispiel während eines Klinikaufenthaltes und dann noch einmal einige Zeit nach Beendigung einer Therapie. Da die psychosoziale Onkologie wie andere Teilgebiete der Krebsforschung den modernen Standards und gesetzlichen Vorgaben für Studien verpflichtet ist, erfolgen Befragungen, Speicherung, Auswertung und Veröffentlichung von Daten unter Beachtung strenger Richtlinien. Patienten, die zur Teilnahme an einer solchen Studie aufgefordert werden, werden zum Beispiel über den Schutz ihrer Daten informiert und können jederzeit die Beteiligung ablehnen, ohne dass ihnen daraus irgendwelche Nachteile entstehen.

Wie sieht psychoonkologische Arbeit in der Praxis aus?
Psychosoziale Aspekte sind bei allen Menschen berührt, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Die eigentliche Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:
•   Patienten
Sie erhalten Beratung, Betreuung  und gegebenenfalls Behandlung in Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen, über psychosoziale Beratungsstellen und in psychotherapeutischen Praxen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung; entscheidend für das Vorgehen ist dabei das subjektive Erleben des Betroffenen, also seine eigene Einschätzung, wie er sich fühlt. Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen – auch sie müssen die Belastungen mit verkraften und bewältigen.
•   Ärzte und Pflegepersonal
Psychoonkologische Fortbildungen sollen medizinische Fachkräfte dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatienten auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und Verhaltensweisen der Patienten besser zu verstehen. Supervision, die Auseinandersetzung mit Belastungen im Berufsalltag unter Anleitung, kann dazu beitragen, diese besser zu bewältigen, einem so genannten Burnout in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs vorzubeugen und eine größere Zufriedenheit im Beruf zu erlangen.


Wo und wie sind Psychoonkologen zu finden?

Mitarbeiter aus den verschiedenen Berufen des Gesundheitswesens und Wissenschaftler, die psychoonkologisch ausgerichtet sind, haben sich in zwei Fachverbänden zusammengeschlossen: 
•   Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V. (dapo, www.dapo-ev.de) und
•   Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO, www.pso-ag.de).
Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Vereinigungen in anderen Ländern im Austausch.
Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich an die dapo wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de/adressen.html. Auch die regionalen Krebsberatungsstellen (hier eine Liste) helfen weiter.


Welche Qualifikation braucht ein Psychoonkologe?
In Zusammenarbeit der beiden Fachverbände wurde ein Weiterbildungsgang „Psychosoziale Onkologie“ entwickelt, der berufsbegleitend auf zwei Jahre ausgelegt ist. Er umfasst theoretische wie praktische Elemente. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium.
Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. bestätigt. Der Weiterbildungsgang wird allerdings erst seit 1994 angeboten, so dass die flächendeckende Versorgung mit Angeboten der psychosozialen und psychoonkologischen Unterstützung auch durch anders qualifizierte Fachleute gewährleistet werden muss.


Mehr zum Thema Psychoonkologie beim Krebsinformationsdienst
Angehörige und Freunde   
Angst   
Krankheitsverarbeitung   
Lebensqualität   
Psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung   
Psychologische Hilfen   
Spontanheilung und Psyche   
Stress und Krebs   


Jutta

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Burn out - ich auch?
« Antwort #1 am: 11. September 2007, 21:28 »

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Artikel vom 19.07.2007

Tanja

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Psychotherapie nach Krebsoperation
« Antwort #2 am: 22. Februar 2008, 12:42 »

Psychotherapie verbessert Prognose nach Krebs-Operation

Psychotherapie ist nicht nur ein effektives Mittel, um die Krankheitsverarbeitung und die Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern – anscheinend hat das Verfahren auch eine positive Wirkung auf die Überlebensrate nach einer Tumoroperation. Zu diesem Schluss kommen deutsche und kanadische Wissenschaftler in einer kontrollierten Studie.

„Ein individualisiertes psychotherapeutisches Vorgehen, das innerhalb eines interdisziplinären Operations-Teams und möglichst früh vor einem Eingriff angeboten wird, hat einen signifikanten Einfluss auf die Langzeit-Überlebensrate von Patienten mit gastrointestinalem Karzinom“, fasst Studienleiter Thomas Kuchler von den Universitätskliniken Schleswig-Holstein in Kiel die Resultate der Untersuchung zusammen.

Das Team um Kuchler hatte 271 Patienten mit verschiedenen bösartigen Tumoren des Verdauungstraktes (Magen, Kolon, Leber, Pankreas) beobachtet, die operativ behandelt werden sollten. Nach Randomisierung erhielt die Hälfte der Teilnehmer in der Vorbereitungsphase des Eingriffs eine psychotherapeutische Begleitung, die anderen Patienten wurden routinemäßig versorgt.

Nach zehn Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied hinsichtlich der Sterblichkeit: Während in der Psychotherapie-Gruppe noch 29 von 136 Krebspatienten lebten, waren es in der Kontrollgruppe lediglich 13 von 135. Der Überlebensvorteil durch die Psychotherapie bestand auch nach Korrektur der Ergebnisse auf TNM-Staging und Residual-Tumor-Klassifikation weiter. Die Autoren empfehlen daher eine zeitlich begrenzte psychotherapeutische Begleitung von Patienten mit gastrointestinalen Karzinomen im Vorfeld einer Operation als kosteneffektives Verfahren, um die Prognose der Betroffenen langfristig zu verbessern. JG

Eine Meldung der Nachrichten Agentur Medizin

Clinical Oncology (2007); 25: 2702-8



Tanja

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JETZT: Psychologin, Psychologen! Aber welche(n)?
« Antwort #3 am: 23. April 2008, 09:41 »

Radio ORF - Ö1 Programm

Mittwoch,
23. April 2008
14:45 Uhr

Ganz Ich - Wohlfühlen mit Ö1 *

Der Entschluss, eine Psychotherapie zu beginnen, fällt oft schon schwer genug. Wie schwer ist es erst, den "richtigen" Therapeuten zu finden.

Soll es ein Mann sein oder eine Frau? Soll sie oder er eher älter sein, weil höchstwahrscheinlich erfahrener? Wonach richtet man sich am besten? Nach dem "Ruf" oder nach Sympathie ? Und was, wenn die Chemie nicht stimmt?

Gitti

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Männer keine Depressionen?
« Antwort #4 am: 08. Juni 2008, 16:56 »

Depression – (r)eine Frauensache?

Internationale Bevölkerungsstudien belegen Unterbehandlung bei Männern. Mittels verbesserter Depressionsdiagnostik in der ärztlichen Praxis kann Männerdepressivität leichter entdeckt werden

Mehr zum Thema

    * Frauen und Depression
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    * Lassen Sie sich helfen: Gemeinsam gegen die Depression

Die Problematik ist nicht neu: Haushalt, lebhafte Kinder und zusätzlich ein anspruchsvoller Job. Schon lange müssen viele Frauen diesen Ansprüchen gerecht werden. Ist der Stress ohne Hilfe nicht mehr zu bewältigen, entwickeln überforderte Frauen nicht selten eine Depression. Dennoch, dass Frauen etwa zwei- bis dreimal häufiger an einer Depression als Männer erkranken, heißt noch lange nicht, dass die Depression nicht auch ein
Männerleiden ist....http://www.special-depression.de/depression/warum_ich/maenner/content-183794.html

Tanja

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Worte sind Medizin für Krebskranke - Psychotherapie auf Krankenschein
« Antwort #5 am: 10. September 2008, 11:59 »

Anmerkung:
Somit wäre es höchst an der Zeit, dass Krebspatienten sofort und auf Krankenschein eine Psychotherapie
bekommen und nicht nur Psychopharmaka.



Auch seelische Betreuung ist bei Krebs lebenswichtig. Die Psychoonkologie integriert sie in die Behandlung.

Wer einmal selbst oder bei nahestehenden Menschen mit der Diagnose Krebs konfrontiert war, weiß, wie wichtig das gesprochene Wort ist. Bei der Diagnose und auch während der Krebstherapie mit ihren notwendigen, aber belastenden Therapien. Doch wie im hektischen medizinischen Alltag die richtigen Worte oder überhaupt die Zeit finden? Noch dazu, wenn dem Patienten durch seine momentane Ausnahmesituation quasi der Mund verschlossen ist?

"In der Onkologie (Krebsmedizin, Anm.) müssen wir oft katastrophale Botschaften überbringen", sagt Univ.-Prof. Alexander Gaiger vom Wiener AKH. "Als Ärzte müssen wir uns gerade in so einer Situation mehr auf die Patienten einlassen."

Das wird im noch jungen Wissenschaftszweig Psychoonkologie versucht. "Ihr Wesen ist im Grunde die Begegnung und Beziehung zwischen Patient und Arzt. Eine gute Beziehung ist auch bei Krebs die Basis für mehr Verständnis."

Diesem gewachsenen Stellenwert trägt auch der diesjährige Kongress Rechnung, den die Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie organisiert hat und der derzeit in Baden bei Wien stattfindet. Dort beleuchten Ärzte, Psychologen, Krankenpfleger und Therapeuten fachübergreifend alle Facetten der Arbeit mit Krebskranken. "Das Ziel sind gemeinsame Konzepte, mit denen wir die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen können. Je weniger die Krankheit begreifbar ist, desto schwerer ist es, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen", betont Gaiger.

Mit Gefühl: Informationen müssten so vermittelt werden, dass sie eine wirkliche Hilfe für das Leben mit Krebs sind. "Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie gerade stehen." Im Moment der Diagnose komplizierte Therapien anzusprechen, sei bei den meisten kontraproduktiv: "Der Patient hört in diesem Moment nicht mehr zu. In einigen Tagen will er aber vielleicht schon mehr wissen. Das muss man respektieren." Stundenlange Gespräche sind für einen mitfühlenden, aber produktiven Dialog übrigens gar nicht notwendig. "Oft reicht es, zehn Minuten das Handy auszuschalten und sich für den Patienten Zeit zu nehmen", sagt Gaiger.

Wichtig sei auch, die Betroffenen von Schuldgefühlen zu entlasten. "Wer krank wird, hat nichts falsch gemacht. Die Ursachen von Krankheit und Gesundheit sind überaus vielfältig. Die meisten Krankheiten sind einfach eine Verkettung von Zufällen."

Junge Disziplin: Hilfe und Forschung

Die Verbindung zwischen körperlichen Leiden und Psyche ist seit Hippokrates bekannt. Die Psychoonkologie etablierte sich seit den 1980er-Jahren. Heute ist sie ein interdisziplinärer Fixpunkt in der Krebstherapie. Im AKH Wien etwa gibt es eine Abteilung, die sich neben der Patientenbetreuung auch der Aus- und Weiterbildung sowie der Forschung widmet.

Buchtipp: C. Simonton, J. Creighton, Wieder gesund werden, rororo-Verlag, 9,20 €.

Link: http://kurier.at/freizeitundgesundheit/gesundheit/195692.php

    * Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie http://www.oegpo.at/

Artikel vom 05.09.2008 08:51 | KURIER | Ingrid Teufl

hilde

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Psychotherapeutische Krisenintervention - Psyche und Krebs
« Antwort #6 am: 19. März 2009, 21:52 »
http://www.oego.or.at/index1.htm

Psychotherapeutische Krisenintervention

Psyche und Krebs

[ zum Themenverzeichnis ]

Dieses Thema gliedert sich in drei Bereiche:

   1. Kann die Psyche Krebs mit auslösen?
   2. Wie gehe ich mit der Krankheit um, wenn ich bereits an Krebs erkrankt bin?
   3. Wie gehe ich als Angehöriger, Arzt oder Betreuer mit dem Krebspatienten um?

Allein aus  diesen Fragen wird einem schon bewusst, wie vielschichtig und groß der Einfluss der Psyche im Menschen ist.


Kann die Psyche Krebs mitauslösen?

Heutzutage steht es außer Zweifel, dass die Psyche ein starker Mitauslöser bei Krebserkrankungen ist. Wie es den Typus für Herz – Kreislauferkrankungen gibt, so gibt es auch einen Typus, der eher zur Krebserkrankung neigt. Ersterer leidet mehr unter Stress, jagt von einem Termin zum anderen, der zweite Typ ist eher jener Mensch, der alle Sorgen in sich vereint. Er neigt stärker zum Perfektionismus und kann nur selten „Nein“ sagen. Er schluckt die Dinge oftmals in sich hinein. Anstatt klare Grenzen zu ziehen, nimmt er unbegrenzt neue Aufgaben an. Wer jedoch Schwierigkeiten hat, sich abzugrenzen und Nein zu sagen, der kann sich auch nur schwer von seiner Krebserkrankung abgrenzen und Nein zu ihr sagen.

Prinzipiell muss man jedoch mit obiger Typisierung sehr aufpassen. Des Menschen Psyche ist viel zu komplex, um sich in Kategorien einteilen zu lassen. Auch die Entstehungsgeschichte von Krebs lässt sich nicht einfach auf ein bestimmtes Verhalten reduzieren. So kommt es vor, dass Menschen die vom Typus her zum Herzinfarkt neigen, krebskrank werden und umgekehrt.

Klar steht fest, dass die Psyche eine ganz wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krebs spielt. Deswegen sollte bei jeder Krebserkrankung auch eine individuelle Psychotherapie begleitend zu den medizinischen Therapien durchgeführt werden.
LINKS:

Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie ÖGPO
ÖGPSO

Wie gehe ich mit der Krankheit um, wenn ich bereits an Krebs erkrankt bin?

Erst wenn wir erkennen, dass Leben grundsätzlich wertvoll ist, ist es auch wertvoll, sich für das Leben einzusetzen. Diese Erkenntnis hängt jedoch primär davon ab, ob ich Sinn im Leben wahrnehme. Prof. Dr. Viktor Frankl prägte hier den Begriff vom „Sinn im Leben“. Er war selbst lange Zeit im Konzentrationslager, wo er auch den Grossteil seiner Familie verloren hat. Oft war er direkt mit dem Tod konfrontiert.
Im Angesicht des Todes fragt man immer nach dem Sinn des Lebens.Deswegen prägte er auch den Begriff von „der tragischen Trias“ ( von Krankheit, Leid und Tod) bei welcher immer auch die Frage nach dem Sinn im Leben auftaucht.Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Länge des Menschenlebens in keinem Zusammenhang mit seiner Erfüllung steht. So kann ein junger Krebspatient, welcher seiner Krankheit erliegt, ein erfüllteres Leben gelebt haben wie ein alter gesunder Mensch. Nicht die Zeitspanne des Lebens ist entscheidend, ob (m)ein Leben sinnvoll ist, sonder das, womit diese Zeitspanne erfüllt ist.
Es gilt, das Leben mit Werten zu füllen, bzw. wertvoll zu gestalten.

Die Wertkategorien nach Prof. Dr. Frankl:

Prof. Frankl teilt die Werte in drei Kategorien ein:

   1.
      Die schöpferischen Werte:
      Sie stellen sogenannte Leistungswerte dar.
      Was ich als Mensch beruflich und privat alles geleistet habe, stellt ohne Zweifel einen Wert dar. In diesem Wert leben sehr viele Menschen. Lebe ich jedoch ausschließlich nur in dieser Wertkategorie, so kann es leicht passieren, wenn ich meinen Beruf nicht mehr ausüben kann (Pension, Krankheit, Arbeitslosigkeit), dass ich das Leben bereits wertlos finde. Scheinbar verwirkliche ich keinen schöpferischen Wert mehr und so erscheint mir das Leben mehr oder weniger sinnlos.

   2.
      Die Erlebniswerte:
      Sie stellen eine weitere Wertkategorie dar.
      Sie bereichern weniger die Welt, sondern ausschließlich mich selber. So kann ein wunderbares Musikstück oder auch ein herrlicher Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang ein wertvolles Erlebnis in sich darstellen. Niemand wird im Moment eines gewaltigen Musikerlebnisses sein Leben für sinnlos empfinden. Dieser Wert hängt sehr viel mit  „sich Zeit nehmen für sich selber“ zusammen. Einmal ein gutes Buch lesen oder ein Naturereignis beobachten. Dazu muss man aber auch hin und wieder „Nein – Sagen“ können.
      In dieser Wertkategorie erkenne ich, dass ein Leben auch ohne Leistung zu vollbringen lebens-wert sein kann. So finde ich auch noch z.B. in der Pension  Sinn im Leben.

   3.
      Der Einstellungswert
      Dieser Wert bereichert sowohl die Welt, als auch mich selber.
      Er besagt, dass, wie ich mich zu einer Sache einstelle, auch darin noch ein Wert liegt. So kann ein Mensch auf Grund einer Lähmung der Beine sein Leben für sinnlos empfinden oder er erkennt, dass ihm selbst mit einer Behinderung noch Möglichkeiten im Leben offen stehen. Er kann nicht mehr bei einem Laufwettbewerb mitmachen, aber er kann mit seinen Händen noch vieles tun. Er könnte für andere Menschen musizieren, er könnte ein Buch schreiben oder sogar bei der Behindertenolympiade teilnehmen. Daraus sieht man, wie ich mich zu meiner Erkrankung einstelle, auch dass ergibt Sinn im Leben.
      Viele Menschen bewundern erkrankte Menschen, wie sie ihr Schicksal meistern.
      Warum?
      Weil sie Werte verwirklichen und ihr Leben für die unbegrenzte Möglichkeit, Sinn im Leben zu erfahren, steht.

So ist Leben letztendlich lebenswert, will heißen, letztendlich möglichst Leben wertvoll zu gestalten, solange ich lebe.
Streben ist eben auch ein Teil unseres Lebens, ebenso wie Leid und Krankheit. Habe ich das Leben im guten angenommen, so ist es auch meine Aufgabe das Leben in der tragischen Trias zu leben.

Der Aufgabencharakter des Lebens (nach Prof. Viktor Frankl):

Macht nicht erst die Begrenztheit des Lebens Leben sinnvoll?
Was wäre das für ein Leben, könnte ich alles in die Ewigkeit verschieben?
Wäre es nicht völlig sinnlos, heute und jetzt etwas zu erledigen?
Erst der Tod, erst der Begriff der Zeit, ja erst die Begrenztheit des Lebens birgt Verantwortung in sich, birgt den Aufgabencharakter des Lebens in sich. Erst durch die Begrenztheit wird es notwendig, heute und jetzt einen Wert zu verwirklichen. Prof. Frankl lebte dies auch eindrucksvoll vor, wenn er selbst im KZ, einer scheinbar aussichtslosen Zeit, noch Sinn im Leben fand. Er war sich dessen bewusst, dass das Leben wie ein weißes Blatt Papier ist. Und jetzt gilt es, dieses Blatt Papier zu füllen mit Inhalten - in guten wie in schlechten Zeiten.

Nicht wir fragen das Leben nach dem Sinn, sondern das Leben frägt uns nach Sinn. Wir müssen darauf antworten. Indem wir Werte verwirklichen, machen wir es auch zu einem sinnvollen Leben.

Wie gehe ich als Angehöriger, Arzt oder Betreuer mit dem Krebspatienten um

Hier geht es vor allem um Offenheit dem Patienten gegenüber.
Wenn der Patient einmal gemerkt hat, dass ihn der Arzt oder seine Betreuer angelogen haben, so wird er auch später nicht mehr vertrauen können. Wenn man in einem späteren Stadium dem Patienten erklären möchte, dass es Medikamente gegen die Schmerzen gibt, welche ihm mit Sicherheit helfen können, so wird er nicht mehr vertrauen, wenn ich zuerst erklärte, dass die Krankheit eh nicht so schlimm ist und „es wird schon wieder werden“.
Die meisten Patienten spüren den Moment, wenn es kein Zurück mehr gibt, wenn keine Heilung mehr möglich ist. Die meisten Patienten wissen auch genau, wann es soweit ist, dass sie sterben müssen. Wenn man zu diesem Zeitpunkt immer noch heile Welt spielt, bleibt der Patient mit seinen Ängsten und Fragen oftmals auf der Strecke.
Ihn interessiert vor allem:
Wie werde ich sterben?
Werde ich Schmerzen haben, was erwartet mich danach?
Viele finden auch wieder zu religiösen Werten zurück. Wenn ich aber zu diesem Zeitpunkt immer noch sage  „...wird schon wieder werden. Mach Dir keine Gedanken...“ usw., dann bleiben viele Fragen unbeantwortet und der Patient steht allein und isoliert mit den Fragen, die ihn wirklich bewegen, da.
Dazu ist es aber oftmals notwendig, dass wir selber erst einmal eine Einstellung zum Tod bzw. zur tragischen Trias gefunden haben.

(Links: Viktor Frankl Institut VFI, Ausbildungsinstitut für Logotherapie und Existenzanalyse ABILE)

 
Psychotherapeutische Langzeitbetreuung
[ zum Themenverzeichnis ]

In der Langzeitbetreuung von krebskranken Patienten gilt es immer wieder von Neuem, Werte für die es sich lohnt zu leben, aufzuzeigen. (siehe Psychotherapeutische Krisenintervention).
Gleichzeitig müssen wir aber auch auf Fragen antworten, die den Patienten quälen:
Wird mein Leben unnötigerweise verlängert?
Wie werde ich sterben?
Welche Betreuungsmöglichkeiten stehen mir zur Verfügung?
Muss ich im Spital sterben oder wird mich mein Hausarzt zu Hause betreuen?
Welche Therapiemöglichkeiten außer der klinischen Medizin stehen mir noch zur Verfügung?
Werde ich Schmerzen haben?
Wie sind meine Hinterbliebenen versorgt?
Welche Behinderten Zuschüsse und Pflegegeld Ansprüche stehen mir rechtlich zu?

All diese Fragen bewegen unbewusst einen Patienten in den verschiedensten Abschnitten seines Lebens oder seines Krankseins. Es ist daher wichtig in Absprache mit dem Hausarzt, diese Fragen zum jeweils gegebenen Zeitpunkt mit dem Patienten zu besprechen. Hier kommt dem Hausarzt als langjährigem Betreuer der ganzen Familie - und doch als nicht direkt Involvierter -  eine ganz wesentliche Rolle zu.
Letztendlich sollte der Mensch als Wesen, ausgestattet mit einem freien Willen, auch in dieser schwierigen Zeit gefragt werden und es muss der Wille des Patienten respektiert werden. Nicht der Wille des Arztes, eines Spitals oder der Angehörigen zählt. Sie alle haben lediglich nur beratende Funktion, aber die Entscheidungsfreiheit darf dem Patienten nicht geraubt werden.

(Zusammengestellt von Dr. Klaus Gstirner, Lehrtherapeut und Psychotherapeut nach Prof.Viktor E. Frankl, Logotherapie und Existenzanalyse, ABILE = Ausbildungsinstitut für Logotherapie und Existenzanalyse)

Links:

Curriculum oncologicum  1/98 ab Seite 20
Curriculum oncologicum  1/95 ab Seite 28
Curriculum oncologicum  2/97 ab Seite 77

Wenn Sie die Artikel im Volltext anfordern wollen, bitte E-Mail an:oego@oego.or.at

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PSYCHOONKOLOGIE - Psychoedukation bei Krebs
« Antwort #7 am: 17. März 2021, 18:50 »
8765



Psychoedukation bei Krebs

22.02.2021

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Eine wirksame Methode, um den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern.

Krebspatienten kann es im Umgang mit ihrer Krankheit helfen, neben psychotherapeutischer Unterstützung auch psychoedukative Interventionen zu durchlaufen. Darüber wird in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Der Onkologe berichtet.

Unter Psychoedukation werden Maßnahmen verstanden, die auf die Vermittlung von Informationen und die Schulung der Patienten ausgerichtet sind. Sie sollen den Patienten helfen, wieder Kontrolle über sich und ihren Körper zu gewinnen und Strategien zum Selbstmanagement zu entwickeln. Die Patienten erhalten gezielte Beratung und Wissensvermittlung über die Tumorerkrankung, die Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten, allgemeines gesundes Verhalten. Zudem werden ihnen konkrete Übungen und Handlungsanweisungen für verschiedene Probleme vermittelt, etwa bei besonderem Stress durch berufliche oder familiäre Belastungen, Therapieanstrengungen oder Ängsten zum ungewissen Krankheitsausgang. Strategien zur Selbstkontrolle werden vermittelt, zum Beispiel durch Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder gelenkte Imagination.

Dies alles findet je nach Bedarf und Art der Intervention in Einzel- oder Gruppensitzungen statt. Einige Interventionen bestehen aus nur einer einzigen Sitzung, andere erstrecken sich über mehrere Monate.

Psychoedukation kann bei Krebspatienten zahlreiche positive Effekte hervorrufen. Langfristig verbessert sich die Lebensqualität der Betroffenen. Aber auch kurzfristig sind Wirkungen messbar. So können psychoedukative Interventionen die Angst und Depressivität vor Operationen und Chemotherapie reduzieren und die Angst vor einem Wiederkehren des Tumors mindern. Und selbst tumor- und therapiebedingte Beschwerden wie Fatigue und Schmerzen können gelindert, die Schlafqualität angehoben werden. Allgemein verbessert sich infolge psychoedukativer Maßnahmen das Wohlbefinden von Krebspatienten.

 

Quelle:

Weis J & Heckl U et al. Psychoedukation mit Krebspatienten. Hintergrund und wissenschaftliche Evidenz. Der Onkologe 2021, 27(1):54-62