Autor Thema: Hodenkrebs - an was ist noch zu denken?  (Gelesen 5604 mal)

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Jutta

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Hodenkrebs - an was ist noch zu denken?
« am: 19. Juli 2007, 20:54 »

Nach einer Hodenkrebsbehandlung ist es (meist) nicht mehr möglich, Vater zu werden.

Somit soll das Sperma  dementsprechend "gelagert", eingefroren, werden.

Ein guter Artikel dazu steht unter:


http://www.im-focus-onkologie.de/archiv/2004/09/ifo0409_31.pdf


Siegfried

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Übertreiben ist kontraproduktiv
« Antwort #1 am: 22. Juli 2007, 21:23 »
Liebe Jutta
Es freut mich dass du aktiv in diesem Forum teilnimmst und du ein wichtiges Thema aufzeigst.Auch ich bin der Ansicht das es unbedingt mit dem Arzt besprochen werden soll.
Aber bitte, mache die Pferde nicht über das nötige Maß scheu.
Von wegen Nach einer Hodenkrebsbehandlung ist es (meist) nicht mehr möglich, Vater zu werden.“
Ich lese etwas von 30% und nichts von 70% oder mehr.
Du verängstigst junge Männer und ihre Angehörigen die ohnehin in einer schwierigen Lage sind unnötigerweise noch mehr. 
Es ist dir möglicherweise nicht bewusst das Hodenkrebs für einen Mann ungefähr so problemschwer ist wie Brustkrebs für eine Frau.
Übertriebene Schlagzeilen sind in diesem Fall kontraproduktiv, wir sind hier nicht bei einer Boulevardzeitung sondern in einem Krebsforum.
Liebe Grüße Siegfried


Jutta

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Kinderwunsch: Onkologie und Fertilität

Die Onkologie ist ein besonders wichtiger Teil der Medizin, da es um einschneidende Therapien mit potenziellen Langzeitfolgen unter Erhaltung der Lebenserwartung und -qualität geht. Insbesondere akute und chronische Langzeitwirkungen onkologischer Therapien bedürfen besonderer Information und Zuwendung für den Patienten, da nach der primären Angst vor der Krankheit und deren Auswirkungen auf das Leben auch andere, primär als nebensächlich betrachtete Aspekte nach Restitution an Bedeutung gewinnen und trotz Therapie eine physiologische Funktion erwartet wird.

Diese Probleme sind bekannt bei radikal prostatektomierten Männern, deren Primärziel die Tumorkontrolle ist. Nach erfolgreicher Operation kommt die Sorge wegen der Inkontinenz, wenn sich auch diese nach einigen Wochen zur Zufriedenheit des Patienten einstellt, wird zumeist zuletzt der Wunsch nach Erhalt der Sexualität geäußert. Ein Bereich, der immer wieder beim onkologischen Patienten vernachlässigt wird, sind die Auswirkungen auf die Fertilität. Maligne Erkrankungen im reproduktionsfähigen Alter können zwar mittels Chemo- und/oder Radiotherapie in manchen Fällen geheilt oder zumeist sehr gut behandelt werden, sind jedoch in vielen Fällen gonadotoxisch. Diese Problematik sollte beim Gespräch mit dem Patienten nicht vernachlässigt und vom betreuenden Arzt angesprochen werden, da z.B. die Kryokonservierung oder etwaige gonadenprotektive Maßnahmen getroffen werden können. Ein wesentlicher Faktor, der heute bei jeder Diskussion aufkommt, ist die fehlende zeitliche Zuwendung des Arztes an den Patienten. Hierbei gilt es, trotz der zeitlichen Einschränkungen, denen wir unterliegen, die Ausnahmesituation des Patienten zu berücksichtigen und ihm jene Zeit zu geben, die individuell benötigt wird. Im Rahmen einer medizinsoziologischen Untersuchung auf einer onkologischen Station wurde über eine durchschnittliche Visitendauer von 3–4min pro Patient berichtet, wobei 50–60% davon der Arzt sprach, 10% andere Teammitglieder, sodass für das direkte Gespräch mit Patienten lediglich ca. 40–60s übrig blieben. Weiters wurde der Patient pro Visite durchschnittlich mit 3 Fachtermini konfrontiert, die nicht näher erklärt wurden. Dies dürfte im ambulanten Bereich nicht wesentlich anders sein – hier wird der Patient bekanntermaßen nach durchschnittlich 23s erstmals vom Arzt unterbrochen.

Auswirkungen auf die Fertilität

Auswirkungen onkologischer Therapien auf die Fertilität betreffen am häufigsten Männer mit Hodentumoren oder Morbus Hodgkin. Pathologische Spermiogramme werden bei diesen Männern bereits vor der Therapie bei 35,5% (GCT) und 24,5% (M. Hodgkin) nachgewiesen, wobei der Anteil der Männer mit Oligozoospermie bei 46% und Azoospermie bei 18% liegt. Warum es zu der Verschlechterung der Spermiogenese des kontralateralen Hodens kommt, ist bis dato nicht geklärt. Hoei-Hansen berichtete 2003 über das Vorliegen von testikulären intraepithelialen Neoplasien (TIN) bzw. Sertoli-cell-only-Syndromen (SCO) bei Männern mit malignen Hodenerkrankungen und zeigte, dass es unabhängig von den zugrunde liegenden Malignomen zu einer wesentlichen Beeinträchtigung der testikulären Funktion kam (Tab. 1). Die gonadale Toxizität betrifft 2 unterschiedliche Phasen. Die akute Toxizität, gekennzeichnet durch eine passagere Reduktion des Proliferationspools der Keimzellen, tritt bei allen Zytostatika ein. Die chronische Toxizität betrifft eine permanente Reduktion der Stammzellspermatogonien, die substanzspezifisch, dosis- und altersabhängig ist (Tab. 2). Die Beeinflussung der Spermiogenese durch Chemotherapeutika wurde von Meistrich 1993 dargestellt (Abb.). Bekanntermaßen dauert die vollständige Spermiogenese 96 Tage, wodurch sich die 12-wöchentliche Auswirkung erklärt. Abhängig von den oben angeführten Problemen finden sich 1 Jahr nach Chemotherapie eines Hodentumors eine Beeinträchtigung der testikulären Funktion dargestellt durch eine LH-Erhöhung (Leydigzell-Funktion) bei 32% sowie FSH-Erhöhung (Sertoli-Zelle) bei 57%. In 27% findet sich weiterhin eine Azoospermie. Die Zeit bis zu einer Restitution der Spermiogenese nach Chemotherapie kann beim Hodentumorpatienten bis zu 3, nach Hochdosis-Cisplatintherapie bis zu 9 Jahren dauern. Abhängig vom Patientenalter sowie dessen Partnerin sollten diese Daten in die therapeutischen Überlegungen protektiver Maßnahmen der Fertilität einbezogen werden.

Fertilitätsprotektive Maßnahmen

Die fertilitätsprotektiven bzw. -erhaltenden Maßnahmen betreffen heute lediglich die Anlage von Kryosperma oder einer Kryo-TESE (testikuläre Samenzellextraktion), andere Maßnahmen wie der Einsatz von GnRH-Agonisten, nichtsteroidalen Antiandrogenen, Testosteron, 17ß-Estradiol, Stammzelltransplantation oder Xenotransplantation von Spermatogonien werden im Tiermodell untersucht, sind jedoch für den Menschen derzeit nicht vorhanden und experimentell. Durch die Novelle des IVF-Gesetzes 2004 ist die Lagerung von Kryosperma oder kryokonserviertem testikulärem Gewebe bis an das Lebensende des Mannes möglich. Auf diese Neuerung sollte bei der Beratung des onkologischen Patienten nicht vergessen werden, obwohl der Großteil der Studien zeigte, dass nur ein geringer Anteil der Männer Kryokonservate für eine assistierte Reproduktion in Anspruch nahm. Ein Aspekt könnte sein, wie eine Untersuchung von Schover 2002 zeigte, dass im Rahmen einer Befragung onkologischer Patienten lediglich 60% angaben, über die Möglichkeit der Kryokonservierung aufgeklärt worden zu sein. Gleichzeitig gaben 91% der befragten Onkologen an, dass Kryokonservierung von Spermien wichtig sei, jedoch lediglich 48% die Patienten darüber informierten. Als Grund für die fehlende Information wurde von den Ärzten Zeitmangel angeführt. Dies schließt sich an die eingangs gebrachten Daten zum zeitlichen Aufwand für diese Patienten an.

Risiko Kinderwunsch nach Chemotherapie?

Da offensichtlich seltener kryokonservierte Spermien für eine assistierte Reproduktion verwendet werden und natürliche Konzeption auch nach einer Therapie möglich ist, stellt sich die Frage, ob Nachkommen von Männern nach Chemotherapie ein erhöhtes Risiko für angeborene Veränderungen haben. Hierzu konnten Untersuchungen bisher weder eine erhöhte Wahrscheinlichkeit genetischer Defekte noch eine höhere Abortus- oder Frühgeburtenrate sowie das Vorliegen von geringem Geburtsgewicht oder eine erhöhte Malignominzidenz bei den Kindern nachweisen.

Doch nicht nur die Chemo-, sondern auch die Strahlentherapie hat negative Auswirkungen auf die Spermiogenese. Insbesondere bei der infradiaphragmalen Strahlentherapie werden Streudosen von 1,2–4,8Gy trotz Gonadenschutz am Hoden gemessen. Es besteht, wie bei der Chemotherapie, dosisabhängig eine transiente oder permanente Verschlechterung der Spermiogenese.


Univ.-Doz. Dr. Eugen Plas, FEBU, Abteilung für Urologie, KH Hietzing


Jutta

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Hodenkrebs - an was ist noch zu denken?
« Antwort #3 am: 26. Juli 2007, 12:11 »

An Sigfried,

ich habe weder von 30 % noch von 70 % geschrieben; jeder kann sich selbst ein Bild aus dem Erst-Artikel hier machen.

Aber, wie du vielleicht gelesen hast, oder auf Grund meines jetzigen Beitrages siehst, gibt es mehrere Gründe, wie so es nicht mehr möglich sein kann, ein Wunschkind zu zeugen.

Und wenn du dann diese Gründe zusammen zählst, und weitere - die du im google findest, dann wirst du vielleicht über 50 % liegen.

Die von DIR festgelegten 70 % sind sicher "marktschreierisch", oder kannst du was belegen. Ja, ich freue mich über deine baldigen, häufigeren Beiträge.

Jutta

Siegfried

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Re: Hodenkrebs - an was ist noch zu denken?
« Antwort #4 am: 27. Juli 2007, 00:22 »
Liebe Jutta
Du beliebst einen Artikel zu deiner Verteidigung in den Bereich Hodenkrebs zu stellen in dem es vor Prozenten nur so wimmelt.  Du übersiehst dabei das du alle nur erdenkliche männliche Krebs- und andere Erkrankungen  aufzählst. Das nenne ich Birnen und Äpfel mischen
Du hast nicht erfasst das ich vollkommen deiner Meinung bin das der Arzt zugezogen und Vorsorge getroffen werden muss. Was mich stört ist die Art.
Die 70% die du ansprichst habe ich nicht festgelegt sonder aus deinem Satz   „Nach einer Hodenkrebsbehandlung ist es (meist) nicht mehr möglich, Vater zu werden.“ abgeleitet. Wenn  der Satz nicht Marktschreierisch ist, wie du dich auszudrücken pflegst was dann.
Ich  frage ich mich was du zu erreichen versuchst: Willst du mit harten Worten erreichen das die Betroffenen Vorsorge treffen?
Oder willst du mit deinen Funden im Internet protzen (das währe doch ein Wenig das Charge von uns Männern)
Einerlei welche Beweggründe du für so gestaltete  Aussagen hast überlege bitte deine Wortwahl. Du erzeugst mit der Art nur noch mehr Chaos und Angst.
Ich lege keinen Wert darauf Beiträge aller Art im Internet zu suchen und in das Forum zu stellen, diese nicht unwichtige Aufgabe überlasse ich Anderen, ich helfe betroffenen auf meine Art. Wie viele Krebspatienten hast du durch die Behandlung begleitet?
LG Siegfried

« Letzte Änderung: 27. Juli 2007, 20:15 von Siegfried »