Autor Thema: 8.10.13, Tag der Apotheke: "Mit Frauen-Power durch den Wechsel"  (Gelesen 6998 mal)

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Wechseljahre: Hormonersatztherapie oder Heilpflanzen?
Tag der Apotheke am 8. Oktober 2013 "Mit Frauen-Power durch den Wechsel"


Einladung zur Pressekonferenz - Wechseljahre: Hormonersatztherapie oder Heilpflanzen?
BILD zu OTS - Im Bild v.l.n.r.: Mag. pharm. Max Wellan (Präsident der Österreichischen Apothekerkammer), Mag. pharm. Irina Schwabegger-Wager (Apothekerin), Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber (Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe; Österreichische Menopausegesellschaft), Univ.- Prof. Dr. Ludwig Wildt (Direktor der Universitätsklinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Department Frauenheilkunde, Innsbruck; Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG))



Fr., 4. Okt. 2013


Wien (OTS) - Eine attraktive Figur, ein angenehmes Durchschlafen in
der Nacht, starke Knochen - vieles, was bis zur Menopause ein
selbstverständlich angenommenes Geschenk der Natur war, muss von
Frauen in den Wechseljahren plötzlich selbst erarbeitet werden.
Heilpflanzen oder Hormone helfen den Frauen in dieser Zeit - welche
Therapieform eingesetzt wird, hängt meist vom Ausmaß der Beschwerden
und vom Leidensdruck ab.

Durch das Absinken weiblicher Sexualhormone im Blut kommt es
während der Wechseljahre (Klimakterium) zu körperlichen
Veränderungen, die zu physischen wie auch psychischen Beschwerden
führen können. Die erste Phase des Klimakteriums ist die Prämenopause
und findet zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr statt. In dieser Zeit
kommt es nicht mehr regelmäßig zum Eisprung und es können Beschwerden
wie Brustspannen, Zyklusunregelmäßigkeiten, Gewichtszunahme und
Stimmungsschwankungen auftreten. Danach folgt die Perimenopause: In
dieser Zeit nimmt die Produktion der Östrogene ab, bis sie vollends
eingestellt wird - die Monatsblutung bleibt aus. Hitzewallungen,
Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und Blasenprobleme zählen in
dieser Zeit zu typischen Beschwerden. Ein Jahr nach der letzten
Monatsblutung beginnt die Postmenopause. Häufig dauern die
Beschwerden in dieser Phase noch eine Zeitlang an oder verstärken
sich sogar.

Der Körper gerät aus dem Gleichgewicht

Progesteron- und Östrogenmangel hat nicht nur das Ende der
Fruchtbarkeit zur Folge, sondern bringt auch andere Körperfunktionen
aus dem Gleichgewicht. Dieses Ungleichgewicht äußert sich in
unterschiedlichen Beschwerden wie z.B. Gewichtszunahme, Reizbarkeit
und Stimmungsschwankungen, Schweißausbrüche, Hitzewallungen,
Blasenbeschwerden, Sexualprobleme, Gelenk- und Muskelschmerzen. Für
viele Frauen stellt sich zu diesem Zeitpunkt die Frage:
Hormonersatztherapie oder Heilpflanzen? Welche Therapie zum Einsatz
kommt, hängt meist vom Ausmaß der Beschwerden ab. In etwa ein
Drittel, der rund eine Million Österreicherinnen in den
Wechseljahren, hat kaum Probleme. Ein weiteres Drittel weist leichte
Beschwerden auf, die oft mit pflanzlichen Wirkstoffen gut in den
Griff zu bekommen sind und wiederum rund ein Drittel der Frauen klagt
über starke Beeinträchtigungen, vor allem über körperliche und
seelische Probleme, die die Lebensqualität enorm beeinträchtigen.
Eine Hormonersatztherapie kann bei einem hohen Leidensdruck sinnvoll
sein. Zu berücksichtigen sind dabei auch individuelle Risikofaktoren
wie Alkoholkonsum, Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und
erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Hormontherapie bei hohem Leidensdruck sinnvoll

"Bei jeder Hormontherapie muss man die Frage stellen: Braucht
diese Frau überhaupt Hormone? Wenn ja, welche, in welcher Dosierung
und Applikationsform und wie lange. Im angelsächsischen Bereich, aus
dem die großen Studien stammen, sind diese Fragen nichtgestellt
worden und werden auch immer noch nicht gestellt. Umso überraschender
ist es, dass trotz dieser undifferenzierten Verschreibungsform des
"Estrogen-only-Armes" der WHI Studie ein brustkrebsschützender Effekt
des Östrogens nachgewiesen werden konnte. Im Östrogen-Arm waren
weniger Brustkrebsfälle als im Placebo-Arm. Warum das in der
öffentlichen Diskussion - more or less - ausgeblendet wurde, bleibt
ein Mysterium", erklärt Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für
Gynäkologie und Geburtshilfe und Mitglied der Österreichischen
Menopausegesellschaft. Derzeit gilt daher, dass eine
Hormonersatztherapie bei starken Beeinträchtigungen und unter
bestimmten Voraussetzungen sinnvoll ist. Jedoch sollte die Therapie
spätestens 2 Jahre nach der Menopause begonnen werden, niedrig
dosiert und von möglichst kurzer Dauer sein.

Zukunftsperspektiven in der Behandlung von Wechselbeschwerden

"Die Hormonersatztherapie mit Östrogenen und ggf. Gestagenen wird
auch in Zukunft einen festen Platz in der Behandlung klimakterischer
Beschwerden einnehmen. Dabei wird vor allem darauf zu achten sein,
die Therapie mit einer physiologischen (niedrigen) Dosierung
-angepasst an die Situation der Patientin - vorzunehmen. Dazu stehen
vor allem transdermale Präparationen in Form von östrogenhaltigen
Gels oder auch Pflaster zur Verfügung, mit denen die Patientin die
Dosierung sehr gut selbst anpassen kann. Ein Gestagenzusatz ist bei
nicht hysterektomierten Frauen nach wie vor notwendig, hierzu stehen
neben dem natürlichen Progesteron eine Reihe von synthetischen
Gestagenen zur Verfügung, deren unterschiedliche Partialwirkungen
(androgen, antiandrogen, antimineralocorticoid, zentralnervöse
Wirkungen) therapeutisch genutzt werden können", erläutert Univ.-
Prof. Dr. Ludwig Wildt, Direktor der Universitätsklinik für
gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Department
Frauenheilkunde, Innsbruck und Mitglied der Österreichischen
Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

Helfer aus der Naturapotheke

Eine weitere wichtige Säule der Therapie von
Wechseljahre-Beschwerden sind pflanzliche Substanzen. Heilpflanzen
und Mikronährstoffe in Form von Tees, Arzneimitteln oder
Nahrungsergänzungsmitteln ergänzt mit einer ausgewogenen Ernährung
und Bewegung balancieren den Körper und die Hormone in den
Wechseljahren aus und können bei leichten bis mittelschweren
Beschwerden hervorragend helfen. "Die wichtigsten Pflanzen sind
Soja, Rotklee, Mönchspfeffer, Yamswurzel, Traubensilberkerze,
Nachtkerze, Hopfen, Salbei und Johanniskraut. Beruhigende Substanzen
aus Passionsblumenkraut finden ebenso Verwendung wie antibakterielle
Inhaltsstoffe aus Preiselbeeren und Cranberry bei Blasenproblemen.
Vitamin B-Komplex und Omega-3-Fettsäuren halten die Gefäße gesund und
Kalzium mit Vitamin D3 stärkt die Knochen", weiß die Apothekerin Mag.
Irina Schwabegger-Wager. Bei der Einnahme von pflanzlichen Präparaten
ist aber ein wenig Geduld erforderlich. Es kann einige Wochen dauern,
bis die Phytohormone ihre volle Wirksamkeit entfalten. Eine positive
Einstellung zum Älterwerden und zum eigenen Körper helfen Frauen
ebenfalls gut durch den Wechsel zu kommen.

Enttabuisierung der Wechseljahre

Beim "Wechsel" verschwimmt die Grenze zwischen Wohlbefinden,
Lebensqualität und Erkrankung. "Es ist wichtig, dass Frauen Hilfe in
Anspruch nehmen und ihre Beschwerden artikulieren. Danach können wir
im persönlichen Gespräch den Frauen die Angst nehmen und hilfreiche
Tipps geben. Letztendlich ist das Klimakterium keine Krankheit und
auch nichts, was Frau fürchten muss. Oft kann bereits mit einfachen
Mitteln die Lebensqualität deutlich verbessert werden", erklärt die
Apothekerin. Der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer Mag.
pharm. Max Wellan ergänzt: "Alle Menschen sind auch Co-Produzenten
ihrer Gesundheit - insbesondere Frauen in den Wechseljahren. Wir
Apotheker können gemeinsam mit den betroffenen Frauen die
Lebensqualität verbessern."

Neben der Information rund um die Wechseljahre ist den
Apothekerinnen und Apothekern aber auch die Aufklärung und
Enttabuisierung des Themas ein großes Anliegen. "Oft vergeht viel
Zeit, und der Leidensdruck muss groß sein, bis manche Kundinnen
professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Manche Frauen nehmen ihre
persönlichen Beschwerden nicht ernst oder scheuen davor zurück, sie
direkt anzusprechen", weiß Mag. pharm. Max Wellan aus Erfahrungen in
der Apotheke. Aus diesem Grund ruft die Apothekerschaft auch
Informationskampagnen wie den diesjährigen Tag der Apotheke ins
Leben, der die Wechseljahre enttabuisieren und die Betroffenen
informieren soll.

Tag der Apotheke am 8. Oktober

Der diesjährige Tag der Apotheke am Dienstag, 8. Oktober steht
ganz im Zeichen der Wechseljahre. Die Apothekerinnen und Apotheker
zählen in den Wechseljahren zu wichtigen Gesundheitspartnern. Sie
verfügen über umfassende Beratungskompetenz und das Wissen über die
natürliche Kraft der Heilpflanzen, um den Frauen im Wechsel
maßgeschneiderte Hilfe anzubieten. Am Tag der Apotheke erhalten alle
Frauen, die sich mit den Wechseljahren beschäftigen, eine
individuelle Beratung sowie eine umfassende Wechseljahre-Broschüre,
die gemeinsam mit der Gesellschaft für Menopause entwickelt wurde.
Der Ratgeber behandelt neben der hormonellen und körperlichen
Veränderung und den typischen Wechseljahre-Beschwerden, vor allem den
Einsatz und die Wirkung von Heilpflanzen - ergänzt mit wertvollen
Tipps aus der Apotheke. Für den Tag der Apotheke wurde in
Zusammenarbeit mit der Österreichischen Menopausegesellschaft und der
Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine
eigene Checkliste für Apothekenkundinnen erarbeitet. Zur Vorbereitung
auf den Tag der Apotheke wurde eigens ein Fortbildungsprogramm für
Apothekerinnen und Apotheker angeboten.

Apotheken auf einen Blick

In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige
Rolle als Gesundheitsnahversorger. Ob Großstadt, Kleinstadt oder
Gemeinde: Die österreichischen Apotheken liefern Qualität auf
höchstem Niveau. Das bestehende Apothekensystem garantiert eine
flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln und stellt die
Versorgung der Patienten in den Mittelpunkt. Insgesamt beraten 5.800
akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker in 1.330
Apotheken die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die
Beratungskompetenz ist eine der zentralen Leistungen der Apotheker.