Autor Thema: KREBS: Zweiklassenmedizin?  (Gelesen 4068 mal)

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Dietmar E.

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KREBS: Zweiklassenmedizin?
« am: 23. Juni 2007, 14:49 »

Wer kann seinen Kindern die HPV-Impfung zahlen?


Nein zu Zwei-Klassen-Medizin

SPÖ für Verbreiterung der Finanzierungsmittel im Gesundheitsbereich =

   Wien (SK) - Eine klare Absage erteilte die SPÖ-Kandidatin zum Nationalrat, Sabine Oberhauser, der Zwei-Klassen-Medizin. In einer von der Ärztekammer organisierten Diskussionsveranstaltung am Mittwoch nahmen neben Oberhauser Vertreter von ÖVP, BZÖ und Grünen Stellung zu den Plänen in der Gesundheitspolitik. Für die SPÖ sei eindeutig, dass man Gesundheitsleistungen nicht nur jenen zur Verfügung stellen dürfe, die über genügend Geld verfügen würden. Sie wolle nie erleben, so Oberhauser, dass es in Zukunft vielleicht Personen gebe, die sich Fragen würden, ob sie heizen oder sich lieber Medikamente leisten sollen. Maßnahmen die die SPÖ im Gesundheitsbereich setzen wolle seien die Verbreiterung der Finanzierungsmittel und effizientere Strukturen. Des Weiteren wolle man keine weiteren Privatisierungen im Gesundheitsbereich. ****

   "Wähler sind auch Patienten und die machen sich sehr wohl ein Bild über die Gesundheitspolitik", antwortete Oberhauser auf die Frage, ob denn Gesundheitspolitik überhaupt ein ideales Wahlkampfthema sei. In persönlichen Gesprächen habe sie immer wieder erfahren, dass Gesundheitspolitik eines der Themen sei, das die Menschen besonders beschäftige. Wie groß die Ängste der Bevölkerung seien, dass man die Gesundheitsversorgung in diesem Maße zukünftig nicht mehr aufrecht erhalten könne, habe eine IMAS-Umfrage gezeigt: 62 Prozent der Befragten äußerten Zweifel ob der Qualität eines zukünftigen Gesundheitssystems. Zwar sei die Zufriedenheit mit der momentanen Situation noch gegeben, doch diese Zufriedenheit komme nur dadurch zu Stande, "weil die Menschen die in diesem Gesundheitssystem arbeiten bis an ihre Grenzen gehen." Sie selbst habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass bei Ärzten der Unmut über diese Situation wächst.

   Zur Finanzierung des Gesundheitssystems merkte Oberhauser an, dass man neben dem Anheben der Beitragsgrundlage auch dafür sorgen müsse, an nicht lohnabhängige Gelder zu gelangen. Das System über die Beiträge werde nicht auf Dauer funktionieren, da die Arbeitslosigkeit steige und beispielsweise durch so genannte "McJobs" nur geringe Abgaben geleistet würden. Einsparungspotential sei auch gegeben, wenn im Gesundheitssystem eine einheitliche Planung durchgeführt würde. "Ich sage immer: Nicht jedem Bürgermeister sein Spital", unterstrich Oberhauser die oft wenig effiziente Aufteilung der Krankenhäuser. Überdies müsse der Dokumentationsaufwand im Gesundheitswesen verringert werden.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Josef

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Zweiklassenmedizin?
« Antwort #1 am: 02. April 2008, 23:12 »
Diskussion um ungleiche Wartezeiten hält an

Köln/Passau/Berlin - Angesichts der unterschiedlichen Wartezeiten von Kassen- und Privatpatienten bei Fachärzten, die jüngst in einer Kölner Studie belegt wurden, beklagt der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, eine Zweiklassenmedizin in Deutschland. Dies gelte nicht hinsichtlich der Qualität der Behandlung, sondern beim Komfort und beim Leistungskatalog, sagte Hoppe am Mittwoch im Deutschlandfunk.

So gelte bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein eingeschränkterer Leistungskatalog als bei „Selbstzahlern“. Die unterschiedlichen Wartezeiten resultierten daraus, dass privat Krankenversicherte im Gegensatz zu Kassenpatienten nicht durch Budgets eingeschränkt seien, so Hoppe. Planbare Eingriffe, für die im GKV-Bereich nur ein begrenztes Budget zur Verfügung stehe, müssten im Laufe eines Quartals so verteilt werden, dass alle gesetzlich Krankenversicherten berücksichtigt werden könnten. 

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sagte der „Saarbrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe), es sei nicht in Ordnung, dass Privatversicherte eher einen Behandlungstermin bekämen als Kassenpatienten. „Das dürfen die Ärzte nicht“, betonte Schmidt. Wenn der Arzt seine Zulassung als Vertragsarzt beantrage, dann verpflichte er sich damit, die gesetzlich Versicherten genau so zu behandeln wie Privatpatienten. „Hier müssen die Krankenkassen die Verantwortung übernehmen“, forderte die Ministerin. Eine Reihe von Kassen garantiere ihren Mitgliedern bereits, dass sie innerhalb weniger Tage einen Termin beim Facharzt bekämen. „Notfalls kontaktieren diese Kassen dann auch einen anderen Arzt für die Behandlung“, sagte Schmidt. Zugleich erklärte sie, es gebe in Deutschland keine Zweiklassenmedizin, sondern allenfalls einen Zweiklassenservice.

Auch die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), forderte die Krankenkassen auf, Konsequenzen aus den unterschiedlichen Wartezeiten zu ziehen. „90 Prozent der Bevölkerung sind gesetzlich versichert und sie finanzieren den Löwenanteil des Systems. Es ist nicht in Ordnung, wenn sie wie Bittsteller behandelt werden“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“ vom Mittwoch. Einige Kassen würden in Hausarztverträge bereits Klauseln einbauen, dass die Wartezeit beim Arzt unter 30 Minuten liegen solle. In diese Richtung sollten die Kassen verstärkt tätig werden.

Dem entgegnete der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Bahr, es sei „ein Armutszeugnis der schwarz-roten Koalition“, wenn nun versucht werde, die jahrelangen Versäumnisse und Defizite der Gesundheitspolitik der Ärzteschaft und den privaten Versicherungen in die Schuhe zu schieben. Die Staatssekretärin dürfe sich nicht scheinheilig hinstellen und behaupten, die Ärzte seien an diesem Umstand schuld.

Der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Frank Ulrich Montgomery, erläuterte, für einen Kassenpatienten bekomme der Arzt „eine pauschale Summe, die hinten und vorne nicht reicht“. Daher müsse er mit Privatpatienten seine Praxis quer finanzieren und tue für diesen auch „etwas mehr beim Service“. Allerdings gebe es keinen einzigen Fall, bei dem ein Kassenpatient zu Schaden gekommen sei.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach – zugleich beurlaubter Chef des Kölner Instituts, das die Studie vorgelegt hatte – forderte eine systematische Prüfung der Ungleichbehandlungen. Ärzte, die wegen hoher Wartezeiten für gesetzlich Versicherte auffällig werden, müssten einer „Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsprüfung“ unterzogen werden.

Der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) äußerte dagegen Verständnis für die Praktiken der Mediziner. „Es wäre sogar dumm von den Ärzten und unverantwortlich gegenüber ihren Mitarbeitern, wenn sie Patienten behandeln, für die sie kein Geld bekommen, weil das Budget für ein Quartal schon aufgebraucht ist“, sagte Zöller der „Berliner Zeitung“ von Mittwoch. Sobald aber 2009 die Budgetierung aufgehoben sei, könne es eine solche Unterscheidung nicht mehr geben. „Dann haben die Ärzte keine Begründung mehr.
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Geri

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Zweiklassenmedizin?
« Antwort #2 am: 02. April 2008, 23:33 »

Hallo Josef,
darauf gehts hinaus, egal in welchem Land:
die Ärzte wollen mehr Geld bzw. keinesfalls beim (Ein)Sparstift drankommen!


Studie löst Debatte aus

Ärzte: Zwei-Klassen-Medizin ist Realität

Führende deutsche Ärztevertreter haben das deutsche Gesundheitswesen als Zwei-Klassen-Medizin bezeichnet. Selbstverständlich hätten Privatpatienten viele Vorteile. Eine Anhebung des GKV-Honorars könne aber helfen, die Missstände zu bekämpfen.

Laut dem Präsidenten der Bundesärztekammer (BÄK), Jörg-Dietrich Hoppe, habe man es in Deutschland mit "mindestens einer Zwei-Klassen-Medizin" zu tun. Er erklärte, dass es beim Komfort und den unterschiedlichen Leistungen für privat und gesetzlich Versicherte klar erkennbar zwei Patienten-Klassen gebe. Auch bezahlten die gesetzlichen Kassen bestimmte teurere und bessere Behandlungen einfach nicht. "Das ist ein Qualitätsunterschied", sagte Hoppe.

Der Ärztepräsident nahm seinen Berufsstand gleichzeitig in Schutz. Bei der gleichen Behandlung würden die Ärzte keine Unterschiede zwischen PKV- und GKV-Patienten machen. Auch Notfälle würden immer behandelt.

Windhorst: "Da muss man die Hose runterlassen."

Drastischere Worte fand Hoppes Vize Theodor Windhorst, der auch der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) vorsteht. Die Zwei-Klassen-Medizin ist seiner Auffassung nach "eingeschliffene Praxis" in Deutschland. "Da muss man die Hose runterlassen. Das ist die Realität", sagte Windhorst zu Ergebnissen der Studie des Kölner Instituts für Gesundheitsökonomie, wonach gesetzlich Versicherte in Arztpraxen länger auf Termine und ihre Behandlungen warten müssen.

Der Deutsche Facharztverband (DFV) erklärte, dass es unter den geltenden Bedingungen selbstverständlich sei, wenn zum Beispiel nicht dringende Leistungen für Kassenpatienten ins nächste Quartal verschoben würden. Sonst müsse der Arzt die Behandlungen aus eigener Tasche zahlen, wenn der Honorartopf leer sei. "Zwangsläufig muss sich ärztliches Handeln an ökonomischen Maßstäben orientieren", sagte der Vorsitzende Thomas Scharmann. Erst die höheren Einnahmen durch Privatpatienten ermöglichten den Einsatz medizinischer Neuerungen.

Ärzte sehen die Schuld bei der Politik

Die Ärzte wiesen der Politik die Schuld zu, weil das System der Honorarbudgets die die Ärzte zu Ungleichbehandlung förmlich zwinge. "Wenn in der Politik irgendeiner meint, das wäre nicht so, dann irrt er", sagte AKWL-Präsident Windhorst. Er forderte in diesem Zusammenhang auch die Abschaffung von einzelvertraglichen Abkommen zwischen Ärzten und Krankenkassen. "Medizin darf nicht über den Preis gemacht werden", sagte er.

Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) sieht die Schuld bei Kassen und Ärzten. Von den Kassen verlangte sie, ihren Patienten einen besseren Zugang zum Facharzt zu ermöglichen. Den Ärzten warf sie vor, die gesetzlich Versicherten wie "Bittsteller" zu behandeln.

Die Bundes-Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel (SPD) warb dagegen für eine einheitliche Gebührenordnung für die Behandlung von Kassen- und Privatpatienten. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) wies darauf hin, dass die Budgetierung 2009 aufgehoben werden soll.Die Ärzte sollen dann Honorare in Euro und Cent bekommen.

dpa / chy

Tanja

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NICE: Krebsmedikament Avastin zu teuer

Freitag, 27. Juni 2008

London – Britische Ärzte werden auf den Einsatz des Krebsmedikamentes Bevacizumab (Avastin®) bei Brust- und Lungenkrebs verzichten müssen, sofern die Patienten die Kosten nicht selber tragen. Die Aufsichtsbehörde National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) veröffentlichte jetzt einen entsprechenden Negativbescheid.

NICE erklärt in den beiden Dokumenten, dass die Prüfung der Kosten-Effektivität nicht möglich sei, da der Hersteller Roche die geforderten Daten nicht eingereicht habe. Dies war auch nicht zu erwarten, nachdem NICE in einer früheren Guidance den Einsatz des Medikamentes bereits beim metastasierten Kolorektalkarzinom abgelehnt hatte. Dort betragen die monatlichen Therapiekosten 1.800 Pfund (2.270 Euro), dem allerdings in den klinischen Studien nur ein Überlebensgewinn von wenigen Wochen gegenüberstand.

Beim Mammakarzinom und beim nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom sind die monatlichen Behandlungskosten wegen der höheren Dosierung doppelt so hoch. Auch hier steht den Kosten von 3.600 Pfund (4.540 Euro) nur ein geringer Überlebensgewinn gegenüber. Er betrug für das nicht kleinzellige Bronchialkarzinom in einer wesentlichen Studie (NEJM 2006; 2542-2550) zwei Monate.

In der Studie zum Mammakarzinom (NEJM 2007; 357; 266-2676) verfehlte die lebenszeitverlängernde Wirkung sogar das Signifikanzniveau, während das progressionsfreie Überleben von 5,9 auf 11,8 Monate verdoppelt wurde. © rme/aerzteblatt.de

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32854

» Guidance zum fortgeschrittenen Mammakarzinom

» Guidance zum NSCLC

» PDF der Studie zum nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom

» PDF der Studie zum Mammakarzinom