Autor Thema: Prostatakrebs - Das Dilemma des Mannes  (Gelesen 6548 mal)

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Werner

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Prostatakrebs - Das Dilemma des Mannes
« am: 02. Juli 2007, 13:21 »

http://www.faz.net/s/Rub8E1390D3396F422B869A49268EE3F15C/Doc~E18C67CBFCC05403FBD695D9B8C002BEA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

 

Prostatakrebs  Das Dilemma des Mannes

Von Magnus Heier

Kurz vor Pfingsten war in Deutschland „Prostatatag“. Dahinter steckte der Generikahersteller Stada aus dem südhessischen Bad Vilbel. Allen Männern über vierzig Jahren legte das Unternehmen dringend die Früherkennung ans Herz: „Handeln Sie jetzt!“

Auf den ersten Blick gibt die Statistik der Firma recht: Die Häufigkeit von Prostatakrebs steigt explosionsartig an. Gleichzeitig sinkt die Sterblichkeit. Ein grandioser Erfolg der Früherkennung? Oder nur eine unerwünschte Nebenwirkung übertriebener Diagnostik? Darüber streiten die Experten. Sogar darüber, ob Früherkennung in diesem Falle überhaupt etwas bringt. Einig ist man sich nur darin, dass es beim Thema Prostatakrebs in die falsche Richtung läuft. Kurz und knapp gesagt: Es wird zu häufig operiert.

 
Zur Zeit zahlen die gesetzlichen Kassen für Männer ab dem 45. Lebensjahr im Rahmen der Früherkennung auch eine rektale Untersuchung. Der Arzt tastet dabei die Oberfläche der Prostata ab und erkennt Vergrößerungen, vor allem aber Unregelmäßigkeiten. Allerdings handelt es sich dann nicht mehr um eine Früherkennung: Ein tastbarer Tumor befände sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium und hätte vermutlich längst krankhafte Zellen im Körper gestreut. Sehr viel häufiger handelt es sich nicht um Krebs, sondern um eine gutartige Vergrößerung. Bei ihr gibt es allerdings keinen Anlass, etwas zu tun. Es sei denn, sie führt bereits zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen, da die Prostata die an ihr vorbeilaufende Harnröhre einengt. Um das zu bemerken, braucht man aber kein Medizinstudium absolviert zu haben.

Sieht man näher hin, wird es noch verwirrender. Urologen und andere niedergelassene Ärzte bieten zusätzlich zum Tastbefund eine privat zu bezahlende Blutuntersuchung an. Das prostataspezifische Antigen, kurz PSA genannt, lässt sich bei Tumoren bereits in einem frühen Stadium in erhöhter Konzentration nachweisen. Freilich auch bei Entzündungen. Oder bei älteren Patienten generell. Manchmal ist der PSA-Wert nur einfach so erhöht. Dann empfehlen viele Urologen eine Gewebsprobe. Dabei werden mit spitzer Nadel einige Zellen aus der Prostata entnommen und auf bösartige Veränderungen untersucht. Aber selbst im schlimmsten Fall, nämlich wenn ein Tumor nachgewiesen wird, ist noch nicht einmal klar, ob ein bösartiges Prostatakarzinom überhaupt entfernt werden muss. Schließlich wächst der Tumor vor allem im Alter sehr langsam. Die meisten Männer sterben denn auch, bevor das Prostatakarzinom sie umbringen kann. Sie sterben mit dem Tumor, nicht durch ihn.


Was tun als Mann ab 45?

 
Was also tun als Mann ab 45? Das Einzige, was die gesetzlichen Kassen bisher zahlen, bezeichnen die meisten Experten als sinnlos. Die isolierte rektale Untersuchung sei nicht nur unangenehm, sie bringe auch nichts. Nur zusammen mit der PSA-Untersuchung im Blut sei sie sinnvoll. Dabei müsse dem Patienten klar sein, dass er auch mit dem PSA-Wert keine absolute Sicherheit bekommt. „Etwa 15 Prozent aller Männer mit einem PSA unter vier haben trotzdem ein Prostatakarzinom“, sagt Axel Semjonow, Leiter der Prostataambulanz an der Universitätsklinik Münster. Sehr viel häufiger ist es umgekehrt: „Auf durchschnittlich fünf Männer mit erhöhtem PSA-Wert kommt nur einer mit einem Tumor“, sagt Semjonow. In die diagnostische Mühle kommen aber alle fünf.

Bisher gelten als Grenzwert vier Nanogramm pro Milliliter. Wer darüberliegt, gilt als gefährdet, wer darunterliegt, als normal. Dabei ist viel Willkür im Spiel. Denn auch eine gesunde Prostata produziert PSA, und da die Größe der Drüse von Mann zu Mann stark variiert, produziert sie auch unterschiedliche Mengen von Sekret. Folglich sind auch die als normal betrachteten PSA-Werte individuell verschieden. Früher hieß es darüber hinaus, Radfahren oder Geschlechtsverkehr lasse den Wert kurzfristig stark ansteigen. „Das ist ein altes deutsches Medizinmärchen“, sagt Lothar Weißbach von der Euromedklinik in Fürth. Aber auch der alte Grenzwert ist überholt: „Es gibt es ein neues Konzept in der Urologie: Wir beobachten nicht den Einzelwert, sondern die Dynamik des PSA.“

Ab 45 PSA-Untersuchung empfohlen

Dahinter steckt die Logik, dass nur eine individuell beobachtete Veränderung eine Risikoeinschätzung erlaubt. „Wir empfehlen eine PSA-Untersuchung vom 45. Lebensjahr an - einfach um einen Ausgangswert für weitere Untersuchungen zu haben“, sagt Kurt Miller, Chef der Urologie an der Berliner Charité. Besonders dann, wenn ein genetisches Risiko hinzukommt: Wenn bereits Bruder oder Vater ein Prostatakarzinom hatte, ist das Risiko erhöht. Unabhängig davon erlaubt schon der Basiswert eine Risikoeinschätzung für die Zukunft. Liegt er in jungen Jahren bei 1,5, heißt das nicht, dass der Patient einen Tumor hat, sondern dass er leicht erhöhtes Risiko hat. Die Konsequenz ist, häufiger zu kontrollieren als etwa bei einem Wert unter 0,5.

Spätestens wenn der PSA-Wert deutlich ansteigt, muss die Prostata selbst biopsiert werden: „Wir machen dann eine 10er- bis 12er- Biopsie. Dabei werden kleine Zylinder aus denjenigen Stellen der Prostata entnommen, die erfahrungsgemäß gefährdet sind, einen Tumor zu entwickeln“, sagt Miller. Und damit ist die Gefahr, den Tumor zu übersehen, gering. Das Risiko einer Verletzung oder Infektion sei bei dieser Untersuchung zu vernachlässigen, ausgesprochen unangenehm ist sie trotzdem.


Mit dem Ergebnis der Biopsie stellt sich ein weiteres Problem: Nicht jeder, der einen Tumor hat, muss auch operiert werden. Häufig sind die Tumore ausgesprochen gutartige Zellwucherungen „in einem merkwürdig schlafenden Zustand“, wie Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrum das Phänomen beschreibt. Das erklärt auch, dass bis zu achtzig Prozent der älteren Männer einen solchen Tumor als Zufallsbefund haben. Der Tumor ist zwar da, aber er verursacht keine Symptome und bringt den Mann nicht um. Das Problem ist die Unterscheidung: Welcher von den Tumoren ist unschädlich und welcher lebensgefährlich?

Das zweite Problem ist psychischer Natur. Es ist schwer, mit einem Tumor im Körper zu leben, auch wenn man weiß, dass er ungefährlich ist. Viele Patienten sind damit überfordert und wollen den Tumor um jeden Preis loswerden. Aber auch bei Ärzten gibt es den Automatismus: Tumor? Operieren! Lieber gehen sie auf Nummer sicher. „Der Automatismus, dass bei erhöhtem PSA-Wert biopsiert und bei pathologischem Befund operiert wird, ist letztlich fatal“, sagt Theodor Klotz, urologischer Chefarzt am Klinikum Weiden. Besser wäre es abzuwarten. Allerdings erfordert es viel Mut, einen Tumor nicht operieren zu lassen.

Nebenwirkungen einer Operation erheblich

„Active surveillance“ heißt die Formel für die in Anglizismen verliebten Mediziner: aktive Überwachung. Die besteht aus Blutuntersuchung, Abtastung und weiteren Probeentnahmen, deren Häufigkeit davon abhängt, wie groß und wie bösartig der Tumor ist. „Wenn von zwölf Proben nicht mehr als zwei Tumorzellen enthalten, wenn diese Proben außerdem nicht mehr als fünfzig Prozent Krebszellen enthalten, wenn die Aggressivität der Zellen obendrein ein definiertes Maß unterschreitet - dann kann man abwarten“, sagt Miller.

Denn die Nebenwirkungen der Operation sind noch immer erheblich: Nach einem Jahr soll, so wird geschätzt, jeder zwanzigste Patient noch immer nicht den Urin kontrollieren können. Die Angaben variieren je nach Operateur erheblich. Das Gleiche gilt für Impotenz: Bei der radikalen Entfernung der Prostata werden häufig Nerven verletzt oder durchtrennt, die für die Erektion notwendig sind. Zwischen vierzig und siebzig Prozent soll die Rate der dauerhaft impotenten Patienten liegen. Die große Spannweite erklärt sich überwiegend durch das Alter der Operierten; bei unter Sechzigjährigen sollte die untere Zahl erreicht werden, bei deutlich Älteren sind hohe Zahlen zu erwarten. Wobei die Schätzungen wiederum erheblich voneinander abweichen, je nachdem, ob Ärzte oder Patienten befragt werden. Und je nachdem, wie gut der Operateur ist.

Wäre es besser, nichts zu wissen?


Wäre es besser, nichts zu wissen? Bei wenigen Vorsorgeuntersuchungen ist die Zahl der zu Unrecht beunruhigten Patienten so groß. Deshalb ist auch der Test nicht unumstritten. Aber der Verzicht darauf ist juristisch problematisch: Wenn der Arzt seinen Patienten nicht über die Möglichkeit des Tests aufklärt, macht er sich möglicherweise strafbar. Zumindest hat es entsprechende Gerichtsurteile schon gegeben. Denn die Leitlinie der Urologen, die Empfehlung ihrer Fachgesellschaft, sieht neben dem Tastbefund eindeutig eine Blutuntersuchung vor.

Und deren Ergebnis ist ebenso eindrucksvoll wie zwiespältig: „Mit der PSA-Untersuchung entdecken wir einen Tumor im Schnitt zehn bis zwölf Jahre früher als mit der Tastuntersuchung allein“, sagt Axel Semjonow. Das klingt gut. Allerdings ist nicht klar, ob die Patienten davon überhaupt profitieren. Noch läuft eine europäische Studie, bei der 200000 Männer beobachtet werden. Die eine Hälfte unterzieht sich alle vier Jahre einer PSA-Untersuchung, die andere Hälfte nicht. „Wir wissen schon jetzt, dass auch bei konsequenter Früherkennung nicht jeder Tod durch Prostatakarzinome verhindert werden kann. Ob wir den Todeszeitpunkt hinausschieben können, ist im Augenblick noch fraglich“, sagt Semjonow.

Wer nun ganz auf der sicheren Seite sein will, kann seinen PSA-Wert bereits vom 45. Lebensjahr an kontrollieren lassen, muss aber wissen, dass er sich damit eine Biopsie oder gar Operation einhandeln kann, die sein Leben zwar verändert, aber möglicherweise gar nicht verlängert. Wer umgekehrt das relativ geringe Risiko eines tödlichen Prostatakarzinoms gegenüber den Nebenwirkungen gering schätzt, sollte schon auf den ersten Schritt verzichten. Denn mit der Blutuntersuchung fängt bei erhöhtem Wert eine fast zwangsläufige Kette von Folgeuntersuchungen an. Fragen Sie also einen Arzt Ihres Vertrauens. Und zwar vor dem PSA-Test!

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.06.2007, Nr. 22 / Seite 61


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Werner

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Prostatakrebs - Das Dilemma des Mannes, Lesermeinungen
« Antwort #1 am: 02. Juli 2007, 13:23 »


05.06.2007, 07:41

Es ist so wie bei vielen Dingen des Lebens: Jedes Ding hat zwei Seiten - ich denke jeder muß wissen, ob er sich den Medizinmännern in die Hand gibt.
Der Arzt muß alles tun um Leben zu erhalten, deshalb wird er sicher bei überhöhten Werten und positiver Biopsie zur OP raten. Der Bluttest hilft aber nur wenn er regelmäßig z.B. ab dem 40. Lebensjahr gemacht wird. Nur dann werden die speziellen krankhaften Anstiege auch sichtbar.
Ich lebe mit dem Risiko dem Krebs zu erliegen und gehe nicht zur Vorsorge. Mir geht es gut!
Ich kenne viele, die meinen Vorsorge wäre wichtig und gut, und gehen dann in die Mühlen der Kliniken, in denen nicht nur nach dem Grundsatz zu heilen, sondern auch nach vielen anderen Prämissen gehandelt wird.


04.06.2007, 23:58

Keine Ahnung, ob jemand mehr Männerforschung brauch. Benötigt werden aber in jedemfall besser ausgebildete Mediziner. Wenn der Text keinen Fehler enthält, dann ist die statistische Wahrscheinlichkeit, Prostatakrebs zu haben, wenn der beschriebene Test nicht anschlägt 15%. Schlägt der Test dagegen an, beträgt die Wahrscheinlichkeit lediglich 20%. Dieser sogenannte PSA-Test hat somit eine lächerliche Aussagekraft. Hoffen wir, dass er nichts kostet. Zu befürchten ist jedoch das Gegenteil. Immerhin: eines steht fest, man kann Prostatapatienten lässig per Losentscheid ermitteln. Das hätte etwa dasselbe Ergebnis und würde die Krankenkassen weniger belasten.

 

04.06.2007, 18:51

Das einzige, was ich dem Beitrag entnehmen kann, ist das es sehr viel mehr Forschung für Prostatakrebs bedarf. Die Forschung steckt offenbar noch in den Kinderschuhen. Im Vergleich zum Brustkrebs z.B. liegt die Forschung hier um über 30 Jahre zurück.

Leider ist Prostatakrebs ein rein männliches Problem und aus diesem Grund eher unwichtig. Es wird Zeit, dass sich die Wissenschaft und Medizin auch typisch männlichen Krankheiten widmet.

Beispielsweise ist es sinnvoll, auch Männern (wie es bei Frauen schon üblich ist) eine kostenlose Krebsvorsorge ab dem 20. Lebensjahr zu ermöglichen und nicht erst mit 45 Jahren, schließlich zahlen Männer den Löwenanteil der Krankenversicherungsbeiträge. Wenn es anders herum wäre, wäre dieser "Mißstand" schon beseitigt, dass ist aber ein anderes Thema...

Weiterhin benötigen wir wesentlich mehr Andrologen (Männerärzte) in Deutschland, damit auch Männer einen Ansprechpartner für Ihre Probleme haben. (Ein Urologe ist KEIN Männerarzt, sondern ein Arzt für Harnbildenen und Harnleitenden Organe)


Werner

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Prostatakrebs - Das Dilemma des Mannes
« Antwort #2 am: 19. Januar 2008, 17:03 »
Prostatakrebs vorbeugen - Neue Behandlungsmöglichkeiten für die Volkskrankheit der Männer

Neue Behandlungsmöglichkeiten - die Volkskrankheit der Männer
Jeder zweite Mann im Alter über 60 Jahre und praktisch alle 80jährigen leiden an einer Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostata). Obwohl diese Erkrankung zunächst ohne sichtbare Beschwerden beginnt, ist sie doch gefährlich. Die Prostata liegt direkt unter der Harnblase und umschließt das harnableitende Gefäß, die Harnröhre. Eine vergrößerte Prostata – der Arzt spricht von der benignen Prostatahyperplasie (BPH) – schnürt die Harnröhre gewissermaßen zu und erschwert damit den Harnabfluss. Die Harnblase ist im Prinzip weiter nichts als ein Vorratsgefäß, das den kontinuierlich aus der Niere nachgelieferten Harn aufbewahrt, bis wir ihn entleeren. Im leeren Zustand ist die Harnblase klein und „schrumpelig“, wie eine etwas größere Trockenpflaume. Gleich einem extrem dehnbaren, wasserdichten Beutel vermag sie aber relativ große Flüssigkeitsmengen zu speichern. Bei einem Inhalt von etwa 350 Millilitern (etwa soviel, wie eine kleine Flasche Bier) entsteht Harndrang. Willkürlich kann jedoch sogar noch das Doppelte dieses Volumens zurückgehalten werden. Dann vermag der Betroffene jedoch kaum noch einen anderen klaren Gedanken zu fassen, als den nach der nächsten Toilette. Ist die Blase an ihrem Abfluss abgeschnürt, wie es bei der BPH passiert, können sich bis zu 1,8 Liter Harn anstauen. Nun besteht die ernste Gefahr, dass die Flüssigkeit in die Nieren zurücksteigt. Die Folge wären schwerste Nierenschäden. [/class]









Bei Vorliegen einer BPH ist gewissermaßen der Wasserhahn abgestellt. Ein gefährlicher Rückstau kann die Folge sein





 
 



Wie wir schon wissen, kommt es nicht sofort zu einem totalen Harnverhalt, der übrigens notfallmäßig behandelt werden muss. Erste Anzeichen für die sich entwickelnde BPH sind zunächst ein schwacher Harnstrahl und das vermehrte Nachträufeln nach dem Wasserlassen. Die Betroffenen benötigen daher ungewöhnlich viel Zeit für ein normalerweise „kleines Geschäft“. Später können sie die Harnblase gar nicht mehr richtig entleeren. Die Folge ist nicht nur ein besonders häufiges Wasserlassen, das den normalen Tagerhythmus manchmal empfindlich stört – Männer mit BPH meiden Orte ohne WC achtmal häufiger, als gesunde Vergleichspersonen. Viel schlimmer ist, dass der in der Blase verbleibende Restharn zu Entzündungen führen kann. Noch eine weitere Gefahr lauert hinter einer vergrößerten Prostata. Die Mechanismen, die zum „benignen“, also „gutartigen“ Wachstum dieser Drüse führen, sind möglicherweise dieselben, die auch das Entstehen des bösartigen Prostatakrebses fördern. Bei den meisten Männern, die über 90 Jahre alt sind und Prostatabeschwerden haben, lässt sich ein solches „Prostatakarzinom“ nachweisen. Letzteres gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. Schätzungsweise 22.000 Männer erkranken jedes Jahr neu an diesem Krebs. Hinsichtlich der krebsbedingten Todesursachen rangiert das Prostatakarzinom mit etwa 12.000 Verstorbenen an zweiter Stelle. Gerade unter diesem Aspekt ist es besonders wichtig, eine jährliche Früherkennungsuntersuchung durchführen zu lassen. Obwohl sie nicht zu den angenehmsten Seiten dieses Lebens gehört, ist sie nicht schmerzhaft. Der Arzt tastet mit dem Finger die Prostata durch den Enddarm ab und stellt fest, ob sie vergrößert, schmerzhaft oder verhärtet ist. Die rektale Untersuchung ist sehr zuverlässig. Dennoch kann es gelegentlich auch sinnvoll sein, zusätzlich oder alternativ dazu das so genannte prostataspezifische Antigen (PSA) im Blut bestimmen zu lassen. Es gilt als „der“ Marker für einen eventuellen Prostatakrebs. Da aber ca. jeder fünfte Mann mit einer vergrößerten Prostata keine erhöhten PSA-Werte hat, ist die „richtige“ Untersuchung jedoch immer empfehlenswert! Jeder Mann über 45, sollte sich in regelmäßigen Abständen untersuchen lassen. Bei einer frühen Behandlung von BPH und Prostatakrebs ist mit einer völlig normalen Lebenserwartung für den Betroffenen zu rechnen. Leider lassen die meisten Männer diese Chance ungenutzt verstreichen. Nur 16 Prozent aller 45jährigen machen von der Vorsorgeuntersuchung Gebrauch.

Die Entstehung des Prostatakrebses ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Wie bei der Entwicklung der BPH spielt hier wahrscheinlich eine Substanz eine Rolle, die aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet wird. Die Rede ist vom so genannten Dihydrotestosteron (DHT). Seit langem ist bekannt, dass DHT der eigentliche Wachstumsmotor bei der benignen Prostatahyperplasie ist. Die Umwandlung von Testosteron zu DHT kann nur in Anwesenheit bestimmter Enzyme, der so genannten 5-alpha-Reduktase, erfolgen. Gelingt es nun, diese Enzyme sozusagen auszuschalten, entsteht kein DHT mehr und das Prostatawachstum wird unterbunden. Leider war es in der Vergangenheit nur möglich, einen Teil der 5-Alpha-Reduktase zu hemmen. Eine gewisse Restkapazität konnte daher immer noch das „schädliche“ DHT produzieren. Seit Kurzem gibt es in Deutschland jedoch einen neuartigen Wirkstoff, das Dutasterid, der fast das gesamte Enzym zu hemmen vermag. Als Folge wird die Bildung von DHT um 90 Prozent eingeschränkt. Die Effekte auf die Prostata sind überwältigend. Schon nach kurzer Therapiedauer verringert sich das Volumen der Drüse um 26 Prozent. Damit löst sich die „Klammer“ um die Harnröhre und der Harnstrahl gewinnt wieder an Kraft. Interessanterweise verringert sich unter Behandlung mit Dutasterid (Avodart) bzw. früher Finasterid, auch der „Krebsmarker“ PSA drastisch.

Was kann nun der Betreffende zusätzlich unternehmen, um seine BPH noch wirkungsvoller zu bekämpfen? „Ein rundum gesundes und aktives Leben führen“, wäre die etwas lakonische Antwort. Dennoch gibt es einige Verhaltensregeln, die sich ganz konkret umsetzen lassen: Vermieden werden sollte auf jeden Fall das lange Sitzen. Bewegung, Spaziergänge und leichte Gartenarbeit tun dagegen gut. Dabei sollte eine Unterkühlung der Blase und der Beckengegend auf jeden Fall vermieden werden. Bei der Ernährung erweisen sich ballaststoffreiche Speisen, Obst und Gemüse als vorteilhaft. Der Fettverbrauch muss prinzipiell reduziert werden. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1-2 Liter Tee oder Mineralwasser pro Tag!) ist zu achten. Die Prostata kann ein wenig entlastet werden, wenn der Betroffene für einen regelmäßigen Stuhlgang sorgt. Auf Alkohol und starken Kaffee sollte möglichst verzichtet werden. Warnsignale, wie starker Harnverhalt oder Schmerzen beim Wasserlassen sollten immer ein Grund sein, den Weg zum Arzt zu finden.


Dietmar E.

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Prostatakrebs - Das Dilemma des Mannes
« Antwort #3 am: 04. November 2008, 21:54 »
Prostatakrebs: Eine Übersicht für Patienten, ihre Familien und Freunde

Fragen Sie Ihren Arzt!

Informationen aus dem Internet können das Gespräch mit dem Arzt nicht ersetzen.

Die folgenden Texte bieten einen Überblick zum Thema Prostatakrebs. Männer, die sich über Vorbeugung und Früherkennung informieren wollen, sind ebenso angesprochen wie Patienten, die bereits an einem Prostatakarzinom erkrankt sind und wichtige Fakten zu Diagnose, Therapie und Nachsorge dieser Tumorart erfahren möchten. Darüber hinaus bieten die Texte Familienangehörigen, Freunden und allen Interessierten Hintergrundwissen sowie Links, die auf weitere Informationsquellen verweisen.
Bei individuellen Fragen steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail mit Auskünften zur Verfügung.
Informationen aus dem Internet können Fakten vermitteln; das persönliche Gespräch und die Beratung durch Haus- oder Fachärzte vor einer individuellen Entscheidung ersetzen sie jedoch nicht!

Quellen

Aktuelle Leitlinien, die alle Aspekte des Themas Prostatakarzinom abdecken, liegen im Sommer 2008 in deutscher Sprache nicht vor. Die Deutsche Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de) hält ältere Informationen bereit und weist darauf hin, dass eine Aktualisierung deutscher Leitlinien noch im Jahr 2008 geplant ist.

Der Krebsinformationsdienst hat sich daher bei der folgenden Zusammenstellung vorwiegend an Leitlinien europäischer und internationaler Organisationen für Fachleute orientiert. Dazu gehören die Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Urologie vom März 2007 (European Association of Urology, www.uroweb.org) und regelmäßig aktualisierte Texte des Netzwerks der Tumortherapiezentren in den USA (www.nccn.org). Zur Information über neuere Verfahren hat der Krebsinformationsdienst wissenschaftliche Zeitschriften durchgesehen. Um den Stellenwert von Veröffentlichungen einschätzen zu können, wurde geprüft, ob aktuelle Weiterentwicklungen noch in klinischen Studien getestet werden oder bereits Teil der Routinetherapie sind; auch die so genannte Evidenz der veröffentlichten Daten wurde berücksichtigt, der angibt, wie hoch die Aussagekraft und Wertigkeit einer Studie bzw. Veröffentlichung ist.

Links

Links auf diesen Seiten führen zu weiteren, erläuternden Texten des Krebsinformationsdienstes unter www.krebsinformationsdienst.de, die bei Bedarf oder besonderem Interesse einzelne Themen weiter vertiefen. Ebenfalls verlinkt sind Informationen anderer Anbieter, wenn diese als Quelle genutzt wurden oder Betroffenen weitere Hintergründe und Angebote vermitteln. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Inhalte anderer Anbieter übernimmt der Krebsinformationsdienst keine Haftung.

Inhaltsübersicht Prostatakarzinom

http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/prostatakrebs/index.php

    * Einführung: Anatomie, Krebsstatistik, Tumorentstehung
    * Vorbeugung: Wenige Risikofaktoren bekannt
    * Früherkennung: PSA-Test noch immer umstritten
    * Diagnostik: Wichtig für die Therapieplanung
    * Befunde: Kennen und verstehen
    * Behandlungsplanung: Stadiengerechte Therapie und gängige Verfahren
    * Behandlung bei auf die Prostata begrenzten Tumoren
    * Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung und Metastasen
    * Was tun bei einem Rückfall?
    * Wieder zu Kräften kommen: Rehabilitation und Nachsorge
    * Alltag: Leben mit der Erkrankung, Linderung von Therapiefolgen und Nebenwirkungen
    * Mehr wissen: Adressen, Links, Broschüren
    * Prostat Kanseri: Informationen zum Thema Prostatakrebs in türkischer Sprache

"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Dietmar E.

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Hilfe für mündige Patienten bei Verdacht/Nachsorge Prostastakrebs
« Antwort #4 am: 26. November 2008, 14:23 »
Leider wird viel zu wenig beachtet:

Jeder vierte Mensch erkrankt an Krebs.

Blasenkrebs bedeutet 5-6 fach erhöhtes Prostatakrebsrisiko.

Jeder vierte Blasenkrebs ist berufsbedingt.

Jeder fünfte Patient mit Prostatakrebs bekommt auch Blasenkrebs.


Tumormarker NMP22 + Harnzytologie + Harnstatus, vor der Fluoreszenzzystoskopie,

sollte Standard in der Nachsorge von Blasenkrebspatienten sein, finde ich.



Meine Vorbereitungen zur Spontanharnzytologie und dem NMP22 Tumormarker:


ca. 7 Uhr Nachtharn entleeren
dann etwas mehr als üblich trinken
vor 10 Uhr: Bewegung, z. B. 3. Stock rauf/runter und zu Fuß zum Labor
nach 10 Uhr: Harn beim Labor für Spontanharnzytologie abgeben
Jetzt auch NMP22 Tumormarkertest im Labor oder beim Urologen oder N.N.


Prostata - PSA:

auf den Überweisungsscheinen immer PSA und fPSA schreiben lassen.
1 Woche vorher:
keinen anstrengenden Sport
kein Radfahren
keinen Geschlechtsverkehr
gleichmäßiges Trinken, wie sonst auch und
immer das gleiche Labor !!!
Ist das PSA (Prostata Spezifische Antigen) erhöht, dann auf den Verlauf (prozentuelle Erhöhung in welcher Zeit?) achten,
z. B. Wiederholung nach ca. 2 Monaten.



siehe auch:

http://www.krebsforum.at/forum/index...oard,20.0.html

und

http://www.krebsforum.at/forum/index...ard,100.0.html


Fragen: bitte hier stellen!
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