Autor Thema: Umgang mit Schmerzen  (Gelesen 5401 mal)

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Siegfried

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Umgang mit Schmerzen
« am: 11. Oktober 2007, 15:15 »
Schmerzen sind ein Hilfeschrei des Körpers die Anzeige einer Erkrankung oder einer körperlichen Schwäche.
Doch wie werden wir mit den Schmerzen fertig? Wie können wir damit Leben ohne größeren physischen oder psychischen Schaden zu nehmen.
Die Pharmazie bietet ein Heer an Medikamenten deren Wirkungsspektrum von absolut schmerzfrei bis unwirksam reichen. Manche Schmerzen werden nur von opiatähnlichen Produkten getilgt, eine Medikation die nicht unbedingt erstrebenswert ist, da sie die Wahrnehmung und die Lebensqualität sehr einschränken kann.
Ich kann nur von mir ausgehen ich hatte in meinem Leben öfters mit Schmerzen zu tun und habe verschiedenes ausprobiert.
Abgesehen davon das wir von der männlichen Hälfte der Menschheit sowieso weniger aushalten als das sogenannte schwache Geschlecht, gehen wir auch komplett falsch mit Schmerz um.
Ich als Mann hatte früher die männliche Auffassung „ich muss das aushalten, stark sein solange es geht“. Aber wie lange geht es, was ist wenn es nicht mehr geht und was passiert durch diese Einstellung mit Geist und Körper.
Ich habe in einer harten Schule gelernt den Schmerz anzunehmen und ihn so zu verringern. Das hat mich wahrscheinlich davor bewart, zu einem vom Schmerz verrückt gewordenen Zombie zu werden (böse Zungen behaupten das ich’s trotzdem geworden bin).
Den Umgang mit dem Schmerz habe ich von einer Frau gelernt, ich akzeptiere den Schmerz und versuche ihn zu verstehen, das klingt verrückt aber für mich funktioniert es, mehr oder weniger.
Nun weis ich das es nicht nur verschiedene Arten von Schmerzen gibt, sondern das es auch die Unterschiedlichsten Methoden gibt schmerzen zu unterdrücken oder erträglicher zu machen: Meditation, Atemübungen, Bewegung, Lachen u.v.m.
So wie nicht jeder Schlüssel jedes Schloss sperrt kann nicht jedes System jedem Menschen helfen. Darum möchte ich möglichst viele Möglichkeiten hier aufzeigen und eine Art Radgeber Unterforum gründen.
Ich bitte alle die eine Möglichkeit gefunden oder erlernt haben, und ich weis es werden fast nur Damen sein, ihre Erfahrungen und Kenntnisse hier an jene weiter zu geben die noch nicht in der Lage sind ihre Schmerzen zu lindern und damit umzugehen.
Ich danke allen die mitmachen im Voraus
L.G. Siegfried


Erika

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Umgang mit Schmerzen
« Antwort #1 am: 12. Oktober 2007, 10:08 »
Hallo Siegfried,
Schmerzen sind ein Thema, von dem ich GsD relativ verschont werde, was nicht heißt, dass ich noch nie Schmerzen hatte. Du hast natürlich Recht, es gibt die unterschiedlichsten Schmerzen und auch jeder von uns hat eine andere Schmerzschwelle - was für den einen noch erträglich ist, bringt einen anderen zur Verzweiflung.

Wie geh ich damit um? Klingt jetzt vermutlich ein bisserl blöd, aber ich versuche Schmerzen hauptsächlich zu verschlafen und wenn es doch für mich quälende, über längere Zeit andauernde Schmerzen sind, nichts hilft, was ich versuche (eben z. B. Akupressur bei Kopfschmerzen, Physioübungen bei Nackenschmerzen, Ablenkung vom Thema Schmerz) greif ich auch mal zu Schmerzmitteln. Irgendwie machen mir Schmerzen auch keine große Angst, weil ich weiß, für Schmerzen gibt es einen Auslöser. Den versuche ich zu finden und zu beseitigen (beseitigen zu lassen) bzw. in den Griff zu bekommen.

"Den Schmerz akzeptieren und verstehen", hast du geschrieben und so handelst du. Nun, ich finde das sicher nicht verrückt. Denn ich denke, man kann mit jeder Krankheit nur halbwegs gut leben, wenn man sie akzeptiert (das heißt ja nicht, dass man sie lieben muß) und versucht, das Beste aus der daraus resultierenden Lebenssituation zu machen.

Alles Gute dir und den Schmerzgeplagten hier und ich hoffe, du bekommst noch viele Tipps, denn die können für alle von uns von Nutzen sein!

Liebe Grüße, Erika
Mein Lebensmotto: Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Gitti

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Angst vor Schmerzen
« Antwort #2 am: 14. März 2008, 20:29 »
http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_allgemeinmedizin_aktuell_schmerztag_1205500498.htm&n=1


Chronisch Schmerzkranke werden zu Angstpatienten

Auch die Angst vor dem Schmerz behandeln


Nachhaltige Schmerztherapie muss die Angst vor der nächsten Schmerzattacke mitbehandeln. Erst wenn die Schmerzen zumindest reduziert sind, beginne die eigentliche Schmerztherapie, sagte der Münchener Schmerzforscher Prof. Walter Zieglgänsberger auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt.

14.03.08 - Wird Schmerz zum ständigen Begleiter, geht die wichtige Funktion als Warner und Schützer (Beispiel: heiße Herdplatte) verloren. Kommt die Angst hinzu, beginnt ein verhängnisvoller Kreislauf. "Die Situation dieser Patienten gleicht jener von Folteropfern", sagt Zieglgänsberger. Auch Folter funktioniert nicht nur aufgrund direkter körperlicher Gewalt, sondern alleine durch die Androhung von Schmerz und der Angst davor.

Patienten, die immer wieder oder ständig Schmerzen haben, werden letztlich auch zu Angstpatienten, erklärt der Neuropharmakologe am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Die Angst vor dem Schmerz wird übermächtig und beginnt das Leben zu dominieren.
Angst-Vermeidungsverhalten führt in den Teufelskreis
Dies führt zum Angst-Vermeidungsverhalten: Die Angst verhindert, dass Patienten Dinge tun, die ihnen Freude bereiten. Darunter leiden körperliche und soziale Aktivitäten, was wiederum Schmerzen und Depression fördert. Am Ende dieser Abwärtsspirale ziehen sich die Patienten völlig zurück.

Die angstbesetzte Erinnerung an den Schmerz ist immer da, selbst wenn keine Schmerzimpulse mehr aus dem Körper im Nervensystem einlaufen. "Darum muss die Angst bei der Therapie unbedingt berücksichtigt werden", sagt Zieglgänsberger. Als erstes müssten die Betroffenen mit medikamentöser Unterstützung die Erfahrung machen können, dass sie sich schmerzfrei oder zumindest schmerzarm von A nach B bewegen können. "Dann haben sie die Chance, wieder etwas Neues zu lernen, dann beginnt die eigentliche Schmerztherapie", weiß der Schmerzforscher."
Das Schmerzgedächtnis überschreiben
Eine multimodale Behandlung, die verschiedene Medikamente und Verhaltenstherapie kombiniert, kann neue Lernprozesse anstoßen, die alte und unangenehme Gedächtnisinhalte quasi "überschreiben". Die Lernfähigkeit und enorme Plastizität des menschlichen Gehirns macht es möglich, neue Erfahrungen im Gehirn zu verankern, wodurch alte Erinnerungen allmählich verblassen, wenn sie nicht ständig wieder aufgefrischt werden.
Auch Nootropika können helfen, Schmerzfreiheit zu lernen
Um die Angst vor dem Schmerz anzugehen, werden bei der Behandlung chronischer Schmerzen auch Substanzen ohne direkte analgetische Wirkung eingesetzt, die eher indirekt die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Dazu zählt Zieglgänsberger beispielsweise Medikamente, welche die Stimmung aufhellen. Auch Nootropika, scheinen das "Re-Learning" zu fördern. Hinzu kommen Substanzen, die Schmerzimpulse bereits auf der Ebene des Rückenmarks unterdrücken können, ohne eine dämpfende Wirkung im Gehirn zu entfalten.
Nicht Erholung im Kurort, sondern schmerzfrei am Arbeitsplatz
Wichtig ist es laut Zieglgänsberger, dass der Patient in seiner natürlichen Umgebung behandelt wird. Bei unspezifischen chronischen Rückenschmerzen beispielsweise sei eine lange stationäre Reha wenig sinnvoll ist. Denn wenn der Patient anschließend in seine alte Situation zurückkehre, seien die Schmerzauslöser wieder da.

Zieglgänsberger empfiehlt in solchen Fällen eine Art Kurs von etwa zehn Tagen, in denen die Patienten lernen, etwas selbst für sich zu tun. Die Losung laute dann: Nicht Erholung im Kurort, sondern schmerzfrei am Arbeitsplatz. Anders sei eine Re-Konditionierung nicht zu erzielen.

me / Quelle: ProScience

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Jutta

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Schmerzen Info zum Hören
« Antwort #3 am: 04. April 2008, 11:56 »
Schmerztherapie - Informationen jetzt als Podcast zum Hören

Aktuelle Informationen zur Vorbeugung und Therapie von Schmerzen gibt es jetzt auch zum Hören. Als neuen Service bietet das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) in Marburg auf seiner Internetseite
forum-schmerz.de/ schmerz-podcast.html
kurze Interviews von zwei bis drei Minuten Länge zum Download an. Aktuelles Thema ist die Behandlung und Vorbeugung von Rückenschmerzen.

„Mit dem neuen Angebot wollen wir Ratsuchenden die Möglichkeit geben, sich schnell über Neuigkeiten aus der Schmerztherapie zu informieren. Wichtig sind uns bei der Themenauswahl vor allem Aktualität und praxisnahe Tipps. Der Service eignet sich insbesondere auch für sehgeschädigte Mitbürger, die häufig von der Informationsvielfalt ausgeschlossen werde“, sagt Dr. Dietmar Krause, Leiter der Schmerzsektion im DGK.

Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Dr. Dietmar Krause
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Tel. 06421/293125
mail: schmerz@dgk.de

Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. ist die älteste gemeinnützige Vereinigung zur Förderung der gesundheitlichen Vorsorge und Kommunikation in Deutschland. Es ist unabhängig und keiner politischen, religiösen oder kommerziellen Gruppe verpflichtet. Das DGK wurde 1948 in Frankfurt am Main gegründet.

Geri

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Ganzheitlicher Ansatz gegen Schmerz
« Antwort #4 am: 20. Juli 2012, 15:08 »



Ganzheitlicher Ansatz gegen Schmerz

Ein neues Modell zur Behandlung von Schmerzpatienten soll sie innerhalb von vier Wochen wieder arbeitsfähig machen.

Letztes Update am 05.06.2012, 16:52

Häufiges Problem: Jeder fünfte Österreicher leidet unter Schmerzen – ab dem Alter von 65 Jahren sogar jeder zweite.

Je länger ein Patient aufgrund von Schmerzen nicht arbeitsfähig ist, desto geringer wird die Chance, dass er je wieder in seinen Job zurückkehrt. Im Rahmen des internationalen SIP-Symposium (Societal Impact of Pain) in Kopenhagen wurde ein Vorzeigebeispiel aus Deutschland präsentiert, das Patienten helfen soll, innerhalb von vier bis acht Wochen in den Arbeitsprozess zurückzukehren.

Gerhard H. Müller-Schwefe, Präsident der deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, erklärt sein Modell: "Zeit ist essenziell. Innerhalb der ersten Tage, nachdem ein Patient zu uns kommt, wird ein individuelles Programm zusammengestellt, das den Besuch bei einem Psychologen, einem Physiotherapeuten und einem Schmerztherapeuten beinhaltet."

Das betreuende Team ist permanent im Dialog. Parallel dazu führt der Patient ein Schmerztagebuch. "Das Ziel ist es, ihn innerhalb von vier Wochen wieder arbeitsfit zu machen." Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist nur bei einem kleinen Bruchteil der Patienten eine Operation notwendig. Der Erfolg spricht für sich: 86 Prozent der Patienten sind nach vier bis acht Wochen wieder arbeitsfähig.

Müller-Schwefe rechnet vor: Bei jährlichen 48,5 Billionen Euro Kosten für Schmerzpatienten in Deutschland fallen 70 Prozent auf indirekte Kosten durch Arbeitsunfähigkeit und Krankenstände. Hier gebe es enormes Einsparungspotenzial, wenn Patienten effizient behandelt werden, bevor ihre Schmerzen chronisch werden.

Kongresspräsident Univ.-Prof. Hans G. Kress von der MedUni Wien ist es ein Anliegen, das Bewusstsein für Schmerzpatienten zu stärken: "In unserer Gesellschaft – sogar von Ärzten – wird ganz selbstverständlich angenommen, dass Schmerzen ab einem gewissen Alter dazugehören. Das ist nicht richtig, wir können diesen Menschen durch verschiedene Methoden helfen."

Er setzt dabei auf eine multimodale Therapie: "Es müssen nicht immer Tabletten sein. Es gehören auch psychologische Betreuung, das soziale Umfeld und das Arbeitsleben dazu." Man müsse auch nicht immer gleich operieren. Jeder fünfte Österreicher leidet unter Schmerzen – ab dem Alter von 65 Jahren sogar jeder zweite. An vorderster Stelle stehen Rückenschmerzen. Insgesamt gebe es mehr Schmerzpatienten als Diabetiker, Krebs-Patienten und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen. "Die Zahl der Schmerzpatienten verschwindet in der Masse der einzelnen Fachbereiche."

Keine Lobby

Kress wünscht sich, dass chronische Schmerzen als eigenständige Krankheit anerkannt werden: "Wer 24 Stunden am Tag leidet, macht nicht lautstark auf sich aufmerksam. Schmerzpatienten haben keine gute Lobby." Viele bleiben stumm, ziehen sich zurück, verlieren oft ihren Job und den Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld. In Italien wurde etwa 2010 ein Gesetz eingeführt, das festlegt, dass alle Italiener ein Recht auf eine Palliativversorgung und Schmerzbehandlung haben.

Obwohl eine frühe Therapie verhindern kann, dass Schmerzen chronisch werden, dauert es in Österreich etwa zwei bis drei Jahre, bis ein Patient in einem speziellen Schmerzzentrum landet. "In Österreich fehlt das Bewusstsein, dass die Investition in einem frühen Stadium auf lange Sicht hohe Kosten spart."Allerdings betont Kress: "Schmerzfreiheit ist ein nicht einzulösendes Versprechen. Bei chronischen Schmerzen erreichen wir eine Schmerzlinderung, die ein lebenswertes Leben ermöglicht."

Weiterführende Links

    www.change-pain.at

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4498757-ganzheitlicher-ansatz-gegen-schmerz.php