Autor Thema: Knochenschmerzen bei Krebs  (Gelesen 5881 mal)

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Knochenschmerzen bei Krebs
« am: 08. September 2007, 01:35 »

Langfristige Linderung bei Knochenschmerzen


26.06.06.

Wenn Krebspatienten zu Schmerzpatienten werden, sind dafür häufig Tochtergeschwülste des eigentlichen Tumors im Knochengerüst verantwortlich. Wie genau die Schmerzen entstehen, ist noch nicht eindeutig geklärt. Sicher spielen mehrere Faktoren eine Rolle, z. B. mechanische und chemische Einflüsse, wenn die Krebsgeschwulst in den Knochen hineinwächst, Freisetzung von Schmerzstoffen, direkte Nervenreizungen durch den Tumor oder Stoffwechselveränderungen im Tumorgewebe.

Viele Patienten erhalten gegen diesen durch den Tumor verursachten Knochenschmerz stark wirksame Medikamente (z. B. Opiate), die häufig mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen. Als wirksame und sehr gut verträgliche alternative Behandlungsmöglichkeit ist seit Jahren auch die so genannte Radionuklidtherapie in Deutschland eingeführt und bewährt.
Wie funktioniert die Radionuklidtherapie?

In vielen Tochtergeschwülsten im Skelett ist die Stoffwechselaktivität (der Stoffumsatz) gegenüber dem umliegenden gesunden Knochengewebe stark erhöht. Dies macht man sich bei der Radionuklidtherapie zunutze, bei der Substanzen zum Einsatz kommen, die sich um so stärker im Knochengewebe anreichern, je höher die Stoffwechselaktivität ist. Man kann so die Wirkstoffe gezielt an die Krebszellen heranbringen – sogar an Tochtergeschwülste, die bisher noch nicht diagnostiziert werden konnten. Bei den Radionukliden (z. B. Samarium-153-Lexidronam) handelt es sich überwiegend um sogenannte Beta-Strahler.

Die Strahlung hat im Körpergewebe nur eine Reichweite von wenigen Millimetern. Hat sich der „Strahler“ an das betroffene Knochengewebe angela gert, wirkt er nur im Bereich der Krebszellen, während das umliegende, gesunde Gewebe weitestgehend geschont wird. Reichert sich nun ein Radionuklid in einer Tochtergeschwulst im Knochen an, so kommt es durch die Bestrahlung des Tumors bei etwa 80 % der Patienten zu einer deutlichen Verringerung der Schmerzen in den betroffenen Gebieten. Üblicherweise können dann die Schmerzmedikamente in einer geringeren Dosis eingenommen oder sogar vorübergehend ganz abgesetzt werden. Eine Heilung von der Krebserkrankung ist allerdings nicht zu erwarten.
Was sollte vor der Behandlung geschehen?

Vor der Behandlung sollte eine so genannte Skelettszintigraphie – eine Untersuchung des Knochengerüstes zum Nachweis von Metastasen – durchgeführt werden. Da die Radionuklidtherapie nicht bei allen Krebsformen wirksam ist, wird mit dieser Untersuchung sichergestellt, dass die befallenen Knochen die Wirksubstanz auch wirklich anreichern. Gut abgeklärt werden müssen vor der Behandlung auch größere Tochtergeschwülste im Bereich der Wirbelsäule. Im ungünstigsten Fall kann die Therapie eine so genannte Rückenmarkkompression verstärken, bei der wichtige Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Zusätzlich wird der behandelnde Arzt ein Blutbild erstellen, um sicherzugehen, dass ausreichend weiße Blutkörperchen und -plättchen vorhanden sind. Wurde bei Patienten zuvor eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchgeführt, so muss sich das Blutbild wieder normalisiert haben, bevor die Radionuklidtherapie durchgeführt werden kann (nach etwa acht Wochen). Die Nierenfunktion des zu behandelnden Patienten sollte ausreichend gut sein; auch sollte er keine Probleme beim Wasserlassen haben. Dies ist wichtig, da nicht angelagerte Radionuklidreste innerhalb weniger Stunden mit dem Harn ausgeschieden werden. Schwangere und stillende Frauen dürfen nicht behandelt werden.
Wie läuft die Behandlung ab?

Der Ablauf der Radionuklidtherapie ist denkbar unkompliziert: Der Wirkstoff wird über die Armvene in den Blutkreislauf gespritzt. Ein hoher Prozentsatz lagert sich an den Tochtergeschwülsten an, der Rest wird über die Nieren ausgeschieden. Um diesen Ausscheidungsprozess zu unterstützen, sollten die Patienten vor und nach der Injektion viel Flüssigkeit trinken und anschließend so oft wie möglich auf die Toilette gehen, damit das nicht angelagerte Radionuklid möglichst schnell wieder ausgeschieden wird. Außerdem sollte in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Radionuklidinjektion der enge Körperkontakt mit Schwangeren und Kleinkindern vermieden werden.
Wie wirkt die Radionuklidtherapie?

Die Wirkung der Radionuklidtherapie setzt normalerweise drei bis sieben Tage nach der Injektion ein. Es ist daher sehr wichtig, dass anfänglich die bis dahin übliche (Schmerz-) Medikation aufrechterhalten wird. In wenigen Fällen kann es bis etwa drei Tage nach der Injektion sogar zu einer kurzfristigen Verstärkung der Schmerzen kommen, bevor dann bei bis zu 80 % der behandelten Patienten die Schmerzlinderung eintritt. Erst dann sollte in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt die Einnahme der Schmerzmittel verringert werden. Die Wirkungsdauer der Radionuklidtherapie mit Samarium-153 beträgt bis zu vier Monate, in Einzelfällen auch länger.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Radionuklidtherapie führt zu einer vorübergehenden Veränderung des Blutbildes: Weiße Blutkörperchen und Blutplättchen verringern sich. Spätestens nach acht Wochen ist jedoch normalerweise der Ausgangswert wieder erreicht. Aus diesem Grunde soll das Blutbild nach der Therapie acht Wochen lang kontrolliert werden. War das Blutbild vor der Behandlung normal, sind ernste Komplikationen nicht zu erwarten. Das Knochenmark, das die Blutzellen bildet, erholt sich schnell. Darüber hinaus ist die Radionuklidtherapie sehr gut verträglich und kann problemlos mehrfach wiederholt werden, sobald sich das Blutbild jeweils wieder normalisiert hat.