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Edi

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Chemotherapie bei Patienten mit Mainz-Pouch
« am: 27. März 2007, 05:04 »
Chemotherapie bei Patienten mit Mainz-Pouch

Meine ganz persönlichen Erfahrungen
Die Chemotherapie bei Blasenkrebs bzw. dessen Metastasen wird üblicherweise mit Cisplatin und Gemcitabine durchgeführt. Ich erhielt 4 Zyklen dieser Chemotherapie, die folgendermaßen durchgeführt wurde:
Blutabnahme beim Hausarzt, welcher die Laborwerte an die Klinik faxt.
Am nächsten Tag Anruf in der Klinik. Falls die Blutwerte in Ordnung sind, erfolgt die stationäre Aufnahme. Körperliche Untersuchung und erneute Blutabnahme.
Tag 1: Injektion von Vergentan gegen Übelkeit und anschließend Infusion von Gemcitabine
Tag 2: Infusion von NaCl, Infusion von Cortison, Infusion von NaCl, Infusion von Mannit zum Nierenschutz, Infusion von NaCl mit Vergentan, Infusion von Cisplatin, Infusion von NaCl
Tag 3: falls keine Übelkeit vorhanden ist, Entlassung nach Hause
Tag 7: Blutabnahme beim Hausarzt, welcher die Laborwerte an die Klinik faxt
Tag 8: Anruf in der Klinik. Falls die Blutwerte in Ordnung, sind ambulante Infusion von Gemcitabine in der Klinik. Vorherige Injektion von Vergentan gegen Übelkeit.
Währenddessen immer viel trinken.
Nach einer Pause von zwei Wochen erfolgt das Ganze erneut.

Ganz wichtig für Patienten mit Mainz-Pouch:
Der Pouch besteht ja aus Darmschleimhaut, deren physiologische Aufgabe es ist, (Nähr)Stoffe in den Körper aufzunehmen. Eine Blase, auch die künstliche, hat nur Aufbewahrungsfunktion, d.h.der Urin und die darin enthaltenen Stoffe, die von der Niere zur Ausscheidung vorgesehen sind, werden nur sozusagen zwischengelagert. Deswegen muß der Pouch während der Chemotherapie unbedingt stillgelegt werden!!! Es passiert sonst, dass das Zytostatikum, also das Gemcitabine bzw.Cisplatin erneut vom Körper aufgenommen wird, da der Wirkstoff hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden wird.
Vor der ersten Infusion lässt man sich einen Dauerkatheter(Ballonkatheter) in den Pouch einlegen, sodass der Urin ständig abfließt. Das bedingt, dass man tagsüber einen Beinbeutel und nachts einen Bettbeutel zum Auffangen des Urins tragen muß. Der Pouch sollte mindestens einmal täglich gespült werden, um eine Verstopfung der Katheteraugen durch Schleim zu verhindern. Ich habe ab dem zweiten Zyklus bei jedem Leeren des Beutels anschließend den Katheter kurz abgestöpselt und mit einer Blasenspritze den Katheter angesaugt, damit eventuell doch noch vorhandener Schleim und Urin nicht im Pouch blieb. Dadurch ging es mir sehr viel besser, als beim ersten Zyklus. Der Dauerkatheter verbleibt bis Tag 5 im Pouch, das entspricht der Halbwertszeit von Cisplatin, d.h. man kann dann davon ausgehen, dass der Wirkstoff ausgeschieden ist. Für die ambulante Infusion am Tag 8 bleibt der Katheter einen Tag bis Tag 9 liegen.

Wie ging es mir?

Die hier geschilderten Nebenwirkung traten bei mir auf; sie sind sehr individuell und müssen nicht jeden betreffen.
Schlimmste Nebenwirkung war eine ständige Übelkeit. Wichtig ist, so viel wie möglich zu trinken, um den Wirkstoff möglichst schnell auszuscheiden; dadurch soll sich auch die Übelkeit reduzieren. Aber ich ekelte mich vor Allem, ich hatte keinen Appetit und wenn ich mal was gegessen oder getrunken hatte, kam es schnell wieder zurück. Ich war ständig müde und fühlte mich schlapp. Diese Phase dauerte etwa eine Woche. Länger dauert der Zustand an, dass alles, was man zu sich nimmt nach Metall schmeckt. Ich habe mir damit geholfen, dass ich statt Wasser Fruchtsaftschorlen und Cola und Brühe getrunken habe. Zudem habe ich regelmäßig Ondansedron, ein Mittel gegen Zytostatika bedingtes Erbrechen und MCP eingenommen. In der Klinik hat man mir zusätzlich noch diverse Mittel gegen Übelkeit verabreicht: Emend Tabletten und Kevatril als Infusion, um ein Austrocknen meines Körpers zu verhindern.
Vorübergehend hat man richtig dicke Beine und Füße, was von der durch das Cortison verursachten Wassereinlagerung kommt. Das kann schmerzen und ich habe mit einem Entwässerungsmittel die Wasserausscheidung beschleunigt.
Gelegentlich hatte ich auch starke Kopfschmerzen, die ich mit einem üblichen Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff (Ibuprofen) bekämpft habe.

Was können Angehörige tun?
Lassen Sie den Patienten schlafen - er ist ständig müde.
Bieten Sie ihm Speisen und Getränke mit intensivem Geschmack an, frisches Obst, Gemüse und Salat, um den Metallgeschmack, der sehr lange anhält, zu überdecken.
Ignorieren Sie schlechte Laune - er fühlt sich nur sterbenselend; das geht vorbei.

Nach dem vierten Zyklus, also noch Beendigung der Chemotherapie habe ich mich recht schnell wieder erholt - ich war bald wieder die “Alte“.


Dank an "Hexe" für diesen ausgezeichneten Beitrag!


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« Letzte Änderung: 06. Juli 2007, 10:49 von admin »