Autor Thema: Harninkontinenz - ein Bericht  (Gelesen 7532 mal)

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Dietmar E.

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Harninkontinenz - ein Bericht
« am: 26. Juli 2007, 22:05 »

Urodynamische Effekte eines isopropanolischen Extraktes der Traubensilberkerze (iCR)

Harninkontinenz zieht innerhalb des menopausalen Beschwerdekomplexes größte psychische Probleme nach sich. Konservative und operative Therapieverfahren finden ebenso wie medikamentelle Behandlungsansätze wenig Anklang. Aus diesem Grund ist eine zunehmende Zahl von Frauen in den Wechseljahren auf der Suche nach einer sicheren, nebenwirkungsarmen Alternative, die sowohl zur kurzfristigen Symptomverbesserung als auch zur langfristigen Rezidivprophylaxe der Harninkontinenz geeignet ist. So wurde ein seit langem zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden etablierter isopropanolischer Extrakt der Traubensilberkerze (iCR) in verschiedenen Modellen der Harninkontinenz untersucht. Neun sterilisierte Hündinnen zeigten nach etwa 2 Wochen Therapie eine stark gebesserte Inkontinenzsymptomatik, die bei zwei Tieren sogar über 12 Monate anhielt. Möglicherweise verantwortliche Pathophysiologiemechanismen wurden an katheterisierten weiblichen Ratten untersucht: Der isopropanolische Extrakt der Traubensilberkerze steigerte den vor einer Miktion maximal tolerierbaren Blaseninnendruck. Nach Therapie entspricht dieser Blaseninnendruck wieder dem intakter Ratten und ist signifikant höher als der von unbehandelten, ovariektomierten Kontrolltieren. iCR bietet somit in einer vermutlich geringgradig zu erhöhenden Dosierung eine Option zur Therapie der postmenopausalen Harninkontinenz.

Einleitung

Im menopausalen Beschwerdekomplex treten einzelne Symptome erst in späteren Jahren nach der letzten Regelblutung auf, können aber in manchen Fällen bis ans Lebensende bestehen. Dazu zählen vor allem Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme, Libidoverlust und Urininkontinenz.

Besonders Letztere ist mit erheblichen Beeinträchtigungen des täglichen Lebens und großen psychischen Problemen verbunden.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen konservative Therapieverfahren wie Beckenbodentraining oder Verhaltens-therapie, operative Eingriffe sowie medikamentöse Behandlungsansätze mit beispielsweise systemischen Estrogenen, alpha2-Adrenergika oder Parasympatholytika. Zum einen ist der Kurzzeiterfolg synthetischer Hormonersatzpräparate vermutlich auf östrogene Effekte am Urogenitalepithel zurückzuführen und somit risikoassoziiert (Hyperplasie, Metaplasie, Neoplasie), zum anderen wird vermutet, dass die Östrogentherapie auf längere Sicht sogar die Gefahr erhöht, später im Leben an Harninkontinenz zu erkranken.1, 2 Während konservative und operative Verfahren wegen mangelnder Compliance, eines verzögerten Wirkungseintritts oder der Angst vor OP-Risiken nur wenig Resonanz finden, sind die medikamentösen Alternativen wegen kardiovaskulärer oder ZNS-Nebenwirkungen oft keine Therapie der ersten Wahl.

Menopausale Frauen suchen zunehmend nach sicheren, nebenwirkungsarmen Alternativen, die sowohl zur kurzfristigen Symptomverbesserung als auch zur langfristigen Rezidivprophylaxe der Harninkontinenz geeignet sind. Ein isopropanolischer Extrakt (iCR) aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze (Actaea syn. Cimicifuga racemosa [L.] Nutt., Remifemin®) ist ein seit langem in Europa etabliertes Medikament zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden.3, 4

Mit einem vergleichbaren Verlauf und einer vergleichbaren Inzidenz kommt Harninkontinenz auch bei sterilisierten Hündinnen vor. In großstädtischen Gebieten wird die Operation zur Vermeidung unerwünschten Nachwuchses bei bis zu 80% aller Hündinnen vorgenommen. Als Folge des Eingriffes tritt die Harninkontinenz dann nach durchschnittlich 2,7 Jahren bei bis zu 20% der Tiere auf.5 Die Behandlungsmöglichkeiten entsprechen denen des Menschen, sodass hier ein ideales Therapiemodell zur Verfügung steht, welches durch das Pathophysiologiemodell der ovariektomierten Ratte ergänzt werden kann. Zum Vorteil der homogenen Ausgangspopulation kommt hier die Möglichkeit, mittels Blasenkatheter den Harnblaseninnendruck zu messen.

Material und Methoden

Natürliches Therapiemodell
Neun Hündinnen, bei denen die Sterilisation durchschnittlich 14 (923) Monate zurücklag und die sich mit einer mehrwöchig anhaltenden Harninkontinenz in einer Kleintierklinik präsentierten, wurden in die Studie aufgenommen. Die Patientenbesitzer erhielten zur Applikation an ihre Tiere Tabletten, die iCR in einer Dosis von 20mg Droge enthielten. Als Einstiegsdosis wurde 1 Tablette (d. h. 20mg Droge) je 10kg KG vereinbart, die bei Bedarf verdoppelt werden konnte. Subjektiv erfahrene Symptomverbesserung wurde als Erfolgsparameter herangezogen.

Experimentelles Pathophysiologiemodell
Adulte weibliche Sprague-Dawley-Ratten wurden mittels ven-traler Laparotomie ovariektomiert (OVX), um die endogene Estrogenproduktion auszuschalten und einen der Postmenopause vergleichbaren Hormonstatus zu erzielen. 6 Monate nach OVX wurden die Harnblasen der Tiere unter Urethannarkose perkutan katheterisiert. Über einen 2-Kanal-Katheter wurde der Blaseninnendruck registriert, während durch den zweiten Kanal parallel isotone körperwarme Kochsalzlösung mit einem Volumenstrom von 1,2ml/h instilliert wurde. Jede Miktion konnte deutlich am Druckabfall festgestellt werden. Der Blaseninnendruck wurde mittels Analogschreiber und Millimeterpapier abgelesen und als arbiträre Einheit angegeben (U).

Eine Gruppe von 7 Tieren wurde vor Blaseninnendruckmessung über vier Wochen mit dem iso-propanolischen Remi-femin®-Extrakt (60mg Droge/kg KG) behandelt. Eine nicht ovariektomierte (n=12) und eine unbehandelte OVX-Gruppe (n=8) dienten als Kontrollen.

Ergebnisse

Bei neun sterilisierten Hündinnen stellte sich nach etwa 2 Wochen Therapie mit iCR in einer Dosis von ca. 20mg Droge/10kg KG eine deutliche Verbesserung der Inkontinenzsymptomatik ein. Während die meisten Tiere nicht über einen mehrmonatigen Zeitraum beobachtet werden konnten, war bei zwei Tieren der Therapieerfolg sogar noch nach 12 Monaten Dauertherapie festzustellen (Tab.). Bei einem Patienten (# 7) war die Initialdosis nicht ausreichend, der Therapieerfolg stellte sich jedoch bei Dosiserhöhung um das 1,5-Fache ein.

Im Modell der OVX-Ratte zeigte sich der zugrunde liegende Mechanismus: Der maximal tolerierbare Blaseninnendruck war bei iCR-behandelten Ratten signifikant höher als bei unbehandelten Kontrollen und erreichte das Niveau von NOVX-Tieren (Abb.).

Diskussion

Blasenentleerung wird als spino-bulbo-spinaler Reflex über ein Koordinationszentrum im rostralen Hirnstamm gesteuert. In der übergeordneten Hirnrinde sind Neurotransmitter wie GABA, endogene Opiate und Glutaminsäure involviert.6 Als pathophysiologischer Mechanismus postmenopausaler Harninkontinenz wird meist eine veränderte Dichte und/oder Ansprechbarkeit bestimmter Rezeptoren der neuromuskulären Reizleitung vermutet. Extrakte der Traubensilberkerze haben die Fähigkeit, an Estrogenrezeptoren zu binden. Außerdem fungieren sie als Liganden/Transmitter an GABA-, 5HT- und Dopaminrezeptoren.4 Möglicherweise erklären diese Effekte auch die beobachtete Besserung der Inkontinenzsymptomatik durch iCR.

Interessanterweise konnten wir im Modell der OVX-Ratte beobachten, dass es nur bei Durchführung einer ventralen Laparatomie, nicht jedoch bei Operation über einen dorso-lateralen Zugang zur Bauchhöhle zu einer Verminderung des maximal tolerierbaren Blaseninnendrucks bzw. -volumens kommt (unveröffentlichte Daten). Ventrale Laparatomie ist gleichzeitig die Standardtechnik zur Sterilisation von Hündinnen. Möglicherweise tritt also hier eine zusätzliche, durch das chirurgische Trauma bedingte Störung der neuromuskulären Reizleitung auf, die besonders die lange Bauchmuskulatur (M. rectus abdominis) betrifft. Dieser Muskel wird bei der dorso-lateralen Technik geschont und scheint an der Ausprägung der Inkontinenzsymptomatik entscheidend beteiligt zu sein. Inwieweit die beobachteten Therapieerfolge von iCR bei der Harninkontinenz in zwei verschiedenen Tiermodellen auf eine Beeinflussung traumabedingter Veränderungen der Bindegewebsstruktur zurückzuführen sind, muss in weiteren Versuchen abgeklärt werden.

Schlussfolgerung

Die in Tiermodellen beobachtete Besserung einer experimentellen Harninkontinenz durch einen isopropanolischen Cimicifugaextrakt (Remifemin®) scheint unabhängig von einer Beeinflussung der induzierten Hormonmangelsituation abzulaufen. Die möglichen Angriffspunkte für iCR, zum einen die chirurgisch bedingte Bindegewebsschwächung, zum anderen die Veränderungen der neuromuskulären Reizleitung, kommen auch als pathogenetische Faktoren für die Harninkontinenz postmenopausaler Frauen in Betracht.7 Die Untersuchung von Cimicifugaextrakten in klinischen Studien zur Harninkontinenz ist somit dringend geboten.


Korrespondenzadresse: Dr. med. vet. Thomas Nißlein,Schaper & Brümmer GmbH & Co. KG,38259 Salzgitter, Bahnhofstrasse 35; thomas.nisslein#schaper-bruemmer.de
13.5.07

 
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Harninkontinenz - ein Querschnitt
« Antwort #1 am: 26. Juli 2007, 22:11 »
EAU 2007: Inkontinenztherapien – ein Querschnitt

Inkontinenz war auch auf dem diesjährigen EAU in Berlin ein großes Thema – ein kurzer Einblick in die Fülle der Vorträge.

TOT versus TVT bei Frauen

Elisabetta Constantini (Perugia, Italien) untersuchte in einer prospektiven, randomisierten Studie an 131 Frauen die Therapie einer Belastungs- bzw. Mischinkontinenz mittels transobtubatorischer (TOT) vs. spannungsfreie (TVT) Bänder. Nach einem mittleren Follow-up von 31 Monaten zeigte sich Folgendes: Bei 88% war die Behandlung per TOT erfolgreich – die Frauen blieben also objektiv trocken, bei 86% bei TVT. Drang blieb bei TOT bei 16% bestehen, bei TVT bei 45%. Er verschlechterte sich unter TOT bei 3%, bei TVT bei 6%. TOT ist also ebenso effektiv wie TVT, wobei die Komplikationsrate gering ist. P.o.-Symptome sind in beiden Fällen ähnlich. Die Speicherproblematik und die Erosion des Meshs sind bei beiden Techniken nach wie vor ein Problem. Ebenso müssen noch das optimale Tape-Material und dessen Konstruktion gefunden werden.

Kindliche Inkonzinenz

Andreas Lunacek, Hanusch-Krankenhaus, und die Innsbrucker Kinderurologie sind weiter der Bedeutung des P2X-3-Rezeptors auf der Spur. Untersucht wurde die Rezeptorexpression in fötalen und kindlichen Blasen. Dazu wurden 12 fötale Blasen aus der 12.–38 SSW sowie 8 Blasen von Babys (1.–25. Monat) analysiert. Färbetests zeigten die Aktivität der Rezeptorexpression vor allem im suburetralen Bereich, der den Nervus plexus enthält. Während sie bei Geborenen sehr ausgeprägt war, war sie bei Föten schwächer. Im Vergleich zu Erwachsenen zeigte sich allerdings eine deutlich höhere Dichte der P2X-3-Rezeptoren sowohl bei Föten als auch bei Kindern. Eine erhöhte oder erniedrigte Expression bzw. Regulierungstörungen des P2X-3-Rezeptorkomplexes könnten eine Erklärung dafür sein, weshalb bei Kindern pathologische Resultate ausbleiben können. Interessant ist, dass sowohl bei Föten als auch bei Kindern eine hohe Expressionsrate des Rezeptors gefunden wurde – dies könnte einen Weg zu neuen Therapien bei OAB weisen.

Stammzelltherapie – 4-Jahres-Daten

Hannes Strasser (Innsbruck) präsentierte 4-Jahres-Resultate der autologen Stammzellinjektion zur Therapie bei Belastungsinkontinenz. 2002 bis 2005 wurden 123 Frauen und 63 Männer mit Belastungsinkontinenz so behandelt, wobei Myo- und Fibroplasten aus Muskeln gewonnen und autolog mit TRUS-Unterstützung in den Rhabdosphinkter (Myoblasten) injiziert bzw. in die urethrale Submucosa (Fibroblasten) implantiert werden. 1-Jahres-Resultate zeigten einen Kontinenzerfolg bei 85% der Frauen und 67% der Männer. Signifikante Unterschiede traten nach 4 Jahren nicht auf. Patienten, bei denen der Eingriff funktioniert, können also mit einem 4 Jahre anhaltenden positiven Effekt rechnen. Außer Infektionen bei 1,6% der Patienten und Wundheilungsstörungen bei einem Patienten waren keine weiteren Nebenwirkungen beobachtet worden. Zu beachten ist, dass es sich nach wie vor um eine zwar sehr interessante, jedoch noch nicht etablierte Option handelt.

Autor:
Christian Fexa

Quelle des Artikels EAU 2007: Inkontinenztherapien – ein Querschnitt:
Postersessions im Rahmen des 22. EAU-Kongresses, März 2007, Berlin

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Harninkontinenz - neuer Selbsttest für Frauen und Männer
« Antwort #2 am: 05. September 2007, 14:35 »
Neue Selbsttests - für Frauen und Männer

Risikofaktoren für Blasenschwäche sind geschlechterspezifisch
Haben Sie Probleme mit Ihrer Blase? Vielleicht leiden Sie unter einer Form von Harninkontinenz.
Die Risikofaktoren, an Blasenschwäche zu erkranken, sind bei Frauen und Männer allerdings unterschiedlich.

Deshalb bietet das Special nun zwei Selbsttests an, über die Sie Ihr Risiko für Blasenschwäche
gezielter testen können:

Selbsttest für Frauen

http://www.special-harninkontinenz.de/harninkontinenz/selbsttest_fuer_frauen/selftest/index-138553.html?id=17


Selbsttest für Männer

http://www.special-harninkontinenz.de/harninkontinenz/selbsttest_fuer_maenner/selftest/index-160910.html?id=78


 Neben einer allgemeinen Auswertung erhalten Sie zusätzlich noch Kommentare zu denen von Ihnen geklickten Antworten. Dieser Selbsttest entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Dr. med. Walter Merkle, Leiter des Fachbereichs Urologie der Stiftung Deutsche Klinik für Diagnostik GmbH in Wiesbaden. Bitte beachten Sie: Ein Selbsttest kann niemals ein Arztgespräch ersetzen. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder einen Urologen.

« Letzte Änderung: 05. September 2007, 14:36 von Dietmar E. »
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Neue Patientenbroschüre soll Hemmschwellen abbauen

Urologen brechen Tabus - Prominente helfen mit! Unter diesem Motto geben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. in diesen Tagen eine Patientenbroschüre heraus, mit der sie das Schweigen um die heimliche Volkskrankheit Inkontinenz überwinden wollen.

Blasenschwäche ist eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten in Deutschland und eine der am stärksten tabuisierten. Über fünf Millionen Frauen und Männer aller Altersgruppen leiden an Harninkontinenz, die nach Geburten oder Operationen, bei Beckenbodenschwäche und vielen anderen Erkrankungen auftreten kann. Um Betroffenen Mut zu machen und einen Arzt aufzusuchen, wollen die DGU und der Berufsverband der Deutschen Urologen mit ihrer neuen Patientenbroschüre Hemmschwellen abbauen.
Tatkräftige Unterstützung bekommen sie dabei von zehn prominenten Mitstreitern: Schriftstellerin Peggy Parnass, Bischöfin Maria Jepsen, den Schauspielerinnen Hannelore Hoger, Nina Petri, Claudia Rieschel und Beate Abraham, Sportlegende Alexander Pusch, Chorleiter Gotthilf Fischer sowie aus den Reihen der Politik von Christian Wulff und Ursula von der Leyen. Sie alle sprechen in der handlichen
26-Seiten-Broschüre offen über das sensible Thema Inkontinenz. "Fechter des Jahrhunderts" Alexander Pusch: "Jeder, der über seine persönlichen Erlebnisse mit der Krankheit spricht oder sein Wissen über Blasenschwäche weitergibt, hilft anderen, die Mauer aus Scham und Angst zu überwinden".

Das ist dringend notwendig.
"Von den fünf Millionen Betroffenen in Deutschland werden nur etwa 15 Prozent fachkundig betreut", sagt DGU-Pressesprecherin Professor Dr. Margit Fisch, die allen beteiligten Prominenten dafür dankt, sich so bereitwillig in den Dienst der guten Sache zu stellen und auf diesem Wege für mehr Aufklärung zu sorgen.
"Die meisten Menschen, die Probleme mit der kontrollierten Blasenentleerung haben, schweigen aus Scham. Körper und Seele leiden, der Rückzug vom gesellschaftlichen Leben beginnt, Selbstwertgefühl und Lebensqualität gehen verloren. Am Ende steht oft die völlige soziale Isolation." Dabei sei die heimliche Volkskrankheit Blasenschwäche kein Schicksal, sondern in den meisten Fällen sehr gut heilbar, so die Urologin.

Der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen, Dr. Martin Bloch appelliert: "Glauben Sie mir, es ist absolut selbstverständlich, wegen einer Blasenschwäche zum Urologen zu gehen." Bischöfin Maria Jepsen bringt es in dem neuen Ratgeber der Urologen auf den Punkt: "Blasenschwäche ist eine Schwäche, keine Schande."


Die Patientenbroschüre liegt in Wartezimmern von urologischen Praxen und Kliniken aus und kann kostenlos von Apotheken, Gesundheitsämtern und Beratungsstellen über die gemeinsame Pressestelle der DGU und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen und Online unter www.wahlers-pr.de/online angefordert werden. Dieser Ratgeber zum Tabuthema Inkontinenz ist bereits das zweite Projekt, das die Urologen mit prominenter Unterstützung initiiert haben. In 2006 setzten sich unter dem Titel "Promis gegen Prostatakrebs" mit großem Erfolg bekannte Persönlichkeiten dafür ein, mehr Männer zur Krebsfrüherkennungs-Untersuchung zu motivieren.

www.urologenportal.de
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

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Kontinenz - Inkontinenz
« Antwort #4 am: 10. August 2013, 23:53 »


http://www.kontinenzgesellschaft.at/wir_ueber_uns.htm


WIR ÜBER UNS   |   Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich   


1990 Gründung

1991 Eröffnung der ersten Beratungsstelle in Innsbruck.
Weitere Beratungsstellen folgten in Wien, Graz, Linz, Salzburg, St. Veit ad. Glan, Korneuburg und Bregenz.

Unsere Ziele:

    Aufklärung
    Beratung
    Vorbeugung
    Fort- und Weiterbildung
    Forschung

Reden Sie darüber mit den Beratungsstellen der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich!
Hier erfahren Sie alles über Möglichkeiten der Behandlung, zuständige Ärzte sowie Selbsthilfegruppen.
Kostenlose Broschüren mit allen wichtigen Adressen erhalten Sie über unser Beratungstelefon 0810/100 455.


Seit ihrer Gründung vor über 20 Jahren hat die Medizinische Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich eine Menge erreicht. Begonnen hat die systematische Inkontinenzhilfe in Österreich 1990 in Linz, als sich ein kleiner Kreis von Ärzten, Diplomkrankenschwestern und Physiotherapeuten zur Medizinischen Gesellschaft für Inkontinenzhilfe Österreich zusammenschloss. Ziele waren, Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Behandlung der Inkontinenz zu fördern sowie durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit Betroffene und ihre Angehörigen über die Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Alle Berufsgruppen, die professionell mit der Thematik befasst waren, waren von Beginn an in unserer Gesellschaft eingebunden.

Heute ist die MKÖ maßgeblich an der Vernetzung von Fachärzten, Ambulanzen, Allgemeinmedizinern, Physiotherapeuten, Pflegeberufen und der Öffentlichkeit beteiligt, zertifiziert seit 2008 spezialisierte Zentren und ist eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige.

Jutta

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Kritik an Inkontinenztherapie
« Antwort #5 am: 10. Mai 2014, 00:46 »



Kritik an Inkontinenztherapie

Jünemann: Nur zehn Prozent richtig behandelt

05.05.2014

Arzteteam

An der individuellen Diagnose einer Inkontinenz ist meist mehr als nur ein Facharzt beteiligt (2. v. l.: Klaus-Peter Jünemann). Foto: Deutsche Kontinenz Gesellschaft
Oftmals haben Ärzte zu wenig Kenntnis über das Krankheitsbild Inkontinenz und behandeln sie falsch, kritisiert die Deutsche Kontinenz Gesellschaft. Eine schlechte Behandlungsqualität fördere aber die Tabuisierung der Volkskrankheit.

Für die Patienten sei es ohnehin schon schwer, über das Thema zu reden. Wer feststellt, dass er seine Blase nicht mehr unter Kontrolle hat, fühle sich häufig nicht krank, sondern alt und beschämt. Wer in diesem Punkt nicht richtig funktioniere, empfinde die gesellschaftliche Tabuisierung des Themas oftmals stärker als den körperlichen Mangel. Wie die Deutsche Kontinenz Gesellschaft betont, ist das Problem jedoch gut behandelbar.

Die Behandlung von Inkontinenz gehöre für Mediziner zur täglichen Routine. Allerdings schleich sich wie bei vielen Routinetätigkeiten in der Ausführung oft Gleichgültigkeit ein, kritisiert Prof. Klaus-Peter Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Erster Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft: „Von den Patienten, die zum Arzt gehen, werden leider nur zehn Prozent richtig behandelt. Daher ist Hartnäckigkeit gegenüber den behandelnden Ärzten besonders wichtig. Denn sogar, wenn ein Betroffener medizinisch als austherapiert gilt, kann er mit den richtigen Hilfsmitteln fast unbehindert am täglichen Leben teilhaben.“
 
Die oft schlechte Behandlungsqualität habe mit Unwissen und mit einer Verharmlosung des Problems Inkontinenz auch durch die Ärzte zu tun. So halten es viele Ärzte offenbar für normal, dass man im Alter inkontinent wird und spielen das Problem herunter oder halten es nicht für behandlungsbedürftig. Dazu kommt die Notwendigkeit einer sehr individuellen Ursachenforschung. Hier sei nicht wie bei einem gebrochenen Knochen eine einzige Ursache universell verantwortlich, gibt die Gesellschaft zu bedenken. Vielmehr seien viele Organe beteiligt, die zudem geschlechterspezifisch unterschiedlich seien.
 
Es sei für die Patienten jedoch wichtig zu wissen, dass Inkontinenz heute keine Krankheit mehr sei, die man einfach schicksalsgegeben hinnehmen müsse.Jünemann ermuntert daher alle Patienten, bei einem ausbleibenden Behandlungserfolg den Arzt erneut aufzusuchen oder zu einem Spezialisten zu wechseln, zum Beispiel zu einer durch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft zertifizierten ärztlichen Beratungsstellen oder einem Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. „Die von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentren sind immer interdisziplinär besetzt. Das bedeutet, dass durch gemeinsam arbeitende Fachärzte die spezifische Ursachenforschung grundsätzlich sehr detailliert vorgenommen werden kann. Das steigert die Chancen auf einen Behandlungserfolg deutlich“, so der Inkontinenz-Experte. Inzwischen seien nahezu 1300 ärztliche Beratungsstellen sowie 73 Kontinenz- und Beckenbodenzentren zertifiziert worden, sodass nahezu im gesamten Bundesgebiet wohnortnah Spezialisten vorhanden seien.
 
(Deutsche Kontinenz Gesellschaft / ms)