Autor Thema: Gesundheit und Politik  (Gelesen 7108 mal)

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Gesundheit und Politik
« am: 26. Dezember 2009, 20:45 »

http://www.austria-lexikon.at/af/AEIOU/Sozialmedizin

Sozialmedizin (Sanitätswesen, Gesundheitswesen), umfasst alle nach medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen geschaffenen Einrichtungen und Maßnahmen, die der Erhaltung und dem Schutz der Gesundheit der gesamten Bevölkerung, der Feststellung und Behandlung von Krankheiten des Einzelnen und der Pflege von Kranken und Genesenden dienen.

Gesetzgebung und Vollziehung liegen überwiegend in Bundeskompetenz, nur relativ wenige Zuständigkeiten werden von den Ländern wahrgenommen. In Bezug auf die Krankenhäuser gibt der Bund die Grundsatzgesetze vor, die Länder erlassen und vollziehen die Ausführungsgesetze. Der Bund besitzt weiters die sanitäre Aufsicht gegenüber den unterschiedlichen Rechtsträgern.

Die oberste öffentliche Gesundheitsverwaltung, die Gesetze vorbereitet und ausführt, Verordnungen erlässt, Abläufe regelt und Kontrollen durchführt, ist das Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz (Gesundheitsministerium), das 1973 aus dem Bundesministerium für Soziales herausgelöst wurde; die Agenden der Sozialversicherung verblieben aber in diesem Ministerium. Auf Landesebene bestehen politische Referenten und Gesundheitsabteilungen, geleitet von den Sanitätsdirektoren, diesen sind auf Bezirksebene die Gesundheitsämter unterstellt.

Den Behörden stehen mehrere Beratungsgremien zur Verfügung. Der Oberste Sanitätsrat ist ein medizinisch-wissenschaftliches Organ, bestehend aus Spitzenpersönlichkeiten aller medizinischen Fächer, er berät das Gesundheitsministerium in allen grundsätzlichen medizinischen Fragen und gibt Gutachten ab. In ähnlicher Weise wirken auf Landesebene die Landessanitätsräte, die darüber hinaus auch Beurteilungen über Ärzte, die sich um wichtige Berufspositionen (Primariate) bewerben, erstellen.

Andere Fachbeiräte des Ministeriums sind der Impfausschuss, die Kommission für das Österreichische Lebensmittelbuch, eine Strahlenschutzkommision, ein Beirat für Psychische Hygiene und ein Beirat zur Bekämpfung des Missbrauchs von Alkohol und anderen Suchtmitteln.

Die wichtigsten Träger der Sozialmedizin sind die Ärzte. Sie nehmen die eigentlichen medizinischen Aufgaben in Ordinationen, Krankenanstalten und Kliniken, Ambulatorien, Instituten, Kuranstalten und Rehabilitationszentren wahr.

Das Ärztegesetz von 1949 (mit Novellen) definiert, dass die Ausübung des ärztlichen Berufs alles umfasst, was eine auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen (das heißt Ergebnissen, die durch die Erfahrungen der ärztlichen Kunst gefestigt sind) begründete, an Menschen unmittelbar oder mittelbar ansetzende Tätigkeit mit der Zielrichtung Gesundheit darstellt. Es dürfen nur fertig ausgebildete Ärzte eigenverantwortlich tätig werden, Heilpraktiker, Kurpfuscher und andere Personen, die ihr diagnostisches oder therapeutisches Handeln auf bloße Meinungen, auf Glauben oder auf unbewiesene Behauptungen stützen, sind in Österreich nicht zugelassen.

Die Ausbildung zum Arzt beginnt mit dem mindestens 12 Semester dauernden Studium der Medizin. Es wird mit der Verleihung des Titels eines Doktors der gesamten Heilkunde abgeschlossen. Darauf folgt in der Regel eine 3-jährige Ausbildung ("Turnus"), die praxisbezogen an den wichtigsten Fachabteilungen einer Krankenanstalt absolviert wird, wobei die jeweilige Mindestdauer festgelegt ist. Seit einigen Jahren kann auch maximal ein Jahr Ausbildung in einer Lehrpraxis eines niedergelassenen Arztes angerechnet werden. Die Absolvierung des Turnus bringt das Dekret eines praktischen Arztes und damit die Erlaubnis zu einer unbeaufsichtigten eigenverantwortlichen ärztlichen Tätigkeit.

Im Anschluss an diese Phase kann eine 6 Jahre dauernde Facharztausbildung mit Schwerpunkt im Hauptfach und einigen Nebenfächern durchlaufen werden. In einzelnen Facharztsparten gibt es eine Subspezialisierung in Form von Zusatzfacharzttiteln. Auch die Facharztdekrete erlauben eine eigenverantwortliche Tätigkeit und damit die Einrichtung einer eigenen Ordination.

Institutionen, die als Ausbildungsstätten fungieren wollen, werden einem Prüfungsverfahren unterzogen und nur unter bestimmten Voraussetzungen als solche anerkannt.

Die Berechtigung zur Errichtung einer eigenen Praxis ist nicht an einen Vertrag mit den Krankenkassen gebunden. Die Anzahl der Kassenordinationen für die verschiedenen Sparten wird in den einzelnen Regionen in Verhandlungen zwischen der Ärztekammer und den Sozialversicherungsträgern festgelegt.

Unterschieden werden somit Ärzte in Ausbildung, freiberufliche praktische Ärzte und Fachärzte, angestellte Ärzte und niedergelassene Ärzte, wobei Überschneidungen möglich sind. Besondere (meist Zusatz-)Funktionen sind Schularzt, Betriebsarzt, Notarzt, Kurarzt, Gemeindearzt, Gutachter, Sachverständiger und Polizeiarzt. Der Amtsarzt, der bei verschiedenen Behörden tätig ist, muss zusätzlich eine Physikatsprüfung ablegen und ist der hauptsächliche Träger jenes Teils des Gesundheitswesens, der den öffentlichen Bereich betrifft.

Fachärzte gibt es unter anderem auf folgenden Gebieten: Anästhesie, Augenheilkunde, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin, Kinderheilkunde, Lungenkrankheiten, Neurochirurgie, Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie, Physikalische Medizin, Radiologie, Unfallchirurgie, Urologie und Zahnheilkunde (für letztere bedarf es nach dem Doktorat lediglich einer 2-jährigen praktischen Ausbildung). Darüber hinaus gibt es eine Reihe von therapeutisch tätigen Fachärzten, teils in kliniknahen Bereichen (zum Beispiel Laboratoriumsmedizin, Pathologie), teils aus rein theoretischen Fächern (zum Beispiel Pharmakologie, Immunologie).

Alle Ärzte sind Mitglieder einer offiziellen Standesvertretung in Form von Landesärztekammern, denen die Österreichische Ärztekammer übergeordnet ist. Diese Ärztekammern regeln die Belange ihrer Mitglieder, führen die Ärztelisten, begutachten neue Gesetze, verhandeln mit den Behörden und anderen Institutionen und unterstützen die Fortbildung der Ärzteschaft.

Ohne die Mithilfe anderer großer Berufsgruppen ist die Arbeit der Ärzte innerhalb der Sozialmedizin nicht möglich; dazu gehören der Krankenpflegedienst (diplomierte Krankenschwestern und Pfleger, Schwesternhelferinnen, Krankentransportpersonal), die Hebammen und die medizinisch-technischen Dienste (Physiotherapeutische Assistenten für Heilgymnastik, Medizinisch-technische Assistenten für Labordienst, Röntgenassistenten, Ergotherapeuten, Diätassistenten usw.), insgesamt waren dies 1994 63.912 Personen. Weiters zählen dazu die Pharmazeuten in den Apotheken und den Betrieben, die Helfer in den Ordinationen und schließlich nicht direkt medizinisch tätige Personen bei Behörden, in Verwaltungen und Büros.

Eine Sonderstellung nehmen die Dentisten ein. Ihre Ausbildung wurde 1975 eingestellt, die existierenden Dentisten dürfen aber ihre Tätigkeit bis zu ihrem Ruhestand ausüben.

Zur Sozialmedizin zählen bestimmte Prüfungsabläufe: Arzneimittel dürfen nur verkauft werden, wenn sie nach einem genauen Verfahren einschließlich Sicherheitsprüfung und Preisfestsetzung offiziell zugelassen sind. Sie werden auch später fallweise überprüft. In ähnlicher Weise wird mit anderen medizinischen Bedarfsartikeln, Impfstoffen und mit allen medizinischen Geräten verfahren.

Besondere Einrichtungen befassen sich mit der Betreuung von Schwangeren und Kleinkindern (Mutter-Kind-Pass) sowie mit der Gesundheit der Schüler, mit tuberkulös Erkrankten, mit Geschlechtskrankheiten, mit der AIDS-Problematik und mit der Betreuung psychisch Kranker (psychiatrische Krankenhäuser). Die Förderung von Gesundheitserziehung, die Krankheitsvorsorge und die Krebsbekämpfung sowie die Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte der Umweltproblematik sind sozialmedizinisch wichtige Aspekte der Volksgesundheit.

Ein in der Bedeutung zurückgegangener, aber immer noch wichtiger Aspekt besteht in der Verhütung von übertragbaren Krankheiten und Epidemien durch die entsprechenden hygienischen Auflagen für die Trinkwasserbereitung und Kanalisation, durch Reinhaltung der Verkehrswege, baupolizeiliche Vorschriften und Vornahme von Impfungen. Bei Auftreten von entsprechenden Fällen sorgen die Behörden für eine Bekämpfung von Seuchen.

Vom öffentlichen Gesundheitsdienst wird auch die Veterinärverwaltung und die Überwachung des ordnungsgemäßen Verkehrs mit Giften vorgenommen.

Dem Gesundheitsministerium kommt auch die Verwaltung der natürlichen Heilvorkommen zu, die in der Kontrolle der Heilbäder, der Kurorte mit Heilquellen, von Moor oder Schlamm sowie klimatischen Heilfaktoren besteht.

Zur Sozialmedizin zählt weiters das Leichen- und Bestattungswesen, das Landessache ist. Geregelt werden damit die Totenbeschau, eventuell die Obduktion, die Aufbahrung, die hygienisch einwandfreie Erdbestattung und die eventuelle Überführung von Leichen.

Geschichte: Seit dem 13. Jahrhundert unterhielten Fürsten oder Bischöfe Leibärzte. Schwerkranke, etwa vom Aussatz befallene Menschen, wurden im späten Mittelalter in eigenen "Siechenhäusern" außerhalb der Stadtmauern untergebracht. Die ab dem 13. Jahrhundert vereinzelt in größeren Orten nachweisbaren "Bader" (als Betreiber von Badstuben) waren Barbiere, Wundärzte und Kenner von Naturheilmethoden in einem. Sie versorgten Wunden, ließen zur Ader und verabreichten Salben; organisiert waren sie in regionalen Zechen. Ab dem 15. Jahrhundert gab es auch vereinzelt an Universitäten ausgebildete "Puechärzte". Im 16. Jahrhundert bestellten die Stände Niederösterreichs einen Landschaftsarzt und Viertelsärzte, die vor allem dem Adel und den Prälaten helfen sollten. Daneben war die Volksmedizin weit verbreitet, heilkundigen Personen, besonders Frauen, drohte die Hexenverfolgung. Seuchen und Epidemien (Pest) machten im 17. und 18. Jahrhundert eine öffentliche Gesundheitspolitik erforderlich. Durch Kordons (Absperrung der Grenzen oder betroffener Gebiete) wurde versucht, die Ausbreitung zu verhindern. Vereinzelt wurde auch ein "Magister sanitatis" als Amtsarzt eingesetzt.

Einen beträchtlichen Fortschritt erlebte die Sozialmedizin zur Zeit der Aufklärung. Maria Theresia erließ 1770 das Sanitätshauptnormativ (1773 ergänzt), eine Instruktion für alle in den Erblanden praktizierenden Ärzte, wobei der Einfluss ihres Leibarztes Gerard van Swieten bedeutend war. Nun wurde in jedem Kreis ein Amtsarzt bestellt, die Wundärzte und Chirurgen wurden von den Badern, die es seit 1773 offiziell nicht mehr gab, getrennt, die Totenbeschau eingeführt und das Gesundheitswesen den staatlichen Behörden unterstellt. Wundärzte mussten sich an einer inländischen Universität einer Prüfung unterziehen, in jedem Kreis oder Viertel eines Landes sollten Wundarztgremien die flächendeckende Versorgung sichern.

Seit Joseph II. setzte der Staat bedeutende sanitätspolitische Maßnahmen, so wurde das Josephinum gegründet, das sich vorwiegend der chirurgischen Ausbildung der Militärärzte widmete; in einzelnen größeren Städten wurden nach französischem Vorbild Krankenhäuser (Allgemeines Krankenhaus in Wien) geschaffen. Medizin und Chirurgie wurden 1784 zur freien Kunst erklärt. Unterschieden wurden 2 Kategorien von Ärzten: solche mit einer akademischen Prüfung "in Wundartzney und Geburtshilfe" einerseits und jene, die eine 2-jährige Chirurgenschule (1778-1808 in Linz) besucht hatten, andererseits. 1830 gab es in Niederösterreich 519 Wundärzte und 63 universitär ausgebildete Mediziner. Auch die Ausbildung der Hebammen wurde verbessert. Zur Zeit Maria Theresias wurde auch die Pockenschutzimpfung eingeführt, die sich aber erst im Lauf des 19 Jahrhunderts bei der Bevölkerung, die noch weitgehend auf die Volksmedizin vertraute, durchsetzte.

Seit 1856 wurden auch in kleineren Städten vermehrt Krankenhäuser gegründet. Bis zum Ende des 1. Weltkriegs war fast jede Bezirksstadt mit einem Krankenhaus ausgestattet, auch Neubauten wurden in größerer Zahl errichtet.

Eine neue Phase leitete das Reichssanitätsgesetz von 1870 ein. Fortan wurden nur noch an Universitäten in einem 5-jährigen Studiengang ausgebildete Ärzte zugelassen, für die ab 1872 der Titel "Dr. der gesamten Heilkunde" üblich wurde, 1873 wurden die Wundarztdiplome abgeschafft. Gleichzeitig traten neben die staatlich gelenkte Sanitätsverwaltung (Innenministerium) auch Landessanitätsräte und Sanitätsbezirke. Kleinere Gemeinden schlossen sich ab 1888 zu Sanitätsgemeinden zusammen, die Gemeindeärzte waren gleichzeitig praktische Ärzte.

Die ärztliche Wissenschaft erzielte im 19. Jahrhundert in Österreich große Fortschritte, an der Wiener Universität wirkten Persönlichkeiten wie C. von Rokitansky, J. Skoda, I. P. Semmelweis, T. Billroth und J. Hyrtl, die den Ruf der Wiener Medizinischen Schule begründeten.

Ab 1886 wurden anstelle von Bruderladen, Krankenvereinen von Gesellen oder lokalen Selbsthilfeorganisationen Bezirkskrankenkassen geschaffen; bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die meisten Bevölkerungsgruppen in ein Versicherungssystem einbezogen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang die erfolgreiche Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Tuberkulose, die Ausstattung der Krankenhäuser, die Spezialisierung der Ärzte und der Einsatz technischer Hilfsmittel machten große Fortschritte.

1891 wurde die Bildung von Ärztekammern gesetzlich geregelt (Pflichtmitgliedschaft), die für die Existenz des Ärztestandes von großer Bedeutung wurden. Seit der 1. Republik werden Vereinbarungen mit den Krankenkassen getroffen (J. Tandler).

Nach 1938 brachte die Unterstellung unter die Reichsärztekammer schwerwiegende Änderungen, die ärztliche Versorgung wurde stärker regional organisiert. 1949 wurde das österreichische Ärztegesetz beschlossen, das die Berufsausbildung sowie die Vergütung der Leistungen regelte und die Ärztekammern bestätigte. Seither kam es zur Ausgestaltung der Sozialmedizin auf den jetzigen Standard.

Berufsausübende Ärzte in Österreich* (2005)

insges.   davon nur
in Krankenanstalten
praktische Ärzte   12.065   4.642
Fachärzte   17.099   8.016
Zahnärzte   4.232   461
insges.   39.750   13.119

* nicht eingerechnet: 6.354 Ärzte in Ausbildung
Literatur: K. C. F. Strobl, Das Gesundheitswesen in Österreich, 1978; C. Hämmerle, Hebammen und Ärzte, Die Auseinandersetzung zwischen Volks- und Schulmedizin am Beispiel der Geburtshilfe, Diplomarbeit, Wien 1986; Kunst des Heilens. Aus der Geschichte der Medizin und Pharmazie, Ausstellungskatalog, Gaming 1991,BMGF (Hg.), Gesundheitsbericht 2006.

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Die Gesundheitsminister Kdolsky und Stöger als Paar
« Antwort #1 am: 10. April 2010, 09:49 »


Die Gesundheitsminister Kdolsky und Stöger als Paar

http://www.facebook.com/n/?photo.php&pid=31218770&id=1158375756&mid=22a1642G5af332a4afd8G2a3782G10&n_m=krebspatient-krebsforum%40utanet.at



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Qualitätsstrategie für das österreichische Gesundheitswesen präsentiert
Utl.: Mehr Transparenz und Bündelung der Aktivitäten =

   Wien (OTS) - Qualität ist in den vergangenen Jahren zu einem
zentralen Faktor im Gesundheitswesen geworden. Zahlreiche Initiativen
und Projekte stellen das große Engagement in Krankenhäusern und
anderen Gesundheitseinrichtungen eindrucksvoll unter Beweis. Heute,
Montag, wurde anlässlich der "Qualitätskonferenz Gesundheit 2010"
eine nationale Qualitätsstrategie präsentiert, an deren Entwicklung
unter der Federführung der Gesundheit Österreich GmbH wichtige
Akteure im Gesundheitswesen - aus dem Bundesministerium für
Gesundheit, aus den Ländern und Sozialversicherungen bis hin zu
Patientenvertretungen und Berufsverbänden - mitgewirkt haben.
"Oberstes Ziel ist es, dass sich die Patientinnen und Patienten
darauf verlassen können, dass sie überall in diesem Land, auf jeder
Versorgungsstufe die bestmögliche Behandlung bekommen", betonte
Gesundheitsminister Alois Stöger.

   Die Qualitätsstrategie wurde von der Bundesgesundheitskommission,
dem höchsten Entscheidungsgremium im Gesundheitswesen, im vergangenen
Juni beschlossen. Bei der heutigen Veranstaltung wurden die
Rahmenziele in einem Forum von rund 300 Experten/Expertinnen und
Entscheidungsträgern/Entscheidungsträgerinnen vorgestellt und
diskutiert. In weiterer Folge sollen die Ziele operationalisiert und
zu konkreten und überprüfbaren Maßnahmen weiterentwickelt werden.
"Das Ziel ist es, Qualität zum Leitkriterium des österreichischen
Gesundheitswesens zu machen", sagte Arno Melitopulos, Geschäftsführer
der Gesundheit Österreich GmbH. "Dazu brauchen wir eine Bündelung
unserer Anstrengungen und mehr Transparenz."

   "Standardisierung, Transparenz und Information sind zwingende
Voraussetzungen für Qualität im Gesundheitswesen. Dies zu ermöglichen
ist Ziel der Qualitätsstrategie", sagte der Vorsitzende des
Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen
Sozialversicherungsträger, Mag. Dr. Hans Jörg Schelling. "Die
Sozialversicherung sieht es als eine ihrer vordringlichsten Aufgabe
an, für die Qualitätssicherung zu sorgen." "Mit dieser strategischen
Ausrichtung nimmt der Bund seine Verantwortung für die
Qualitätssicherung wahr und schafft einen Rahmen für die vielfältigen
Aktivitäten in diesem Bereich", so der Gesundheitsminister. "Die
ärztliche Qualitätssicherung hatte für Ärztinnen und Ärzte aus der
Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten seit jeher
oberste Priorität", betonte Dr. Otto Pjeta, Präsidalreferent der
Österreichischen Ärztekammer für Qualitätssicherung und
Qualitätsmanagement. "Es gibt eine Fülle von Maßnahmen im Rahmen der
Berufsausübung, die nun durch neue Bemühungen, wie etwa die
Qualitätssicherung aller Ordinationen einen auch für die Patienten
transparenten Qualitätsstandard bewirken."

   Im Zuge der "Qualitätskonferenz Gesundheit 2010" wurde auch die
neue Qualitätsplattform (http://www.qualitaetsplattform.at) der
Gesundheit Österreich präsentiert. Qualitätsverantwortliche in
Gesundheitseinrichtungen sollen damit in Zukunft die Möglichkeit
haben, sich rasch und einfach einen Überblick über Strukturen,
Instrumente und Projekte im Bereich der Qualitätsarbeit zu
verschaffen. Krankenhausmanager/innen erhalten damit ein wichtiges
Führungsinstrument, Politiker/innen eine wertvolle Unterstützung für
die Steuerung und Planung. "Richtig spannend wird es dann, wenn Daten
aus ganz Österreich vorliegen", ist Eva-Maria Baumer, Leiterin des
Bundesinstituts für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG), einem
Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH, überzeugt. Dann
könne nämlich der erste österreichweite Bericht über das
Qualitätssystem im Gesundheitswesen erstellt und ein nächster Schritt
in Richtung Transparenz getan werden. "Was man nicht messen kann,
kann man nicht verbessern", betonte auch Dr. Alexander Ortel von der
niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwaltschaft bei der
Qualitätskonferenz. "Transparenz ist eine der wichtigsten
Voraussetzungen, damit Patientinnen und Patienten informierte
Entscheidungen treffen können. Dazu brauchen sie seriöse
Qualitätsberichte."

Rückfragehinweis:

~
   Gesundheit Österreich GmbH
   Daniela Klinser
   Kommunikation
   H: +43 664 831 28 53
   F: +43 1 513 84 72
   daniela.klinser@goeg.at
   www.goeg.at

hilde

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Ziele zur Qualitätsverbesserung
« Antwort #3 am: 20. Oktober 2010, 22:19 »
Stöger: Bessere Versorgung für Patienten durch neue Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen

Utl.: Akteure im Gesundheitswesen einigten sich auf Ziele zur Qualitätsverbesserung 

2010-10-18

   Wien (OTS/SK) - Bei der "Qualitätskonferenz Gesundheit 2010" wurde
eine neue Qualitätsstrategie für das österreichische Gesundheitswesen
präsentiert. Das Ziel ist, die Gesundheitsdienstleistungen für die
Patienten zu verbessern. "Für die Qualität in der Gesundheitspolitik
ist es zentral, ein solidarisches Gesundheitssystem zu haben, in dem
man die Leistungen, die man braucht, auch tatsächlich erhält",
betonte Gesundheitsminister Alois Stöger am Montag bei der Eröffnung
der Konferenz. **** 

Der gleichberechtigte Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen müsse
gewährleistet sein, was nur in einem solidarisch organisierten
Gesundheitssystem gelingen könne, erklärte der Minister. "Eine
Qualitätsstrategie ist so aufzubauen, dass für jeden Beteiligten im
Gesundheitswesen klare Richtlinien bestehen, welchen Beitrag er für
mehr Qualität zu leisten hat", so Stöger. Die Menschen seien nur
bereit, das Gesundheitssystem mitzufinanzieren, wenn sie auch Zugang
dazu haben und eine hohe Behandlungsqualität erhalten. "Meine Vision
ist, dass unser Gesundheitssystem, das eines der besten der Welt ist,
seine Qualität stets erweitert und verbessert", so der
Gesundheitsminister.

Qualität sei aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten - dem des
Patienten, der Gesundheitsberufe und dem der Krankenhäuser. Die
"Qualitätsstrategie Gesundheit 2010" wurde von Vertretern aller am
Gesundheitswesen beteiligten Akteure - von Patienten bis zu
Wissenschaftern - gemeinsam erarbeitet und soll helfen, die Qualität
im Gesundheitswesen zu messen, zu evaluieren und zu verbessern sowie
die verschiedenen entsprechenden Maßnahmen zu bündeln. Die darin
enthaltenen einvernehmlichen Ziele sollen die Handlungsgrundlage der
Akteure sein. (Schluss) bj/mb

Rückfragehinweis:
   SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien
   Tel.: 01/53427-275
   http://www.spoe.at/impressum


Geri

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Gesundheit und Politik: Wer zahlt, schafft an!
« Antwort #4 am: 01. Februar 2011, 23:46 »

Wer zahlt, schafft an

Ob Weiterbildung oder Forschung – ohne potente Geldgeber geht nichts. Steht der Ausverkauf der Medizin bald bevor?

Was haben Sportler, die Clowndoctors „Rote Nasen“ und die Staatsoper gemeinsam? Sie alle werden gesponsort. Firmen geben Geld, um mit diesen sympathischen Unternehmen oder erfolgreichen Menschen in Verbindung gebracht zu werden. Der positive „Imagetransfer“ freut den Geldgeber, und den Gesponsorten sichert es das finanzielle Auskommen. Doch welche Rolle darf Sponsoring gerade in einem sensiblen Bereich wie der Medizin übernehmen?

 

Sponsoring für Sport, Soziales und Kultur erfreut sich längst schon großer Bedeutung. Sophie Karmasin vom Marktforschungsinstitut Karmasin hat die Entwicklung des Sponsorings untersucht und kommt zum Schluss: „Immer mehr Konsumenten beziehen bei ihrer Entscheidung für eine Marke auch die Haltung des Unternehmens mit ein.“ Das trifft besonders auf Frauen und gebildete Menschen zu. Dazu kommt: klassische Werbung wird immer kritischer betrachtet. „Kommunikative Maßnahmen, die nicht so vordergründig sind, sind daher sehr interessant.“ In einer Zeit, in der die Wichtigkeit von Forschung in allen Medien betont wird, darf da auch medizinisches Wissenschaftssponsoring werbewirksam sein?
Selbstlos für den Nachwuchs

Wege für einen offiziellen Geldfluss gibt es viele: dazu zählt etwa die Unterstützung von Kongressen, Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen, aber auch das Durchführen von Studien oder die Entwicklung von Leitlinien. Ein spezielles Feld ist die Vergabe von Forschungspreisen oder -stipendien. Eine Reihe davon werden meist von branchennahen Firmen gestiftet, die ein ehrliches Interesse daran haben, die Forschung in ihrem Bereich zu unterstützen. Die Werbewirkung – so sagen die Befragten – steht nicht im Vordergrund, vielmehr der Output, der möglicherweise die Innovationskraft der Unternehmen unterstützen kann. So hat etwa Sanofi-Aventis bereits über 40 Mal Mediziner für ihr wissenschaftliches Engagement ausgezeichnet. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Novartis-Preis, der seit 1970 vergeben wird und zu den bekanntesten Preisen in den Kategorien Chemie, Biologie und Medizin zählt. Erklärtes Ziel: junge österreichische Wissenschaftler fördern. Als Marketinginstrument sieht man die Sache nicht, schließlich sei die Webewirkung mit der einer produktbezogenen Promotion nicht im Geringsten vergleichbar.

Der Glücksspielkonzern Novomatic fällt – schon allein aufgrund der Branchenfremdheit – ein wenig aus der Reihe und garantiert dennoch eine Win-win-Situation für die Forschung, die Wissenschafter und das eigene Unternehmen. Als Hauptsponsor wird jährlich der Austrian Life Science Award (ALSA) für die Bereiche Biowissenschaften und Biotechnologien einschließlich Medizin und Medizintechnik ausgelobt. Der Preis besteht immerhin aus einem Preisgeld von € 10.000,- und entsprechender Publicity für das Unternehmen und die jungen Forscher. „Wir wollen dazu beitragen, Österreichs Forschung und damit den Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig zu erhalten“, sagt Generaldirektor Dr. Franz Wohlfahrt, „außerdem gibt es uns die Gelegenheit, als erfolgreiches Unternehmen etwas Sinnvolles zu bewegen und das auch in die Öffentlichkeit zu tragen.“
Im Namen des Profits

Diese Form der Unterstützung ist ein Weg, den Dr. Franz Piribauer, Sprecher von Transparency International Austrian Chapter, als durchaus gangbar sieht. „Wenn keine direkten wirtschaftlichen Abhängigkeiten bestehen, ist gegen Sponsoring aus Imagegründen nichts einzuwenden“, so der Experte. Er hat sich seit vielen Jahren im Rahmen von Transparency International (TI) dem Kampf gegen die Korruption verschrieben und weiß, dass das Gesundheitswesen ein besonders anfälliges Gebiet für Betrug und zwielichtige Machenschaften ist. „Das liegt einerseits an den enormen Geldmitteln, die weltweit darin umgesetzt werden. Andererseits sind auch die Komplexität, der hohe Grad an Intransparenz und die Vielzahl der Akteure, die in diesen Bereich involviert sind, dafür verantwortlich. Auch die Trennung zwischen Konsumenten und Zahlern macht das System anfälliger für Absprachen auf Kosten Dritter. Ein Grund mehr für uns, immer wieder darauf hinzuweisen“, so Piribauer. In zahlreichen Arbeitskreisen auch aus anderen Branchen stellt er fest, dass durch unterschiedliche Corporate Social Responsibility (CSR)-Initiativen von Unternehmen doch einiges in Bewegung gekommen ist, längst aber sind noch nicht alle Forderungen, die er und sein Team in einem Grundsatzpapier niedergeschrieben haben, erfüllt. „Unsere Forderungen sind über drei Jahre alt. Es gibt Vorzeigebeispiele, wie etwa den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), wo dem Problem mithilfe von Verordnungen entgegengewirkt wird. Es gibt aber auch Bereiche, die erweisen sich als unglaublich resistent gegen Veränderung, und das sind eindeutig die Ärztefortbildung und die Forschung“, ist Piribauer überzeugt.

Der Verhaltenskodex der Pharmig ist nach Ansicht des Mediziners eine lobenswerte Initiative, doch hat das Papier an der Intransparenz von Geldflüssen in der Praxis nicht viel verändert. Dass es auch anders geht, beweisen etwa Salzburgs Ärzte, die sich ihre Fortbildung auch unterstützen lassen, aber beispielsweise von einer Bank. „Wenn das unmittelbare Produkt- bzw. Verschreibungsinteresse fehlt, dann ist das durchaus legitim“, so Piribauer. Warum dennoch sichtbare Veränderungen auf sich warten lassen, liegt auf der Hand: viele Aktivitäten, wie etwa Schulungsprogramme für Patienten, sind ja durchaus sinnvoll und könnten ohne Geld aus der Industrie gar nicht stattfinden. „Was mir fehlt, ist endlich die Erarbeitung eines tragfähigen österreichweiten Konzepts, seitens des BMG und der Krankenkassen, denn wir zahlen alle über die Medikamentenkosten in das System ein und haben keinen transparenten Einblick über die Verwendung der Fortbildungsmittel“, betont Piribauer.
Verkaufte Medizin

Wesentlich rigider und auf die Inhalte bezogen bedenklich sieht den Umstand pharmafinanzierter Forschung Doz. Claudia Wild, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (HTA). „Die Medizin gibt sich dem Ausverkauf preis, indem sie nur mehr industriegeförderte Forschung durchführt. Damit steht die Evidenz basierte Medizin auf sandigem Boden. Die Rolle von Key-Opinion-Leader ist für die Produktvermarktung für Firmen wesentlich, wohingegen unabhängige, sachliche und unverzerrte Therapieinformationen vonnöten wären“, erklärt Wild. Dass es auch anders geht, zeigen Vorbilder aus dem angloamerikanischen Raum, wo Universitäten bereits jeglicher gesponserten Aus- und Weiterbildung eine klare Abfuhr erteilen. Die Lösung aus der Misere ist nach Ansicht Wilds einfach: Die Preisbildung, insb. der Anteil für das Marketing von Produkten muss hinterfragt werden. Würden diese Summen in gemeinsame Töpfe fließen, so wären unabhängige Forschung, Fortbildung und Leitlinienentwicklung durchaus finanzierbar. „Wie brauchen die Industrie, damit Produkte produziert werden. Für die Entwicklung von Forschungsfragen, Forschungsleitung und Bildung müssen Fachgesellschaften und andere Institutionen die Verantwortung übernehmen“, so Wild.

Von Mag. Renate Haiden, Ärzte Woche 4 /2011
© 2011 Springer-Verlag GmbH, Impressum

Werner

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Gesundheit wichtiger als Karriere
« Antwort #5 am: 11. Juni 2013, 00:21 »







Gesundheit ist Deutschen wichtiger als Karriere

Freitag, 7. Juni 2013

Berlin – Gesundheit und Zeit für Familie und Partner sind den Deutschen wichtiger als beruflicher Erfolg oder die Anerkennung von Mitmenschen. Dies ergab eine repräsen­tative Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa, das Männer und Frauen nach ihren Prioritäten im Leben befragt hat. Demnach gaben 83 Prozent an, ihre oberste Priorität im Leben sei Gesundheit, für Familie und Partner wollen sich 73 Prozent der Befragten verstärkt einsetzen.

Auf die Frage, ob der berufliche Erfolg im Leben sehr wichtig ist, antworteten hingegen nur 18 Prozent mit ja. Der Wunsch von den Mitmenschen anerkannt zu werden, rangiert bei den Teilnehmern zudem mit nur acht Prozent auf dem letzten Platz.

Dabei     http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54694

Evi

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Österreich (mit Stöger) stürzt ab: Gesundheit und Politik
« Antwort #6 am: 04. Januar 2014, 23:05 »
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Gesundheitsvorsorge: Österreich stürzt in der Rangliste völlig ab


Krone vom 12.12.13, Seite 14+15
http://www.hauptverband.at/mediaDB/1033900_Pressespiegel_vom_12._Dezember_2013_Nr._241.pdf


2007 war Österreich noch an der Spitze von 35 Staaten.

Heute ist Österreich nur mehr an 12. Stelle,

unter diesem Gesundheitsminister Stöger diplome.

Mit ein Grund ist die Untätigkeit beim Nichtraucherschutz!!!


Und der Hauptverband, mit WKO-Vize-Boss Dr. Schelling an der Spitze, ist auch schon lange nicht mehr Spitze, sondern nur mehr ......!

Sissi

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Österreichs Gesundheitspolitik - ein Wahnsinn!
« Antwort #7 am: 22. Januar 2014, 23:20 »
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DER STANDARD-Kommentar: "Weg mit systematischem Irrsinn" von Andrea Heigl
2014 ist das Jahr der Praxistests für gesundheitspolitische Reformpapiere (Ausgabe ET 21.1.2014)


Wien (OTS) - Wenn Ärzte demonstrieren, dann ist die
(standes)politische Gemengelage meistens diffus. Die Aufgeregtheit in
Weiß setzt sich zusammen aus einem Fünkchen Wahrheit, aus den
schlimmsten daraus abzuleitenden Horrorszenarien und aus (legitimen)
Ärzteinteressen, die für die Öffentlichkeit zwecks leichterer
Verdaubarkeit als Patienteninteressen dargestellt werden.

Wenn am Dienstag die Ärzte des Wiener AKH auf die Straße gehen, dann
geht es auf den ersten Blick um ein ganz konkretes Anliegen, nämlich
um die Streichung von Journal-Nachtdiensten, wegen der die Ärzte die
Versorgung in Österreichs größtem Krankenhaus als gefährdet
betrachten. Ebenso wie bei den jüngst vom Rechnungshof angeprangerten
Kostenüberschreitungen steckt dahinter ein Problem, das unlösbar
scheint: Das AKH ist ein einziges Kompetenzchaos. Das
Gesundheitsministerium, das Wissenschaftsministerium, die Wiener
Stadtregierung und der Krankenanstaltenverbund, die Medizin-Uni, die
Ärztekammer - sie alle haben mehr oder weniger mitzureden. Da nützt
es nichts, wenn die (Wiener) Opposition in schöner Regelmäßigkeit den
Rücktritt verschiedener Verantwortlicher fordert, das AKH bleibt ein
unsteuerbarer Tanker, der immer wieder einen Eisberg rammt.

Zum Glück spielt sich Gesundheitspolitik aber auch außerhalb des
neunten Wiener Bezirkes ab. Und mit den Papieren, die so schöne Namen
wie "Bundeszielsteuerungsvertrag" haben, ist man tatsächlich auf
einem guten Weg, den einen oder anderen strukturellen Irrsinn zu
beseitigen. Es schien lange unvorstellbar, dass sich die
Krankenkassen bei ihren Stellenplänen etwas dreinreden lassen oder
dass sich die Länder bei der Planung von Krankenhäusern mit anderen
Stakeholdern abstimmen müssen. Aber genau das passiert nun. Jeder hat
ein bisschen nachgegeben, und doch fühlen sich alle als Gewinner.

Wenn tatsächlich gelingt, was in besagten Papieren steht, dann könnte
es in Österreich bald Arztpraxen geben, die ganz regulär am Abend
oder am Wochenende geöffnet haben. Oder medizinische Zentren für
Diabetes- oder Demenzkranke, in denen Krankenpfleger, Fachärzte und
Sozialarbeiter gemeinsam tätig sind. Die Ambulanzen könnten jenen
vorbehalten sein, die ein akutes Leiden haben, was das Leben von
Patienten und Ärzten ungemein erleichtern würde. Kleine Eingriffe
könnten in Tageskliniken erledigt, die Krankenhaustage damit
reduziert werden. Und auch wenn es gar nicht populär ist, im
Gesundheitssystem zu sparen oder (genauer gesagt) den Kostenanstieg
zu dämpfen: Viele der Reformvorhaben klingen wie aus dem Programm
eines Wunschkonzerts für Gesundheitsökonomen.

Bleibt das Thema Prävention, an dessen stiefmütterlicher Behandlung
sich wenig geändert hat. Es gibt nun zwar ein wenig mehr Geld dafür,
die großen Konzepte fehlen aber - siehe Rauchen, Bewegung, Alkohol,
alles Kategorien, in denen die Österreicher nicht gut abschneiden.
Sie haben weniger gesunde Lebensjahre vor sich als viele andere
Europäer, die Schere zur Lebenserwartung geht auf. Auch das ist
letztlich ein finanzielles Thema: Wer nicht krank ist, kostet (fast)
nichts, so einfach ist das.

2013 war das Jahr der Verhandlungen und Papiere, 2014 müssen die
Reformer faktische Zeugnisse ablegen. Und wenn sie schon dabei sind:
Es wäre höchste Zeit für einen Systemwechsel im AKH.