Autor Thema: Knochenmetastasen nach Blasenkrebs - Nierenkrebs - Prostatakrebs  (Gelesen 8268 mal)

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Dietmar E.

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Knochenmetastasen: durch Prävention zu mehr Lebensqualität und -zeit

17.7.07 - Bei Nierenzell-, Prostata- und Blasenkarzinom erhöhen Knochenmetastasen per se die Morbidität und Mortalität. Unter den Bisphosphonaten hat sich besonders Zoledronat in diesem Indikationsbereich bewährt. Beim diesjährigen EAU-Kongress präsentierte Abstracts bestätigen die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit der Substanz in verschiedenen Studiensettings.

Einsatz bei RCC und Blasenkarzinom

Patienten mit Knochenmetastasen aufgrund eines Nierenzell- oder Blasenkarzinoms tragen ein hohes Risiko für die Manifestation skelettbedingter Komplikationen (SREs, skeletal-related events). Daher war die Studie von Mulders et al der Evaluierung von Sicherheit und Wirksamkeit des Bisphosphonats Zoledronat (Zometa®) in diesem Setting gewidmet. Es wurden SREs, zu denen Frakturen, Rückenmarkskompression und pathologische Hyperkalzämie sowie daraus resultierende notwendige therapeutische Eingriffe (Bestrahlung, Knochenchirurgie) zählten, retrospektiv in einer über 21 Monate durchgeführten randomisierten Studie erfasst.

Die Auswertung ergab, dass der Anteil von Patienten mit einer Skelettkomplikation unter Zoledronat im Vergleich zu Placebo insgesamt von 63% auf 39% gesenkt werden konnte. Der Unterschied war bei Patienten mit Nierenzellkarzinom signifikant (79% vs. 41%, p=0,011). Bei den Patienten mit Blasenkarzinom ähnelte die SRE-Reduktion unter Zoledronat (41% vs. 33%, p=n. s., Abb. 1) jener bei hormonrefraktärem PCa in der Studie von Saad et al (44% vs. 33%, p=0,021). Weiters konnte mit Zoledronat die Zeitspanne bis zum ersten Auftreten einer Skelettkomplikation signifikant um fast ein Jahr verlängert werden (424 vs. 84 Tage, p=0,025) und auch das Fortschreiten der Skeletterkrankung war in der Zoledronatgruppe signifikant verzögert (p=0,014).

In der Langzeittherapie fand sich ein nicht signifikanter Trend zu einer Risikosenkung für SREs im Vergleich zu Placebo (risk ratio: 0,572, p=0,066): Bei Patienten mit Nierenzellkarzinom wurde eine signifikante Risikoreduktion um 58% verzeichnet (risk ratio: 0,418, p=0,010). Bei Patienten mit Blasenkarzinom fiel sie nicht signifikant aus (risk ratio: 0,817, p=0,757), was auf die höhere statistische Power des Nierenzellkarzinom zurückzuführen ist; „Wenn mehr Patienten mit Blasenkarzinom involviert gewesen wären, hätte man durchaus Signifikanz erreichen können“, ergänzt Prof. Mulders in seinem Vortrag. Das renale Sicherheitsprofil von Zoledronat war mit dem von Pamidronat vergleichbar.

Je früher, desto besser

Die Studie von Wirth et al nimmt Bezug auf die Möglichkeit, SREs mit Zoledronat so früh wie möglich zu begegnen. Es handelte sich um eine einarmige, prospektive Untersuchung, in der Männer mit Knochenmetastasen aufgrund eines Prostatakarzinoms (PCa) alle vier Wochen eine Infusion mit Zoledronat 4mg erhielten. Sie hatten bis dahin noch keine Bisphosphonate erhalten, bei 10,9% war bereits ein SRE aufgetreten.

Insgesamt erlitten 23,6% der Teilnehmer während der Studie eine skelettbedingte Komplikation. Vorangegangene SREs prädisponierten ebenso wie eine Hormonresistenz des Tumors zu Komplikationen. Bei Patienten, die vorher kein Ereignis erlitten hatten, blieben die Schmerz-Scores während des gesamten Studienverlaufs niedrig.

Die Studienresultate untermauern den Sinn eines frühen Einsatzes von Zometa; eine Gabe noch vor Manifestationen von SREs dürfte besonders bei PCa-Patienten effektiv sein. Auch zeigen die Daten eine Übereinstimmung mit der Zoledronat-Studie 039, in der die Patienten vor dem Eintreten einer Schmerzsymptomatik in noch größerem Ausmaß von einer Behandlung profitierten.

Die von Heidenreich und Lüdecke präsentierten Studiendaten sprechen für die gute Verträglichkeit von Zoledronat in Kombination mit Docetaxel (Taxotere®) bzw. antiandrogener Therapie bei PCa.

Prävention von antihormonell bedingtem Knochendichteverlust

Die Sicherheit und Wirksamkeit einer Zoledronat-Therapie zur Prävention des Knochenverlustes unter Goserelin untersuchte die Studie von Casey, in der jeweils 100 Patienten über ein Jahr zusätzlich zu einer Therapie mit dem Antiandrogen randomisiert entweder Zoledronat 4mg alle drei Monate oder keine weitere Therapie bekamen.

Zoledronat verhinderte nicht nur den Knochenverlust als Folge der Therapie mit Goserelin, sondern erhöhte die Knochendichte sogar über den Ausgangswert hinaus (Abb. 2). Die zusätzliche Gabe der Substanz wurde im Allgemeinen gut vertragen. Grippeähnliche Symptome waren in der Zoledronat-Gruppe häufiger, Nebenwirkungen umfassten Müdigkeit, Übelkeit und Anämie.

Zusammenfassend wird festgestellt, dass Zoledronat das einzige Bisphosphonat ist, das die Knochendichte an allen gemessenen Punkten im Körper (Wirbelsäule, Hüfte, Becken) erhöht und somit das Risiko früher SREs senkt. Gemeinsam mit anderen Daten (Smith et al, Ryan et al) liefert die Studie weitere Evidenz für die Tatsache, dass mit Zoledronat eine effektive Prävention des durch Androgendeprivation induzierten Knochendichteverlustes möglich ist.

Direkter Effekt auf die Knochenresorption

Drudge-Coates et al testeten Zoledronat im Hinblick auf seine Fähigkeit, die Knochenresorption bei Patienten mit metastatischem Prostatakarzinom zu vermindern. 25 Patienten wurden mit Zoledronat sowie mit einer Basistherapie aus Vitamin D und Kalzium behandelt.

Bereits nach drei Monaten kam es zu einem signifikanten Abfall der NTX-Spiegel, der in der Folge anhielt, was mit einer Herabsetzung der Knochenresorption korreliert (p<0,05 gegenüber Ausgangswert, Abb. 3). Aufseiten der Sicherheit wurde kein signifikanter Anstieg des Serumkreatinins verzeichnet. Ein Patient entwickelte ein Nierenversagen aufgrund einer Obstruk-tion des Ureters, nach deren Aufhebung mit Zoledronat weiterbehandelt werden konnte. Die Therapie wurde insgesamt gut vertragen und konnte ohne Probleme unter ambulanten Bedingungen durchgeführt werden

Prävention von Knochenmetastasen

Die Fähigkeit von Zoledronat, die Entstehung von Knochenmetastasen bei Hochrisiko-Prostatakarzinom primär zu verhindern, soll in der ZEUS-Studie untersucht werden (Wirth et al), die derzeit gestartet wird. EAU und Scandinavian Prostate Cancer Group initiierten diese randomisierte Phase-IV-Studie, in der Patienten ohne bisherige Anzeichen einer Metastasierung entweder nur mit der Standardtherapie oder zusätzlich mit Zoledronat 4mg alle drei Monate behandelt werden.

Mit der ersten Interimsanalyse wird im März 2009 gerechnet, endgültige Resultate sollen zwei Jahre später vorliegen. Man geht davon aus, dass Zoledronat sowohl auf die Abnahme der Knochenmasse als auch auf die Entstehung von Metastasen einen präventiven Effekt ausüben wird.

Autor:
Dr. Judith Moser

Quelle des Artikels Knochenmetastasen: durch Prävention zu mehr Lebensqualität und -zeit:
Im Rahmen des 22. EAU-Kongresses präsentierte Abstracts, 21.–25. März 2007, Berlin




"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)