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christina62

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Stress" stoppt Teilung von Krebszellen
« am: 08. Oktober 2007, 16:36 »
Stress" stoppt Teilung von Krebszellen

 
 

Fast ein Dauerbrenner in der Naturstoff-Forschung ist Resveratrol, das u.a. in Rotwein in hoher Konzentration vorkommt. Bisherige Studien an Zell- wie auch Tiermodellen legen nahe, dass dieser Stoff Krebs verhindern und unterstützend bei einer Chemotherapie wirken kann. Eine Forscherinnengruppe um Elke Heiß konnte nun eine mögliche Erklärung dafür in menschlichen Krebszellen, die über längere Zeit mit Resveratrol behandelt wurden, finden. Diese Ergebnisse wurden vor kurzem in "The Journal of Biological Chemistry" veröffentlicht.

 
 

"Durch zahlreiche Studien, die auch Tierversuche einschlossen, wissen wir, dass Resveratrol bösartige Tumore verhindern kann und auch unterstützend bei einer Chemotherapie wirkt", erklärt Dipl.-Biochem. Dr. Elke Heiß vom Department für Pharmakognosie: "Uns hat nun interessiert, wie menschliche Krebszellen auf eine chronische Gabe von Resveratrol reagieren und was dabei in der Zelle passiert."

Dazu kultivierten Heiß und ihre Kollegin Yvonne Schilder, MSc, aus der Gruppe um Univ.-Prof. Dr. Verena Dirsch, menschliche Kolonkarzinomzellen (Darmkrebszellen) in vitro über einen Zeitraum von rund 25 Tagen mit vergleichsweise moderaten Dosen von Resveratrol. "Die Krebszellen sind durch diese Behandlung regelrecht 'altersschwach geworden und eingeschlafen'", so Heiß.

Stillstand der Zellen


Während normale Zellen nach etwa 40 Zellteilungen "alt werden" und aufhören zu wachsen und in einen teilungsinaktiven Ruhezustand (Seneszenz) übergehen, teilen sich Krebszellen immer weiter. "Das heißt, dass Krebszellen ihr Seneszenz-Programm verloren haben. Dadurch teilen sie sich bis ins Unendliche", so Heiß: "Mit unserem Versuch konnten wir zeigen, dass durch den Einsatz von Resveratrol dieser Ruhezustand wieder 'angeschaltet' werden kann."

Krebszellen auf Hochtouren


Und tatsächlich wurde die Teilungsaktivität der Krebszellen durch Resveratrol irreversibel gestoppt: "Chronisch verabreicht, löst der Stoff in den Krebszellen erhöhten Stress aus. Die Zellen sind über einen größeren Zeitraum hinweg mehr radikalen Sauerstoffspezies, vermutlich aus den Mitochondrien – den Kraftwerken der Zelle –, ausgesetzt. Zudem scheinen sie, Probleme bei der Zellteilung zu haben. Dadurch kommt es zur Aktivierung bestimmter Proteine , die dafür verantwortlich sind, dass die Krebszellen ihr Seneszenzprogramm wieder anschalten."

Tumor-Suppressor p53

Als ein essentielles Protein stellte sich dabei der Tumorsuppressor p53 heraus. Jede Zelle ist während der Wachstumsphase auf mögliche DNA-Schäden vorbereitet: Bei einem Fehler in der DNA wird p53 aktiviert und betreibt Schadensbegrenzung. P53 sorgt dafür, dass der Fehler repariert wird, die Zelle Selbstmord begeht oder – wie im Falle der Resveratrolbehandlung – in Seneszenz verfällt. "Und das Beste daran ist, dass dieser Seneszenz-Stopp irreversibel ist. Dass heißt das Wachstum der Zelle kann auch nach einem Entzug von Resveratrol nicht mehr aktiviert werden", erklärt Elke Heiß.

Eine Frage der Dosis

Nach diesem erfolgreichen Forschungsergebnis stellen sich dem Team um Heiß gleich weitere Fragen. Zuallererst die Frage nach der richtigen Dosis: "Allein durch das Trinken von Rotwein oder rotem Traubensaft kann die nötige Dosis Resveratrol, mit der wir die Krebszellen in vitro zum Stillstand gebracht haben, nicht erreicht werden. Das Problem ist, dass Resveratrol, sobald es im Körper ist, relativ schnell in Stoffwechselprodukte, so genannte Metabolite, umgewandelt wird. Diese Metabolite hätten zwar die richtige Dosis, wir wissen aber noch nicht, ob sie die gleiche Wirkung auf Krebszellen haben wie Resveratrol."
In einer möglichen nächsten Studie könnte man nun genau diese Wirkung von Metaboliten auf menschliche Krebszellen untersuchen.

Trotz der positiven Ergebnisse der Studie relativiert Elke Heiß die Möglichkeit nach einem neuen Wirkstoff im Kampf gegen Krebs: "Unsere Ergebnisse bilden sozusagen eine Basis, die es erlaubt, in diese Richtung weiter zu forschen. Sollte alles weiter so gut verlaufen, sind wir trotzdem noch viele Jahre von einem fertigen Krebs-Medikament entfernt."


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